F1-Vorschau GP Abu Dhabi
Mercedes vs. Ferrari beim Finale

GP Abu Dhabi 2023

Die Titel sind bereits vor dem Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi vergeben. Doch dahinter wird sowohl in der Fahrerwertung als auch im Konstrukteurspokal noch verbissen um die Positionen gekämpft. Wir haben die letzten Infos vor dem Showdown und verraten, wo es noch interessant werden könnte.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Las Vegas 2023 - Las Vegas - Formel 1
Foto: Wilhelm

Es fühlt sich nach einem Déjà-vu an. Als der F1-Tross vor zwölf Monaten nach Abu Dhabi reiste, waren Max Verstappen und sein Red-Bull-Team schon Weltmeister. Der eindrucksvollen Saison 2022 folgte eine noch dominantere Vorstellung 2023. Verstappen vernichtete seine Konkurrenten und gewann bisher 18 von 21 Rennen.

Teamkollege Sergio Perez fixierte in Las Vegas den zweiten Platz in der Fahrerwertung. Ein Novum für Red Bull: Noch nie belegten beide Piloten die ersten beiden Ränge des Klassements. Auf Rang drei hat sich Lewis Hamilton abgesichert. Der Rekordweltmeister liegt 32 Zähler vor den punktgleichen Carlos Sainz und Fernando Alonso. Der Ferrari-Pilot rangiert vor dem Altmeister, da er einen Sieg landete. Lando Norris hat mit 195 Punkten fünf Zähler Rückstand auf die beiden Spanier. Charles Leclerc folgt mit 188 Punkten. Beide können noch auf Rang vier springen.

Unsere Highlights

Spannend dürfte der Kampf bei den Teams werden. Mercedes will mit aller Macht Rang zwei hinter Red Bull verteidigen. Der Vorsprung auf Ferrari schrumpfte in Las Vegas auf vier Punkte zusammen. Mercedes hält bei 392 Zählern und spürt den heißen Atem des Cavallino Rampante. Der Trend spricht für die italienische Mythosmarke.

Hinter den beiden Dinos balgen sich McLaren und Aston Martin um den vierten Platz in der Konstrukteurswertung. Das Traditionsteam aus Woking hat bis Abu Dhabi 284 Zähler auf das Konto geschaufelt. Aston Martin muss auf dem Yas Marina Circuit elf Punkte aufholen.

Die Plätze sieben bis zehn machen Williams, Alpha Tauri, Alfa-Sauber und Haas unter sich aus. Der Vorteil liegt bei Williams, die sieben Zähler vor Alpha Tauri rangieren. Alfa-Sauber hat zwölf Punkte Rückstand und Haas braucht ein Wunder, um die 16 Zähler auf Williams auszuradieren.

Junioren klettern ins F1-Cockpit

Viele Teams setzen in Abu Dhabi ihre Junioren ins Auto. Jake Dennis und Isack Hadjar dürfen den besten Rennwagen des Jahrgangs 2023 steuern. Red Bull lässt sie im ersten freien Training im RB19 ran. Frederik Vesti klettert in den Mercedes, Robert Shwartzman steigt in den Ferrari SF-23. Alpine greift auf Jack Doohan zurück.

IndyCar-Pilot Pato O'Ward darf den McLaren MCL60 um den Kurs steuern. Aston-Martin-Ersatzmann Felipe Drugovich fährt den AMR23. Théo Pourchaire will in Abu Dhabi den Formel-2-Titel fixieren und steuert im ersten F1-Training den Alfa-Sauber C43. Ferrari-Junior Oliver Bearman wird an Haas verliehen und der Brite Zak O'Sullivan sitzt im Williams.

Pirelli - Reifen - GP Abu Dhabi 2023 - Abu Dhabi - Formel 1
Pirelli
Pirelli bringt wie üblich die weichsten Mischungen im Sortiment nach Abu Dhabi.

Die Strecke: Yas Marina Circuit

Bei der Einweihung 2009 wurde der Yas Marina Circuit mitten in der Wüste als achtes Weltwunder gefeiert. Mittlerweile hat man sich an den Anblick der glitzernden Formel-1-Oase samt künstlich angelegtem Yacht-Hafen gewöhnt. Mehr als eine Milliarde Euro durfte der deutsche Streckendesigner Hermann Tilke im feinen Sand verbuddeln, was den Yas Marina Circuit zum teuersten Grand-Prix-Kurs der Welt macht.

Vom Layout konnte die Strecke in Abu Dhabi die Fans aber noch nie so richtig von den Sesseln reißen. Auch der Umbau im Jahr 2021 änderte daran nur wenig. Die Schikane am Anfang des zweiten Sektors flog raus. Im dritten Sektor musste das langsame Geschlängel weichen. Die Piloten freuten sich, dass es flüssiger wurde. Als überholfreundlich kann man den Yas Marina Circuit aber immer noch nicht bezeichnen.

Trotz zwei langer Geraden im Mittelsektor waren Platzwechsel hier traditionell eine seltene Angelegenheit. Unvergessen bleibt Vitaly Petrovs Verteidigungsschlacht, die maßgeblich zu Sebastian Vettels erstem Titelgewinn 2010 beigetragen hatte. Trotz eines deutlich schnelleren Autos kam Fernando Alonso im Ferrari damals nicht am Russen im Renault vorbei.

Fast Facts zum GP Abu Dhabi

  • Streckenlänge: 5,281 Kilometer
  • Rundenzahl: 58
  • Anzahl Kurven: 16 (9 links / 7 rechts)
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 62 Prozent
  • Vollgas-Anteil (Rundendistanz): 73 Prozent
  • Top-Speed: 334 km/h
  • Rundenrekord im Rennen: 1:26.103 Min. (Max Verstappen, 2021)
  • Distanz Pole Position bis erste Bremszone: 201 Meter
  • Länge der Boxengasse: 358 Meter
  • DRS-Zonen: 2 (zwischen T5-6 und T8-9)
  • Reifenwahl: C3, C4 & C5
Sergio Perez - Red Bull - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm
Die Ingenieure dürfen sich von den unterschiedlichen Asphalt-Temperaturen im Training nicht verwirren lassen.

Das Setup

Die beiden langen Geraden änderten auch nichts daran, dass die Teams früher immer möglichst große Flügel an ihre Autos packten. Durch den Umbau liegt die Strecke nun aber nur noch im mittleren Abtriebsniveau. Die Rundenzeit wird zwar immer noch hauptsächlich im kurvenreichen Schlussabschnitt gemacht, einen guten Top-Speed darf man aber nicht komplett vernachlässigen. In der Vergangenheit war die Pole Position in Abu Dhabi bereits die halbe Miete. In den letzten acht Ausgaben gewann jeweils der Pole-Setter auch das Rennen.

Herausfordernde schnelle Ecken gibt es auf dem Yas Marina Circuit keine. Traktion und Bremsstabilität sind wichtige Faktoren, die bei der Setup-Arbeit berücksichtigt werden müssen. Die Oberfläche ist glatt. Die Autos können also tief eingestellt werden. Spannend ist immer zu verfolgen, wie sich die Strecke beim Tag-Nacht-Wechsel verändert und in welche Richtung sich der Grip der Reifen bei kühler werdenden Bedingungen entwickelt.

Das erste und dritte Training finden für gewöhnlich bei hohen Temperaturen in der Nachmittagssonne statt. Im zweiten Training sowie im Qualifying und Rennen kühlt sich der Asphalt merklich ab. Die Teams müssen darauf mit der Fahrwerkseinstellung reagieren. Wer nicht genug Temperatur im Reifen aufbaut, rutscht hilflos umher. Pirelli bringt wie üblich die weichsten Mischungen C3, C4 und C5. Meistens war die Einstopp-Strategie die bevorzugte Wahl der Ingenieure.

Technische Updates

Beim letzten Rennen des Jahres sind alle Pfeile aus dem Entwicklungsköcher längst verschossen. Das Budget für Upgrades ist ausgeschöpft. Im letzten WM-Lauf in Las Vegas hatten noch Alpine, McLaren und Aston Martin mit neuen Teilen aufgewartet, um ihre Autos an die Highspeed-Strecke anzupassen. Für das Finale hat nur Alpha Tauri noch ein paar Modifikationen angekündigt. Sonst erwarten wir an der Technik-Front keine großen Gefechte.

Im freien Training lohnt sich trotzdem ein genauerer Blick auf die Autos. Beim Finale in Abu Dhabi probierten die Ingenieure in der Vergangenheit schon häufiger Experimental-Teile für die folgende Saison aus. An der Reifenfront gibt es dieses Mal nichts Neues zu vermelden. 2024 kommen die gleichen Mischungen wie diese Saison zum Einsatz. Deshalb können die Teams beim Dienstags-Test nach dem Rennen andere Prioritäten setzen.

Sebastian Vettel - Aston Martin - Qualifikation - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm

Sebastian Vettel beendete 2022 in Abu Dhabi seine Formel-1-Karriere.

Die Favoriten

In der zweiten Saisonhälfte haben wir Ihnen stets Red Bull und Max Verstappen als ersten Sieganwärter verkauft – und lagen damit bis auf Singapur richtig. Egal, wer Max Verstappen und Red Bull herausforderte – die Siegesmaschine parierte fast jede Attacke. In Abu Dhabi jagt der gefräßige Niederländer den 19. Saisonsieg. Nur Hasardeure dürften gegen ihn wetten.

Ferrari könnte in den Vereinigten Arabische Emirate wieder gut aufgestellt sein. Die Truppe von Teamchef Frédéric Vasseur zeigte in Las Vegas auf. Charles Leclerc schnappte sich die Pole Position und kämpfte um den Sieg. Der glatte Asphalt dürfte dem SF-23 schmecken. Im Vorjahr waren die Italiener die zweite Kraft im Wüstenstaat.

Mercedes hofft auf hohe Temperaturen. Der W14 könnte sein gutes Reifen-Management ausspielen. Ein Pfund, mit dem das Team im Kampf gegen Ferrari wuchern will. Im Qualifying dürfte es schwierig werden, die rote Armada hinter sich zu halten. McLaren hatte in Las Vegas ein schwieriges Wochenende, sie waren schneller, als es das Ergebnis aussagte. In Abu Dhabi rechnen wir mit einem wiedererstarkten McLaren.

Aston Martin braucht beim Saisonfinale einen Fernando Alonso in Top-Form, um McLaren noch abzufangen. In Nevada schwächelte der Altmeister, ausgerechnet der viel gescholtene Lance Stroll holte die Kohlen aus dem Feuer.

Hinter den Top-5 dümpelt Alpine vor sich hin. Hin und wieder gelingen Highlights wie in Las Vegas, als Esteban Ocon starker Vierter wurde. Williams muss sich nach hinten orientieren: Der Yas Marina Circuit dürfte den Alpha Tauri schmecken. Da könnte es im Kampf um Platz sieben in der WM vielleicht noch richtig eng werden. Haas und Alfa-Sauber dürften das Schlusslicht bilden. Die beiden Ferrari-Kunden haben den Anschluss etwas verpasst.

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Abu Dhabi 2022

Die 2022er Edition des Saisonabschlusses sah Max Verstappen als Sieger. Der heute 26-Jährige feierte im Vorjahr den 15. Saison-Erfolg. Der Sohn von "Jos The Boss" stellte bereits mit der Pole-Position die Weichen auf Sieg. Teamkollege Sergio Perez rangelte mit Ferrari-Mann Charles Leclerc um den Vize-Titel und lag zu Rennbeginn vor dem Monegassen.

Lewis Hamilton rumpelte in Runde 1 über den Kerb in Kurve 6, nachdem Carlos Sainz sich an ihm vorbeipresste. Wenige Runden später schnappte sich Hamiltons Stallgefährte George Russell den Rekordsieger. In Runde 17 eröffnete Perez die erste Phase der Boxenstopps und wechselte von den Medium-Reifen auf die harten Pirelli-Pneus. Verstappen wartete vier Umläufe länger, bis er die Box ansteuerte, das roch nach einem Halt.

Leclerc schnallte in Runde 22 die harten Reifen auf. Im Gegensatz zu Red Bull blieb es bei dem einen Stopp. Sebastian Vettel (Aston Martin) wählte die gleiche Strategie. Perez kam in Runde 34 zum zweiten Mal rein und fasste erneut die harten Pirelli-Reifen aus. Jetzt begann die Jagd auf die vor ihm liegenden Leclerc und Hamilton.

Mick Schumacher stupste fünf Umläufe später den Williams von Nicholas Latifi an. Beide drehten sich, konnten aber in ihren letzten Rennen für Haas beziehungsweise Williams weiterfahren. Der Sohn des Rekordweltmeister bekam für sein Foul eine 5-Sekunden-Strafe.

Max Verstappen siegte letztendlich ungefährdet. Charles Leclerc konnte Sergio Perez abwehren und verteidigte sowohl Platz zwei im Rennen als auch in der Fahrerwertung. Vierter wurde Carlos Sainz vor George Russell und Lando Norris. Esteban Ocon landete auf Platz sieben, Lance Stroll wurde Achter vor Daniel Ricciardo, der sein letzten Rennen für McLaren bestritt.

Lewis Hamilton stellte seinen Mercedes W13 drei Runden vor Schluss ab. Sebastian Vettel rutschte dadurch in die Top-Ten. Dem Heppenheimer war bei seinem Abschied ein letzter WM-Punkt vergönnt. Es war der 3.098. Zähler seiner illustren Formel-1-Karriere. Der viermalige Weltmeister sagte mit ein paar Donuts auf der Start- und Zielgeraden "Servus".

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des GP Abu Dhabi 2022.

Zeitplan

Formel 1: Zeitplan GP Abu Dhabi 2023

Tag

Session

Uhrzeit (MEZ)

Freitag, 24.11.2023

1. Training

10.30 - 11.30 Uhr

2. Training

14.00 - 15.00 Uhr

Samstag, 25.11.2023

3. Training

11.30 - 12.30 Uhr

Qualifikation

15.00 - 16.00 Uhr

Sonntag, 26.11.2023

Rennen

ab 14.00 Uhr

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten