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Williams-Erfolg: Platz 7 trotz Entwicklungsstopp

Williams schlägt Alpha Tauri
Platz sieben trotz Entwicklungsstopp

Es war eine große Aufgabe für Alpha Tauri, beim Finale Williams im Kampf um Platz 7 noch zu überholen. Obwohl Williams ohne Punkte nach Hause fuhr, hat der britische Rennstall das Duell gewonnen. Es war ein doppelter Sieg.

Alex Albon - Abu Dhabi 2023
Foto: Wilhelm

Die vier Teams am Ende der Formel-1-Tabelle haben zusammen 81 von insgesamt 2.460 WM-Punkten geholt. Das entspricht einer Quote von 3,29 Prozent. Allein daran zeigt sich, wie schwer die Aufgabe war, vor der Alpha Tauri stand. Der italienische Rennstall musste beim Finale in Abu Dhabi mindestens acht Punkte auf Williams gutmachen, um den britischen Rennstall noch von Platz 7 zu stoßen.

In Las Vegas hatte Williams die goldene Chance verpasst, den Vorsprung auf seinen Kontrahenten auszubauen. Schnelle Strecken und kühle Temperaturen sind das Revier der blauen Autos. Doch hartnäckiges Körnen der harten Reifen im Rennen bescherte Williams nach der besten Ausgangsposition der Saison mit den Startplätzen fünften und sechs eine Nullrunde.

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Abu Dhabi war Alpha-Tauri-Land. "Die haben klar mehr Abtrieb als wir", urteilte Williams-Teamchef James Vowles. Noch dazu, wo der Rennstall aus Faenza mit dem sechsten neuen Unterboden in diesem Jahr auftauchte. Der sechste Startplatz von Yuki Tsunoda war ein erster Warnschuss an Williams.

Warum Daniel Ricciardo nicht über das Q2 hinauskam, verstanden weder der Fahrer noch die Ingenieure. "Vielleicht ein bisschen Wind hier und da oder ein paar Grad weniger Reifentemperatur", erklärte Chefingenieur Jonathan Eddolls. Möglicherweise war man mit den Setupänderungen von Freitag im Fall Ricciardo über das Ziel hinausgeschossen. "Daniel wollte mehr Abtrieb vorne, Yuki mehr hinten."

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - GP Abu Dhabi 2023 - Abu Dhabi - Formel 1
Wilhelm

Alpha Tauri verschenkte mit der Tsunoda-Taktik ein paar Punkte.

Nur mit alternativer Taktik eine Chance

Mit nur einem Auto in den Top Ten zu Beginn des Rennens wurde die Mission noch schwerer. Geschäftsführer Peter Bayer erklärte: "Wir gingen davon aus, dass wir unter normalen Umständen mit Yuki auf den achten Platz fahren würden. Das hätte nicht gereicht. Also haben wir uns eine alternative Strategie ausgedacht."

Die Ingenieure setzten auf einen Stopp. Als Fernando Alonso mit seinem frühen Boxenstopp in Runde 12 alle Fahrer um ihn herum ebenfalls in die Boxen zog, um Undercuts vorzubeugen, blieb Tsunoda auf der Strecke. Bayer gab zu, dass man da womöglich falsch reagiert habe. Mercedes stellte seine geplante Einstopp-Strategie für George Russell um und heulte mit den Wölfen.

Für Tsunoda zahlte sich die Idee mit dem einzigen Reifenwechsel in Runde 22 nicht aus. Im Finale waren seine harten Reifen zwischen zwölf und 14 Runden älter als die der Konkurrenz. Innerhalb von 18 Runden wurde er von Russell, Perez, Norris, Piastri und Alonso geschluckt. Der scheidende Teamchef Franz Tost kritisierte seine Strategen hinterher für die falsche Taktik. Eddolls bedauerte: "Wir hätten heute ein Auto auf Platz sechs oder beide auf den Plätzen sieben und neun gebraucht. Das war nicht möglich."

Williams Teamfoto - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2023
xpb

Williams erreichte trotz Schmalspur-Entwicklung Rang sieben in der Teamwertung.

Spielt ein Abreißvisier Schicksal?

Vielleicht wäre Tsunoda mit zwei Stopps Siebter geworden, doch es hätte auch dann nicht gereicht, Williams vom Sockel zu stürzen, wenn Ricciardo zusätzlich noch Zehnter geworden wäre. Dem Australier fehlte noch eine Runde. Er kam eine halbe Sekunde hinter Lance Stroll ins Ziel. Da bestrafte ihn die Zeit, die er hinter Logan Sargeant verloren hatte.

Williams setzte den Amerikaner bewusst darauf an, Ricciardos Kreise zu stören. Die eigene Taktik war in dem Moment egal. Sargeant erledigte seine Aufgabe mit Bravour. Er hielt den Alpha Tauri acht Runden lang in Schach und raubte ihm damit fünf Sekunden Rennzeit.

Möglicherweise besiegelte ein Abreißvisier das Schicksal von Alpha Tauri. Es zwang Ricciardo schon in der siebten Runde an die Box, weil es sich in einer der vorderen Bremsbelüftungen verfangen hatte. "Diese frühen Boxenstopps hatten einen Dominoeffekt, auch wenn sie weiter hinten stattfanden", analysierten die Mercedes-Strategen. "Magnussen und Ricciardo haben allen vor Augen geführt, wie gut die harten Reifen gehen, und sie zwangen ihr direktes Umfeld darauf zu reagieren. Das hat sich im Feld nach vorne fortgepflanzt."

James Vowles - Williams - GP Bahrain 2023 - Sakhir - Formel 1
xpb

James Vowles hätte auch in Kauf genommen, dass Williams Platz 7 noch verliert. So war es ein doppelter Sieg.

Williams stoppt Entwicklung nach Spa

Lange in der Saison sah es so aus, als müsste sich Williams vor Alpha Tauri keine Sorgen machen. Vor dem GP Singapur stand es 21:3 für Williams. "Wenn Albon von Perez in Singapur nicht abgeschossen worden wäre, hätten wir den Sack da schon zugemacht", ist Teamchef Vowles überzeugt.

So wurde es doch noch eine Zitterpartie für den drittältesten Rennstall der Formel 1. Williams hatte die Weiterentwicklung des FW45 nach dem GP Belgien weitgehend eingestellt. Alpha Tauri absolvierte dagegen das größte Upgrade-Pensum aller Teams. Bei 18 der 22 Rennen kamen neue Teile ans Auto mit insgesamt 65 Detailänderungen. Allein sechs neue Unterböden durchliefen das Entwicklungsprogramm.

Vowles entschied sich bewusst dafür, die Arbeit am FW45 früh einzustellen. Auch wenn es das Team vier Millionen Dollar gekostet hätte, wäre Alpha Tauri noch vorbeigezogen. "Wir wollten uns früh auf 2024 konzentrieren. Auch wenn damit das Risiko bestand von Alpha Tauri überholt zu werden. Ich weiß, dass ich da meinen Fahrern und dem Rennteam viel abverlangt habe. Sie sollten Platz sieben mit einem Arm am Rücken verteidigen. Aber es geht mir nicht um Platz 7, 8 oder 9 heute, sondern um den großen Schritt morgen."

Dabei wird 2024 nur ein Zwischenschritt auf dem Weg nach oben sein. Die echte Aufbauarbeit wird in den nächsten zwei Jahren stattfinden, wenn Williams seine Infrastruktur fitmachen und sein Personal aufstocken will. Da war laut Vowles die Platzierung in diesem Jahr fast schon egal. "Wenn wir in diesem Jahr versucht hätten das Entwicklungstempo von Alpha Tauri mitzugehen, hätten wir vielleicht heute gewonnen, dafür aber morgen verloren. So haben wir mit dem Endstand wie er jetzt dasteht zwei Siege errungen. Wir sind Siebter und haben eine gute Basis für die Zukunft geschaffen."