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Porsche Rennsport Reunion: Kult-Event Laguna Seca

Porsche Rennsport Reunion in Laguna Seca
Eine Marke und ihre Fans im Party-Modus

Ende September feierte Porsche bei der siebten Ausgabe der Rennsport Reunion ein Verbrenner-Vollgas-Festival – für Fans, Racer und Fahrzeugbesitzer. Mit am Start waren auch viele Porsche-Fahrerlegenden – und fast alle ikonischen Rennmodelle der Marke.

Porsche - Rennsport Reunion - Lagnua Seca (2023)
Foto: Porsche

"Nichts geht über Porsche!" Kevin Miller ist mit seinem 993-Porsche auf eigener Achse von Salt Lake City (Bundesstaat Utah) zur kalifornischen Rennstrecke in Laguna Seca gepilgert. "Wir sind im Konvoi mit fünf Porsche-Fahrzeugen 1.400 Kilometer nach Monterey zur Rennsport Reunion gefahren, um die Marke, ihre Autos und die Historie zu feiern." Für Kevin und seine Porsche-Buddies war es bereits der dritte Trip zur Rennsport Reunion.

Für Nicht-Amerikaner ist die Porsche Rennsport Reunion, die heuer zum siebten Mal ausgetragen wurde, ein Phänomen von einem anderen Stern: Über 90.000 Zuschauer pilgerten nach Laguna Seca, die meisten von ihnen sind Fans und Fahrzeugbesitzer. Die Zuschauer-Parkplätze waren brechend voll, die langen Staus bei der An- und Abreise brachten morgens und abends die älteren Modelle vom Schlage 356 oder 914 auch schon mal leicht ins Schwitzen.

Unsere Highlights
Porsche - Rennsport Reunion - Lagnua Seca (2023)
Porsche

91.000 Besucher feierten in Laguna Seca die Marke Porsche – und ein bisschen auch sich selbst.

Porsche-Show ohne Porsche-Kontrolle

Neue und alte Modelle hielten sich dabei die Waage, doch was bewegt so viele Fans, zur Rennsport Reunion zu reisen? "In Amerika gibt es die Kultur der Car Corrals, also markenbezogene Parkplätze für Fans bei Rennveranstaltungen", erklärt Kevin Miller. "Bei fast allen IMSA-Rennen gibt es zum Beispiel den sogenannten ‚Porsche-Platz‘, der für Fahrer der Marke Porsche reserviert ist – das ist eigentlich wie eine Art großes Clubtreffen."

Eine solche Kombination aus Markentreffen und Rennsportfestival gibt es in Europa nicht – andere Länder, andere Sitten. Der Ex-Porsche-Werksfahrer Brian Redman und der ehemalige Porsche-Pressemann Bob Carlson hatten die Rennsport Reunion 2001 als Come-Together für die historische Porsche-Rennszene gestartet. Die Ursprungsidee: eine Bühne für historische Porsche-Rennwagen zu schaffen, die von den ehemaligen Stars der Szene pilotiert werden. Die Idee zündete auf Anhieb, der Fanzuspruch wurde immer größer, im Laufe der Jahre wurde die Reunion zu einem Markentreffen ausgebaut.

Heute ist die Rennsport Reunion ein Ort, an dem man den Pulsschlag der Marke Porsche fühlen kann. Porsche Nordamerika unterstützt den Event genauso wie das Porsche Museum, allerdings widerstand man der Versuchung, die maximale Kontrolle anzustreben. Stattdessen lebt der Event von unten: Tausende Porsche-Fahrer pilgern mit alten und neuen 911 oder historischen 356 oder 944 nach Laguna Seca. Viele Porsche-Fans kommen dazu, auch wenn sie kein Fahrzeug besitzen.

Porsche-Fahrerlegenden am Start

Auf der Rennstrecke sorgten über 300 historische Rennwagen unterschiedlicher Alterslassen für Track-Action, zumeist pilotiert von Amateuren. In den technisch aufwendigen Topklassen sowie bei den Demofahrten öffnet das Werk seine unermessliche Schatztruhe und sorgt obendrein für bekannte Kutscher.

"Eigentlich hatte ich hier zum ersten Mal die Gelegenheit, mich auf einen alten Porsche 962 einzuschießen", so der ehemalige Porsche-Werksfahrer und Le-Mans-Sieger Marc Lieb. Der Ludwigsburger spulte mit großer Freude Runden in einem Kremer-Leyton House 962 CK6 ab: "Das waren tolle Rennautos, die dem Fahrer einiges abverlangt haben. Die haben richtig Abtrieb, dazu sehr breite Reifen, die auf einem aktuellen Entwicklungsstand sind, damit sind sie richtig schnell. Man braucht kräftige Unterarme, es gibt keine Servolenkung!"

Porsche karrte Fahrerhelden aus verschiedenen Generationen nach Laguna Seca: Marc Lieb, Romain Dumas oder Jörg Bergmeister verkörpern die junge Vergangenheit, die aktuellen Stars wie Nick Tandy, Felipe Nasr oder Matt Campbell vergnügten die Fans mit Demorunden des aktuellen Porsche-Le-Mans-Prototypen 963 LMDh und des Vorgängermodells Porsche 919 Hybrid. Auch die ältere Generation war stark vertreten: Jacky Ickx, Derek Bell und Thierry Boutsen kritzelten fleißig Autogramme und gaben Interviews, ebenso wie die Porsche-Ingenieurs-Legende Norbert Singer.

Großes Familientreffen in Laguna Seca

"Die Rennsport Reunion ist absolut einzigartig, hier wird deutlich, was die Marke Porsche für viele Menschen bedeutet", erklärt Alwin Springer, der bei der Veranstaltung gemeinsam mit dem langjährigen Werksfahrer Patrick Long aus den USA als Grand Marshal agierte. Der frühere Präsident von Porsche Motorsport North America ergänzt: "Wieder mal waren die Fans und Besitzer von Rennwagen in ihrer Leidenschaft vereint. Das macht die besondere Stimmung aus. Auch für mich: Ich habe unzählige Freunde aus meiner Karriere getroffen – es fühlte sich wie ein Familientreffen an."

Auch Porsche-Vorstand Michael Steiner gab zu, dass die Rennsport Reunion ein Verbrenner-dominierter Event sei – und so röhrten und röchelten Porsche-Rennwagen vier Tage lang von morgens 8.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr lautstark um die Wette. Schön auch, dass es nicht immer bierernst zuging: Die zwei Rennen mit alten Porsche-Traktoren gerieten völlig überraschend zum größten Zuschauermagnet, obwohl es sich eigentlich um eine Blödelei handelte.

Ex-Profi Jörg Bergmeister nahm die Einladung von Ex-Profi-Patrick Long an, den Traktor von Vater Long zu pilotieren. Erwartungsgemäß geriet die Sache sofort außer Kontrolle: Bergmeister trainierte am Vortrag noch schnell den obligatorischen Le-Mans-Start, den er prompt gewann. "Aber mir fehlte einfach Topspeed im Vergleich zu den Vierzylinder-Traktoren" – typisch Rennfahrer: Immer haben sie irgendwelche Ausreden!

Porsche - Rennsport Reunion - Lagnua Seca (2023)
Porsche

Zwei Traktor-Rennen belustigten das Publikum in Laguna Seca.

Vom Carrera Cup zum Traktor-Rennen

Die Traktor-Episode belegt aber den Charme des Events, der sich durch eine staunenswerte Mischung aus Seriosität und Anarchismus auszeichnet: Sportlich reichte die Spanne vom Porsche Carrera Cup Nordamerika, der in Laguna Seca sein Finale bestritt, bis zum Traktor-Gebolze. Die für diesen Event bestimmten "Ikonen" (Porsche 550 Spyder, Porsche 917/30 und der aktuelle LMDh-Porsche 963) schlossen den historischen Kreis aus 75 Jahre Porsche.

Neben Past und Present gab es natürlich auch Future: Bei der Shuttle-Flotte dominierten die vollelektrischen Taycan-Modelle, gewandet in coolen 70er-Jahre-Designfarben, auch der vollelektrische GT4 e-Performance-Rennwagen durfte nicht fehlen, ebenso ein Zelt für die ewig junge Simracing-Community.

Zu guter Letzt warf Porsche noch ein Trackday-Guzzerl in den Ring: Der Porsche 911 GT3 R rennsport richtet sich mit seiner kolossalen Heckflügel-Kopie vom 935/77 Brumos-Porsche, dem satten Preis von gut 1 Million Dollar und der heutzutage gängigen Limitierung – hier auf 77 Exemplare – an sehr wohlhabende Trackday-Kunden, die eh schon alles haben. Wie sagte doch Kevin Miller: "Nichts geht über Porsche" – das Motto galt auch wieder bei der Rennsport Reunion Nummer 7, und zwar an allen Fronten.

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