E-Fuel-Projekt für die Nordschleife
Erster Sieg auf dem Prüfstand

Seit einigen Jahren erlauben die 24 Stunden auf dem Nürburgring den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe. Die Initiative DeCarTrans will mit einer Vorstufe zu zukünftigen E-Fuels dieses Jahr ihre bisherigen Fortschritte im sportlichen Wettbewerb unter Beweis stellen. Beim Vorab-Vergleich auf dem Prüfstand konnte man klassischen Renn-Sprit schon in mehreren Bereichen schlagen.

E-Fuel-Prüfstandtest - BMW M4 GT4 - Bertrandt
Foto: Bertrandt

Die Bemühungen um erneuerbare Kraftstoffe nehmen weiter an Fahrt auf. Neben dem altbekannten Programm des Rappers Smudo, dessen Team Four Motors auf Bio-Sprit setzt, haben sich für dieses Jahr unter anderem auch zwei E-Fuel-Projekte für das 24h-Rennen gemeldet. Zum einen kehrt der Toyota GR Supra GT4 von Team Griesemann zurück, zum anderen gibt ein alternativ befüllter BMW M4 GT4 sein Debüt.

Bei beiden ist die Forschungsinitiative DeCarTrans involviert, die vom Entwicklungsdienstleister FEV geleitet wird. Das vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr geförderte und von Herstellern wie Porsche unterstützte Programm will zeigen, dass es eine sinnvolle Ergänzung zu Batterie-elektrischen Autos geben kann.

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E-Fuel-Prüfstandtest - BMW M4 GT4 - Bertrandt
Bertrandt

Synthetische Kraftstoffe gewannen zuletzt stark an Bedeutung. Motorsport-Projekte sollen den Nutzwert unter härtesten Bedingungen belegen.

Erste Stufe zur Unabhängigkeit

Projektleiter Dr. Raul Tharmakulasingam berichtet: "Der erneuerbare Anteil für den Kraftstoff 'eFuel Racing 98' liegt derzeit bei circa 50 Prozent. Dies ist direkt abhängig von den verschiedenen fossilen Additiven, die man benötigt, um den RON-Wert von MtG-Kraftstoff auf RON 98 zu erhöhen."

In den nächsten Jahren soll sich das Verhältnis zugunsten der klimafreundlichen Quellen verschieben. "Mit der Umstellung von Bio- auf E-Methanol kann man den erneuerbaren Anteil erhöhen und dann durch den Ersatz der fossilen Komponenten durch synthetische Komponenten in Richtung von über 60 Prozent gehen." Parallele Skalierungseffekte helfen außerdem beim Senken der noch hohen Kosten.

Für die Entwicklung sind die kompromisslosen Umstände des Rennsports traditionell hilfreich. "Der Motorsport ist letztlich ein extremes Prüffeld für die Serie, denn zahlreiche sicherheits- und effizienzrelevante Entwicklungen wurden hier erprobt." Auch die öffentliche Wahrnehmung ist den Beteiligten wichtig. Missverständnisse wie die früheren Sorgen bezüglich E10 sollen damit frühzeitig ausgeräumt werden.

E-Fuel-Prüfstandtest - BMW M4 GT4 - Bertrandt
Bertrandt

Eine wichtige Voraussetzung war, dass der Sprit ohne Veränderungen im BMW genutzt werden kann. Der Test bestätigte: Ziel erreicht.

Drop-in und weniger Partikel

Um sich auf die Bedingungen der härtesten Rennstrecke der Welt vorzubereiten, absolvierte der GT4-BMW Anfang Mai einen ungewöhnlichen Shakedown. Dienstleister Bertrandt stellte einen Spezialprüfstand für einen direkten Vergleich zwischen einem traditionellen Kraftstoff und der erneuerbaren Alternative zur Verfügung. Das Fazit fiel positiv aus.

Allen voran kann die Vorstufe ohne Anpassungen (Drop-in) im Renner von Hofor Racing by Bonk Motorsport genutzt werden. Zudem ist die emittierte Partikelanzahl und -masse etwa um die Hälfte geringer. Der CO₂-Ausstoß befand sich auf demselben Level, was durch die vorherige neutrale Produktion anteilig kompensiert wird.

Bis zum Klassiker am ersten Juni-Wochenende wollen die Beteiligten die Daten intensiv auswerten und die Emissionsreduzierung sowie die Performance weiter verfeinern. Zudem bietet auch die unveränderte Technik des BMW weiteren Spielraum für einen besseren Abgleich.

E-Fuel-Prüfstandtest - BMW M4 GT4 - Bertrandt
Bertrandt

Auf dem Spezialprüfstand von Bertrandt werden Partikel unter Laborbedingungen ermittelt. Der erneuerbare Kraftstoff schnitt allein optisch schon besser ab.

Wie sieht die Zukunft auf?

Projektleiter Tharmakulasingam freut sich auf die nächsten Schritte: "Gemeinsam arbeiten wir aus Überzeugung sehr hart daran, das Bewusstsein für dieses Projekt und unsere Arbeit zu schärfen und gleichzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen für einen realistischen Übergang von fossilen Kraftstoffen zu regenerativen E-Fuels zu entwickeln."

Trotz der anhaltenden Hürden überwiegen die Ambitionen. "Bei FEV als technologieoffenem Innovationstreiber gehen wir sogar so weit zu sagen, dass bis 2035 kein fossiler Kraftstoff mehr an der Tankstelle erhältlich sein sollte. Ersatz muss durch nachhaltige Energieträger geschaffen werden."

"Dazu zählen sowohl nicht-fossile Kraftstoffe, aber auch regenerativer Strom. Hintergrund ist die zeitnahe Etablierung eines breiten, intelligenten Technologieportfolios im Mobilitätssektor, bestehend aus BEV, Hybrid-BEV und Brennstoffzelle. Hinzu kommen mit Wasserstoff oder E-Fuels angetriebene Verbrennungsmotoren."

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