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Gebrauchtwagencheck Citroën C3 (3. Generation, 2017-2024)

Gebrauchtwagencheck Citroën C3
Diesen Neuwagen gibt's zum Gebrauchtpreis

Kurz bevor Citroën den neuen C3 lancierte, gab es den Alten zum unschlagbaren Sonderpreis. Was kann der Origin?

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Foto: Caroline Jüngling

Strenggenommen ist das kurzzeitige Citroën-C3-Sparmodell mit Namen Origin bereits Geschichte. Im kurzen Zeitraum nach der Premiere des neuen Ë-C3 und vor dem Erscheinen des Benzinmodells des neuen C3 war der seit 2017 gebaute Vorgänger zum unschlagbar günstigen Preis bestellbar. Aktuell, im Sommer 2024, finden sich genau diese Autos mit dem Modellnamen Origin noch bei einigen Händlern. Der Origin kostet rund 3.000 Euro weniger als das neue Modell und bietet einen Hauch mehr Ausstattung. Lohnt sich das? Hält das? Ist das Angebot vielleicht besser als ein Gebrauchtkauf?

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Karosserie: Einfach aber chic

Um das zu prüfen, werfen wir einen Blick auf ein 2019er-Modell (damals hieß der C3 noch nicht Origin), welcher als Leihwagen beim Citroën-Vertragshändler Auto-KD im fränkischen Rednitzhembach dient. Was die Karosserie und die Technik mitsamt dem 1,2-Liter-Konzern-Dreizylinder angeht, macht unser 2019er-Exemplar mit 37.000 Kilometern auf dem Tacho keinen Unterschied zu den nagelneuen Autos, die dieser Tage als C3 Origin zu den Händlern rollen. Letztere sind in ihrer Grundausstattung You praktisch identisch mit der Ausstattungslinie Feel des Fotomodells.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Auf den ersten Eindruck macht unser fünf Jahre altes Fotoauto einen sauberen Eindruck.

Das bedeutet, dass die automobilen Grundbedürfnisse mit Klimaanlage, Fensterhebern vorn, Funk-Zentralverriegelung und Bluetooth-DAB-Radio befriedigt werden. Markentypisch gibt es zudem einen individuellen Auftritt mit einer frischen Farbe, Kotflügelverbreiterungen aus schwarzem Kunststoff und optisch abgesetzten Details im Interieur. Bis hierhin besteht also kein nennenswerter Unterschied zwischen der Neuware und dem knapp fünf Jahre alten Gebrauchten, der auch im Fahrverhalten so unverbraucht wirkt wie ein neues Exemplar.

Erst auf der Hebebühne kann das gepflegte Fotoauto sein Alter nicht verbergen. An einigen Blechkanten des Unterbodens sind die Spuren des Winterbetriebs mit viel Streusalz nicht zu übersehen. Überall dort, wo Bleche überlappen und dabei nicht ganz akkurat entgratet sind – und das sind recht viele Stellen –, nagt der Rost. An Schutzbeschichtungen und Karosseriedichtmasse wurde offensichtlich zu sehr gespart. Also gibt es auch hier den ersten Praxistipp: Investieren Sie in ein, zwei Dosen Sprühwachs zum Konservieren und bessern Sie selbst nach! Das lohnt bei einem jungen Gebrauchten ebenso wie bei Neuwagen.

Umgekehrt findet man an einigen Details wie den trickreich platzierten Kunststoff-Spoilerchen am Unterboden eine Prise vom alten Ingenieursgeist wieder, der Citroën einst groß gemacht hat. Das sind smarte Lösungen, die Kosten, Gewicht oder Sprit sparen, aber hier und da etwas ungewöhnlich ausfallen.

Innenraum: Gemütlich-Praktisch

Berechtigterweise drängt sich rasch die Frage auf, ob man angesichts des günstigen Kaufpreises nicht doch einen Kompromiss in Sachen Qualität eingeht. Im Interieur räumt der C3 leicht mit potenziellen Zweifeln auf. Denn einerseits gibt sich die Fahrgastzelle französisch-verspielt, mit flauschigen Sitzen und frischem Design, und andererseits wirkt im Detail alles sinnvoll gegliedert, die Bedienung brauchbar und die Platzverhältnisse auch für Großgewachsene ausreichend. Zusammen mit dem guten Fahrwerkskomfort und dem leisen Antrieb macht es also durchaus Freude im kleinen Citroën unterwegs zu sein. Dass sich im Cockpit fast nur Hartplastik findet, hält freilich dem Vergleich zu teureren Kleinwagen wie einem VW Polo oder Hyundai i20 nicht ganz stand – dafür sind die Oberflächen allerdings durchweg haltbar.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Alles an Bord. Obwohl der C3 zunächst verspielt wirkt, sind Übersicht und Bedienung angenehm nutzerfreundlich. Französischen Komfort gibt's gratis dazu.

Dieser überraschend erwachsene Eindruck geht auch dann nicht verloren, wenn wir uns mit Infotainment bzw. Kombiinstrument beschäftigen. Das simple Radio im Fotoradio funktioniert so narrensicher, wie es aussieht, bietet aber zumindest schon die Option auf eine Bluetooth-Telefonverbindung. Das optionale Touch-System ist dagegen etwas komplexer zu bedienen, wirft jedoch keine Probleme auf. Dem Fahrer geben die analogen Skalen sowie der gut ablesbare Bordcomputer alle nötigen Informationen ohne große Ablenkung.

Motor: Hier steckt die Achilles-Ferse.

Ob der C3 auf Dauer haltbar ist oder nicht, entscheidet eine wichtige Bedingung. Rund 80 Prozent der in Deutschland verkauften C3 sind Benziner, und die haben alle den 1,2-Liter-Konzern-Dreizylinder unter der Haube. Sein Zahnriemen läuft im Ölbad und ist deswegen zwingend auf die freigegebene Ölspezifikation PSA B71 2312 angewiesen. Hier dürfen keinerlei Ausnahmen gemacht werden.

Andere Schmierstoffe, selbst wenn sie nur zum Nachfüllen genutzt werden, greifen das Material des Riemens an. Dadurch kommt es zu Gummiabrieb, der allmählich die Ansaugung der Ölpumpe verstopft und den Motor so der Schmierung beraubt, was in einem kapitalen Schaden enden kann. Bei einem gebrauchten C3 ist hier eine lückenlose Wartungshistorie mit Nachweis der korrekten Ölsorte unerlässlich, bei einem neuen Exemplar tut strenge Disziplin beim Nachfüllen Not.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Ob Opel, Citroën, oder Peugeot: der Stellantis Konzern-Dreizylinder namens 1.2 Puretech sitzt in unzähligen Autos. Überall liefert er emsigen Vortrieb bei guten Verbräuchen, aber eben auch das Problem mit dem Zahnriemen.

Zu der Erkenntnis, dass dieses Prinzip nicht der Weisheit letzter Schluss war, kam man letztlich auch bei Citroën und den anderen Stellantis-Marken. 2021 wurde das Zahnriemen-Wechselintervall von 200.000 Kilometer oder zwölf Jahren zunächst auf 100.000 Kilometer oder sechs Jahre, sowie im vergangenen Jahr auf nur noch 70.000 Kilometer verkürzt. Den Preis für den Tausch veranschlagt der Werkstattcomputer mit 700 bis 800 Euro. Teilehändler bieten mittlerweile Riemen an, die beständiger sein sollen als der originale, mit ihnen erlischt aber natürlich jeder Kulanzanspruch. Dass Modelle, die seit 2022/23 auf den Markt gekommen sind, eine Steuerkette verwenden, ist ein klarer Vorteil für den neuen C3, dessen Mehrkosten sich im Falle eines Riemenschadens beim Alten blitzartig amortisieren würden.

Wenn jedoch die Wartungshistorie passt, können Sie sich auf das lebendige Motörchen verlassen, das schon mit 83-Sauger-PS munter trommelnd loszieht. Mit Turbo gibt’s dann 110 PS und einen durchaus energischen Vortrieb.

Auch die selteneren Dieselversionen haben ihre Daseinsberechtigung. Zum einen sind die 1,6-Liter-Vierzylinder (1,5-Liter seit Mai 2018) sehr haltbar, wenn die Ölwechselintervalle eingehalten werden, zum anderen sehr sparsam. Durchschnittsverbräuche mit einer Drei vor dem Komma sind nicht das Resultat absonderlicher Spar-Experimente, sondern mit etwas Bedacht durchaus im Alltag zu schaffen. Gerade für Pendler ist der C3 also eine überlegenswerte Alternative zu den meist teureren Dieseln der Konkurrenz, insbesondere aus dem VW-Konzern.

Getriebe: Schnell erklärt

Wenn Sie einen der sehr seltenen C3 mit Sechsstufen-Wandlerautomatik finden, greifen Sie gern zu. Der Selbstschalter arbeitet in der Regel problemlos und zuverlässig und passt mit seiner relaxten Art wunderbar zum flauschigen Fahrverhalten – obwohl es keineswegs träge durch die Fahrstufen wechselt. Der größte Vorteil am Automatikgetriebe besteht jedoch darin, dass Ihnen die lustlos zu bedienende Schaltung der manuellen Version erspart bleibt. Die Fünf- bzw. Sechsgang-Schaltgetriebe arbeiten labberig, teils knochig und noch dazu relativ unpräzise. Ja, sie machen keine Probleme und bugsieren Millionen von Stellantis-Konzernautos durch die Großstädte dieser Welt, doch das macht sie nicht begehrenswerter.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Der Schalthebel im C3 erfüllt seinen Zweck, dient aber nicht unbedingt als Freudenspender. Automatikversionen sind auf dem Gebrauchtmarkt leider selten.

Fahrwerk: Hier punktet der Knirps

Der Fahreindruck passt genau zu der Technik, die wir auf der Bühne in Augenschein nehmen konnten. Richtig schön altmodisch und französisch-kommod kurvt es sich mit dem nur vier Meter langen C3 durch die Landschaft. Fahrwerk und Sitze sind weich, Lenkung und Pedalabstimmung dafür zackig-direkt. Speziell die Hinterachse fühlt sich an, als habe man fürs Fahrgestell einfach Räder an ein altes Federkern-Sofa gebaut. Nicht besonders präzise, dafür aber flauschig-komfortabel und dabei irgendwie unterhaltsam.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Wirft man ihn mit Wonne in die Kurve, wogt der C3 um die Längsachse. Das macht Spaß und verdeutlicht schon optisch, wie angenehm flauschig das Fahrwerk im Normalfall arbeitet.

Das mag kritisch klingen, ist aber als Lob gemeint – schließlich kennen wir viele dieser Eigenschaften bereits von den C3-Plattformbrüdern aus dem PSA-PF1-Baukasten. Dessen Historie reicht bis zum Peugeot 206 von 1998 zurück und umfasst viele Modelle, die als leicht schrullig, aber auch sehr haltbar bekannt sind. Wer französische Autos von früher kennt und mag, weiß, was gemeint ist.

Mängel: Eine feinere Verarbeitung wäre schön

Dem kleinen Citroën würde etwas mehr Liebe zum Detail sehr guttun. Mehrere Schweißpunkte überall an der Karosserie zeigen, dass bei der Sorgfalt der Verarbeitung noch Luft nach oben ist. Das gilt auch für scheinbaren Kleinkram wie die bastelig wirkende Verkabelung der Scheinwerfer. Hier hilft Isolierband.

Gebrauchtwagencheck Citroen C3
Caroline Jüngling

Wer hat denn da gebastelt? Nein, nein, unser Fotoauto ist tadellos in Schuss - die Verkabelung kommt so vom Werk.

Weiteres Beispiel für Hopplahopp-Lösungen gefällig? 2018 gab es einen Rückruf, der bei einzelnen Exemplaren eine potenzielle Schlingerneigung und Poltergeräusche der Hinterachse beseitigen sollte. Er betraf Autos, die aufgrund ihrer Konfiguration so leicht waren, dass sie hinten besonders weit und hörbar ausfederten. Die Citroën-Ingenieure verfielen auf eine unkonventionelle Antwort: Als Ballast wurde einfach der Querträger für die optionale Anhängerkupplung nachgerüstet. Findige C3-Käufer leisteten sich für ein paar Euro gleich noch Kugelkopf und Elektrosatz und können somit nun bis zu 450 Kilogramm auf und an den Haken nehmen – genug für Fahrradträger oder ein paar Gartenabfälle.

Preise: Wenn Sie einen finden, lohnt der Neukauf

Auch wenn dieser Text eine Gebrauchtwagen-Kaufberatung ist, raten wir beim C3 von jungen Secondhand-Autos ab. Deren Preisniveau passt sich erst allmählich an die neue Situation an. Die meisten Exemplare liegen bei rund 10.500 Euro, dann aber oft schon mit 40.000 bis 50.000 Kilometern auf dem Zähler. Michael Klump, Geschäftsführer von Auto-KD, ist heilfroh, in letzter Zeit keine C3 mehr in Zahlung genommen zu haben, die damals noch über dem heutigen Neupreis lagen.

"Dass sich Händler und C3-Besitzer über die Preissenkung bei den Neuwagen ärgern, kann ich verstehen", sagt Klump. Kaufinteressenten hingegen freuen sich. Denn sie erhalten für weniger als 13.000 Euro ein nagelneues Auto, dem sie ein angenehmes, langes Leben bereiten können – mit Isolierband, Sprühwachs und dem richtigen Motoröl.

Natürlich muss auch der neue C3 erwähnt werden, der seinem Vorgänger in jeder Hinsicht voraus ist. Wer Wert auf mehr Finesse im Detail legt und mit seinem Budget eher auf Seiten des Neuwagens liegt, sollte das neue Modell bevorzugen.

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Fazit

Dass wir bei einer Gebrauchtwagenberatung eher zum Neukauf raten, kommt selten vor. Aber ab und an muss es sein, wie zuletzt beim Kia Rio: Die Koreaner haben ihren Kleinwagen eingestellt, doch vereinzelt gibt es noch Lagerwagen. Den Citroën C3 kann man sogar noch neu bestellen, zum drastisch reduzierten Basispreis. Und trotz kleiner Schwächen ist der Gallier, der auf vier Metern Länge viel Charme und Komfort bietet, kein Auto zweiter Wahl.