Formel E Tokio 2024
Maximilian Günther gewinnt Japan-Debüt

Das lange erkämpfte erste Rennen der Formel E in Tokio belohnte die Elektro-Serie mit einem spannenden Verlauf. Erst im Schlussspurt setzte sich São-Paulo-Überholkönig Maximilian Günther (Maserati-DS) gegen den Nissan-Lokalhelden Oliver Rowland durch. Porsche verpasste zwar das Podium, aber holte wichtige Zähler im Kampf gegen Jaguar.

Formel E - Tokio 2024 - Maximilian Günther - Maserati-DS
Foto: Formel E

Nach vielen Jahren der politischen Verhandlungen und Vorbereitungen erfüllten sich die Macher der Formel E am Samstag vor Ostern (30.3.) ihren großen Traum. Der enge, extrem technische Kurs auf dem Messegelände "Tokyo Big Sight" ist der erste seiner Art in der stolzen Motorsport-Nation, die zuvor noch nie ein Auto-Stadtrennen gesehen hatte. Ohne die grüne Marketing-Initiative der Multimillionen-Metropole wäre es auch sicher so geblieben.

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Dementsprechend gab sich die Weltmeisterschaft reichlich Mühe, aus dem eher kargen Areal auf einer vorgelagerten, künstlichen Insel eine gebührende Bühne zu machen. Gleich zwei Ankündigungen unterstrichen die Bedeutung des Neuzugangs. Zum einen schwor Nissan der Formel E bis 2030 die Treue und erklärte so als erster Hersteller die Unterstützung für die vierte Auto-Generation. Diese feiert erst in zweieinhalb Saisons ihr Debüt, soll aber schnellstmöglich in den Testbetrieb gehen.

Zeitlich näher ist zum anderen der Einstieg des neuen Antriebsbauers Lola-Yamaha. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen einer wiederbelebten britischen Renn-Manufaktur und dem japanischen Hersteller. Yamahas letztes relevantes Automobilsport-Projekt war das Formel-1-Programm in den 1990er-Jahren. Das Duo will noch während der Gen3-Ära einsteigen und erhofft sich angesichts eines Evo-Pakets ab der nächsten Saison, schnell den Anschluss zu finden. Das deutsche Abt-Team gilt als Interessent.

Formel E - Lola-Yamaha - Gen3-Evo
Yamaha

Der japanische Hersteller Yamaha stellte in Tokio ein Motoren-Projekt für die zwei Gen3-Evo-Saisons vor. Die britischen Spezialisten von Lola bringen das nötige Know-how ein.

Märchenhafte Pole für Nissan

Nachdem die sportpolitischen Akteure also ordentlich vorgelegt hatten, lag es an den 22 Fahrern, den Hype in den Renn-Samstag zu überführen. Schon in der Qualifikation am späten Morgen ging es intensiv zu. Ihre Hauptakteure waren die Sieger der beiden Gruppen: Maximilian Günther und Oliver Rowland. Diese kämpften sich dominant durch die K.o.-Phase und bildeten das folgerichtige Finale. Nur Kleinigkeiten entschieden das letzte Duell in Richtung des umjubelten Nissan-Piloten.

Abseits der beiden gab es zahlreiche Überraschungen im Qualifying. Die Top 10 bestand schlussendlich aus neun unterschiedlichen Teamvertretern. Edoardo Mortara (Mahindra), Sérgio Sette Câmara (ERT), Titelverteidiger Jake Dennis (Andretti-Porsche) und Pascal Wehrlein (Porsche) rundeten die ersten drei Reihen ab. Abt-Pilot Nico Müller setzte eine erneut starke Quali-Leistung in Rang sieben um.

Für Jaguar lief es im Vorfeld des 100. Rennens der Engländer schlecht. Mitch Evans reihte sich nur auf der neunten Position ein, ein technischer Verstoß ließ Tabellenführer Nick Cassidy auf Platz 19 abstürzen. Enttäuschte Erwartungen quer durch das Feld verteilt versprachen einen spannenden fünften Saisonlauf.

Formel E - Tokio 2024 - Oliver Rowland - Nissan
Formel E

Hometown-Hero: Oliver Rowland holte eine fulminante zweite Saison-Pole in U-Bahn-Fahrt-Weite der Nissan-Zentrale.

Abnutzungskampf im Mittelfeld

Trotz einer engen Anfangssektion, zu der auch eine fiese Sprungkuppe gehört, ging es weitgehend gesittet in das Japan-Debüt. Während Rowland die Führung verteidigte, ließ sich der Deutsche Günther direkt von Mahindra-Überraschung Mortara überrumpeln. Der Brasilianer Sette Câmara fiel in seinem ERT-Underdog erwartungsgemäß zurück und machte so Platz für die nach vorne preschenden Porsche.

Kurz vor der Rennhalbzeit sprang Maximilian Günther dank einer cleveren ersten Attack-Mode-Aktivierung wieder auf den zweiten Platz. Dahinter gab es durch die außenliegenden Aktivierungsschleifen etliche (zu) enge Duelle. Pascal Wehrlein kassierte im Umfeld der 19. von insgesamt 33 angesetzten Runden beispielsweise einen Nasenstüber.

Die Folge der rauen Gangart waren gefährliche Teile auf der Strecke. Diese provozierten die einzige Neutralisierung des Rennens. Hinter dem Safety Car reihte sich die Top 5 so auf: Rowland, Günther, Mortara, António Félix da Costa (Porsche) und Jake Dennis. Pascal Wehrlein war zunächst zurückgefallen. Wie Günther hatte der andere deutsche Top-Pilot aber noch Rest-Boost.

Formel E - Tokio 2024 - António Félix da Costa - Porsche
Porsche

Für den Japan-Lauf brachte Porsche eine zweite Sonderfolierung an den Start. Sie verband das Rosa der Kirschblüten-Zeit mit den Neonlichtern des Nachtlebens.

Günther zündet zweiten Attack-Mode

Die Wiederfreigabe leitete in ein hektisches letztes Renndrittel über. Im Mittelpunkt stand dabei Maximilian Günther, welcher bei Weitem bester Pilot mit DS-Antrieb war. Der in Monaco lebende Allgäuer zog direkt die Pace an und übernahm in der 25. Runde die Führung. Für einen erfolgreichen Einsatz seiner letzten vier Minuten Zusatz-Kilowatt brauchte er allerdings obendrauf noch einen Vorsprung auf Rowland.

Diesen schaffte er geradeso und legte damit den Grundstein für seinen zweiten Gen3-Sieg. Letzte Saison ließ Günther die Dreizack-Marke erstmals beim zweiten Jakarta-Lauf jubeln. Der Weg auf die höchste Stufe des Podiums sollte aber nochmal herausfordernd werden. Denn weder Oliver Rowland noch dessen Verfolger Mortara, da Costa und Dennis hatten aufgeben. Hoffnung bereiteten den Jägern zwei Zusatzrunden als Reaktion auf das Safety Car.

Obwohl Oliver Rowland in der letzten Runde alles riskierte, um seinem Arbeitgeber einen Heimsieg zu schenken, reichte es nicht. Die zahlreichen Nissan-Fans auf den Tribünen waren aber schon mit dem zweiten Platz sehr zufrieden. Jake Dennis nutzte die Irritation zwischen Mortara und da Costa, um an beiden für den dritten Rang vorbeizuziehen. Für Edoardo Mortara wurde es anschließend noch bitterer: Er wurde wegen eines Energie-Verstoßes disqualifiziert.

Formel E - Tokio 2024 - Maximilian Günther - Maserati-DS
Formel E

Zwei Titelanwärter und der Verteidiger: Sieger Günther und Zweiter Rowland setzten Statements. Dennis sammelte Zähler für Operation Doppel-Weltmeister.

WM-Spannung vor Europa-Auftakt

Sieger Günther resümierte: "Wir waren in jeder Sitzung in der Top 3 und verpassten die Pole-Position nur knapp. Im Rennen wurde viel Energie-Management betrieben, aber wir haben uns gut gegen die Taktiken der anderen abgesichert. Eine perfekte Strategie und die entsprechenden Überholmanöver haben das gebracht, was wir brauchten." Nach dem Brasilien-Lauf, in dem der Deutsche bereits trotz einer derben Startplatz-Strafe geglänzt hatte, konnte er nun das Potenzial im Rennen nutzen.

António Félix da Costa und Pascal Wehrlein werden mit den Abschlussrängen vier und fünf gut leben können. Porsche verkürzte dadurch den Rückstand auf das Jaguar-Team, das nach einem Crash von Evans immerhin Cassidy noch auf Platz acht leiten konnte. Die Engländer haben somit 100 Zähler gesammelt. Porsche ist mit 83 Punkten der nächste Jäger. Hinter den Dauerrivalen bilden Andretti-Porsche (70), Nissan (62), DS Penske (57), McLaren (55), Maserati (48) und Envision-Jaguar (43) ein enges Verfolgerfeld. Müllers herausragender siebter Platz schenkte Abt Cupra die erste fette Punkteausbeute der Saison.

In der Fahrer-WM ist die Spitze extrem eng. Pascal Wehrlein führt mit 63 Punkten vor Nick Cassidy (61). Oliver Rowland (54) stieg dank des dritten Podiums in Folge sowohl auf den dritten Platz als auch in den Kreis der Titelanwärter auf. Ähnliches gilt für Maximilian Günther (48), der hinter Jake Dennis (53) auf Rang fünf liegt.

In zwei Wochen geht es im italienischen Misano weiter. Der für die MotoGP bekannte Kurs nahe der Adria richtet einen Doubleheader (13./14.4.) aus. Die vormals dort geplante Einführung der Schnelllade-Stopps steht vor einer Verschiebung.

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