Vorschau GP Italien
Wiederholt sich die Geschichte?

Red Bull dominiert die Saison nach Belieben. Doch mit Monza kommt jetzt eine spezielle Strecke mit einer besonderen Geschichte. Wir haben die letzten Infos zur Grand-Prix-Party im Ferrari-Land.

Sergio Perez - GP Italien 2023
Foto: Red Bull

Die Formel 1 verabschiedet sich in Monza traditionell von Europa. Nach dem Vollgas-Klassiker begibt sich der Grand-Prix-Zirkus auf den harten Übersee-Endspurt mit acht Rennen in zehn Wochen. Was die Titelfrage angeht, gibt es schon jetzt keine Spannung mehr. Red Bull und Max Verstappen werden sich die Meisterpokale ein weiteres Jahr in den Trophäenschrank stellen dürfen. Die Frage lautet nur, wann die Titelverteidigung rechnerisch klar ist.

Unsere Highlights

Interessant ist auch noch, ob Red Bull am Ende komplett unbesiegt durch den Kalender fliegt. In einer ähnlichen Situation befand sich auch McLaren in der Saison 1988. Ayrton Senna und Alain Prost rasten von Erfolg zu Erfolg. Doch die perfekte Saison scheiterte am Ende ausgerechnet an Monza, wo beide Piloten vorzeitig ausfielen – ein Mal durch technischen Defekt an Alain Prosts McLaren und ein Mal durch eine Kollision von Ayrton Senna zwei Runden vor Schluss.

Die Frage, ob sich Geschichte wiederholt, stellt sich auch beim Blick in die jüngere Vergangenheit. Bei den letzten drei Italien-Grand-Prix sahen die Vorjahressieger jeweils nicht die Zielflagge. Kann Verstappen den Monza-Fluch dieses Jahr durchbrechen? Bisher brachte der Klassiker dem Champion nicht viel Glück. Vor seinem Sieg 2022 kam er in sieben Anläufen nicht über Rang fünf hinaus.

Der Highspeed-Tempel im königlichen Park hat seine ganz eigenen Gesetze. Wer ein gutes Auto auf anderen Strecken hat, muss nicht automatisch auch in Monza schnell sein. Der spezielle Charakter zeigt sich auch in der ungewöhnlich hohen Zahl an Überraschungssiegern. Viele werden sich noch gut an die erste Glanzstunde von Sebastian Vettel 2008 erinnern. Aus den letzten Jahren sind vor allem die Erfolge von Pierre Gasly im Alpha Tauri (2020) und Daniel Ricciardo im McLaren (2021) im Gedächtnis geblieben.

Auch das Wetter trägt regelmäßig dazu bei, dass Monza vom gewohnten Trott abweicht. Nach vielen Schauern in Spa-Francorchamps und Zandvoort sagen die letzten Prognosen aber trockene Bedingungen für das Europa-Finale voraus. Bei Temperaturen bis an die 30°C-Marke droht eher eine Hitze- als eine Regenschlacht.

Die Strecke: Autodromo Nazionale di Monza

Die 2023er-Ausgabe markiert das 73. F1-Rennen in der Geschichte in Monza. Auf keiner anderen Rennstrecke trug die Königsklasse des Motorsports so viele Grands Prix aus. 5,793 Kilometer lang, ein Vollgasanteil von rund 85 Prozent gemessen auf die Rundendistanz und Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 260 km/h im Qualifying – Monza ist vor allem schnell.

Neben den rund 1.000 PS starken Motoren samt Hybridsystem werden auch die Bremsen stark belastet. Viermal geht es pro Runde aus mehr als 300 km/h in die Eisen. Das ungewöhnliche Layout, das eigentlich nur aus Geraden besteht, die durch drei Kurven und drei Schikanen unterbrochen werden, ist immer wieder ein Garant für Action.

Der Anlauf von der Pole Position bis zum ersten Bremspunkt ist einer der längsten im Rennkalender. In der Schikane wird es deshalb am Start immer ganz eng. Unfälle sind hier die Regel und nicht die Ausnahme. Selbst nach der ersten Runde wird es in der Rechts-Links-Kombination meist brenzlig, wenn sich zwei Fahrer um die bessere Position streiten. So geschehen 2021, als Max Verstappen seinem Rivalen Lewis Hamilton übers Auto fuhr und beide im Kiesbett strandeten.

Die beiden DRS-Zonen befinden sich auf der Zielgeraden und dem Vollgasstück zwischen Lesmo 2 und der Ascari-Schikane. Die Fans können sich hier jedes Jahr auf heiße Windschattenschlachten freuen. Auch in der Qualifikation ist regelmäßig Teamwork zu beobachten. Wenn sich die eigenen Fahrer gegenseitig ziehen, kann das wichtige Zehntelsekunden bringen.

Pirelli Infografik GP Italien 2023
Pirelli

Pirelli bringt die weichsten Reifen nach Monza. Jeder Fahrer hat aber nur elf statt 13 Sätze zur Verfügung.

Fast Facts zum GP Italien

  • Streckenlänge: 5,793 Kilometer
  • Rundenzahl: 53
  • Gesamtdistanz: 306,968 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 11 (4 links, 7 rechts)
  • Rundenrekord: 1:21.046 min (Rubens Barrichello, 2004)
  • Pirelli-Reifen: C3, C4 & C5
  • Distanz Pole Position zum ersten Bremspunkt: 458 Meter
  • Länge Boxengasse unter Speed-Limit: 419 Meter
  • DRS-Zonen: 2 (T7-T8 / T11-T1)
McLaren - Formel 1 - Monza - GP Italien 2022
McLaren

Im Qualifying kann Teamwork helfen, um ein paar Zehntel zu gewinnen.

Setup

In Monza zählt fast nur Topspeed. Also braucht es einen leistungsstarken Motor, der am Ende der Geraden anschiebt, und eine windschlüpfige Verkleidung. Die Autos werden mit ultraschmalen Flügeln bestückt, die möglichst wenig Luftwiderstand produzieren. Theoretisch könnten die Rennwagen auch ganz ohne Heckflügel fahren, sagen die Ingenieure. Der Unterboden generiert genügend Anpressdruck.

Ohne den gewohnten Grip wird es für die Piloten in den wenigen Kurven umso schwieriger, die Ideallinie zu treffen. Und in Monza lauern fast überall tiefe Kiesbetten neben der Piste. Neben dem kräftigen Motor zählen vor allem Traktion aus den Schikanen und Bremsstabilität aus hohen Geschwindigkeiten. Das Fahrwerk darf deshalb nicht ganz nach unten geschraubt werden. Ein Auge sollte man auch auf das Thema Bouncing werfen.

Wer schnelle Rundenzeiten erzielen will, muss die hohen Randsteine mit in die Linie einbeziehen. Eine gute Fahrzeugbalance ist mitentscheidend, um das Auto in den Schikanen schnell umlegen zu können. Wichtig ist vor allem der Grip auf der Vorderachse. In den rechtwinkligen Kurven neigen die Autos sonst schnell zum Untersteuern.

Pirelli geht bei den Mischungen eine Stufe weicher als in der Vorsaison. Die Wahl von C3, C4 und C5 soll mehr Strategievarianten bringen. Dazu wird nach Budapest zum zweiten Mal die alternative Reifenzuteilung ausprobiert. Die Fahrer bekommen je zwei Sätze weniger von Pirelli – also nur elf statt 13. Das könnte für reduzierten Fahrbetrieb im Training sorgen. Im Qualifying sind die Mischungen für die einzelnen Abschnitte vorgeschrieben – harte Reifen im Q1, Mediums im Q2 und Softs im Q3.

Aston Martin - Technik - Formel 1 - GP Belgien 2022
ams

In Monza packen die Teams immer die schmalsten Flügel aus, die sie im Sortiment haben.

Updates

Wir schreiben das 14. Rennen des Jahres. Die zehn Teams beginnen so langsam ihren Fokus auf die Entwicklung der 2024er-Autos zu verlagern. Allerdings erfordert der Highspeed-Tempel von Monza spezielle Anpassungen. Stichwort Heckflügel. Weil auch Las Vegas im November einen extrem flachen Flügel verlangt, könnten mehr Teams als sonst noch eine neue Low-Downforce-Variante nachlegen.

Von McLaren ist bereits bekannt, dass in den letzten Wochen ein passendes Leitwerk gebacken wurde. In Spa vor der Sommerpause mussten die Piloten noch mit zu großen Schaufeln im Heck herumfahren und wurden dadurch auf den Geraden zur leichten Beute. Der Budget-Deckel erlaubt es den Teams aber nicht mehr, spezielle Monza-Kits zu bauen, wie es früher noch oft der Fall war.

Ferrari hat angekündigt, zumindest optisch verändert aufzutreten. Der SF-23 wird zum Heimspiel wie schon im Vorjahr eine Spezial-Lackierung bekommen. Der Look mit gelben Akzenten soll an den Le-Mans-Sieg Mitte Juni erinnern. Die Fahrer bekommen passend dazu auch noch neue Overalls und Helme verpasst.

Ferrari - GP Italien - Monza - Formel 1 - Lackierung
Ferrari

Ferrari lackiert gelbe Akzente auf sein Auto. Beim Heimspiel wollen die Italiener an den Le-Mans-Sieg erinnern.

Favoriten

In Zandvoort war maximaler Abtrieb gefragt, sieben Tage später werden wieder Mini-Flügel montiert. Wir sind gespannt, ob das etwas am Ergebnis ändert. Bei neun Verstappen-Siegen in Folge sollte man sich nicht zu viel erwarten, auch wenn Monza wie erwähnt ein Spezialfall ist. Red Bull hat ein sehr effizientes Auto, das regelmäßig die Topspeed-Tabellen anführt. Der RB19 sollte also auch beim Vollgas-Festival stark aussehen.

Von den Top-Teams ist auch Ferrari auf den Geraden immer gut dabei. Aston Martin erwarten wir dagegen eher nicht so stark, wie in Zandvoort. Mercedes und McLaren liegen irgendwo dazwischen. Aber Vorhersagen sind bei den geringen Abständen im Verfolgerfeld sehr schwierig. Gut möglich, dass auch das ein oder andere Auto aus dem Mittelfeld ganz vorne mitmischen kann.

Vor allem der Williams ist als erster Kandidat für eine große Überraschung zu nennen. Je höher der Vollgasanteil, desto größer die Chancen der blauen Raketen. Wenn Alex Albon am Sonntag vom Podium grüßt, wäre das sicher nicht die größte Sensation in der F1-Geschichte. Wenig Hoffnung haben wir dagegen für die Alfa-Romeo-Piloten. Der Sauber C43 produziert einfach zu viel Luftwiderstand.

Max Verstappen - GP Italien 2022
Wilhelm

Vor seinem Sieg 2022 war Monza für Max Verstappen kein gutes Pflaster.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Italien 2022

Vor zwölf Monaten hat Max Verstappen den Tifosi schon ein Mal die Heimparty versaut, was neben der aktuellen Ferrari-Schwäche wohl auch dazu beigetragen hat, dass die Veranstalter diese Saison mit verhaltenem Zuschauerinteresse kämpfen. Dabei sah es am Start des Rennens eigentlich noch gut aus für die Italiener. Charles Leclerc übernahm von der Pole Position aus das Kommando. Eine Attacke von George Russell in der ersten Schikane wehrte der Monegasse knallhart ab.

Max Verstappen musste nach einer Motorenstrafe vom siebten Startplatz losfahren und hatte eine Aufholjagd vor der Brust. Doch der Niederländer legte direkt los wie die Feuerwehr. Nach zwei Runden lag er schon auf Rang drei. Im fünften Umlauf war Russell fällig. Der Rückstand auf Leclerc betrug da gerade einmal zwei Sekunden. Ein virtuelles Safety-Car im zwölften Umlauf, ausgelöst durch einen Antriebsschaden bei Sebastian Vettel, lockte die Ferrari-Strategen zu einem frühen Boxenstopp.

Red Bull reagierte nicht und machte stattdessen mit Verstappen das Gegenteil. Nach seinem späten Stopp in Runde 25 kam er zehn Sekunden hinter Leclerc zurück auf die Bahn, holte mit den deutlich frischeren Reifen aber direkt im Eiltempo auf. Mit diesem Tempo-Überschuss schien der Weltmeister nicht zu halten. Also zückte Ferrari Plan C aus der Schublade. Leclerc kam ein zweites Mal zum Reifenwechsel, der ihn allerdings aussichtslos zurückwarf.

Die Ferrari-Strategie war sicher nicht die glücklichste, an diesem Tag hätte man Verstappen aber wohl auch mit einer anderen Taktik nicht vom Sieg abgehalten. Red Bull profitierte vom Verschleißvorteil bei den Reifen und damit von einer besseren Pace auf den Longruns. Wenig Spannung gab es auch bei der Frage nach dem dritten Mann auf dem Podium. Russell beendete ein einsames Rennen auf dem Bronzeplatz. Für viel Aufsehen sorgte Nyck de Vries, der bei seinem F1-Debüt im Williams auf Platz neun direkt WM-Punkte sammelte. Damit empfahl er sich für ein Stammcockpit bei Alpha Tauri.

Zeitplan

Zeitplan GP Italien 2023

Datum 

Session

Uhrzeit

Freitag, 1. September 2023

1. Training

13.30-14.30 Uhr

2. Training

17.00-18.00 Uhr

Samstag, 2.September 2023

3. Training

12.30-13.30 Uhr

Qualifikation

ab 16 Uhr

Sonntag, 3. September 2023

Rennen

ab 15 Uhr

Live
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