Vorschau GP Australien 2024
F1-Spektakel in Melbourne?

GP Australien 2024

Feiert Red Bull in Melbourne den dritten Doppelsieg in Folge? Ein Argument dagegen: Der Australien-GP 2023 war ein Chaosrennen. In der Vorschau haben wir die letzten Infos zum Rennen im Albert Park gesammelt.

Start - GP Australien 2023 - Melbourne - Formel 1
Foto: xpb

Red Bull hält die Formel 1 im Würgegriff. In den ersten beiden Rennen landeten die Weltmeister zwei Doppelsiege. Max Verstappen gewann jeweils vor Sergio Perez. Ferrari komplettierte beide Male das Podium. Carlos Sainz fuhr in Bahrain auf Rang drei, während Charles Leclerc in Saudi-Arabien den dritten Platz erkämpfte.

Zwar sind erst zwei von insgesamt 24 Grands Prix absolviert, doch der Weltmeister-Titel geht aller Voraussicht nach auch dieses Jahr nur über Red Bull und Verstappen. Die Konkurrenz um Ferrari, Mercedes, McLaren und Aston Martin wird sich strecken müssen, um den Dominatoren bestenfalls einen Sieg streitig machen zu können.

Unsere Highlights

Hoffnung auf Abwechslung gibt immerhin der Stadtkurs im Albert Park. Melbourne war schon häufig Ort von verrückten Formel-1-Rennen. Kuriose Rennverläufe und viel Spektakel sind hier eher die Regel als die Ausnahme. Mehr Action als bei den ersten beiden Rennen der Saison dürften die vier DRS-Zonen auf der Strecke bieten. Bereits 2023 ließ die Rennleitung die Fahrer an vier Stellen den Heckflügel öffnen. Das soll zu mehr Zweikämpfen führen und für mehr Würze sorgen.

Das Wetter könnte in Melbourne einen Einfluss nehmen. Der Wetterbericht spricht von eventuell vereinzelten Schauern mit Beginn des Rennwochenendes am Freitag. Im australischen Herbst könnte das für Verschiebungen im Feld sorgen. Selbst Frühaufsteher sollten sich den Wecker am Sonntag stellen: Rennstart ist dieses Jahr bereits um 5 Uhr morgens deutscher Zeit.

Die Strecke: Albert Park Circuit

Der 1953 eröffnete Albert Park Circuit bildete früher stets den traditionellen Start in eine neue F1-Saison. Mit ein paar Extra-Millionen für Liberty Media kaufte Bahrain der australischen Konkurrenz dieses Privileg zuletzt jedoch ab. Aber auch ohne den Reiz des Auftaktrennens ist Melbourne immer eine Reise wert. Auch wenn sich Überholen auf den öffentlichen Parkwegen meist schwierig gestaltete, gab es oft viel Spektakel. Fahrfehler werden hier hart bestraft. Die Kiesbetten sind tief, die Mauern stehen gefährlich nahe am Streckenrand. Safety-Car-Einsätze sind regelmäßig nötig.

In den letzten Jahren wurde einiges getan, damit es auch mit dem Überholen besser klappt. Parallel zur Einführung der neuen Rennwagen-Generation im Jahr 2022 wurde die Strecke großflächig umgebaut, um Angreifern die Attacke zu erleichtern. In den Kurven T1, T3, T6, T13 und T15 wurde die Piste verbreitert, um mehr Platz für Manöver zu schaffen. Die alte Schikane T9 und T10 wurde komplett beseitigt. Der Kurs ist seit der Renovierung insgesamt flüssiger gesteckt und damit deutlich schneller. Die Rundenlänge schrumpfte von 5,303 auf nur noch 5,278 Kilometer, was aber keine Auswirkungen auf die Zahl der Rennrunden (58) hat.

Auf den verlängerten Vollgaspassagen ließ die FIA überall DRS-Zonen einrichten. Doch bei der Premiere mit vier Flügelklapp-Stellen äußerten die Fahrer nach den Proberunden am Freitag Sicherheitsbedenken. So wurde eine der DRS-Passagen wieder einkassiert. Weil das Rennen 2022 nicht gerade als Überhol-Festival in die Geschichte einging, gab man die vier DRS-Bereiche für das Rennen 2023 frei. Es war der erste Grand Prix mit vier DRS-Zonen in der Formel 1.

Pirelli - Reifen - GP Australien 2024 - Formel 1
Pirelli

In Melbourne debütiert mit dem C5-Reifen die weichste Mischung Pirellis der Saison 2024. Zusätzlich karrt der Ausrüster die Varianten C3 und C4 nach Australien.

Fast Facts

  • Streckenlänge: 5,278 km
  • Rundenanzahl: 58
  • Renndistanz: 306,124 km
  • Anzahl Kurven: 14 (5 links / 9 rechts)
  • Rundenrekord im Rennen: 1:20,235 min (Perez, 2023)
  • Absoluter Rundenrekord: 1:16,732 min. (Verstappen, Q3 2023)
  • Distanz Pole-Position bis erste Bremszone: 272,7 Meter
  • Länge der Boxengasse: 280,6 m
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 72 Prozent (Rundendistanz: 79 Prozent)
  • Top-Speed: 323 km/h
  • DRS-Zonen: 4 (T2-T3, T8-9, T10-T11, T14-T1)
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent (3/5)
  • Reifensorten: C3, C4 & C5
Umbau - Albert Park Circuit - GP Australien - 2021
Australian GP

Vor der Saison 2022 wurde der Albert Park renoviert. Der Kurs ist seitdem flüssiger und schneller zu befahren.

Das Setup

Wegen der vielen engen Kurven und den harten Beschleunigungsphasen aus langsamen Ecken sind in Melbourne vor allem Traktion und Bremsstabilität gefragt. Der Umbau vor der Saison 2022 hat das Layout etwas flüssiger gemacht. Deshalb ist es auch nicht ganz so schlimm, dass die aktuelle Auto-Generation sehr tief über dem Boden liegt und mit deutlich weniger Federweg auskommen muss als früher.

Das Setup muss wegen des stark steigenden Grips über das Wochenende immer wieder angepasst werden. Haftung ist vor allem auf der Vorderachse gefragt. In den langsamen Ecken muss das Auto dorthin fahren, wo der Pilot hinlenkt. Untersteuern kostet wertvolle Zehntelsekunden. Auch eine gute Bremsstabilität ist wichtig. Hat der Fahrer Vertrauen und einen guten Rhythmus, spiegelt sich das direkt in der Rundenzeit wider.

Pirelli bringt erstmals in der Saison die C5-Mischung für einen Grand Prix an die Rennstrecke. Die Italiener vervollständigen ihr Set mit den Varianten C3 und C4. Im Vorjahr hatte Pirelli sich für eine Stufe härter entschieden und die Mischungen C2 bis C4 nach Australien geschickt. Der Reifenausrüster zog die Schlüsse aus dem Rennen 2023. Dort hielten die C2-Gummis sehr lange. Dank weicherer Reifen soll es mehr Abwechslung in Down Under geben.

Ferrari - DRS - GP Australien 2023
Wilhelm

Die Piloten können in Melbourne in vier DRS-Zonen den Heckflügel umklappen. Das soll für Action sorgen.

Die Updates

Seit dem letzten Rennen in Saudi-Arabien sind zwei Wochen vergangen. In der Zwischenzeit haben die Ingenieure in den Fabriken sicher einige neue Teile nachgelegt. Wir erwarten allerdings nur kleinere Veränderungen an den Autos. Mit großen Umbauten rechnen wir erst zum Europa-Auftakt in Imola (19. Mai).

Die aktuellen Hinterbänkler wollen so lange jedoch nicht warten. Sauber hat angekündigt, etwas gegen die schwache Performance bei den Boxenstopps zu unternehmen. Die Schweizer rangieren momentan nur auf dem neunten Platz im Boxenstopp-Ranking. Bei Guanyu Zhou ging in Jeddah der einzige Reifenwechsel komplett in die Hose.

Alpine benötigt ebenfalls dringend Upgrades. Die Franzosen fielen im Winter bis ans Ende des Feldes zurück. Der A524 leidet an Übergewicht und hat ein veritables Problem bei der Traktion. In Melbourne will das in Enstone beheimatete Team auf der aerodynamischen Seite das Manko angehen. Eine bessere Anströmung des Hecks soll den Fahrern Pierre Gasly und Esteban Ocon bessere Rundenzeiten ermöglichen.

Favoriten

Und täglich grüßt das Murmeltier. Max Verstappen hat neun Siege in Folge gefeiert. Die Frage über den Top-Favoriten vor dem Melbourne-Rennen ist somit beantwortet. Den Platz hinter Red Bull dürfte wieder Ferrari einnehmen. Die Italiener haben sich nach den ersten beiden Rennen als zweite Kraft etabliert. Sollte Red Bull in Probleme geraten, muss Ferrari zur Stelle sein.

Unklar ist noch, ob Carlos Sainz wieder im zweiten SF-24 sitzt. Der Spanier musste in Jeddah wegen einer Blinddarm-OP sein Cockpit an Oliver Bearman abtreten. Der Engländer stünde im Ernstfall wieder bereit.

Hinter Ferrari erwarten wir einen Kampf zwischen McLaren und Mercedes. In Saudi-Arabien hatten die Papaya-Renner die bessere Pace. Mercedes sorgt sich vor dem GP in Australien. Die schnellen Kurven ähneln denen von Jeddah. Dort mussten die Silberpfeile die bittere Erkenntnis schlucken, dass der W15 in zügigen Passagen zu viel Zeit verliert. Chefingenieur Andrew Shovlin kündigte für Melbourne nun Experimente am Mercedes an. In den Trainings am Freitag will das Team neue Wege ausprobieren und hofft, dass dadurch ein Sprung in Sachen Performance gelingt.

Aston Martin könnte im Qualifying erneut für eine Überraschung sorgen. Fernando Alonso zeigte in Bahrain und Saudi-Arabien den Speed des AMR24 auf eine Runde. Im Rennen jedoch scheint der Aston Martin ein diffiziles Auto zu sein. Lance Stroll feuerte sein Fahrzeug in Jeddah in die Tecpro-Bande. Alonso touchierte selbst die Wand und hatte Glück, den Grand Prix dennoch auf Platz fünf zu beenden.

Die zweite Liga der Formel 1 führt aktuell Haas an. Den US-Amerikanern gelang über den Winter der Sprung zurück ins Mittelfeld. Dank Nico Hülkenberg sammelte das Team in Saudi-Arabien den ersten WM-Punkt des Jahres. Trotz des guten Ergebnisses bleibt der Kampf gegen Williams, Toro Rosso, Sauber und Alpine eng. Die fünf Rennställe machen die Plätze elf bis 20 unter sich aus, wenn die Top-Teams an der Spitze ohne Probleme durchkommen.

George Russell - Mercedes - GP Australien 2023 - Melbourne
Motorsport Images

Der Motor am Mercedes von George Russell ging 2023 in Rauch auf und kostete den Engländer ein mögliches Podium.

So lief das Rennen im Vorjahr

Der letzte Besuch der Formel 1 im Albert Park war ein Spektakel. Satte dreimal musste die Rennleitung das Rennen wegen Unfällen unterbrechen. Doch der Reihe nach: Max Verstappen verlor von der Pole-Position startend den Sprint zur ersten Kurve gegen George Russell. Sein Nebenmann aus Reihe 1 beschleunigte den Weltmeister aus. In Kurve 3 quetschte sich auch noch Lewis Hamilton an Verstappen vorbei und sorgte für eine Mercedes-Doppelführung.

Charles Leclerc flog nach einer Berührung mit Lance Stroll beim Anbremsen zu Turn 3 ab und musste seinen Ferrari im Kiesbett abstellen. Das Safety-Car rückte aus, damit das Auto geborgen werden konnte. Den Restart in Runde 3 gewann Russell vor Hamilton und Verstappen. Vier Umläufe später verhängte die Rennleitung zum ersten Mal die rote Flagge. Alex Albon hatte in Kurve 6 die Kontrolle über seinen Williams verloren und schlug in der Tecpro-Bande ein. Nico Hülkenberg konnte nur mit Mühe dem auf der Strecke gestrandetem Wrack ausweichen.

Die Reperatur der Tecpro-Barriere machte die Unterbrechung notwendig. Pech hatte George Russell: Zunächst hatte die Rennleitung nur das Safety-Car rausgeschickt. Mercedes nutzte die Gelbphase, um die Reifen zu wechseln. Er fiel auf den siebten Rang zurück. Während der Unterbrechung des Grand Prix konnten jedoch alle Piloten in der Box die Reifen wechseln.

Den zweiten Rennstart des Tages gewann Lewis Hamilton. Verstappen konnte sich nur mit Mühe vor Fernando Alonso halten, Russell überholte zwei Autos und war bereits wieder Fünfter. In Runde 12 schnappte sich Verstappen dank DRS Hamilton vor Turn 9. Dessen Teamkollege Russell musste in Runde 18 seinen Mercedes abstellen. Ein Motorschaden zwang den Engländer zur Aufgabe. Das Virtual Safety Car gab den Marshalls die Möglichkeit, den Mercedes zu bergen.

Anschließend kehrte Ruhe ein. Verstappen hatte einen komfortablen Vorsprung auf Hamilton herausgefahren, der wiederum Alonso auf Abstand hielt. In Runde 53 schlug Kevin Magnussen mit dem rechten Hinterrad ausgangs Turn 3 an der Wand an. Das Rad an seinem Haas löste sich sofort und flog durch die Luft. Die Rennleitung entschied sich zum zweiten Mal an diesem Tag, das Rennen zu unterbrechen. Die Autos sammelten sich wieder in der Boxengasse. Zwei Runden waren da noch zu fahren.

Den dritten Start des Tages entschied Max Verstappen für sich. Hamilton hielt Platz zwei. Doch dahinter kam es zum Chaos. Carlos Sainz drehte mit seinem Ferrari Landsmann Alonso um. Sergio Perez rodelte durch das Kies und Logan Sargeant schoss Nyck de Vries ab. Den heftigsten Crash verursachten aber die beiden Alpine-Piloten. Esteban Ocon setzte sich im Ausgang von Kurve 2 neben Pierre Gasly. Der Franzose übersah seinen Landsmann und die beiden krachten in die Wand.

Die Rennleitung verhängte wieder die rote Flagge und ordnete die Reihenfolge aus Runde 56 an. Der Grand Prix endete hinter dem Safety-Car. Pech für Nico Hülkenberg: Der Deutsche hätte das Rennen auf Platz vier beendet.

Max Verstappen siegte vor Lewis Hamilton und Fernando Alonso. Der vierte Rang ging an Lance Stroll im zweiten Aston Martin. Sergio Perez wurde Fünfter. Lando Norris beendete das Rennen auf Platz sechs. Nico Hülkenberg sammelte als Siebter wichtige Punkte für Haas. Oscar Piastri feierte dank des achten Platzes beim Heimspiel seine ersten Zähler in der Formel 1. Die Top-Ten komplettierten Guanyu Zhou und Yuki Tsunoda. Carlos Sainz bekam für den Rempler gegen Fernando Alonso eine Fünf-Sekunden-Strafe und fiel aus den Punkten.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Bilder des spektakulären Rennens in Melbourne aus dem Vorjahr.

Zeitplan GP Australien 2024

Tag

Session

Uhrzeit (MEZ)

Freitag, 22.03.2024

1. Training

02.30 - 03.30 Uhr

2. Training

06.00 - 07.00 Uhr

Samstag, 23.03.2024

3. Training

02.30 - 03.30 Uhr

Qualifikation

06.00 - 07.00 Uhr

Sonntag, 24.03.2024

Rennen

ab 05.00 Uhr

Live
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