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Gebrauchtvergleich: Cabrios mit Dieselmotor

Gebrauchte Diesel-Cabrios
Günstig Cabrio fahren für 20.000 Euro - so geht's

Den Sommer im Cabrio zu genießen, ist eine feine Sache. Nur: Geht das auch in günstig?

Audi A5 40 TDI Cabrio, BMW 420d Cabrio, Mercedes C 220 d Cabrio, Exterieur
Foto: Achim Hartmann

Das Glück liegt oft so nah. Wer darüber nachdenkt, wie sich der Sommer noch versüßen ließe, muss nicht zwingend ins Reisebüro und in ferne Länder. Ein Weg zum Gebrauchtwagenhändler kann ähnlich exotische Genüsse hervorbringen. Und dank moderner Dieseltechnik zu vernünftigen Preisen ist das (für den Rest des Jahres) nicht mal unvernünftig.

Den Reiz im souverän, aber sparsam motorisierten Cabrio haben deutsche Premiumhersteller schon lange erkannt. In unserem Trio stellt Audi den Vorreiter dar: Die Ingolstädter ließen ihr Cabrio bereits 1995 selbstzündeln. BMW folgte 2001 mit den Cd-Modellen des 3er-Typs E46 und schließlich Mercedes mit dem CLK 270 CDI der Baureihe W 209 von 2002. Seitdem steht eine Frage im Vordergrund: Ist ein nageliger Diesel im Bug eines noblen Cabrios überhaupt standesgemäß? Erfahrungen aus dem Alltag lehren: Ja, absolut. Im Unterdrücken der Laufgeräusche sind die drei Premiumhersteller etwas unterschiedlich talentiert. Wie in praktisch allen Gesichtspunkten in diesem Vergleich sind die Unterschiede jedoch marginal beziehungsweise in erster Linie Geschmackssache. Die Grundlagen, also sparsame Vierzylinder um 190 PS, Platz für vier und um die 360 Liter Gepäck, bieten nämlich alle. Zusätzlich gilt auf technischer Seite, was wir schon über ihre bürgerlichen Pendants mit vier Türen berichtet haben. Eines vorweg: Dieses Trio ist ebenso empfehlenswert.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Der Audi A5 40 TDI (Typ F5, seit 2016) im Detail:

Eines zieht sich durch diesen Vergleich. Es geht um die guten alten Markenklischees: der sportive BMW, der komfortable Mercedes und der technoid-pragmatische Audi. Getreu dem Marken-Slogan "Vorsprung durch Technik" lösten die Audi-Ingenieure wie immer alles etwas anders als die Konkurrenz, indem trotz des längs angeordneten Motors in der Basis nur die Vorderräder angetrieben werden. Auf nasser Fahrbahn kann das mit dem drehmomentstarken Diesel schon mal etwas unsouverän zu Traktionsproblemen führen. Die meisten A5, die im Netz zu finden sind, tragen allerdings ohnehin den Namenszusatz Quattro, besitzen also Allradantrieb. Ebenso selten wie Fronttriebler sind Exemplare mit Schaltgetriebe. Schade eigentlich, denn die Sechsgang-Box liegt prima zur Hand und lässt sich spielerisch leicht bedienen. Die Automatikversionen diesseits der S-Modelle nutzen allesamt ein Doppelkupplungsgetriebe. Das macht in den Längsmotor-Audis kaum Probleme und verrichtet seinen Dienst gut.

Audi A5 40 TDI Cabrio, Exterieur
Achim Hartmann

Stilsichere Linienführungen außen wie innen, dazu annähernd perfekte Verarbeitung: Das sind die Markenzeichen des A5, der in der Form noch immer als Neuwagen zu haben ist.

Als 40 TDI nutzt der A5 genau wie seine technische Mittelklasse-Basis A4 den Zweiliter-TDI aus dem VW-Regal, der in dieser Version mit 190 PS obenheraus minimal fülliger zu Werke geht als die kaum schwächere 35er-Version. Er bietet ordentlich Leistung, sehr niedrige Verbräuche und (wichtig!) erstklassigen Geräuschkomfort. Die Geräuschkapselung des Triebwerks ist die beste im Trio.

Die Stärken des Audi:

Wie erwähnt, wirkt der Audi durch und durch wie ein echtes Ingenieursauto. Vom Spaltmaß bis zur Laufkultur ist er auf Perfektion im Detail ausgelegt. Die Konkurrenz mag hier und da emotionaler sein, doch dafür können sich Technikfreunde über jede Feinheit freuen, wie etwa das feine Rasten der Alu-Drehregler für die Klimaanlage, das chronografisch-fein anmutende Kombiinstrument (welches das optionale Digitalinstrument völlig obsolet macht) oder das satt-präzise Schließgefühl der Türen. Hinzu kommen hervorragende Sitze und eine saubere Linienführung im Cabrioheck. Letztere ist den bündig versenkbaren hinteren Kopfstützen zu verdanken sowie der Kombination aus Scheibenrahmen und Bord-Zierleiste in Edelstahl, wie schon beim ersten Audi Cabrio von 1991. Als Gebrauchter bereitet er zudem kaum nennenswerte Probleme im Alter. Wie der BMW bietet auch der A5 eine große Auswahl an Vier- und Sechszylinder-(Diesel-)Motoren.

Die Schwächen des Audi:

Die Kehrseite der Perfektions-Medaille könnte Spötter dazu bewegen, eine gewisse Langeweile zu vermuten. Die kommt jedoch im Vergleich nur auf, wenn man spürt, dass die Konkurrenz beim Fahren leidenschaftlicher und gefühlsechter zur Sache geht. Etwas trantütig wirken vor allem Dieselexemplare, die nach dem berüchtigten Abgas-Update gebaut wurden. Zu ihnen gehört beim Anfahren stets eine kurze Gedenksekunde. Das recht hohe Gewicht (34 Kilogramm mehr als die ohnehin mit 1,8 Tonnen recht beleibte Konkurrenz) hilft ebenso wenig, Pep in die Sache zu bringen, wie das etwas taub abgestimmte Fahrwerk. Klar: Hier steht Präzision und Fahrsicherheit im Vordergrund, und die bietet der Audi zur Genüge.

Audi A5 40 TDI Cabrio, Interieur
Achim Hartmann

Dynamik hin oder her: Das zeitlose Audi-Cockpit gehört zu einem der besten Innenräume auf unseren Straßen. Dank guter Qualität bleibt das auch über viele Jahre so.

Auch im Verbrauch erreicht der A5 nicht ganz das auffallend niedrige Niveau seiner Konkurrenten. Dass zu Zeiten der Neuwagentests über teure Preise und die zugegebenermaßen arg magere Serienausstattung genörgelt wurde, nivelliert sich im Gebrauchtangebot aus.

Der BMW 420d (Typ F33, seit 2014) im Detail:

BMW erntete wenig Verständnis, als schon 2013 zum Debüt der Coupé-Version plötzlich nicht mehr vom 3er die Rede war, sondern vom 4er. Welcher Name nun besser ist, darüber lässt sich streiten. Fest steht jedoch, der 4er ist die Coupé- und in unserem Fall die Cabrioversion des 3ers. Wie beim Vorgänger E93 ist das Cabriodach als klappbare Metallkonstruktion ausgeführt. Dennoch ist das 4er-Cabrio exakt genauso schwer wie der stoffbemützte Mercedes. Das Dach gilt bislang als recht sorgenfrei bekannt. Nur wenn beispielsweise eine Jacke aus dem dafür vorgesehenen Schutzbereich im Kofferraum herausragt, erkennen Sensoren eine Störung und brechen den Öffnungsvorgang sicherheitshalber ab.

BMW 420d Cabrio, Exterieur
Achim Hartmann

Elegant, schlank, gestreckt. Obwohl BMWs heute ganz anders aussehen, wirkt das 4er Cabrio auch zehn Jahre nach seinem Debüt noch frisch.

Ansonsten lebt der 4er durch die klassischen BMW-Tugenden: Gut gemachte Antriebe in einem dynamisch abgestimmten Fahrwerk in Kombination mit erstklassiger Sitzposition und Ergonomie. Beginnend beim 190 PS starken 20d bietet der 4er die gesamte Antriebspalette des 3ers, sodass gleich mehrere Dieselversionen, inklusive der über jeden Zweifel erhabenen Reihensechszylinder, zur Wahl stehen.

Die Stärken des BMW:

Der 4er fährt gut. Richtig gut. Mit spielerischem Handling und großem Dynamikpotenzial kann er seine Pfunde nicht nur am besten vertuschen, sondern überdies noch eine spürbare Extraportion der viel zitierten Freude am Fahren liefern. Neben dem guten Fahrwerk sorgt dafür vor allem die fantastische Antriebsabstimmung. Obwohl ein schnöder Außendienst-Vierzylinder unter der Haube ist: Kraftabgabe, Gasannahme, Ganganschlüsse und auch die Getriebeabstimmung (egal ob Handschalter oder Wandlerautomat, beides agiert fantastisch): alles funktioniert mit telepathischer Feinfühligkeit. Kurz formuliert: Es passt einfach. Präzision und Feedback der elektromechanischen Servolenkung sind gut, wenn auch nicht überragend. An dieser Stelle fällt dem 4er doch noch ein, dass er zumindest als Nicht-M eher zum Cruisen gedacht ist. Hierzu mangelt es selbst beim Straffsten im Trio nicht an Komfort. Da die zweitürigen Ableger des 3ers erst nach Ende der Steuerketten-Misere bei BMW kamen, gibt es auf technischer Seite keine Achillesferse. Der 4er ist genauso lang haltbar wie die Vier- bis Fünftürige Verwandtschaft.

Die Schwächen des BMW:

Schon 2011 kam der F30 auf den Markt, also die Basis des 2014 eingeführten Cabrios. Dieser Altersnachteil wird in unserem Dreiervergleich hier und da spürbar. Speziell im Cockpit finden sich günstigere Materialien, gröbere Fugen und generell nicht ganz das hohe haptische Niveau wie bei Audi und Mercedes. Das ist einerseits Meckern auf hohem Niveau (natürlich reist es sich auch im 4er fantastisch), aber andererseits doch berechtigte Kritik, betrachtet man die einst hohen Neupreise des BMW. Immerhin: Funktionell steckt der 4er kaum zurück: Vom Head-up-Display bis zur aktiven Fahrassistenz oder dem noch immer frisch wirkenden Infotainment bietet er kaum Nachteile. Und in Sachen Mängel? Da finden sich nur ab und zu am Unterboden korrodierte Schrauben. Kleinkram.

BMW 420d Cabrio, Interieur
Achim Hartmann

Von der astreinen Ablesbarkeit bis zum narrensicheren iDrive macht der Innenraum des 420d rein gar nichts falsch. Erst im Vergleich zur etwas frischeren Konkurrenz gerät der Bayer minimal ins Hintertreffen.

Der Mercedes C220d (Typ A 205, seit 2016) im Detail:

Die C-Klasse ist ein Mercedes durch und durch. Und dazu gehört dieser typische Zweiklang aus bürgerlicher Gemütlichkeit und feinem Luxus. So wirkt das Cabrio gerade im Vergleich zum BMW besonders wertig und gefällt unterwegs mit seidigem Komfort. Es erweckt aber nicht sofort die Lust, sich mit gesteigerter Dynamik ins Kurvengetümmel zu werfen, obwohl es damit nicht mal überfordert wäre. Und über allem tönt der traute Diesel mit seinem etwas energisch prasselndem Leerlauf. Unterwegs wechselt das Klangbild in kerniges Knurren. Das stört nur wenig, man gewöhnt sich dran, und doch gehört erwähnt, dass die Konkurrenz eine ganze Ecke weniger aufdringlich klingt. Ein Sechszylinder-Diesel ist in der gesamten C-Klasse-Baureihe 205 leider nicht mehr vorgesehen. Hier hat der Benz das Nachsehen.

Mercedes C 220 d Cabrio, Exterieur
Achim Hartmann

Gediegenes Dahingleiten - das klingt nach Klischee, passt aber tatsächlich zum archetypischen Mercedes-Charakter des C-Klasse-Cabrios. Als einziger im Trio bietet er noch obendrauf den optionalen Komfort einer Luftfederung.

Die Stärken des Mercedes:

Wie schon erwähnt, fällt als Erstes die wertvolle Machart ins Auge, die sich ganz besonders im Interieur zeigt. Das seinerzeit sehr modern wirkende Cockpit mit der gewölbten Mittelkonsole und den runden Ausströmern hat sich gut gehalten und wirkt auch heute nicht altbacken. Die hervorragende Verarbeitungs- und Materialqualität sorgt überdies dafür, dass sich kaum erkennen lässt, dass die ersten Exemplare sich der Zehnjahresmarke nähern. An der Karosserie tun die gute Verarbeitung und der sehr saubere Lackauftrag ihr Übriges. Unser geliftetes Fotoauto sticht die Konkurrenz außerdem mit dem frischesten Infotainment aus. Die Modellpflege stellt jedoch eine wichtige Änderung bei den sehr sparsamen Dieselmotoren dar. Den relativ unumstritten haltbaren Motor gab's nämlich in Form des OM 651 nur bis Sommer 2018.

Mercedes C 220 d Cabrio, Interieur
Achim Hartmann

Das luxuriöse Interieur passt genau ins Bild. Die Material- und Farbauswahl für Sitze und Zierteile macht den optischen Eindruck des Cockpits sehr wandelbar.

Die Schwächen des Mercedes:

Ja, ausgerechnet der Vierzylinder-Diesel, einst Bastion des schwäbischen Stoizismus, ist nicht ganz krisenfest. Zugegeben, im meist schonend behandelten Cabrio dürfte der noch immer aktuelle OM 654 kaum Probleme bereiten. Die stark beanspruchten Taxis, die mit diesem Motor unterwegs sind, leiden jedoch unter seiner Empfindlichkeit gegenüber Ölverdünnung. Das aus Effizienzgründen ohnehin bereits extrem dünnflüssige Öl kann, wenn sich langsam Treibstoff dazumischt, unter Umständen nicht mehr ausreichend schmieren und kühlen, was zu eingelaufenen Schlepphebeln im Ventiltrieb sowie gelängten Steuerketten führen kann. Hauptgründe dafür sind jedoch übermäßig langer Leerlaufbetrieb sowie zu oft abgebrochene Rußpartikelfilter-Rekuperationen. Zugegeben, beides ist nicht unbedingt Cabriofahrer-Marotte. Wer jedoch ganz auf Nummer sicher gehen möchte, setzt auf eine Vorfacelift-Version. Ansonsten gilt die C-Klasse als weithin krisenfest.

Kaufvergleich: Welchen nehmen?

Wie wir nun herausgearbeitet haben, spielen vor allem Lust und Geschmack eine entscheidende Rolle. Im Vergleich harter Testwerte haben die hochwertiger gemachten Audi und Mercedes die Nasen vor dem BMW, doch wird das relativ bündig vom Preisniveau aufgefangen, welches beim teils älteren Münchner nun mal etwas günstiger liegt. Insgesamt findet sich aber ein erster "Sweet-Spot" bei zirka 20.000 Euro. Dafür gibt es seriös ausgestattete Diesel mit um die 100.000 Kilometer. Bei ordnungsgemäßer Pflege ist diese Laufleistung in keiner Weise Grund zur Beunruhigung. Mehr Luxus und weniger Kilometer gibt es mit linearem Anstieg bis etwa 25.000 Euro, wobei hier bereits zu erkennen ist, dass vergleichbare BMWs aufgrund ihres allgemein niedrigeren Preisniveaus dann wiederum noch mehr Leistung und Ausstattung bieten. Vielmehr muss aus logischen Gesichtspunkten nicht gezahlt werden. Und so bleibt das alte Lied: Wer technische Präzision liebt, wählt den Audi, Dynamiker greifen zum BMW und Luxus-Liebhaber zum Mercedes-Benz.

Das Beste zum Schluss: Auch wenn wir hier vor sommerlichem Wetter über Cabrios reden: Allesamt sind voll alltagstauglich und müssen nicht zwingend ein verhätscheltes Dasein als Zweitwagen führen.

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Fazit

Wer im Alltag auf einen Kombi-Stauraum verzichten kann oder vielleicht bereits etwas Geräumigeres im Fuhrpark hat, der sollte jetzt unbedingt mal einen Blick auf diese drei luxuriösen Cabrios richten. Aktuell bieten sie ein einmaliges Preis-Leistung-Verhältnis und Fahrkultur auf (noch immer) höchstem Niveau.