Vettels Zukunft könnte bei Porsche liegen
Was spricht für einen Le-Mans-Start?

Sebastian Vettel könnte schon 2024 mit Porsche in Le Mans antreten. Beim ersten Test überzeugte der ehemalige Formel-1-Weltmeister. Die Hinweise über ein Renn-Comeback des Deutschen verdichten sich. Die geplante Bekanntgabe der Fahrerpaarung des dritten Autos für Le Mans hat Porsche verschoben.

15 Monate lang war Sebastian Vettel abstinent. Bis auf ein paar Demonstrationsrunden in einem Williams FW14B in Silverstone und einem Red Bull RB7 am Nürburgring hielt sich der vierfache Weltmeister von der Rennstrecke fern. Doch der Vollblutrennfahrer gab regelmäßig zu, dass er das Rennfahren vermisst.

Deshalb wurde sein Name auch immer wieder genannt, wenn in der Formel 1 eine attraktive Tür aufging – oder aufzugehen scheint. So wie bei Mercedes im nächsten Jahr. Durch den Transfer von Lewis Hamilton zu Ferrari wird bei Mercedes ein Cockpit frei. Und natürlich hatten Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Vettel bereits Kontakt.

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Der Heppenheimer schielt aber auch auf die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) mit Porsche. Am 21. März nahm Vettel am Roll-out-Test des dritten Le-Mans-Autos in Weissach teil, der 36-Jährige teilte sich das Cockpit dabei mit Porsche-Werksfahrer Laurens Vanthoor. Der Belgier fuhr zwei Stints à 20 Runden, danach übernahm Vettel das Porsche-Hypercar für mehrere Runs zwischen 10 und 15 Runden.

Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test - 2024
Porsche

Sebastian Vettel überzeugte im Porsche 963 auf der hauseigenen Teststrecke in Weissach.

Vettel auf Anhieb schnell

Laut Informationen unseres Schwestermagazins Motorsport aktuell war Vettel bereits nach 15 Runden auf dem Rundenzeiten-Niveau von Vanthoor. Erstes Fazit: Beim rohen Speed war Vettel sofort konkurrenzfähig, dazu überzeugte er mit gutem Feedback. Daraufhin wurde die zweite Stufe des Testplans gezündet: Vettel bestreitet vom 25. bis 27. März zusammen mit fünf weiteren Werkspiloten einen 36-Stunden-Test auf der spanischen Rennstrecke Motorland Aragón, der als Vorbereitung für Le Mans eingeplant war.

Bei dem Test soll evaluiert werden, wie der 53-fache GP-Sieger bei Dunkelheit mit dem 700 PS starken LMDh-Auto zurechtkommt. Vettel will bei dem Test herausfinden, ob die Autos der LMDh-Klasse das Feuer in ihm wieder entfachen. Die Hybrid-Renner sind mit 1.030 Kilogramm Leergewicht deutlich schwerer als ein Formel-1-Auto und verfügen über weniger Leistung. Mit der Hybrid-Technologie und dem Biofuel-Kraftstoff passen sie aber in das grüne Weltbild des Mannes im Cockpit.

Der erste Eindruck hinter dem Steuer des Porsche 963 hinterließ bei dem Vollblutrennfahrer aus Heppenheim bereits deutliche Spuren: "Ich freue mich darauf, den Porsche testen zu dürfen, und hatte in Weissach bereits die Möglichkeit, das Auto etwas kennenzulernen. Ich habe schon immer andere Rennserien verfolgt und die Neugier für die Langstrecke hat mich dazu animiert, es einfach mal auszuprobieren. Nun bin ich gespannt auf den Dauerlauf in Aragón und freue mich auf die Zeit hinterm Steuer. Es wird sicher eine Umstellung und etwas Eingewöhnung brauchen, aber das gesamte Team ist sehr offen und hilft mir dabei. Wie es danach weitergeht, wird man dann sehen – momentan gibt es noch keine weiteren Absichten für die Zukunft."

Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test - 2024
Porsche

Vettel testet mit Porsche aktuell in Aragón den 963.

Porsche verschiebt Fahrerbekanntgabe

Spätestens danach muss entschieden werden, ob Vettel ins Le-Mans-Aufgebot von Porsche rückt. Das Penske-Team tritt 2024 mit drei Autos in Le Mans an: den beiden WEC-Autos plus einem zusätzlichen 963, auf dem bisher nur Mathieu Jaminet genannt ist. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass sich Jaminet den Porsche mit Felipe Nasr und Nick Tandy teilt.

Das Trio hätte diese Woche Donnerstag (28.3.) bestätigt werden sollen – doch diese Ankündigung wurde verschoben. Das deutet darauf hin, dass es eine reelle Chance gibt, dass Vettel noch auf den Le-Mans-Zug aufspringen könnte. Der Heppenheimer hält den Ball noch flach: "Wie es weitergeht, wird man sehen – momentan gibt es noch keine weiteren Absichten für die Zukunft."

Theoretisch wäre es möglich, dass Vettel eines der beiden WM-Rennen in Imola oder Spa bestreitet, allerdings nicht auf den Werksautos, sondern bei den zwei Kundenteams Proton Competition oder Jota Hertz Racing. Vettel würde offenbar gerne ein Testrennen fahren, weil nur so eine optimale Vorbereitung auf einen Einsatz in Le Mans gegeben wäre. Rein fahrerisch besteht erwartungsgemäß kein Zweifel an Vettel, ein Testrennen würde es ihm jedoch ermöglichen, ein Gefühl für die anspruchsvolle Verkehrssituation im Langstreckensport zu entwickeln, wo sich die schnellen Hypercar-Topautos die Strecke mit den deutlich langsameren GT3-Autos teilen.

Sebastian Vettel - Porsche 963 - Test - 2024
Porsche

Der 36-Jährige hat Spaß bei dem 36-Stunden-Test in Spanien.

Weitere Porsche-Tests möglich

Wegen der großen Konkurrenz im Feld sind die Sportprototypen mittlerweile die zweitattraktivste Rennserie der Welt. In Aragón lernt Vettel übrigens auch gleich die Konkurrenz kennen. Nicht nur Porsche bereitet sich auf Le Mans vor. Auch Alpine mit Mick Schumacher hat sich auf der spanischen Strecke angemeldet.

Wenn alles gut läuft, könnte Vettel zeitnah einen dritten Test absolvieren: Porsche fährt am 5. und 6. April in Spa, außerdem besteht noch die Möglichkeit eines weiteren 36-Stunden-Tests, der am 10. und 11. April auf der französischen Strecke in Le Castellet stattfinden könnte, auch wenn Porsche sich noch nicht offiziell zu dem Test angemeldet hat. Die Entscheidung über einen Le-Mans-Start muss spätestens Mitte April fallen. Der Porsche-Vorstand soll begeistert sein von der Idee, dass Vettel mit Porsche schon 2024 in Le Mans fährt.

WEC - 1812 Kilometer von Katar 2024 - Porsche Penske Motorsport
Porsche

Das erste WEC-Rennen der Saison 2024 gewann Porsche in Katar.

Porsche gegen sieben Hersteller

Die Stuttgarter haben mit dem 963 den ersten Saisonlauf in Katar gewonnen. Die WEC genießt in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit, weil mit Porsche, Ferrari, Toyota, Peugeot, BMW, Cadillac, Alpine und Lamborghini acht Hersteller vertreten sind. Die 24 Stunden von Le Mans sind noch mehr als sonst eines der großen Motorsport-Highlights des Jahres. 2025 soll mit Aston Martin eine weitere große Autofirma hinzustoßen. Um einen McLaren-Einstieg halten sich hartnäckig Gerüchte.

Für Porsche ist Vettels Testeinsatz eine prestigeträchtige Erfahrung. Man weiß am Beispiel Alonso bei Toyota und Hülkenberg bei Porsche, welchen Werbewert der Einsatz eines Formel-1-Piloten auf fremdem Terrain haben kann.

Thomas Laudenbach, Leiter Porsche Motorsport, freut sich, dass der Ex-Champion an Porsches Aktivitäten auf der Langstrecke Interesse zeigt: "Es stand für uns außer Frage, dass wir seinen Wunsch nach einer Testgelegenheit gerne unterstützen und ihm eine umfangreiche Vorbereitung sowie ausreichend Zeit am Steuer unseres Hybrid-Prototyps ermöglichen. Von seinem wertvollen Feedback können wir sicher viel lernen. Unser 36-Stunden-Dauerlauf mit unseren Werksfahrern im Motorland Aragón bietet hierfür ein perfektes Umfeld."