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Die Tortur von Katar: F1-Piloten im Medical-Center

F1-Piloten nach Katar-GP im Medical-Center
Ocon übergibt sich in Helm

GP Katar 2023

Den Fahrern waren die Strapazen nach dem GP Katar anzusehen. Fast alle sprachen vom härtesten Rennen ihrer Karriere, von Problemen mit der Sicht, und zu wenig Luft zum Atmen. Für Charles Leclerc war es ein Schritt über dem Limit.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Katar 2023
Foto: Red Bull

Logan Sargeant gab nach 40 Runden auf. Williams-Kollege Alexander Albon musste nach dem Rennen mit einem Hitzschlag in das Medical Center. Esteban Ocon übergab sich in den Helm. "Ich musste das Visier öffnen, um atmen zu können. Es war die Hölle im Auto."

Fernando Alonso bettelte beim Boxenstopp um einen Schuss Wasser, weil sein Sitz auf der rechten Seite zu heiß wurde. "Die Regeln erlauben das natürlich nicht", grinste der Spanier später. Oscar Piastri legte sich in der Sieger-Lounge flach auf den Boden, weil er für ein paar Minuten nicht mehr stehen konnte. Valtteri Bottas sprach von einer "Quälerei".

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George Russell gab nach der Hitzeschlacht von Katar zu: "Nur ein Grad heißer, und ich wäre ausgestiegen." Der Mercedes-Pilot streckte zeitweise die Hand aus dem Cockpit, um sich Luft zuzufächeln. Sieger Max Verstappen fühlte sich wie nach zwei Stunden Sauna. Lance Stroll gab zu, dass er teilweise nur noch schwarz sah und deshalb so viele Übertretungen der Streckenlimits angehäuft hatte.

Oscar Piastri - GP Katar 2023
Wilhelm

Dehydrierung war das größte Problem der Fahrer.

Flüssigkeitsverlust führte zu Sehschwierigkeiten

Fernando Alonso blätterte in seinem Erfahrungsschatz von 372 GP-Starts und kam zu dem Schluss: "Es gab ein paar Malaysia-Rennen, die bei ähnlichen Bedingungen, aber am Tag stattfanden. Und 2009 in Bahrain hatte es 41 Grad. Aber dieses Rennen hier in Katar zählte definitiv zu den härtesten Rennen meiner Karriere."

Nico Hülkenberg gab zu: "Ich bin noch nie ein so brutales Rennen gefahren." Charles Leclerc kritisierte: "Das war ein Schritt über dem Limit. Wenn es noch einmal solche Bedingungen gibt, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Das schlimmste war die Dehydrierung. Trinken kannst du vergessen. In der zweiten Rennhälfte hast du heißen Tee in der Trinkflasche."

Der Ferrari-Pilot machte den Flüssigkeitsentzug verantwortlich für die Probleme mit der Sicht: "Runde um Runde hast du die Strecke schlechter gesehen. Ich habe mir deshalb überall etwas Luft gelassen, um die Streckenlimits nicht allzu oft zu verletzten."

Logan Sargeant - GP Katar 2023
xpb

Logan Sargeant musste das Rennen vorzeitig aufgeben. Der US-Amerikaner konnte einfach nicht mehr.

Überraschung nach dem Sprint

Die Tortur kam aus dem Nichts. Einen Tag zuvor im Sprint herrschten auch Temperaturen von 32 Grad, doch die Fahrer hatten nach 19 Runden nicht das Gefühl, dass die volle Renndistanz ein Problem für sie werden könnte. "Alle Fahrer haben unterschätzt, was sie am Sonntag erwartet", erklärte Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur.

Doch im Hauptrennen gab es auch einige entscheidende Unterschiede. Die Luftfeuchtigkeit stieg auf 75 Prozent. Der starke Wind, der im Sprint noch ein bisschen Luft ins Cockpit wehte, wurde zur Flaute.

57 Runden sind eine andere Hausnummer als 19, noch dazu, wenn bis auf die ersten drei Umläufe alles im Renntempo gefahren wird. Dazu kam, dass Pirellis Laufzeitbeschränkung auf maximal 18 Runden pro Reifensatz praktisch kein Reifenmanagement verlangte. "Es war ein Rennen, bei dem vom Anfang bis Ende voll gefahren wurde", räumte McLaren-Teamchef Andrea Stella ein.

Oscar Piastri - GP Katar 2023
FOM

Oscar Piastri musste sich vor der Siegerehrung erst einmal flachlegen und zu Kräften kommen.

Problem mit dem Oktober-Termin

Leclerc sprach von 54 Qualifikationsrunden. "Und das auf einer Strecke, auf der Kurve auf Kurve folgt, alle unter hohen Fliehkräften mit extrem hart gefederten Autos. Es gab nur die Zielgerade zum Ausruhen. Das geht auf die Substanz und damit sank auch die Konzentration. Es wurde bei Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h immer schwieriger abzuschätzen, wie viel Tempo die nächste Kurve noch verträgt."

Pierre Gasly stand die Anstrengung bei der Presserunde danach noch ins Gesicht geschrieben. "Ich glaube, dass ich einer der fittesten Fahrer im Feld bin. Und ich mag es eigentlich, wenn es heiß ist. Aber das war heute extrem. Es soll aber keine Entschuldigung dafür sein, dass ich so oft neben den Streckenlimits gelandet bin."

Die Piloten bezahlten dafür, dass der GP Katar sechs Wochen früher stattfand als 2021. "Auch da war es heiß, aber vergleichsweise erträglich", berichtete Leclerc. Alonso kennt sich aus mit dem Wetter in dieser Gegend. "Ich habe hier mal für die Dakar-Rallye im Oktober getestet. Das schlimme um diese Zeit ist die hohe Luftfeuchtigkeit." Im nächsten Jahr soll es das Problem nicht mehr geben. Der GP Katar 2024 ist auf den 1. Dezember terminiert. Dann hoffentlich mit erträglicheren Temperaturen