Red-Bull-Kooperation im Visier
„Auch zwei RB-Teams in der Champions League“

Mit der Formsteigerung von Toro Rosso geriet in Bahrain auch die Kooperation mit dem Schwesterteam von Red Bull wieder in die Kritik. Laurent Mekies und Christian Horner wehrten sich vehement gegen die Vorwürfe.

Yuki Tsunoda - Bahrain-Test 2024
Foto: xpb

Es ist ein leidiges Thema, das im Formel-1-Fahrerlager schon seit einigen Monaten schwelt. Lange Zeit wurde es stillschweigend akzeptiert, dass Red Bull zwei Rennställe in der Königsklasse an den Start bringt. Solange das B-Team im Hinterfeld kämpfte, hielt sich der Ärger in Grenzen. Doch damit ist es nun vorbei.

Konzern-Sportchef Oliver Mintzlaff forderte bessere sportliche Ergebnisse und geringere Kosten. Dazu sollten die Synergien mit der großen Schwester in Milton Keynes verstärkt werden. Am Campus von Red Bull wurde ein Entwicklungszentrum errichtet, in dem Ingenieure von Toro Rosso arbeiten. Dazu teilen sich die beiden Teams jetzt den gleichen Windkanal.

Unsere Highlights
Zak Brown - Bahrain-Test 2024
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McLaren-Boss Zak Brown ist die Zusammenarbeit zweier Teams ein Dorn im Auge.

McLaren will neue Regeln

Wie das aussehen kann, wenn die Kooperation auf vollen Touren läuft, deutete sich schon Ende der letzten Saison an. Toro Rosso bekam in Singapur die neueste Version der Red-Bull-Hinterradaufhängung und machte prompt einen Sprung nach vorne. Hinter vorgehaltener Hand beklagten sich einige Konkurrenten auch darüber, dass Ingenieure ohne die üblichen Sperrfristen zwischen beiden Partnerteams hin- und herwechseln.

Das gemeinsame Abstimmungsverhalten, wenn es in der F1-Kommission um die Weichenstellung für die Zukunft der Königsklasse geht, stößt den Gegnern ebenfalls sauer auf. Und dann deutete der erste Testtag in Bahrain auch noch an, dass der VCARB 01 im Vergleich zum Alpha-Tauri-Vorjahresmodell einen großen Schritt nach vorne darstellt. Das brachte die Kritiker wieder auf den Plan.

McLaren-Boss Zak Brown hatte seinem Ärger über das Red-Bull-Modell in der Vergangenheit schon häufiger Luft gemacht. In Bahrain legte der US-Amerikaner noch einmal nach. "In keiner anderen großen Sportliga ist es erlaubt, dass zwei Teams unter dem gleichen Besitzer gegeneinander antreten. Die Formel 1 sollte sicherstellen, dass wir zehn sportlich und politisch unabhängige Teams haben. Red Bull hält sich an die Regeln. Ich habe deshalb ein Problem mit den Regeln und denke, dass die FIA hier handeln sollte."

Laurent Mekies - Bahrain-Test 2024
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Nach Ansicht von Laurent Mekies hilft das Kooperationsmodell dabei, die Formel 1 spannender zu machen.

Kooperation zum Wohle des Sports?

Laurent Mekies, der frischgebackene Teamchef von Toro Rosso, will die Kritik nicht gelten lassen: "Das Ziel des Sports ist es doch, ein engeres Feld zu schaffen. Mit der Übernahme von Teilen soll verhindert werden, dass der Abstand zwischen der Spitze und dem Ende des Feldes zu groß wird. Trotzdem war der Abstand der letzten vier Teams zum Rest letztes Jahr noch ziemlich beträchtlich."

Auch die Kosten spielen laut Mekies eine Rolle. "Die Regeln wurden so geschrieben, dass wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen können. Es stimmt, dass wir jetzt wirtschaftlich ein paar gute Jahre hatten. Aber es immer noch so, dass viele Eigner Geld investieren müssen."

Unterstützung bekam Toro Rosso auch von Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der Brite setzte in Bahrain zu einem großen Gegenschlag gegen die Kritiker an: "Zuerst einmal muss ich anfügen, dass auch in der Champions League schon zwei Teams von Red Bull angetreten sind. Und dabei handelt es sich um einen der größten sportlichen Wettbewerbe der Welt."

Christian Horner - Bahrain-Test 2024
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Teamchef Christian Horner betont die historischen Verdienste von Red Bull.

Red Bull verdient Applaus

Dann holte Horner zu einem längeren Monolog aus: "Man muss auch mal in der Geschichte zurückblicken, wie das Ganze losgegangen ist. Max Mosley hatte Dietrich Mateschitz im Jahr 2005 angesprochen, weil das Minardi-Team von der Pleite bedroht war. Mateschitz hat das Team dann übernommen und viel Geld in die Fabrik in Faenza investiert. Dann kam die Finanzkrise im Jahr 2008, die einige Hersteller genutzt haben, um die Formel 1 zu verlassen. Red Bull hat in dieser schwierigen Zeit weiter beide Teams unterstützt."

"Dann haben sich die Regeln geändert. Das Team in Faenza wurde zu einem Rennstall, der seine Autos in Eigenregie bauen musste. Damals musste weiter in die Infrastruktur investiert werden. Dann kam auch noch Corona. Und wieder hat Red Bull geholfen, dass die Formel 1 ihren Rennbetrieb wieder aufnehmen konnte. Das Engagement von Red Bull in der Formel 1 ist herausragend und sollte eher Applaus und Dank verdienen."

Horner dementierte, dass die beiden Teams zu eng kooperieren. "Die eine Fabrik steht in Italien, die andere in England. Aus dem Team in Faenza landen deutlich mehr Mitarbeiter in Maranello als in Milton Keynes. Beide Teams haben ihren eigenen Charakter und beide halten sich an die Regeln. Die Beziehung ist längst nicht so eng verknüpft wie bei anderen Teams, die enge Kooperationen mit ihrem Motorenlieferanten aufgebaut haben."

Alpha Tauri vs. Red Bull - F1 2023
Wilhelm

Das B-Team will mit der Hilfe von Red Bull nach vorne kommen.

Toro Rosso als Red-Bull-Gegner

Horner würde sich freuen, sollte Toro Rosso in den kommenden Jahren auch sportlich vorankommen: "Wenn ich Laurent wäre, würde ich die aufkommende Kritik als Kompliment sehen. Das Team hat viel Potenzial. Sie haben gute Leute geholt und zwei starke Fahrer im Cockpit. Wir erwarten, dass sie ein echter Gegner werden – nicht nur für das restliche Feld, sondern auch für Red Bull Racing."

Die Kritik sei deshalb völlig unberechtigt: "Sie sind echte Racer. Es gibt keine Vereinbarungen zwischen den beiden Teams. Ich verstehe nicht, warum es da jetzt so viel Wind gibt. Man sollte Red Bull eher für das Engagement loben, dass die Firma sowohl in den guten, aber besonders auch in den schlechten Zeiten gezeigt hat."

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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