Sainz-Strafe Melbourne: Ferrari-Protest erfolglos

Keine neuen Beweise im Sainz-Fall
Ferrari-Protest abgeschmettert

GP Australien 2023

Ferrari hat versucht, die Melbourne-Strafe gegen Carlos Sainz neu zu verhandeln. Doch das Verfahren wurde schon im Ansatz abgeschmettert. Der Rennstall konnte keine neuen relevanten Beweise vorlegen.

Carlos Sainz vs. Fernando Alonso - GP Australien 2023
Foto: Wilhelm

Für Ferrari läuft die Formel-1-Saison 2023 bisher enttäuschend. Nach drei Rennen befinden sich gerade einmal 26 Punkte auf dem Teamkonto – 78 Zähler weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. In Australien ging man zuletzt sogar komplett leer aus. Ein Crash von Charles Leclerc und eine Fünfsekunden-Strafe gegen Carlos Sainz sorgten für die Nullnummer.

Zumindest im Fall von Sainz erhofften sich die Verantwortlichen, am Grünen Tisch doch noch ein paar Punkte zu retten. Sowohl Teamleitung als auch Fahrer sahen die Strafe für die Kollision mit Fernando Alonso als überhart an. Besonders ärgerlich empfanden die Beteiligten, dass das Urteil in kürzester Zeit gefällt wurde und Sainz keine Gelegenheit bekam, seine Sicht der Dinge zu schildern.

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Teamchef Frederic Vasseur bezeichnete es zudem als unfair, dass Sainz eine Strafe kassierte, während andere Piloten in vergleichbaren Fällen verschont blieben. So hatte der Crash der beiden Alpine in der turbulenten Schlussphase keine Konsequenzen. Auch Williams-Pilot Logan Sargeant ging straffrei aus, obwohl er dem Alpha Tauri von Nyck de Vries ins Heck gerutscht war.

In der Hoffnung auf ein milderes Urteil stellte Ferrari rechtzeitig vor Ablauf der Frist den Antrag auf Neuverhandlung. Bevor das Berufungsverfahren gestartet wurde, musste die Ferrari-Delegation am Dienstag (18.4.) aber erst einmal erklären, warum der Fall noch einmal aufgerollt werden soll. Die Regeln verlangen, dass es nur eine Revision geben kann, wenn neue Beweise vorliegen.

Sergio Perez - GP Kanada - Crashs 2014
xpb
Sergio Perez wurde nach dem Kanada-Crash 2014 nicht befragt und trotzdem bestraft. Ferrari sah das als Präzendenz-Fall an.

Präzedenz-Fall nicht vergleichbar

Neben dem Hinweis auf die anderen Kollisionen legte die Ferrari-Delegation, bestehend aus Laurent Mekies, Fred Vasseur und Carlos Sainz in dem virtuellen Meeting auch Telemetrie-Daten vor, um die Unschuld des Fahrers zu beweisen. Doch das reichte den FIA-Kommissaren nicht aus. "Es gebe keine signifikanten und relevanten neuen Elemente, die zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht vorgelegen haben", lautete das Urteil. Der Antrag wurde damit abgeschmettert.

Ferrari verwies in der Anhörung erfolglos auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 2014. Hier wurde eine nachträgliche Strafe gegen Force-India-Pilot Sergio Perez beim GP Kanada noch einmal aufgerollt. Damals akzeptierte die FIA das Argument, dass der Pilot nach einem Crash mit Felipe Massa nicht von den FIA-Kommissaren befragt werden konnte, weil er zu medizinischen Untersuchungen ins Krankenhaus musste.

Ferrari sah die beiden Fälle als vergleichbar an. Doch diese Meinung teilten die Stewards nicht. Im Gegensatz zum Force-India-Urteil wurde die Sainz-Strafe in Melbourne noch während des Rennens ausgesprochen und nicht erst danach. Die Schiedsrichter gaben an, dass sie bei klaren Fällen angehalten sind, schnelle Entscheidungen zu treffen – auch wenn das bedeutet, dass sich die Beteiligten nicht verteidigen können.

Carlos Sainz - Ferrari - GP Australien 2023 - Melbourne
Wilhelm
Carlos Sainz fiel durch die Fünf-Sekunden-Strafe in Melbourne aus den Punkten.

Telemetrie-Daten nicht relevant

Auch die Telemetrie-Daten wurden nicht als relevantes neues Element eingestuft. Den Kommissaren stand nach eigener Aussage schon während des Rennens eine beträchtliche Menge an Daten zur Verfügung, die bei der Urteilsfindung einbezogen wurden. Die Stewards teilten zudem mit, dass die Ferrari-Telemetrie den Piloten gar nicht entlastete, sondern das ursprüngliche Urteil sogar noch stütze.

Die Ausrede, dass kalte Reifen nach einer langsamen Einführungsrunde dazu führten, dass Sainz den Bremspunkt verpasste, ließen die Schiedsrichter nicht gelten. Das Gleiche galt auch für die tief stehende Sonne, die angeblich zu schlechteren Sichtverhältnissen geführt habe. Ferrari sammelte noch weitere Statements anderer Fahrer aus den TV-Interviews, mit denen untermauert werden sollte, wie schwierig die Bedingungen waren.

Doch laut FIA-Urteil hätte jeder Fahrer diese äußeren Umstände einberechnen und sich entsprechend anpassen müssen. Sainz habe genug Platz gehabt, um die Kollision zu vermeiden. Da half es auch nichts, dass der Zwischenfall in der ersten Runde nach einem Restart passierte, was sich normalerweise strafmildernd auswirkt. Der Spanier trage die Alleinschuld. Deshalb bleibt es bei der Fünf-Sekunden-Strafe.

In einem offiziellen Statement reagierte Ferrari enttäuscht über den Ausgang des Verfahrens: "Wir erkennen die Entscheidung an, uns das Recht zur Revision gegen die Strafe für Carlos Sainz beim GP Australien zu verweigern. Natürlich sind wir enttäuscht. Unserer Meinung nach haben wir genügend relevante Elemente vorgebracht, um die ursprüngliche Entscheidung neu zu untersuchen – besonders im Kontext der besonderen Bedingungen, die beim letzten Restart zu mehreren Zwischenfällen führten."

"Trotzdem respektieren wir den Prozess, der zur FIA-Entscheidung geführt hat. Wir freuen uns schon darauf, mit der FIA, der Formel 1 und allen Teams neue Diskussionen anzustoßen, um die Überwachung unseres Sports weiter zu verbessern und damit das höchste Level an Fairness und Konstanz sicherzustellen, die unser Sport verdient."