Formel E Saudi-Arabien 2024 – Rennen 1
Weltmeister Dennis schlägt zurück

Nach einem schwierigen Saisonstart in Mexiko hat sich der amtierende Champion Jake Dennis (Andretti-Porsche) wieder in alter Stärke präsentiert. Das erste von zwei Rennen in Saudi-Arabien sah zunächst einen harten Dreikampf mit dem Pole-Setter Jean-Éric Vergne (DS Penske) und Mitch Evans (Jaguar), dann zog der Brite unaufhaltsam davon. Evans wurde in der letzten Runde zum tragischen Helden.

Formel E - Saudi-Arabien - Diriyah 2024 - Jake Dennis - Andretti-Porsche
Foto: Motorsport Images

Die zehnte Saison der Formel E wird weiter von Porsche dominiert. Jake Dennis gelang im Kundenauto der Deutschen eine absolute Machtdemonstration, die an sein triumphales Jahr 2023 erinnerte. Die Grundlage schuf der Andretti-Racer in der Quali. Zwar scheiterte er im Halbfinale an Mitch Evans, aber im Vergleich zu Mexiko war der dritte Rang eine deutliche Steigerung. Abgerundet wurden die Top 5 von der Überraschung Sérgio Sette Câmara (ERT) und von Dennis' Teamkollegen Norman Nato. Pascal Wehrlein (Porsche) wurde vor Nick Cassidy (Jaguar) und Maximilian Günther (Maserati-DS) Sechster.

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Wie in Mexiko kündigten die Umstände ein sehr taktisch geprägtes Rennen an. Die FIA hatte sowohl das Verbrauchslimit als auch die Runden verringert, was den Fokus mehr auf die eigene Leistung und weg von Gruppenbildung verschiebt. Obwohl die Befürchtungen eines so ruhigen Auftakts wie auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez nicht eintrafen, sollte der Freitags-Lauf (26. Januar) tatsächlich stark von Strategie geprägt sein. Dazu kam der anspruchsvolle Streckencharakter mit extrem technischen Passagen.

Formel E - Saudi-Arabien - Diriyah 2024 - Jean-Éric Vergne - DS Penske
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Durch seine 16. Pole beendete "JEV" nicht nur eine Durststrecke (vorher: Jakarta 2022). Obendrauf zog er mit Rekordhalter Sébastien Buemi gleich.

Kampf der großen Drei

Zu Beginn leuchtete der goldene Rennwagen von Vergne am hellsten in der saudischen Nacht. Der Altmeister gewann den Start und lag die eröffnenden Umläufe vorne. Trotz einer kontaktreichen Durchfahrt der ersten Kurven blieb dem Feld eine Neutralisierung erspart. Evans und Dennis kamen mit Fehlern davon und behielten die Verfolgerrolle. Wehrlein fiel durch eine Sandwich-Situation auf den neunten Rang zurück.

In kurzer Abfolge bogen die drei Spitzenfahrer ab der dritten von insgesamt 37 Runden in die Aktivierungsschleifen des Attack-Mode ab. Die vorderen Vertreter von DS, Jaguar und Andretti-Porsche entschieden sich allesamt für das Kombinieren von zwei und sechs Minuten. Besonders eilig hatte es dabei Vergne, welcher schnell die Pflichtaufgaben hinter sich brachte. Der Plan der DS-Strategen ging jedoch nicht wie erhofft auf und ließ Dennis nach nicht mal einem Viertel die Führung übernehmen. Evans wollte ebenfalls dauerhaft vorbei und lieferte sich ein enges, durch unterschiedliches Boost-Timing geprägtes Geplänkel mit Vergne, das sich kurz noch auf Dennis ausweitete. Der Neuseeländer übertrieb es dabei allerdings in Form eines zu späten Bremsmanövers, was seinen französischen Rivalen final wieder auf den zweiten Platz bugsierte.

Während die Spitze ins Management überging, zögerten weite Teile des Feldes ihre Extra-Power in die zweite Rennhälfte heraus. Als Gewinner dieser Entwicklung stellte sich Nick Cassidy heraus. Der zweite Jaguar-Werksfahrer arbeitete sich durch späteren Boost vom siebten Startplatz an den Rand des Podiums vor. Die britische Truppe nutzte die räumliche Nähe ihrer Fahrer für ein smartes Management im Schlussspurt.

Formel E - Saudi-Arabien - Diriyah 2024 - Mitch Evans - Jaguar
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Mitch Evans und Jean-Éric Vergne lieferten sich ein hartes Duell samt Kontakt.

Dominanter Dennis, enttäuschter Evans

Jake Dennis bekam von der wachsenden Hektik der zweiten Hälfte nichts mit. Nach der Zieleinfahrt mit einem gigantischen Vorsprung von über 13 Sekunden berichtete er: "Ich habe den ersten Aufruf des Teams zum Nutzen des Attack-Mode ignoriert und bin eine weitere Runde gefahren. Das hat den Unterschied gemacht, was die Mannschaft zu schätzen wusste. Es ist gut, dass man mir solche Freiheiten gibt." Beruhigt habe ihn die starke Pace, die selbst im Falle eines Safety-Car genügend Sicherheit gebracht hätte. "In Mexiko haben wir etwas Neues ausprobiert, was in die Hose ging. Deswegen wählten wir die alte Basis und sind wieder vorne."

Unter einem fehlenden Grundspeed litt derweil Jean-Éric Vergne, dessen verfügbare Energiemenge über weite Teile des Schlussspurts stärker als bei der Konkurrenz aufgebraucht war. Trotzdem verbanden sich Glück und Können zu einem zweiten Platz. "Wir waren nicht so schnell wie Dennis und die verfolgenden Jaguar, haben im Vergleich zum letzten Diriyah-Wochenende allerdings einen riesigen Schritt gemacht." Da könne man nicht enttäuscht sein. Der dritte Podiumsgast war zwar ein Jaguar-Fahrer – aber nicht Mitch Evans.

Wie zuvor hatte er den Anschluss an Vergne gefunden. Bei der letzten Chance in der Abschlussrunde riskierte der Neuseeländer alles und verpasste dann – auch wegen eines Zuckens des DS-Gegners – die Bremszone. Während Cassidy somit 2024 zum zweiten Mal Dritter wurde, musste sich der zurückgefallene Evans erneut mit der fünften Position abfinden. Fast hätte auch noch Sam Bird (McLaren-Nissan) in das vordere Kampfpaket eingegriffen. Sein vierter Platz macht trotzdem Mut für die Papaya-Mannschaft.

Formel E - Saudi-Arabien - Diriyah 2024 - Jake Dennis - Andretti-Porsche
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Back to Basics: Jake Dennis ist wieder in Weltmeisterform und verwies die genervte Konkurrenz auf die unteren Stufen.

Pascal Wehrlein spielt keine Rolle

Der immerhin noch in der Weltmeisterschaft führende Auftaktsieger Wehrlein (32 Punkte) wird mit dem Freitag hadern. Zum einen verlor er das Viertelfinale gegen Dennis. Zum anderen ging es im Rennen auf P8 zurück. Ein erneuter Nachteil war dabei, dass sein Kollege António Félix da Costa durch eine verpatzte Quali im hinteren Mittelfeld abtauchte. Der Blick in die WM-Stände stellt sich so weniger erfreulich dar. Bei den Piloten hat Nick Cassidy nur einen Zähler Rückstand. Auch Pole-Punkte-Sammler Vergne (29) und Sieger Dennis (28) sind de facto gleichauf. Bei den Teams rutschte Porsche auf die vierte Position ab. Jaguar führt mit 51 Zählern vor Andretti (37), DS Penske (33) und den Weissachern (32).

Aus deutschsprachiger Sicht ist höchstens der siebte Platz von Günther eine positivere Randnotiz. Der Allgäuer resümierte: "Das war das Maximum heute. Auf der Strecke ist das Überholen extrem schwierig." Abt verfehlte derweil klar die Punkte. Der zweite Lauf im Westen von Riad startet am Samstag ebenfalls kurz nach 18:00 Uhr deutscher Zeit.

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