Sprint-Schlaftablette in Austin
Horners Vorschläge für mehr Action

GP USA 2023

Max Verstappen dominierte das Sprintrennen von Austin. Das macht den Weltmeister selbstredend zum Favoriten am Sonntag – trotz Startplatz sechs. Das Mini-Rennen steht nach der Vorstellung in den USA mal wieder in der Kritik. Red Bulls Teamchef macht zwei Vorschläge, wie man es feintunen könnte.

Start - Sprint - GP USA 2023 - Austin
Foto: xpb

Der Sprint in Katar hatte die Formel-1-Fans noch verwöhnt. Unterschiedliche Reifenwahl, Safety Cars und mit Oscar Piastri ein neues Gesicht ganz oben. Das Fahrerlager war sich einig: Das Mini-Rennen war besser als das Hauptrennen. Zwei Wochen später steht der verkürzte Grand-Prix über ein Drittel der Renndistanz schon wieder in der Kritik. Weil ihn Max Verstappen in gewohnter Manier dominierte und die Positionen dahinter relativ früh festgefahren waren.

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Der Weltmeister gehört ohnehin zu den Kritikern des Formats. Nach dem Erfolg tadelte Verstappen erneut. "Für mich nimmt der Sprint dem Hauptrennen zu viel Magie weg. Früher bist du als Fan am Sonntag aufgewacht und warst aufgeregt. Heute weißt du nach dem Samstag, wie der Sonntag verlaufen wird. Am Ergebnis ändert sich meistens nicht mehr viel."

Zur Erklärung: Der Sprint gibt ein Gefühl dafür, wer wie gut über die Distanz ist, weil er ungefähr der Stint-Länge auf einem Reifensatz im Rennen entspricht. In Austin erwartet die Formel-1-Gemeinde ein Zweistopprennen. Und da droht womöglich wieder Verstappen-Eintönigkeit.

Christian Horner - Red Bull - GP USA 2023 - Austin
xpb

Christian Horner sah ein abermals dominantes Rennen seines Schützlings Max Verstappen.

19 auf Mediums, nur Einer auf Softs

Ein großer Unterschied zwischen dem Sprint in Katar und dem in den USA bestand in der Reifenwahl. Im Emirat hatte sich das Feld noch geteilt. Acht Fahrer pokerten mit Softreifen. Der Rest wählte mit dem Medium die Sicherheitsvariante. Ein einziges Training auf einer staubigen Strecke hatte die Erfahrungswerte der Teams geschmälert. In den USA reichten 60 Übungsminuten, um ein besseres Bild zu den Reifen zu zeichnen.

Nur Carlos Sainz scherte aus. Der Spanier bezahlte es nach gutem Start mit dem Verlust von zwei Positionen. "Wenn es wie in Katar mit den Reifen an der Kante ist, ob die eine Mischung oder doch die andere, kommt sofort Abwechslung ins Spiel. Dann entstehen gute Rennen. Sonst läuft es so wie heute in Austin", konstatierte Teamkollege Charles Leclerc, der hinter Verstappen und Lewis Hamilton als Dritter ins Ziel einlief.

Die Abstände waren riesig. Verstappen siegte mit 9,4 Sekunden. Das macht im Schnitt eine halbe Sekunde pro Runde. Zehnmal so viel wie noch in der Qualifikation, die der Dominator nur mit 55 Tausendstel Vorsprung gewann. Leclerc fehlten bereits 17,9 Sekunden auf den Sieger. "Das war eine Demonstration, wie schonend unser Auto mit den Reifen umgeht", jubelte Red Bulls Teamchef Christian Horner. "Das gehört zu unserem Konzept. Wir gewichten die Rennperformance besonders stark." Dafür ist der Red Bull RB19 auf eine Runde nicht ganz so überlegen, umso mehr aber über die Distanz. Das Auto entzieht den Pirellis im fliegenden Versuch nicht so viel Lebensenergie, weshalb im Rennen mehr davon übrig ist.

Mehr Punkte für den Sprint?

Auch Horner war nicht entgangen, dass der Sprint eine Schlaftablette war – gerade im Vergleich zu den Mini-Grand-Prix in Österreich, Belgien und Katar. Natürlich war es ihm recht, dass sein Superstar zum dritten Sprint-Triumph der Saison eilte. Doch die Formel-1-Welt dreht sich schnell. Und wenn die Show einmal eher durchwachsen ausfällt, dann werden die Rufe nach Änderungen schnell laut. Bis hin zur Abschaffung des Formats.

Red Bulls Rennleiter hält dagegen. "Der Sprint ist an sich der richtige Weg. An der ein oder anderen Stelle könnte das Format noch Feintuning vertragen." Hat Horner einen Vorschlag? Sogar zwei, die eher spontaner Natur sind. Der erste ist eher ungewöhnlich für einen Teamchef, dessen Mannschaft das schnellste Auto baut. Weil Topteams nichts mehr hassen als Abweichungen von der Norm. "Vielleicht sollte man die Top 10 der Startaufstellung umdrehen."

Dann hätte sein Ausnahmekönner mehr Arbeit vor sich. Klingt nach einem künstlichen Spannungsmacher. Der zweite Vorschlag geht in eine andere Richtung. "Eine Möglichkeit wäre es, mehr Punkte zu vergeben. Das könnte die Fahrer dazu verleiten, mehr Risiko zu gehen, weil es sich stärker lohnt." Kritiker werden dagegenhalten: Das würde das Hauptrennen noch mehr entwerten.

Max Verstappen - Red Bull - Sprint - GP USA 2023 - Austin
xpb

Jubel nach dem Sprint-Sieg: Verstappen distanzierte den ersten Verfolger um 9,4 Sekunden.

Wie kommt Verstappen durch Verkehr?

Vielleicht kommt es am Rennsonntag doch anders als man denkt. Und dann würde die Kritik am Sprint wahrscheinlich wieder abebben. Verstappen ist nach seiner Solofahrt zwar der Favorit. Doch dieses Mal startet der Weltmeister nicht von Pole Position, sondern nur vom sechsten Platz. "Das wird eine andere Geschichte. Überholen treibt automatisch den Reifenverschleiß nach oben. Im Verkehr erwartet mich kein einfaches Rennen", glaubt Verstappen.

Diese Einschätzung teilen die Kollegen nicht: "Ich erwarte nicht, dass wir ihm einen allzu großen Kampf liefern können", befürchtet Leclerc. Ähnliche Töne sind aus dem Mercedes-Lager zu hören. Red Bulls Sportchef Helmut Marko ist optimistisch gestimmt. "Max ist einer, der nicht lange fackelt. Er setzt beim Überholen einmal an und ist meistens sofort vorbei." So leiden dann auch die Reifen nicht zu sehr.

Im Sprint fuhr der 26-jährige Niederländer am Start die Ellbogen raus. Er drückte Leclerc fast von der Piste. "Max ist der liebenswerteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Er nimmt sich für jeden Zeit. Im Cockpit ist das ganz anders. Da kommt das Tier in ihm durch", schildert Marko. Leclerc hegte keinen Groll. "Die Nummer war sicher am Limit. Aber ich bin für hartes Racing. Ich muss zugeben, dass ich es nicht anders als Max gemacht hätte."

Keine Angst vor Hamilton

Danach schwang sich der alte Rivale zum großen Gegner auf. Zumindest für ein paar Runden. Lewis Hamilton hielt sich in den frühen Umläufen im DRS-Fenster, weshalb er auf den Geraden den Heckflügel umklappen dürfte. Das brachte ihn jeweils näher an den Red Bull mit der Startnummer 1 heran, ohne Verstappen gefährlich zu werden. "Ich war in den Bremszonen weit genug weg, um es zu kontrollieren."

In Runde fünf brach Verstappen aus dem DRS-Fenster aus, indem er seinen Verfolger um mehr als eine Sekunde abschüttelte. "Ich konnte nicht mehr profitieren. Max verschwand und schaltete die Cruise Control an", berichtete Hamilton, der danach unter stärkerem Reifenabbau litt. Na klar, er hatte ja auch früh alles geben müssen, in der Hoffnung, dass sich womöglich eine kleine Chance auftut. Sportchef Marko hielt fest. "Der Mercedes war trotz DRS zu langsam auf der Gerade. Deshalb haben wir uns keine großen Sorgen gemacht." Red Bull fährt einen kleineren Flügel als Mercedes. Das bringt einen Nachteil in der Qualifikation, was sich im Rennen aber umdreht, wenn man Überholen muss.

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