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24h-Rennen: Porsche-Power für Frauen-Trio

Das Frauen-Trio von Four Motors beim 24h-Debüt
Nordschleife statt Turnen

24h-Rennen 2024

Jacqueline und Alesia Kreutzpointner sowie Michelle Halder starten 2024 für Four Motors beim Nürburgring-Ausdauerlauf. Die drei Frauen feiern beim Langstrecken-Klassiker ihr 24h-Renn-Debüt auf der Nordschleife. Wir haben mit ihnen über die Herausforderungen und ihren Weg in den Motorsport gesprochen.

Jacqueline Kreutzpointner - Michelle Halder - Alesia Kreutzpointner - Four Motors - 24h-Rennen Nürburgring 2024 - 31. Mai 2024
Foto: Stefan Baldauf

Die Vorfreude ist riesig. Die selbst gesteckten Erwartungen auch. Es lohnt sich, in diesem Jahr einen Blick auf die Autos mit den Startnummern 320 und 420 zu werfen. Auf diesen sitzen drei talentierte sowie ehrgeizige Frauen, die bei der 52. Ausgabe des 24h-Rennens auf dem Nürburgring ihr Debüt feiern. Wir haben Alesia und Jacqueline Kreutzpointner sowie Michelle Halder im Vorfeld des Klassikers zum ausführlichen Gespräch getroffen.

Unsere Highlights

Nachdem sich alle ein Glas Wasser im vierten Stock des TÜV-Rheinland-Towers eingeschenkt haben, geht es los. Die Zwillinge Jacqueline und Alesia Kreutzpointer flankieren die in der Mitte sitzende Michelle Halder. Die Kreutzpointner-Schwestern pilotieren einen Porsche 718 Cayman Clubsport GT4 (#420) in der AT3-Klasse. Halder teilt sich unter anderem mit Musik-Legende Smudo einen Porsche 911 GT3 Cup der 992-Generation (#320), der als einziges Auto in der AT2-Klasse gemeldet ist. Beide Rennwagen starten mit alternativen Treibstoffen, die zu 20 Prozent aus Bio-Ethanol bestehen.

Porsche 911 GT3 Cup (992) - Startnummer 320 - 24h-Rennen Nürburgring 2024 - 31. Mai 2024
Stefan Baldauf

Schneller Elfer: Michelle Halder steuert bei ihrem 24h-Debüt auf dem Nürburgring einen 911 GT3 Cup-Porsche.

Motorsport in den Genen

Die drei Frauen stammen aus Motorsport-Familien. Michelle Halders Bruder Mike ist selbst ein talentierter Tourenwagen-Pilot. Mit fünf Jahren saß die 24-Jährige bereits im Kart. Jacquelines und Alesias Vater Fritz Kreutzpointner war ebenfalls Rennfahrer und einst Teil des Mercedes-Junior-Programms.

Zur gleichen Zeit wie ein gewisser Michael Schumacher. Kreutzpointner startete 1991 mit dem F1-Rekordweltmeister in Le Mans beim 24h-Klassiker mit dem Sauber-Mercedes und wurde Fünfter. Die Wege der Töchter waren vorgezeichnet. "Man wird auf der Rennstrecke groß und bekommt es von Anfang an mit. Meine Schwester und ich hatten von Anfang die Leidenschaft dafür", erklärt Alesia Kreutzpointner.

"Wir haben Papa immer ganz stolz zugeschaut und wollten dann auch mit Motorsport anfangen". Doch der Vater war anfangs nicht begeistert von der Idee seiner Töchter. "Wir durften das von familiärer Seite damals aber nicht."

Die Kreutzpointners entschieden sich, den Traum Motorsport auf eigene Faust zu verfolgen. "Wir mussten warten, bis wir 18 Jahre alt waren", schildert Alesia den Beginn. "Dann haben wir das damals erstmal heimlich gestartet, weil wir naiv gesagt haben: 'Jetzt sind wir alt genug dafür'", beschreibt die 25-Jährige die Situation vor einigen Jahren.

Alesia Kreutzpointner - Jacqueline Kreutzpointner - 24h-Rennen Nürburgring 2024 - 31. Mai 2024
Four Motors

Alesia (links) und Jacqueline (rechts) sind die Töchter von Fritz Kreutzpointner, der einst für Mercedes in der DTM startete.

Vom Turnen zum Motorsport

Fritz Kreutzpointner hatte damals seine Gründe, wie seine Töchter erklären. Der ehemalige DTM-Pilot fuhr zur gleichen Zeit wie Ellen Lohr. Eine Pionierin von Frauen im Motorsport. Der mittlerweile 56-Jährige bekam damals mit, welche Steine Lohr in den Weg gelegt wurden. Das harte Business wollte er seinen Kindern ersparen.

Vor der Motorsport-Karriere waren die Kreutzpointner-Zwillinge deshalb in einem anderen Sport zu Hause. Beide turnten – und das sehr erfolgreich. Jacqueline war fünf Jahre lang Teil der Nationalmannschaft in der Sportakrobatik. Sie erkennt den Mehrwert, den ihr das Turnen gegeben hat. "Es hilft bei der Nervenstärke und Disziplin und wie man mit Tiefs umgeht. Das macht dich mental unglaublich fit." Alesia konzentrierte sich zu dieser Zeit auf das Geräteturnen.

Michelle Halder stimmt ihren Kolleginnen zu. Sie war selbst aktive Turnerin, ehe sie den Sprung in die PS-Welt wagte. "Ich habe das damals parallel zum Motorsport gemacht. Seit ich fünf Jahre alt bin, bin ich aber auch im Motorsport dabei. Mir hat das damals viel gebracht. Die Kraft, die wir da aufgebaut haben, hilft. Deshalb fällt das uns leichter, körperlich zu bestehen. Die Ausdauer kommt dann noch obendrauf."

Jacqueline Kreutzpointner - Michelle Halder - Alesia Kreutzpointner - Four Motors - 24h-Rennen Nürburgring 2024 - 31. Mai 2024
Stefan Baldauf

Die Vorfreude auf das 24h-Debüt bei dem Trio um Jacqueline (links), Michelle (Mitte) und Alesia (rechts) ist riesig.

Druck kein Thema

Einen flauen Magen vor dem Klassiker haben die drei Frauen nicht. "Du kannst dir hier keine Fehler erlauben. Du funktionierst einfach und hast gar nicht die Zeit, über die ganzen Dinge drumherum nachzudenken", schildert Halder.

Die schnellen GT3-Autos schüchtern die aus Meßkirch stammende Rennfahrerin nicht ein. "Bei der NLS fahren die GT3 ja auch mit. Das Problem ist eher, dass du erstmal mit dir selbst beschäftigt bist. Zum Teil überholst du Autos und von hinten kommen dann zwei, drei schnellere Autos. Du musst viel aus einem 180-Grad-Blinkwinkel beobachten."

Kollegin Jacqueline ergänzt: "Tagsüber geht es ganz gut einzuschätzen, wie schnell die Autos sind. In der Nacht ist es schwieriger zu erkennen, ob jetzt ein GT3 hinter dir ist, oder ist es ein Konkurrenzkampf mit einem, der vielleicht bessere Reifen hat und schneller durch die Kurven kommt. Das ist in der Nacht herausfordernder."

Doch über mögliche Schwierigkeiten machen sie sich jetzt noch keine Gedanken. "Wir freuen uns einfach dabei zu sein. Egal, um welche Zeit du fährst. Man ist einfach dankbar, dass man das machen darf und daher kommt die Vorfreude", erklärt Alesia mit funkelnden Augen.

Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport - Startnummer 420 - 24h-Rennen Nürburgring 2024 - 31. Mai 2024
Stefan Baldauf

Die Kreutzpointner-Schwestern peilen den Sieg in ihrer AT3-Klasse an. Dort sind sechs Autos am Start.

Traum vom Klassensieg

Dabei zu sein, ist aber nicht alles für das Trio. Sie spekulieren auf mehr: "Das Highlight wäre natürlich der Klassensieg und das streben wir auch an", gibt Alesia Kreutzpointner die Marschroute vor. Ihre Schwester ergänzt. "Wir haben bis jetzt vier Starts für Four Motors gehabt und vier Mal gewonnen. Wir wollen die 100-Prozent-Quote aufrechterhalten."

Ein Sieg könnte die immer noch existierenden Vorbehalte gegenüber Frauen im Motorsport reduzieren. "Wenn man jetzt das mit der Zeit von Ellen Lohr vergleicht, hat das schon abgenommen. Aber die Vorbehalte sind noch da", führt Jacqueline aus. "Das wird noch ganz lange dauern, bis das Umdenken da ist, dass Frauen auch fahren können."

Nur mit Leistung haben sie die Chance, die Vorurteile beiseite zu wischen. "Wenn du, wie wir, durch Leistung überzeugst und denen zeigst: 'Hey, ich kann tatsächlich fahren', dann macht das viel aus. Dann erarbeitest du dir den Respekt."

Diesen haben sich Jacqueline und Alesia Kreutzpointner sowie Michelle Halder so oder so verdient. Wie jeder Teilnehmer bei der 52. Ausgabe des 24h-Rennens 2024 auf dem Nürburgring.

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