Die besten Zweitwagen-Geheimtipps bis 18.000 Euro

Zweitwagen-Geheimtipps
Drei Zweitwagen-Geheimtipps bis 18.000 Euro

Es gibt viele gute Gründe für einen Zweitwagen. Die Anforderungen sind dabei ganz verschieden. Diese drei Kandidaten decken jeden Zweck ab, sind echte Geheimtipps und noch dazu günstig.

Aufmacher Gebrauchtwagen Underdogs Dacia Jogger Kia Optima BMW Z4
Foto: R. Gargolov, H.D. Seufert, A. Hartmann, A. Jüngling

Es ist schon spannend. Nach nichts wird man als Gebrauchtredakteur so häufig gefragt, wie nach dem berühmten Geheimtipp, der eierlegenden Wollmilchsau, die idealerweise für ein Butterbrot zu kaufen ist. Trotzdem kauft ein jeder, was das Hauptauto angeht, den typischen Mainstream, der sich in alltäglichen Straßensituationen zeigt. Wirklich zum Tragen kommt die Geheimtipp-Idee also oft erst beim Zweitwagen. Und weil die Ansprüche hier so wunderbar vielfältig sind, stellen wir heute ein Trio aus empfehlenswerten Underdogs vor, das nur durch ein wichtiges Kriterium verbunden wird: den Preis. Unter 18.000 Euro, das haben wir uns als Ziel zum Zweitwagenkauf gesteckt.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Der BMW Z4 (2. Generation, Typ E89, 2009-2016) im Detail

Warum so ein Z4 seine Anhänger findet, dürfte schnell klar sein. Offen fahren, gut aussehen und dazu ein Portiönchen Freude am Fahren. Viele meinen jedoch: Roadsterfahren, das sei teurer Überschwang, fern des Praxisnutzens und überhaupt unnötig komplex, weil ja schließlich ein Verdeck an Bord ist. Falsch. Kauf- und vor allem Unterhaltskosten sind sehr zivil, diesseits des Möbelkaufs bietet er für zwei ausreichend viel Platz und das klappbare Stahldach lässt sich ohne Einschränkungen ganz altmodisch als "voll winterfest" bezeichnen.

BMW Z4 35iS, Exterieur
Rossen Gargolov

Das Dachballett des Z4 macht was her und zeigt auch heute noch den hohen technischen Anspruch des Roadsters.

Vielmehr geht's beim Z4 um die wonnevolle Nutzung der schönen BMW Antriebstechnik. Für Alpentouren oder Wochenendausflüge im Sommer ist man im Z4 bestens angezogen, genießt wohlige Auspuffklänge und verbindet eine sportliche Sitzposition mit angenehmem Langstreckenkomfort. Ihm anzukreiden, dass er fahrwerkstechnisch nicht ganz die Brillianz echter M-Sportler erreicht, ist ein Missverständnis, das ihm schon von Geburt an nachhängt. Der Z4 ist kein M3 ohne Dach. Er ist ein sportiver Roadster für den Freizeitgebrauch. Wäre er ein Motorrad, könnte man ihn bestens als Sporttourer verorten.

Die Stärken des BMW:

Wie gesagt, ist der Z4 maßgeschneidert auf den Gebrauch in der Freizeit. Dazu passt die hinreißende Form ebenso wie die Sitzposition, das Fahrverhalten und die Motorenpalette. So wie er aussieht, fährt er auch. Als Nebenfach belegte er in der Schule nicht Motorsport, sondern Alltagstauglichkeit. Selbst, wer kein Herz für seine Roadster-Werte hat, findet, dass er als reines A-nach-B-Fahrzeug nicht mühseliger unterwegs ist, als ein gleich alter 3er. Weitere Stärken liegen in der feinen Verarbeitung von Karosserie und Cockpit sowie in der gelungenen Mischung aus modernem, gut bedienbaren Infotainment und gleichsam relativ zeitlosem Aussehen. Die wichtigste Stärke finden Sie im Kapitel "Schwächen", weil sie ein großes Z4-Problem ausräumt.

Die Schwächen des BMW:

Hier steht leider ein Elefant im Raum. Im Motorraum, um genau zu sein. Jeder Autokenner wird ihnen zu Recht davon abraten, irgendeinen Z4 mit Vierzylinder-Benziner zu kaufen. Der in 18i, 20i und 28i verbaute Motor N20B20 steht auf dem Gipfel der BMW-Steuerkettenkrise. Selbst schonend gefahrene und gepflegte Exemplare können einen Kettenschaden erleiden, der auch rechtzeitig erkannt bereits niedrig vierstellig kostet. Stellt sich eine Steuerkettenlängung ein, geht sie mit einem rasselnden Kaltstart einher. Messbar ist sie nur mit Feinwerkzeug in der Werkstatt. Nach kurzer Zeit folgt als letztes Warnsignal dann eine Motorkontrollleuchte, die mit einem Steuerzeiten-Fehlercode einhergeht. Dann reichen noch ein paar Tage arglosen Alltagsbetriebes und die Kette kann unvermittelt reißen und somit den Motor schlagartig zum teuren Briefbeschwerer machen. Wer genau weiß, auf welche Weise an einem einzelnen Exemplar mitunter schon einmal die Steuerkette erneuert wurde, kann unter großer Vorsicht zugreifen.

BMW Z4 35iS, Motor
Rossen Gargolov

Ein Königreich für einen Sechszylinder. Nur mit diesem Triebwerk (2,5 oder 3,0 Liter) ist der Z4 haltbar und vor allem wunderbar souverän motorisiert.

Für den Rest gibt es allerdings eine deutlich bessere Option. Die kommt – wie könnte es anders sein – ganz BMW-typisch in sechszylindriger Reihenform vor. Die Typen 23i, 30i, 35i und 35is besitzen standesgemäße 2,5- bzw. 3,0-Liter-Triebwerke. Die sind robust, klingen fantastisch, laufen unerreicht seidig und bieten überdies noch mehr Fahrspaß als die Vierzylinder. Auch vor hohen Spritkosten muss man sich dann nicht fürchten. Ja, es ist nicht ganz einfach, einen Z4-Sechszylinder innerhalb unseres 18.000-Euro-Budgets zu finden, doch es gibt sie. Und eins sei gesagt: Billiger dürften sie wohl kaum noch werden.

Der Dacia Jogger (1. Generation, seit 2022) im Detail

Okay, vielleicht liegt Ihnen ein Roadster doch nicht so. Haben Sie z.B. Familie oder ein raumgreifendes Hobby und verzichten dafür gern auf eine Portion Fahrspaß, gibt es einfach nichts Praktischeres, als den guten alten Minivan. Das Konzept wurde durch die Urformen von Berlingo, Kangoo und Co. eingebürgert (vorher gab's das Format praktisch nur im Nutzfahrzeugkatalog), und dann durch Scénic, Touran oder Zafira noch etwas salonfähiger gemacht. Der Dacia Jogger, seineszeichens Nachfolger von Lodgy und Dokker zugleich, ist eine Art Quintessenz aus allen kleinen Van-Varianten. Und weil Dacia-Modelle immer gefälliger gezeichnet sind, sieht er nicht nach Postkutsche aus, sondern wirkt wie ein gestreckter Riesenkombi mit etwas erhöhtem Dach. Markentypisch bietet er zudem günstige Preise, einen erstaunlich soliden Werterhalt und genau die sorglose Technik, die sich bei Renault als besonders haltbar erweist.

Dacia Jogger Hybrid
Achim Hartmann

Der Jogger vereint praktisch die Form aller bisherigen Großraum-Dacias. Mit dem sehr langen und hoch bauenden Kombiheck ließe sich eine Parallele zum einstigen Peugeot 307 SW finden.

Die Stärken des Dacia:

Die günstigen Preise bieten nicht nur viel Auto fürs Geld – das ist nichts Neues bei Dacia – sondern in unserer Dreiervorstellung auch die Möglichkeit, einen taufrischen Zweitwagen zu kaufen, der womöglich noch in der Jahreswagenreihe beim Daciahändler steht und sogar mit sorglosen Garantieangeboten zu haben ist. Für den, der ohnehin auf der Suche nach zuverlässigem Familientransport ohne Schnickschnack ist, ist das ein massiver Pluspunkt, der im Rahmen bis 18.000 Euro kaum anderswo angeboten wird. Und weil der Jogger mit seiner erst zweijährigen Bauzeit noch ein so frisches Modell ist, geht der günstige Dacia-Deal auch im Innenraum nicht mit karger Kost einher. Natürlich dürfen keine Luxus-Auswüchse erwartet werden, doch alles, was nützlich und bequem ist, ist im Jogger fast immer schon an Bord. Ordentlich und solide verarbeitet ist er noch dazu.

Die Schwächen des Dacia:

Die gute Nachricht voran: Eine Achillesferse, wie etwa der Z4 mit seinen zerbrechlichen Vierzylindern hat der solide Rumäne nicht. Selbst mit spärlicher Pflege hält seine Technik, die bereits aus vielen anderen Renault- und Daciamodellen bekannt ist, erfreulich lang. Wer nach zehn Jahren jedoch nicht vor einem flächig-flugrostigen Unterboden stehen möchte, tut gut daran, schon nach dem Kauf noch mal zweistelliges in ein Stündchen Hebebühnenmiete und ein paar Dosen Wachskonseriverung zu investieren. Wer es genau wissen will, findet viele Technikfeinheiten in unserer Kaufberatung zum Duster.

Der Kia Optima (4. Generation, Typ JF, 2015–2020) im Detail:

Erinnern Sie sich noch an die 90er? Nein, es geht nicht um Britney Spears, fragwürdige Mode und 56-k-Internet. Wer zurückblickt, stellt fest, dass vor dem Ausbruch der SUV-Welle in Europa fast jeder Vielfahrer mit einer meist fließheckförmigen Mittelklasse-Limousine unterwegs war – bestenfalls noch als Kombi. Wo sind sie, die Mondeos, die Primeras oder die Vectras von einst? Sie alle verband solide, aber immerhin ansprechend gemachte Technik, sparsame Verbräuche und ein fast immer enormes Platzangebot. Fast alle sind mittlerweile eingestellt. Auch den Kia Optima gibt es schon seit 2020 nicht mehr. Er gehörte zu den letzten Mittelklässlern, die all diese Attribute mit einem erstaunlich frischen Look kombinierten, und heute zur seltenen, aber dafür sehr empfehlenswerten Gebrauchtware gehören. Weil sieben minus vier drei ergibt, stehen noch heute Exemplare mit Werksgarantie zur Wahl.

Kia Optima 1.7 CRDi, Kia Optima 2.0 GDI Plug-in
Hans-Dieter Seufert

Geräumige Limousinen mit gelassenen-durchzugsstarken Benzinmotoren sind in den USA oder in Nahost gang und gäbe - nicht ohne Grund. Auch hier funktioniert das Konzept gut. Natürlich gibt's für den Europa-Geschmack auch einen Diesel-Kombi.

Die Stärken des Optima:

Wir halten den Optima für einen tollen Zweitwagen, wenn Sie ein echtes Langstreckenauto suchen, während die Alltagsfahrten zwischen Supermarkt und Kita bereits anderweitig absolviert werden. Warum? Weil er nicht nur die Attribute praktisch, nützlich und sparsam abdeckt, sondern für unser Budget bereits richtig hochwertigen Fahr- und Geräuschkomfort bietet. So empfiehlt er sich nicht nur in klassischen Außendienstler-Konfiguration mit etwas drögem 1,7-Liter-Diesel, sondern auch mit einem der teils recht potenten Vierzylinder-Benziner. Das elegante Design und die richtig feine Innenraumqualität erzeugen hier und da ein gewisses Jaguar-Flair. Markentypisch bietet er außerdem keine großen Problemzonen. Und weil ihn kaum jemand auf dem Schirm hat, bekommen Sie einen echten Geheimtipp für relativ wenig Geld. Und ja, selbstverständlich gilt die Empfehlung genauso auch für Vielfahrer auf der Suche nach einem neuen Hauptauto.

Die Schwächen des Optima:

Das Schwächenkapitel ist kurz – denn in der Werkstatt oder bei der HU gibt es praktisch keine ständig wiederkehrenden Krisenherde. Darum dürfen wir auf entsprechend hohem Niveau ein wenig darüber meckern, dass die Abstimmung der Doppelkupplungs-Automaten ein wenig entscheidungsfreudiger hätte gelingen dürfen. Und im etwas indifferent wirkenden Fahrwerk für unseren Geschmack ein Hauch zu viel US-Zielmarkt durchschimmert, wo der Optima einen größeren Stellenwert genießt als hierzulande. Er ist zweifellos komfortabel, doch das sind Konkurrenten wie der präziser fahrbare VW Passat auch.

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Bei mir darf's was sportliches sein.
Ein Raumwunder für die Familienfreizeit.
Im Alltag klein und vernünftig, aber als Zweitwagen etwas für die große Reise.

Fazit

Eine Kaufempfehlung gibt's diesmal nicht – schließlich kommt es ganz darauf an, was ein Zweitwagen für Sie können muss. Alle drei bieten jedoch einen hervorragenden Denkanstoß. Vor allem beweisen sie, dass auch für halbwegs zivile Beträge eine große Auto-Vielfalt auf dem Gebrauchtmarkt geboten ist.