Schwache Williams-Pace in Melbourne
Albon-Auto bis Suzuka repariert

GP Australien 2024

Williams startete nach Albon-Crash nur mit einem Fahrer in Australien. Das Team ist zuversichtlich, das zweite Chassis bis Suzuka repariert zu haben. Die schwache Pace in Melbourne wirft allerdings Fragen auf.

Alex Albon - Williams - Formel 1 - Melbourne - GP Australien - 22. März 2024
Foto: xpb

Das Malheur nahm im ersten Training des Grand Prix von Australien seinen Lauf. Alexander Albon feuerte Ausgang Kurve 6 seinen Williams in die Mauer. Der Thailänder beschädigte dabei das Monocoque des FW46 so massiv, dass Williams das Auto zurückziehen musste. Das Traditionsteam verfügt aktuell nur über zwei gefertigte Chassis-Röhren. Deshalb ordnete Teamchef James Vowles an, dass Logan Sargeant seinen Rennwagen für den Rest des Wochenendes an Albon abtreten musste. Dem ehemaligen Red-Bull-Piloten traute Vowles eher zu, ein Punkte-Resultat abzuliefern.

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Auf dem hauseigenen YouTube-Kanal äußerte sich James Vowles zu den Gründen dieser Entscheidung. "Ich treffe Entscheidungen, die auf Fakten und Daten basieren. Und diese Daten habe ich jedem gezeigt." Nummer-1-Fahrer Albon ist der schnellere der beiden Piloten. Die Zweiklassengesellschaft der Formel 1 führt dazu, dass die Teams aus der zweiten Tabellenhälfte es schwer haben, zu punkten. Vowles entschied mit Weitsicht: "Nur die ersten Zehn bekommen Punkte. Am Ende des Jahres werden die unteren fünf Teams eng zusammenliegen. Unter diesen Umständen musst du deine beste Karte spielen – und die ist Alex."

Vowles bekräftigte, wie schwer ihm diese Maßnahme fiel: "Es war die härteste Entscheidung, seitdem ich in diesem Sport bin. Aber es war die richtige Entscheidung. Niemand von uns will jemals wieder in dieser Situation stecken. Wir wollen zwei wettbewerbsfähige Autos an den Start bringen und unseren Fahrer ermöglichen, am absoluten Limit zu kämpfen."

Alex Albon - Williams - GP Australien 2024
Williams

Alex Albon crashte den Williams FW46 im ersten Training in Melbourne und zerstörte das Chassis.

Williams nur mit zwei Chassis

Nur ein Auto ins Rennen zu schicken und Logan Sargeant auf die Bank zu setzen, bezeichnete Vowles als "Desaster". Die Umstrukturierung bei Williams sei laut dem ehemaligen Mercedes-Mann der Hauptgrund, dass das Team bisher nur über zwei fertige Chassis verfügt. Der FW46 ist technisch ein weitaus komplexeres Auto, als seine Vorgänger. Diese Umstellungen verhinderten die Fertigstellung des dritten Chassis. Das soll sich für die Zukunft ändern: "Es ist in Arbeit, aber noch nicht verfügbar."

Beim nächste Rennen in Suzuka (7.4.) sollen aber wieder beide Williams starten können. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das zweite Chassis bis dahin repariert haben. Wir haben schon in Melbourne Fotos gemacht und erste Tests durchgeführt. Es wurde alles dafür getan, dass das Chassis schnell zurück in die Fabrik kommt. Es kam am Montag um 2 Uhr morgens in der Fabrik an. Seitdem wird daran gearbeitet." Vowles bestätigte aber auch, dass das dritte Chassis nicht bis zum Japan-Grand-Prix fertig wird. Williams muss also wieder mit lediglich zwei Autos auskommen.

Logan Sargeant - Formel 1 - GP Australien 2024
xpb

Logan Sargeant will in Japan wieder starten. Der US-Boy musste sein Auto in Melbourne an Teamkollege Alex Albon abtreten.

Albon-Crash kostet Punkte

Williams kam der Crash teuer zu stehen. Und das nicht nur bei den Reparaturkosten. In Melbourne punktete die direkte Konkurrenz von Toro Rosso und Haas. Drei Autos der unteren Tabellenhälfte schafften es in die Top-Ten. Alex Albon wurde wie schon in Jeddah Elfter. Ein Umstand, der James Vowles umtrieb. "Der Unfall kostete uns wertvolle Punkte. Unsere Konkurrenten hingegen sammelten viele Punkte."

Das schlägt sich bei Williams auch auf das Gemüt nieder, wie Vowles unumwunden preisgab. "Das wird noch lange in unseren Köpfen stecken, weil es schmerzt." Der Engländer will mit seinem Team aus dem Wochenende lernen. "Der Schmerz treibt uns an, um sicherzustellen, dass das nicht nochmal passiert. Wir wollen das Wochenende nicht einfach vergessen, wir wollen uns daran erinnern."

James Vowles - Williams - F1-Test Bahrain 2024
xpb

Williams-Teamchef James Vowles zeigte sich über die schwache Williams-Pace in Melbourne enttäuscht.

Williams-Pace schwach in Melbourne

James Vowles bezog auch zur Performance auf der Rennstrecke Stellung. Die gefiel dem Teamchef in Australien nicht. "In den ersten beiden Rennen waren wir die Schnellsten aus der zweiten Tabellenhälfte oder auf Augenhöhe mit Toro Rosso und Haas. In Melbourne waren wir weg von der Pace. Es war überraschend, wie langsam wir an unterschiedlichen Stellen des Rennens waren."

Der Unfall Albons beeinträchtigte das Programm des einstigen Top-Teams massiv, wie Vowles zugab. "Wir haben am Freitag die Chance verloren, uns richtig vorzubereiten. Das beeinflusste das Rennen. Wir haben auch das Setup des Autos nicht hinbekommen." Zudem bremste Logan Sargeant im ersten Training einen Flatspot in den Medium-Reifen.

Der 44-Jährige hob nochmal hervor, wie wichtig ein reibungsloser Trainingstag für das Team ist. "Jede Runde zählt. Wir müssen unsere Erkenntnisse am Freitag vollständig beisammen haben, damit wir uns in diesem engen Mittelfeld behaupten können." Dafür benötigt Williams beide Autos. Ein Crash am Trainingsfreitag in Suzuka würde die Truppe erneut in die Defensive zwingen.