Prinz Leopold von Bayern wird 80
Happy Birthday, Poldi!

Ohne Charakterdarsteller wie Prinz Leopold von Bayern wäre der Motorsport ärmer. Der blaublütige Rennfahrer feiert am 21. Juni den 80. Geburtstag. Parallel bereitet er sich auf sein Abschiedsrennen in Le Mans im "Münchener Wirte"-BMW-M1 vor: "O’zapft is!"

Prinz Leopold von Bayern - BMW Wirtshaus M1 - 2023
Foto: BMW

Seine Leidenschaft für schnelle Autos hat Prinz Leopold von Bayern weit gebracht. Über 60 Jahre Motorsport stecken voller Erlebnisse. Stoff für viele Geschichten, die aus ihm nur so heraussprudeln. Nach drei Tagen als Beifahrer von Seiner Königlichen Hoheit ist das Notizbuch prall gefüllt. Dabei geht es neben den Hochs und Tiefs auf der Rennstrecke immer wieder um Lausbubenstreiche, die seine Fahrerlaufbahn als Rahmenhandlung unterhaltsam machen. Poldi erzählt sie mit einem breiten Grinsen. Der Schalk sitzt ihm dabei auch immer noch im Nacken. Die Streiche des Trio infernale mit seinen Freunden Hans-Joachim Stuck und Dieter Quester zeigen jedoch nur die eine Seite des Wittelsbachers.

Unsere Highlights
Prinz Leopold von Bayern - Red Bull Ring Classics - 2023
Red Bull
Auch mit 80 Jahren tritt Prinz Leopold von Bayern noch regelmäßig ins Gaspedal.

Immer ein Prinz

Als Repräsentant seiner adligen Familie mit ehrenamtlichen Verpflichtungen und als Repräsentant von BMW beherrscht er auch das ernste, professionelle Fach. Sein ehemaliger Teamkollege Christian Danner brachte es in einem Gespräch mit dem ehemaligen BMW-Pressesprecher Uwe Mahla auf den Punkt: "Wenn ein Prinz Rennen fährt, ist er immer noch ein Prinz. Und Poldi hat es hervorragend verstanden, das eine mit dem anderen in Einklang zu bringen."

Mit Christian Danner und Peter Oberndorfer gibt es am 1. und 2. Juli bei Le Mans Classic ein Revival. Die drei Bayern starten an der Sarthe noch einmal mit dem BMW M1 im "Münchener-Wirte-Design. Anders als beim ursprünglichen Einsatz 1981 soll der Gruppe-4-M1 diesmal das Ziel erreichen. Dieser Einsatz bringt Poldi von Bayern zum ersten Mal seit den 80er-Jahren auf die legendäre Rennstrecke zurück, wo er seinen größten internationalen Erfolg feierte: 1984 fuhr er im Porsche 956B gemeinsam mit Teamchef Walter Brun und dem US-Amerikaner Bob Akin den vierten Gesamtplatz beim 24-Stunden-Rennen heraus.

Prinz Leopold von Bayern - Le Mans 1984
Motorsport Images
24h Rennen in Le Mans 1984: Poldi wird Gesamtvierter im Brun-Porsche 956B.

Zweiter auf der AVUS

Ebenfalls bei Walter Brun bestritt er die erste Saison der Deutschen Produktionsmeisterschaft, Vorläufer der DTM. Mit einem BMW 635 CSI wurde Poldi von Bayern Zehnter in der Meisterschaft. Seine beste Platzierung erreichte er auf der AVUS als Zweiter hinter Olaf Manthey. In dieser besten Phase seiner Laufbahn ist er bereits dreifacher Vater. Seine Frau Ursula lebte in ständiger Sorge wegen der gefährlichen Leidenschaft ihres Mannes.

Die entdeckte er schon in jungen Jahren: Im großen Park von Schloss Umkirch bei Freiburg, wo er geboren wurde, unternimmt er erste Fahrversuche in einem VW-Brezelkäfer. Mit 20 Jahren startet er bei Bergrennen. Zunächst in einem Opel Kadett, mit dem aber kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dann überredet er einen Onkel, ihm Geld für den Kauf eines konkurrenzfähigen Mini Cooper S zu leihen. Seine Mutter finanziert ihm einen Zugwagen mit Hänger. Damit ist zwar eine Basis gelegt.

Mehr Unterstützung gibt es aber nicht. "Ich habe mir alles andere selbst erarbeitet", betont Prinz Leopold von Bayern immer wieder, wie beispielsweise die Verbindung zum Sponsor Warsteiner, der ihn lange unterstützt hat. In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre bekommt er einen BMW-Vertrag. Neben seinen Aufgaben als Rennfahrer in den schnellen Tourenwagen vom M3 bis zum 320i ist er als Repräsentant gefragt: ein bayerischer Prinz für eine bayerische Automarke – eine Verbindung, die bis heute gepflegt wird.

Prinz Leopold von Bayern - BMW Wirtshaus M1 - 2023
BMW
Mit Christian Danner und Peter Oberndorfer gibt es am 1./2. Juli bei Le Mans Classic ein Revival mit dem BMW M1.

Rüstiger Renn-Rentner

An seine Erfolge aus den 80er-Jahren kann er zwar später nicht mehr anknüpfen. Aber er gehört als Typ einfach dazu. 1990 startete er in der DTM erstmals für das oberfränkische Tourenwagen-Team von Heinz und Wolfgang Isert. 1994 folgte der Wechsel zu den Super-Tourenwagen (STW) nach Japan mit Schnitzer als Teamkollege von Steve Soper. Aber das Thema der Saison war sein heftiger Abflug beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Die schwere Verletzung an seiner linken Hand setzte ihn für einige Wochen außer Gefecht. 1996 kehrte er ins Familienteam Isert zurück, bestritt seine letzten drei Saisons in der STW.

Im Alter von 55 Jahren machte Prinz Poldi Schluss mit der Rennkarriere. Den klassischen Autos ist er aber bis heute treu geblieben. Seine Leidenschaft hält ihn jung.

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