Streckenlimits bremsen Verstappen
Bodenwellen überraschen Simulation

GP USA 2023

Mit seiner schnellsten Runde wäre Max Verstappen auf der Pole Position gestanden. Doch die wurde ihm gestrichen, weil er in Kurve 19 die Streckenlimits überschritt. Der Vorsprung wäre hauchdünn gewesen. Die Bodenwellen waren nicht in der Rechnung.

Max Verstappen - Red Bull -  GP USA 2023 - Austin
Foto: Motorsport Images

Wenn Max Verstappen mal nicht auf der Pole Position steht, verlangt das nach einer Erklärung. Noch mehr, wenn es am Ende nur der sechste Startplatz ist. Die Pole Position für den GP USA gehörte dem Weltmeister ungefähr 30 Sekunden lang. Dann meldete die Informationsseite der FIA, dass Verstappens schnellste Runde von 1:34.718 Minuten gestrichen wird.

Der Holländer hatte in der vorletzten Kurve ziemlich deutlich die Streckenlimits überschritten. Er war einer von acht Fahrern, die im Verlauf der Qualifikation mit den weißen Linien am Streckenrand auf Kriegsfuß standen. Verstappen wollte es erst nicht glauben, als er die schlechte Nachricht hörte. Seiner Meinung musste es eine Millimeter-Entscheidung gewesen sein. "Als wir ihm die Kameraeinstellung von vorne gezeigt haben, hat er gesehen, dass er doch klar darüber lag", bedauerte Red-Bull-Sportchef Helmut Marko.

Unsere Highlights
Max Verstappen - Red Bull - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2023
xpb

Doch keine Paradestrecke: Red Bull tut sich schwer in Austin.

Fünf Tausendstel vor Leclerc

Der Grazer hatte schon nach dem ersten Training gewarnt, dass Red Bull da eine knappe Kiste bevorstand. Markos Blick richtete sich mehr auf Lewis Hamilton als auf Charles Leclerc, der am Ende die Pole Position erbte. Tatsächlich wäre Verstappen nur mit hauchdünnem Vorsprung vorne gestanden. Seine schnellste Runde lag lediglich fünf Tausendstel unter Leclercs Bestzeit.

Die zweitbeste Runde des Weltmeisters reichte nur noch für Platz 6. Auch die verlief nicht ohne Probleme. Das Team hatte Sergio Perez so unglücklich auf die Strecke geschickt, dass Verstappen in den letzten beiden Kurven bis auf drei Sekunden auf den Teamkollegen auflief. Das kostete Abtrieb. In der Zielkurve blieben eineinhalb Zehntel liegen.

Mehr Bodenwellen als im Vorjahr

Red Bull wirkte in Austin nicht so souverän wie es Freund und Feind erwartet hatten. Vom Layout her ist der Circuit of the Americas die ideale Spielwiese für das beste Auto im Feld. Doch dann passierte etwas, das an Singapur erinnert. Die Simulation wurde mit den falschen Daten gefüttert.

In Singapur wurden die Red-Bull-Ingenieure davon überrascht, dass der Kurs nach einer teilweisen Neuasphaltierung deutlich ebener war als man es in der virtuellen Welt angenommen hätte. "In Austin haben wir das Basis-Setup unter der Annahme von viel weniger Bodenwellen erstellt. Wir sind von dem Zustand des letzten Jahres ausgegangen", verrät Marko.

Doch in einem Jahr waren viele neue Unebenheiten dazugekommen. Der Untergrund, auf dem die Strecke liegt, befindet sich in konstanter Bewegung. "Wir sind nicht so weit weg wie in Singapur, aber auch nicht so gut, wie wir sein sollten", vergleicht Marko.

Als Folge davon musste die Bodenfreiheit neu justiert worden und stieg in einen Bereich, in dem sich der Red Bull nicht mehr hundertprozentig wohlfühlt. Da schrumpft dann der übliche Vorsprung auf eine paar Tausendstel zusammen. Mit dem Zauberer Verstappen am Steuer. Sergio Perez verlor vier Zehntel auf den Stallrivalen und qualifizierte sich als Neunter.

Charles Leclerc - Ferrari - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2023
Motorsport Images

Die Konkurrenz wird schneller. Red Bulls Vorsprung an der Spitze schrumpft.

Red-Bull-Konkurrenz holt auf

Die Setup-Anpassungen nach dem ersten Training bremsten den Red Bull hauptsächlich in der Passage, in der er am stärksten ist. Statt die Konkurrenz wie in Suzuka in dem Hochgeschwindigkeits-Geschlängel des ersten Sektors zu zerstören, lag Verstappen nur 0,006 Sekunden vor Leclerc und 0,084 Sekunden vor Hamilton. "Ich kam in keinen Flow", berichtete der Fahrer. Und so fehlte das Zeitpolster für den Rest der Runde.

Marko sieht neben dem nicht ganz perfekten Setup auch andere Gründe dafür, dass sich der Dominator der Saison am Sonntag mächtig strecken muss, wenn er das Rennen gewinnen will. "Die anderen haben aufgeholt." Mercedes fand mit einem neuen Unterboden zwei Zehntel. Ferrari hatte schon in Suzuka ein Unterboden-Upgrade aus dem Hut gezaubert, das einen ähnlichen Zeitgewinn brachte. Und die McLaren werden immer mehr auf allen Streckentypen zum Gegner.

Bei den Longruns im ersten Training deutete sich jedoch an, dass der Sieg im Hauptrennen nur über Verstappen führen wird. Der Red-Bull-Star drehte Verstappen die konstantesten Runden. Allerdings waren die Dauerläufe schwer zu vergleichen. Mercedes war mit weniger Sprit unterwegs, Ferrari mit weicheren Reifen. Das größte Problem für den Weltmeister wird wohl die erste Kurve. Als Sechster steckt er mitten im Minenfeld, wo man sich leicht einen Treffer einfangen kann. "Und von denen, die da um ihn herum losfahren, ist nur der Norris sein Freund", warnt Marko.