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Reifenpoker: Verstappen-Sieg dank Risiko-Strategie

Red Bulls Reifen-Poker geht auf
Verstappen gewinnt dank Risiko-Strategie

GP Spanien 2024

Die Siege werden für Max Verstappen schwieriger, aber trotzdem gewinnt er die Rennen. Weil Red Bull und der Fahrer immer volles Risiko gehen und damit meistens durchkommen.

Max Verstappen - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Foto: xpb

McLaren hatte das schnellere Auto. So wie in Imola, Monte-Carlo und über weite Strecken auch in Montreal. Trotzdem hat Max Verstappen drei der letzten vier Rennen gewonnen. Weil er und sein Team volles Risiko gehen, weil sie sicherstellen, dass ihr Plan auch aufgeht und weil sie in den entscheidenden Momenten keinen Fehler machen.

Die Quali-Niederlage gegen Lando Norris war verschmerzbar. Es hätte schlimmer kommen können, denn auf dem Papier waren auch Mercedes und Ferrari in der Lage schnellere Runden als Verstappen zu drehen. Doch Red Bull reagierte auf die kühleren Temperaturen mal wieder besser mit dem Reifendruck. Und das Team hatte mit dem Timing der Vorbereitungsrunden wieder mal ein glücklicheres Händchen als die Konkurrenz.

Unsere Highlights
Max Verstappen - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Red Bull

Verstappen sammelt weiter Siege. Er muss aber härter dafür kämpfen.

Volles Risiko in der zweiten Runde

Der zweite Startplatz in Barcelona ist nicht das, was sich ein Fahrer wünscht. Nicht nur, weil man auf der schlechteren Spur startet. Auch weil der lange Anlauf in die erste Kurve den Fahrern dahinter die Möglichkeit gibt, den Windschatten zu nutzen und vorbeizugehen. Doch immer, wenn es darauf ankommt, gelingt Verstappen ein fast perfekter Start. Und seinem Hauptrivalen Norris ein schlechter.

Dass sich George Russell auf der Außenspur noch vorbeimogelte, war nicht ideal, aber immer noch besser als Norris vor der Nase zu haben. Der McLaren hätte den Speed gehabt, sich vorne abzusetzen. Russell hatte ihn nicht. Der Engländer hörte am Funk, dass Reifenschonen Priorität hat. Speziell in den Vollgas-Kurven 13 und 14. Es reichte ein Slide in diesen Kurven, um den linken Vorderreifen hinzurichten.

Verstappen bekam am Ende der zweiten Runde einen ganz anderen Funkspruch aufs Ohr: "Schau, dass du so schnell wie möglich an Russell vorbeikommst." Gesagt, getan. Verstappen flog mit DRS mit so viel Überschuss an dem Mercedes vorbei, als wäre der ein Formel-2-Auto.

Verstappen vs. Russell - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Motorsport Images

Die entscheidende Szene: Verstappen geht ohne Rücksicht auf die Reifen an Russell vorbei.

Verstappen überholt im ersten Versuch

Das kam vielen im Fahrerlager spanisch vor. Eine Erklärung war, dass Verstappen in dieser Runde das Risiko einging, in den Kurven 13 und 14 dicht auf Russell aufzuschließen, um dann das Überholmanöver erfolgreich abschließen zu können. Der Angriff mag dem Reifensatz ein paar Körner gekostet haben, doch dafür hatte der Holländer in den folgenden 15 Runden freie Fahrt und konnte seine Reifen so streicheln, wie er wollte.

Dabei leistete ihm Russell unfreiwillig treue Dienste. Bis zum Boxenstopp hielt er den McLaren in Schach. Dass Norris der eigentliche Gegner für den Weltmeister war, zeigte sich in den drei Runden mit freier Fahrt. Norris verkürzte im Handumdrehen von 5,5 auf 4,1 Sekunden. Dann bog Verstappen zum ersten Mal in die Boxengasse ab. Er musste einen möglichen Undercut von Russell abwehren. Es war das einzige Mal, dass ihm etwas aufgezwungen wurde.

McLaren hielt seinen Fahrer sechs Runden länger auf der Bahn. Der MCL38 ging schonender mit seinen Reifen um. Norris konnte trotz seiner alten Sohlen immer noch 1.20er-Runden drehen. Trotzdem zahlte er den Preis und fiel auf den fünften Platz zurück. Es dauerte elf Runden, bis der Herausforderer wieder Plus-Signale auf WM-Spitzenreiter bekam. Was Verstappen beim ersten Versuch erledigte, zog sich bei Norris über vier Runden hin. Es dauerte sieben Kurven im Parallelflug, bis Russell endlich geknackt war.

Max Verstappen - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Motorsport Images

Für den Schluss-Stint hatte sich Verstappen frische Softs aufgehoben, um den letzten Norris-Angriff abzuwehren.

Anderer Plan als die Gegner

Im direkten Vergleich auf Medium-Reifen nahm Norris seinem Widersacher innerhalb von zehn Runden 5,5 Sekunden ab. Doch das brachte Red Bull nicht aus der Ruhe. Erstens hatte Verstappen für den letzten Stint noch frische Soft-Reifen in der Hinterhand und Norris nur gebrauchte, und zweitens konnte man das Reifen-Delta zugunsten des Angreifers von sechs auf drei Runden reduzieren.

Da konnte es der Titelverteidiger auch verschmerzen, dass Norris im Schlussabschnitt den Rückstand noch einmal von 7,6 auf 2,2 Sekunden verkürzte. Und dass im direkten Zeitvergleich 36 der 66 Runden an Norris gingen. Für das schnellste Auto im Feld bekommt man keinen Preis. Wichtig ist, als Erster die Ziellinie zu kreuzen.

Schon beim Start zeigte sich, dass Red Bull einen ganz anderen Plan hatte als die Konkurrenz. Neben Verstappen hatten sich auch Norris, Leclerc und Sainz je einen frischen Satz Medium für das Rennen aufgehoben. Doch nur Verstappen wählte beim Start gebrauchte Soft-Gummis. Die frischen wollte er am Schluss.

Max Verstappen - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Red Bull

Vor der Red-Bull-Dusche kann Verstappen nicht so einfach fliehen wie vor seinen Gegnern auf der Rennstrecke.

Technikchef Pierre Waché erklärte: "Es kann sein, dass du am Rennbeginn durch Undercuts zu einem kurzen Stint gezwungen wirst. Dafür wollten wir den frischen Satz nicht opfern. Die Länge des Schluss-Stints kannst du besser kontrollieren."

Für Teamchef Christian Horner lag der Schlüssel zum Sieg beim Start, dem schnellen Überholmanöver gegen Russell und der aggressiven Strategie mit der Reifenfolge Soft-Medium-Soft. Sie stand schon vor dem Start fest. Red Bull hatte die Reifen wieder mal besser gelesen als die anderen Teams.

Verstappen hätte sich ein ruhigeres Rennen gewünscht: "Es kann nicht sein, dass bei uns immer alles passen muss, damit wir gewinnen. Irgendwann wird es mal nicht passen. Wir sind so am Limit, dass wir überall perfekt sein müssen. Deshalb müssen wir schnell nachlegen, um wieder das schnellste Auto zu haben."

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