Verkehr im Qualifying: Rückkehr zum Einzelzeitfahren

Problem mit Verkehr im Qualifying
Einzelzeitfahren als Lösung?

GP Australien 2023

In Kanada kam es in der Qualifikation gleich zu mehreren Blockaden. Drei Fahrer kassierten eine Strafe. Gerade auf kurzen Rennstrecken ist der Verkehr im ersten Quali-Teil immer wieder ein Ärgernis. Die beiden Spanier im Feld bringen nun einen neuen Vorschlag ins Spiel.

Einzelzeitfahren als Lösung?
Foto: xpb

Es sind Bilder, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholen. Gerade auf kurzen Rennstrecken wie Monte Carlo, Kanada oder Spielberg. Auf der Suche nach freien Runden stehen sich die Fahrer in der Qualifikation oft gegenseitig im Weg. Speziell im ersten Teil des Zeitfahrens, wenn noch alle 20 Fahrer mitmischen.

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Sie versuchen stets Platz zum Vordermann zu schaffen, um nicht in den Turbulenzen des Autos vor ihnen zu fahren. Der Ziehharmonika-Effekt führt dann immer wieder zu unbeabsichtigten Blockaden von Piloten, die sich bereits auf einer schnellen Runde befinden und von hinten angeflogen kommen. Am letzten Rennwochenende in Kanada passierte es im Q1 gleich mehrmals. Die Sportkommissare untersuchten verschiedene Zwischenfälle.

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Am Ende sprachen sie Strafen gegen drei Piloten aus. Yuki Tsunoda hielt Nico Hülkenberg auf. Lance Stroll blockierte Esteban Ocon. Carlos Sainz ruinierte Pierre Gasly den letzten Versuch, was den Alpine-Fahrer den Aufstieg ins Q2 kostete. Und ihn am Funk wie einen Rohrspatz schimpfen ließ, weil WM-Punkte schon am Samstag außer Reichweite gerieten. Die drei Sünder wurden jeweils um drei Positionen zurückgestuft.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 27.5.2023
Wilhelm
Vor allem auf kurzen Strecken und engen Stadtkursen stehen sich die Piloten regelmäßig gegenseitig im Weg.

Zweimal Quali, zweimal Verkehr

In Österreich drohen die nächsten Flüche am Funk. Und das gleich zweimal. Die nur 4,318 Kilometer lange Rennstrecke in der Steiermark ist prädestiniert für Verkehr und Staus. Wir haben das in den vergangenen beiden Jahren schon erlebt, als Fahrer in den letzten beiden Kurven bummelten, um Abstand nach vorne zu schaffen. Regen, der für die beiden Qualifikationen nicht unwahrscheinlich ist, könnte die Situation noch verschlimmern. Weil keiner in der Gischt des vorausfahrenden Autos fahren möchte. Da sucht man noch größere Freiräume.

Vor diesem Hintergrund wurden die Fahrer im Vorfeld des GP Österreich zu ihrer Meinung nach dem aktuellen Qualifikations-Format und zur Verkehrs-Thematik in der Formel 1 befragt. Die erste Antwort gab Routinier Fernando Alonso. Der Spanier erinnert sich zurück an alte Zeiten und wünscht sich eine Qualifikation nach dem Muster von 2003 bis 2005. Damals trug die Formel 1 die Quali als eine Art Einzelzeitfahren aus. "Das wäre aus meiner Sicht die beste Lösung. Jeder Fahrer und jedes Auto wären für eine Runde voll im Bild. Das würden auch die Sponsoren begrüßen."

Landsmann Carlos Sainz kann diesem Vorschlag ebenfalls etwas abgewinnen. "Ich bin ein Fan davon. Es wäre gut für das Marketing und für die Sponsoren. Mit den heutigen Möglichkeiten ließe sich sicher auch ein ‚Ghost Car‘ einblenden. Dann würden die Zuschauer sofort wissen, ob ein Fahrer die bestehende Bestzeit unterbieten kann." Das Geisterauto würde sozusagen wie bei einem Computerspiel als eine Art Schatten ins TV-Bild eingefügt. So wüssten die Fans auf jedem Meter, ob die Bestmarke gefährdet ist oder nicht.

Ferrnando Alonso - GP Österreich 2023
xpb
Nach Ansicht von Fernando Alonso würde ein Einzelzeitfahren mehr Abwechslung bringen.

Q1, Q2, Q3 berechenbarer

Eine Rückkehr zu einem Einzelzeitfahren wurde in Formel-1-Kreisen bereits diskutiert. Der Vorschlag lag im Zuge der Veränderungen für das Sprintformat auf dem Tisch. Seit dieser Saison trägt die Königsklasse bekanntlich zwei Qualifikationen an den Sprintwochenenden aus. Die erste am Freitagabend bestimmt die Startaufstellung für den Rennsonntag. Das verkürzte "Shootout" am Samstag sorgt für die Rangfolge für den Sprint. Dabei wurde der Vorschlag vorgelegt, das Sprint-Shootout als Einzel-Qualifying auszutragen. Doch die Teams lehnten ab. Weil die aktuelle Version mit drei Teilen berechenbarer ist. Insofern, dass jeder dieselben Streckenbedingungen vorfindet.

Das wäre bei einem Einzelzeitfahren nicht der Fall. Der erste Pilot auf der Strecke würde den Kehrwisch spielen. Der letzte hätte im Normalfall die besten Verhältnisse. "Weil sich die Strecke für gewöhnlich vom ersten bis zum letzten Auto stark entwickelt, halte ich das nicht für die beste Idee", wirft Weltmeister Max Verstappen ein. Im Sinne der Fairness. Alonso hält dagegen: "Mit einem Einzelzeitfahren könnten wie früher auch mal andere Fahrer und Autos vorne stehen."

Andersherum wäre es bei einsetzendem Regen. Dann wäre der erste Starter im Vorteil. So oder so: Ein Wetterumschwung oder eine auftrocknende Strecke würde den Teams auch beim zweiten Vorschlag Bauchschmerzen bereiten. "Wir könnten das Feld wie in den Nachwuchsklassen in Monaco in zwei Gruppen aufteilen", schildert Alonso. Sainz ergänzt: "Das wäre zumindest für das Q1 eine denkbare Lösung. Danach lichtet sich das Feld ohnehin und der Verkehr wird besser."

Start - Formel 1 - GP Kanada 2023
Red Bull
Die Teams sprachen sich bisher stets gegen Änderungen am Qualifying aus.

GPS-Daten aufs Lenkrad?

Derzeit gibt es keine Gespräche im Hintergrund, die Regeln für die Qualifikation zu ändern. Nico Hülkenberg plädiert ohnehin, alles beim Alten zu lassen. "Ja, auf manchen Strecken ist der Verkehr ein größeres Problem. Aber manche Fahrer und manche Teams machen diesbezüglich einfach einen besseren Job, durch die Hindernisse zu navigieren. Mir gefällt das aktuelle Format."

Mercedes-Pilot George Russell stimmt dem zu. Fahrer und Teams müssten aufmerksam sein. "Es gab mal die Idee, die GPS-Deltas auf das Dashboard im Cockpit einzuspielen. Damit würde man die Verantwortung mehr den Fahrern in die Hand legen. Sie müssten schauen, ob sich von hinten ein anderer Pilot mit Überschuss nähert." Es gäbe noch eine andere Möglichkeit: einfach konsequent von der Ideallinie zu fahren, wenn man selbst auf einer Vorbereitungs- oder in einer Auslaufrunde ist.