Formel E Mexiko-Stadt 2024
Pascal Wehrlein dominiert Auftakt

Die zehnte Saison der Formel E startete mit einer Pascal-Wehrlein-Party. Der Porsche-Pilot setzte seine starke Qualifying-Leistung im Rennen fort und zeigte den Jaguar-Rivalen ihre Grenzen auf. Im Anschluss musste er jedoch länger um den Triumph zittern.

Formel E - Mexiko 2024 - Pascal Wehrlein - Porsche
Foto: Motorsport Images

Porsche und das Autódromo Hermanos Rodríguez bleiben eine Liebesgeschichte: Zum dritten Mal in Folge gewann dort auf der kürzeren Formel-E-Schleife ein Antrieb aus Weissach. Was Pascal Wehrlein auch diesmal recht einfach aussehen ließ, war jedoch mit gleich zwei bangen Momenten verbunden. Bereits in der Qualifikation hätte sein Samstag (13.1.) eine komplett andere Wendung nehmen können.

Der Deutsche schaffte im Gegensatz zu seinem Teamkollegen António Félix da Costa aber den Sprung in die K.o.-Phase – allerdings auf dem letzten Platz vor dem Cut. In den Duellen war Wehrlein schließlich unschlagbar. Sébastien Buemi (Envision-Jaguar) sicherte sich den zweiten Rang, die restlichen Top 5 füllten Maximilian Günther (Maserati-DS) und das Jaguar-Duo Nick Cassidy sowie Mitch Evans auf. Die beiden Neuseeländer hatten je einen Strafplatz nach einem Trainingsvergehen im Gepäck.

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Formel E - Mexiko 2024 - Pascal Wehrlein - Porsche
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Dank einer starken Quali-Leistung startete Pascal Wehrlein von der Pole-Position. Die Werks-Porsche trugen in Mexiko eine Sonderfolierung namens Provence.

Harter Frijns-Crash als Wendepunkt

Vor über 40.000 Zuschauern gingen 21 Fahrer in den Auftaktlauf. ERT-Racer Sérgio Sette Câmara hatte wegen Technik-Zoffs schon vorher aufgeben müssen. Die Startphase war zunächst überraschend gesittet und sah einen fehlerlosen Pascal Wehrlein. Buemi und Günther hielten sich in den ersten Verfolger-Positionen. Mit der Freigabe der Attack-Mode-Schleifen wurde es dann gewohnt hektisch.

Als beliebteste Kombination kristallisierte sich die Taktik von 2+6 Minuten (bzw. andersherum) heraus. Auch Wehrlein entschied sich dafür und konnte sich im Chaos der frühen Aktivierungen in der Top 2 halten. Ab der neunten Runde änderte sich die Dynamik des Rennens dramatisch, als ein harter Abflug von Robin Frijns (Envision-Jaguar) ausgangs des Stadions eine Neutralisierung erzwang. Glücklicherweise blieb der Niederländer diesmal unverletzt.

Zu diesem Zeitpunkt lag Buemi in der Führung. Der Schweizer hatte aber noch zwei Minuten mit 50 Zusatz-Kilowatt offen. Sein deutscher Rivale konnte seine Pflichtaufgabe schon abhaken, verlor unter Gelb jedoch Boost-Zeit. Hinter den beiden erhoffte sich Maxi Günther derweil ein Podium. Doch auch der Oberstdorfer mit Wohnsitz im aktuell deutlich wärmeren Monaco musste noch abbiegen. In seinem Fall waren es sogar vier verbliebene Minuten.

Formel E - Mexiko 2024 - Maximilian Günther - Maserati
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Maximilian Günther kämpfte sich nach einem unglücklichen Trainingsunfall eindrucksvoll zurück und holte am meisten aus dem DS-Paket heraus.

Buemi hoffte auf Strafe

Am Ende der elften von ursprünglich 35 Runden wurde der Auftakt wieder freigegeben. Die Teams hatten ihre Strategie da schon auf potenzielle Zusatzumläufe angepasst. Buemi führte das Feld dominant zurück in die Rennaction und versuchte, zügig einen Puffer für seinen Attack-Mode zu finden. Der Vorsprung auf Wehrlein zeigte sich schlussendlich als zu klein und ließ den Deutschen zurück auf den Platz an der mexikanischen Sonne springen.

Der Porsche-Pilot taktete seinen Speed anschließend und baute zunächst einen größeren Abstand auf. Buemi schien sich mit dem zweiten Platz abfinden zu müssen. Beim Kampf um den letzten Podiumsrang hatte Günther Pech. Durch seinen zweiten Attack-Mode fiel er hinter Cassidy zurück und konnte nicht mehr kontern. In einer ansonsten ruhigen zweiten Rennhälfte versprach nur noch die Ergänzung von zwei Runden Energie-Drama.

Weil da schon feststand, dass die Porsche-Antriebe von Wehrlein und einem diesmal blassen Vorjahressieger Jake Dennis (Andretti-Porsche) Anlass einer Untersuchung waren, ging Buemi selbst bekundet aber kein Risiko. Da auch Günther die Schluss-Pace gegen Cassidy fehlte, stand das vorläufige Podium fest.

Formel E - Mexiko 2024 - Sébastien Buemi - Envision-Jaguar
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Der letzte Formel-E-Sieg gelang Sébastien Buemi beim ersten New-York-Lauf der Saison 2018/2019. Dank des Kunden-Jaguar-Antriebs ist er wieder nahe dran.

Bitteres Abt-Jubiläum

Während Porsche auf Nachrichten der FIA wartete, leckte die andere deutsche Mannschaft Abt ihre Wunden. Deren Rückkehrer Lucas di Grassi war mit Bremsproblemen früh ausgeschieden. Sein Teamkollege Nico Müller wäre hingegen fast von einem überambitionierten Da-Costa-Manöver aus dem Rennen genommen worden, konnte nach dem Treffer aber immerhin noch Daten sammeln.

CEO Thomas Biermaier ärgerte sich mal wieder: "Für unser 100. Rennen und den Saisonauftakt, gerade vor diesen fantastischen Fans, hätten wir uns natürlich ein anderes Rennen gewünscht. In den Trainingssitzungen am Freitag und Samstag haben wir immer wieder Lichtblicke mit guten Zeiten gesehen. Aber wir sind auch deutlich daran erinnert worden, wie viel Arbeit wir in den nächsten Tagen und Wochen vor uns haben."

Vorerst muss man diese noch mit dem Mahindra-Motor erledigen. Ab der nächsten Saison wird Abt allerdings einen neuen, noch unbekannten Antriebspartner haben, wie man in Mexiko bestätigte. Schon länger gab es Avancen in Richtung von Porsche – der Konzernschwester des Hauptsponsors Cupra.

Formel E - Mexiko 2024 - Lucas di Grassi - Abt Cupra-Mahindra
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Die zweite Gen3-Saison begann für Abt mit mehr Schatten als Licht. Die Allgäuer stellen sich jedoch nicht nur dem Kampf, sondern parallel auch die Weichen für 2025.

28 Punkte für Wehrlein

Nach längerem Zittern durften in Weissach auch die letzten Korken knallen. Die Vermutung einer falschen Gaspedal-Einstellung erwies sich als nicht nachweisbar. Durch seine Pole-Position und den Sieg verabschiedet sich Wehrlein mit zehn Zählern Vorsprung auf Sébastien Buemi aus Mexiko. Nick Cassidy reist mit der schnellsten Rennrunden und 16 Punkten ab. Maxi Günther (12) und Mitch Evans (10) komplettieren eine zunächst wenig repräsentative Top 5. Evans trauerte wegen eines späten Lenkungsproblems einem besseren Ergebnis hinterher. Sein letztjähriger Rivale Jake Dennis konnte mit Rang neun ebenfalls nur bedingt zufrieden sein.

Trotz des Ausfalls von da Costa, der in Diriyah auch noch drei Strafplätze verkraften muss, ist das Porsche-Werksteam bis zum Saudi-Double-Header am letzten Januar-Wochenende die Nummer eins. Jaguar steht mit kombinierten 26 Zählern nur bedingt schlechter da. Bei den Titelverteidigern von Envision zeigt man sich über die 18 Buemi-Punkte recht zufrieden.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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