So lief Vettels Porsche-Test
„Es macht auf jeden Fall Spaß!“

Sebastian Vettel sprach nach seiner Porsche-Ausfahrt über den 963 in Aragón. Der ehemalige F1-Weltmeister braucht noch Zeit für die Umstellung auf den LMDh-Rennwagen. Lust auf mehr scheint der Test beim Deutschen allerdings geweckt zu haben.

Es könnte die motorsportliche Traumehe aus deutscher Sicht bedeuten: Sebastian Vettel und Porsche kämpfen gemeinsam bei den 24 Stunden von Le Mans um den Gesamtsieg. Erste Schritte zu einem Renn-Comeback des Deutschen haben beide bereits bewältigt. Am Freitag (22.3.) ploppte die Meldung auf, dass der ehemalige Formel-1-Pilot für die Stuttgarter auf deren hauseigener Strecke in Weissach den Porsche 963 testete.

Dabei bleibt es aber nicht. Vettel saß auch beim 36-stündigen Test vom 25. bis 27. März im spanischen Aragón im Prototyp, der in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) zum Einsatz kommt. Nach dem Dienstag (26.3.) stand der Deutsche für ein kurzes Fazit zur Verfügung und sprach über seine ersten Eindrücke.

Unsere Highlights
Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test Aragón - WEC - 24h Le Mans
Porsche

Sebastian Vettel fuhr in Aragón 118 Runden im Porsche 963.

Vettel hat Spaß im Porsche

"Es ist das erste Mal, dass ich den 963 von Porsche richtig testen darf, nachdem ich mich in den Wochen zuvor schon ein bisschen vorbereiten konnte", sagte Vettel. Die Porsche-Mechaniker kümmerten sich bei den Vorbereitungen gemeinsam mit Vettel zunächst um den passenden Sitz. Danach kletterte der Heppenheimer in den Simulator in Flacht, um "alles erstmal ein bisschen kennenzulernen".

"In Weissach hatte ich ein kleines Roll-out. Da hatte ich schon ein gutes Gefühl", hielt der 53-malige Grand-Prix-Sieger fest. Vettel überzeugte bereits dort mit guten Rundenzeiten. In Aragón musste der 36-Jährige nun beweisen, dass er sich auch auf die lange Distanz in Szene setzen kann.

Ein Stint bei Nacht war wegen eines anderen, länger feststehenden Termins am Mittwoch nicht möglich. Nach den ersten beiden richtigen Stints mit dem Porsche 963 zog Vettel ein Fazit: "Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht!"

Der akribische Arbeiter merkte aber auch an, dass noch Luft nach oben ist. "Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich im Rhythmus war und ich mich an alles gewöhnt hatte. Aber ziemlich schnell versucht man, schon ein bisschen mehr rauszuquetschen, um das Auto besser zu verstehen. Das wird noch etwas Zeit brauchen."

Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test Aragón - WEC - 24h Le Mans
Porsche

Der Heppenheimer hat seinen Spaß bei dem 36-Stunden-Test in Spanien.

Fahrgefühl verschieden zwischen F1 und WEC

Als langjähriger Formel-1-Fahrer kann Vettel die Unterschiede zwischen den Autos der Königsklasse und der WEC leicht aufzeigen. "Es ist natürlich ein bisschen her, seitdem ich im Rennauto gesessen bin. Das Fahrgefühl ist sehr anders. Man muss mit dem Gewicht anders umgehen, die Reifen sind anders und die ganze Disziplin ist anders. Sie ist darauf ausgelegt, länger draußen zu bleiben, mehr Zeit im Auto zu verbringen und auch das Auto zu teilen."

Das ist ein neuer Aspekt, den Vettel aus seiner Vergangenheit als Formel-1-Star nicht kennt. Der Ex-Red-Bull-Pilot lobte seine Porsche-Kollegen. "Die anderen Fahrer waren sehr hilfreich. Sie waren immer da und haben erklärt, woran man sich gewöhnen muss, was speziell ist. So haben sie es mir ein bisschen leichter gemacht. Aber trotzdem wird es ein bisschen dauern, bis ich mich voll daran gewöhnt habe."

Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test Aragón - WEC - 24h Le Mans
Porsche

Das Fahrgefühl ist im Vergleich zwischen einem ihm bekannten Formel-1-Auto und einem WEC-Prototyp sehr verschieden.

Idee reifte über den Winter

Dass Vettel wieder Lust auf Motorsport hat, deutete er bereits im vergangenen Herbst im Rahmen des GP Japan in Suzuka an. Die boomende WEC hatte es dem viermaligen Formel-1-Weltmeister speziell 2023 angetan. "Generell bin ich an Motorsport interessiert und habe die anderen Rennserien mit einem Auge immer verfolgt. Ich kenne viele Fahrer, die in der WEC und Le Mans aktiv sind und letztes Jahr hatte ich dann mehr Zeit, das Ganze zu beobachten und zu verfolgen. Irgendwann war die Neugier so groß, dass ich dachte, das selbst auszuprobieren."

Der Deutsche hatte sich vor allem in den Wintermonaten konkrete Gedanken gemacht, einen Langstrecken-Prototyp fahren zu wollen. Porsche ergriff die Möglichkeit und bot Vettel die Chance, den Werks-963 zu testen. Rundenzeiten in Aragón kommunizierten Porsche und Vettel bislang nicht.

Eine Einschätzung, wo der Deutsche im Vergleich zu seinen Markenkollegen steht, fällt demnach schwer. Trotzdem gab es positive Rückmeldung aus dem Team zum "schnellen Profi" Vettel. Dieser hat nun die Zukunft in seinen eigenen Händen. Über die nächsten Tage will er die Eindrücke verarbeiten. Angesichts des tickenden Le-Mans-Countdowns wird das Fenster für die Ausgabe 2024 jedoch eng.