Bearman-Debüt bei Ferrari
„Die erste Runde war ein Schock“

GP Saudi-Arabien 2024

Oliver Bearman hat in Saudi-Arabien sein erstes Formel-1-Qualifying im Ferrari absolviert. Während es vom Teamchef und den Kollegen jede Menge Lob für die Vorstellung gab, zeigte sich der Pilot anschließend selbstkritisch.

Oliver Bearman - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2024
Foto: xpb

Als sich Carlos Sainz am Donnerstag über Magenschmerzen beklagte, glaubte noch niemand daran, dass für den Spanier gleich das komplette Rennwochenende in Gefahr sein könnte. Doch am Freitag ging es plötzlich ganz schnell. Nach der Diagnose Blinddarmentzündung wurde der 29-Jährige direkt ins Krankenhaus gebracht. Während seine Kollegen das dritte Training absolvierten, wurde Sainz ein paar Kilometer weiter erfolgreich operiert.

Als Ersatzpilot hatte Ferrari Oliver Bearman für das Jeddah-Wochenende nominiert. Der 18-jährige Engländer geht normalerweise in der Formel 2 an den Start. In der Nachwuchsserie hatte er schon am Donnerstag das Qualifying absolviert und sich dabei die Pole-Position für das Hauptrennen am Samstag gesichert. Am Freitag stand für den Prema-Piloten eigentlich der Sprint in der Nachwuchsklasse auf dem Programm. Bearman hatte sich bereits Gedanken gemacht, wie er bei dem Reverse-Grid-Rennen eine erfolgreiche Aufholjagd von Rang zehn starten kann.

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Oliver Bearman - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2024
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Über der Ferrari-Garage musste kurzfristig ein neues Plakat aufgehängt werden.

Unterschied zwischen F1 und F2

"Als ich in der Früh aufgewacht bin, habe ich mich noch voll auf das Sprintrennen in der Formel 2 eingestellt", berichtet der Teenager. "Doch dann stand plötzlich das Qualifying in der Formel 1 auf dem Programm." Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Vor der Zeitenjagd unter Flutlicht stand zunächst noch das 60-minütige Abschlusstraining zum Eingrooven an.

Die Ingenieure versuchten den Neuling so viele Runden wie möglich abspulen zu lassen: "Ich war ja am Vortag schon im Formel-2-Auto auf der Strecke. Aber der Grip entwickelt sich hier in Jeddah unglaublich schnell. Die Bedingungen waren ganz anders. Und natürlich sind auch die Autos eine ganz andere Hausnummer. Nach der ersten Runde war ich geschockt, wie viel Grip ich habe. In der Formel 2 ist das Limit das Auto. In der Formel 1 ist das Limit der Fahrer."

Weil Guanyu Zhou seinen Sauber in die Bande schmiss und die Session unterbrochen wurde, gingen dem Rookie 15 Trainingsminuten verloren. Im ersten Qualifying-Abschnitt versuchten die Ingenieure dem Nachwuchsmann deshalb noch etwas zusätzliche Zeit auf der Strecke zu schenken. "Wir sind im Q1 so viele Runden wie möglich gefahren. Zum Glück sind die Soft-Reifen für mehrere schnelle Runden gut. Das hat auch super funktioniert. Ich bin ohne Probleme durchgekommen."

Oliver Bearman - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2024
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Bearman verpasste den Einzug in das Quali-Finale nur knapp.

Bearman enttäuscht nach Q2-Aus

Im Q2 war der Spaß dann aber leider vorzeitig beendet. 36 Tausendstel fehlten im letzten Schuss auf Landsmann Lewis Hamilton. "Da ging es leider etwas chaotisch zu. Auch von meiner Seite waren ein paar Fehler dabei. Der Racer in mir ist enttäuscht, weil ich weiß, dass das Auto eigentlich schnell genug für das Q3 war. In ein paar Tagen sehe ich das vielleicht anders und bin stolz auf die Leistung."

Während sich Bearman ärgerte, gab es von der Konkurrenz viel Lob: "Ich habe mir seine ersten Runden im dritten Training angeschaut. An diesen ersten Runden merkt man direkt, ob jemand wirklich Talent hat", verriet Max Verstappen. "Das hat alles sehr gut ausgesehen. Im Q2 haben ihm dann nur sechs Zehntel zur Bestmarke gefehlt. Das war sehr beeindruckend. Mehr kann man nicht verlangen. Ich hoffe, dass er selbst mit seiner Leistung happy ist."

Sergio Perez hatte etwas Mitleid mit seinem jungen Konkurrenten: "Jeddah ist wirklich die letzte Strecke, auf der du dein Formel-1-Debüt geben willst." Und Teamkollege Charles Leclerc fügte an: "Er wurde von Beginn an voll ins Programm eingebunden, hat sofort eine gute Pace gezeigt und sich im Auto wohlgefühlt. Das war ein spezieller Tag für ihn. Ich hoffe, dass wir morgen ein gutes Rennen haben und beide für Ferrari Punkte sammeln."

Oliver Bearman - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2024
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Mit 18 Jahren hat noch kein anderer Pilot sein Debüt im Ferrari gegeben.

Lob von Teamchef Vasseur

Auch von Ferrari-Boss Frédéric Vasseur gab es ein Sonderlob: "Das war heute eine sehr große Herausforderung für ihn. Er hatte gar keine Zeit, nachzudenken. Wir haben versucht, ihm keinen Druck zu machen und haben keine konkreten Ziele gesetzt. Im Q2 lag er auf einer guten Runde, als die rote Flagge rauskam. Der elfte Startplatz ist am Ende aber trotzdem ein sehr gutes Ergebnis. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Leistung."

Mit dem Rennen am Samstag wartet direkt die nächste Herausforderung auf Bearman. Er wird als der jüngste Ferrari-Fahrer in die Formel-1-Geschichtsbücher eingehen. So richtig weiß der Debütant noch nicht, was ihn erwartet: "Mehr als acht oder neun Runden mit viel Sprit habe ich bisher noch nicht am Stück abgespult. Mal schauen, wie es läuft. Ich hoffe natürlich, dass ich noch ein paar Plätze gutmachen kann."