Mit zwei Maserati von München nach Modena
Der Weg ist das Ziel

Modena liegt 530 Kilometer südlich von München – wenn man den schnellsten Weg über die Autobahn wählt. Tun wir natürlich nicht und kommen mit Maserati GranTurismo Trofeo und Maserati Grecale Trofeo über viele vergnügliche Umwege zum Ziel.

Maserati Grecale Trofeo, Maserati GranTurismo Trofeo
Foto: Wolfgang Groeger-Meier

Zu den schönsten Seiten Italiens zählt zweifellos, dass sich zwischen Hier und Dort eine Bergkette auffaltet. Die hält nicht nur nasskaltes Nordatlantik-Wetter von der italienischen Halbinsel erfolgreich fern, sondern sorgt auch dafür, dass sich viele kurvige Straßen für den Weg nach Süden anbieten.

Das gilt umso mehr, wenn man die Reise mit Maserati GranTurismo und Grecale antreten kann. Zumal die beiden Dreizack-Boliden jeweils als Trofeo antreten –also mit dem 550 oder 530 PS starken 90-Grad-V6 ausgerüstet sind. Der hört auf den schönen Namen Nettuno und verwandelt sowohl das elegante, lang gestreckte Coupé als auch den geräumigen SUV in grandiose Reisewagen.

Unsere Highlights

Doch ganz so weit sind wir noch nicht. Die Ausfahrt Sterzing erlöst die Reisenden von der Brenner-Autobahn. Das Penserjoch liegt ziemlich genau auf der Luftlinie zwischen München und Modena, ist also mehr Abkürzung als Umweg. Auf jeden Fall ist es eine angenehme Abwechslung nach den Lkw-Kolonnen auf der Autobahn. Dennoch verirrt sich kaum einer her, wer diesen Weg wählt, will ihn auch fahren.

Agiler Coupé und kompakter SUV zeihen nicht nur an der bergigen Landschaft Italiens vorbei.

In Kontakt mit dem VDCM

Im Spätherbst bleibt die Anzahl der Pass-Enthusiasten überschaubar. Zuerst ein Bus, danach ein Mini-Van erklimmen vor dem GranTurismo die ersten Kilometer der Passstraße aus dem Südtiroler Wipptal ins Sarntal.

Beide räumen in Kehren bereitwillig die Ideallinie, bevor es sich der graue Maserati in ihrem Windschatten zu bequem macht. Da ist der Fahrmodus-Drehknopf an der rechten Lenkradspeiche längst eine Stufe würziger geschaltet.

Mit dem Dreh am Knopf signalisiert der Fahrer dem VDCM (Vehicule Domain Control Module), dass es jetzt richtig vorwärtsgeht. Das elektronische Hirn des Maserati steuert alle dynamischen Systeme prädiktiv und sorgt so für größtmögliche Performance und optimales Fahrvergnügen.

Wir belassen es bei der zweiten Fahrstufe GT. Wenn es noch schneller gehen soll, bieten sich dazu "Sport" und "Corsa" an. Schnell genug ist der Maserati auch so, der V6 reagiert blitzartig aufs Gas, lässt den fast fünf Meter langen Sportwagen behände durch die engen Kurven schwingen und drückt mit Macht nach vorn.

Die formschönen Schaltwippen hinterm Lenkrad muss man dabei kaum bemühen. Sie befehligen die bekannte ZF-Achtgangautomatik 8HP 75. Die kommt ihren Aufgaben ebenso unauffällig wie unaufgeregt nach. Etwas mehr Alarm gibt es im Maserati, wenn der V6 im manuellen Modus bis 8.000 Umdrehungen hochjubeln darf, bevor mit einem Zupfer an der rechten Schaltwippe der nächste Gang einrastet.

Der Nettuno-V6 bleibt trotz seiner extrem hohen Literleistung ein lässiger Geselle. Er schiebt ab mittleren Drehzahlen wie ein Ochse an und hält sich dabei akustisch weitgehend zurück. Übrigens sogar im Sportmodus. So kommt die Passhöhe windeseilig näher. Schade, vom bergauf stürmenden GranTurismo bekommt man irgendwie nie genug.

Verbindliches Luftfahrwerk

Oben wartet allerdings der Maserati Grecale Trofeo auf den Fahrerwechsel, und das ist mindestens genauso verlockend. Dass er rund 150 kg mehr auf die Waage und 20 PS weniger an die Räder bringt als der GranTurismo, erweist sich als höchstens akademisch bedeutsam.

Bergstürmen und Kurvenfahren gelingt ihm beinahe genauso gut. Dabei zeigt sich sein Luftfahrwerk verbindlicher, Asphalt-Verwerfungen aller Art nimmt er etwas gelassener – ohne dass der große SUV deswegen wankig daherkäme. Die Lenkung gibt sich ähnlich präzise und mitteilsam, verrät über die Haltekräfte, wie es um Grip und Seitenführungskräfte steht – transparent und gefühlsecht. Das gilt auch für den Antrieb.

Der Nettuno-Sechszylinder folgt jeder Gaspedalbewegung seismografisch genau, dreht begeisternd hoch und bleibt dabei auch akustisch auf der verträglichen Seite. Sein rauer, heiserer Klang erinnert womöglich nicht von ungefähr an Maserati-Triebwerke aus vergangenen Zeiten.

Denn V6-Motoren mit 90 Grad Bankwinkel sind eine Markentradition. Schon Citroën SM und Maserati Merak kamen mit einem 90-Grad-V6, ebenso die Biturbo-Modelle der 80er- und 90er-Jahre.

Modena liegt 530 Kilometer südlich von München – wenn man den schnellsten Weg über die Autobahn wählen würde. Wir kamen jedoch über über viele vergnügliche Umwege zum Ziel.

Gemeinsam ist ihnen allen die etwas herbe Laufkultur, nicht so seidig wie ein Reihensechszylinder, dafür aber nuancenreich und herzerwärmend wie ein gutes Nudelgericht aus der Emilia-Romagna. Wir haben Zeit, darüber nachzudenken, weil wir das Penserjoch längst passiert haben.

Über Landstraßen und eine kurze Autobahnetappe erreichen wir das nächste Ziel: den Gardasee. Inzwischen ist es Nachmittag, Regenwolken sind über die Berge nach Süden gezogen. Manchmal regnet es sogar hier am See.

In Torbole dümpeln eingemottete Segelboote im Wasser, das Eiscafé bietet mutig Gelato an. Der Regen ist etwas wärmer als zu Hause, doch der Herbst hat auch Norditalien erreicht. GranTurismo und Grecale blinzeln mit ihren LED-Scheinwerfern durch den viel zu frühen Abend. Modena ist keine hundert Autobahn-Kilometer entfernt. Nach und nach wird die Landschaft rechts und links der Straße flacher, eine lange Brücke überquert den Po, und am Horizont tauchen wieder Berge auf. Die sehen wir uns morgen an.

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