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Rennanalyse 24h Nürburgring 2023: Ferrari dominiert

Rennanalyse 24h Nürburgring 2023
Ferrari fährt in eigener Liga

In unserer Rennanalyse zum 24h-Rennen Nürburgring klären wir die Fragen des Rennens. Wieso war Ferrari so stark? Warum gab es so viele Reifenschäden? Und was war mit Porsche und Audi los? Wir haben die Antworten.

24h-Rennen Nürburgring 2023 - Ferrari 296 GT3 - Startnummer 30 - 21. Mai 2023
Foto: Stefan Baldauf / SB-Medien

Der erste Sieg eines ausländischen Herstellers seit 2002, ein neuer Distanzrekord und jede Menge Reifenschäden. Die 51. Ausgabe des 24h-Rennens bot jede Menge Gesprächsstoff. Wir lassen die entscheidenden Momente noch einmal Revue passieren und erklären die Hintergründe.

Wie schaffte Ferrari den ersten 24h-Sieg?

Ferrari und Lamborghini gehörten vor dem Wochenende zu den Außenseitern im Kampf um die 24h-Krone. Warum? Bisher war der Marathon zwei Mal rund um die Uhr von deutschen Herstellern geprägt. Trotzdem war klar: Die Chancen für beide Marken stehen besser als je zuvor. Denn zum ersten Mal hatten die Italiener sowohl sehr erfahrene Teams als auch echte Profi-Besetzungen am Start.

Unsere Highlights

Der Abt-Lambo verabschiedete sich früh mit Reifenschäden. Doch die Frikadelli-Mannschaft um Earl Bamber, David Pittard, Felipe Fernandez-Laser und Nicky Catsburg setzte das Potenzial um, das in der Mannschaft steckte. Frikadelli hat als erfahrendes Einsatzteam unzählige Jahre auf der Nordschleife auf dem Buckel, die Fahrer gehören zu den Top-Piloten in der GT3-Klasse.

24h-Rennen Nürburgring 2023 - Ferrari 296 GT3 - Startnummer 30 - 21. Mai 2023
Stefan Baldauf/Guido ten Brink
Frikadelli hatte eine Top-Mannschaft zusammengestellt.

Im Hintergrund koordinierte Rinaldi Racing den technischen Einsatz, die mit Teamchef Michele Rinaldi schon den Vorgänger 488 in der Eifel einsetzten und auf einige Daten zurückgreifen konnten. Ferrari selbst hing das Thema nach dem Sieg beim 24h-Qualirennen intern auch noch einmal höher auf und hatte sogar Ferdinando Cannizzo, den Chef der GT-Abteilung, vor Ort.

Insgesamt kam man komplett ohne Strafe und Unfälle durchs Rennen. Und was viel mehr verwunderte beim neu entwickelten 296 GT3: auch weitestgehend ohne technische Gebrechen. Nur die Dämpfer an der Hinterachse waren in der Schlussphase nicht mehr ganz in Schuss.

Welche Rolle spielte die Balance of Performance dabei?

Vorweg: Der siegreiche Frikadelli-Ferrari #30 lieferte einen fehlerfreien Job ab. Sowohl das Team als auch die Fahrer am Steuer. Tatsächlich freute sich die Konkurrenz auch ehrlich mit Teamchef Klaus Abbelen. Trotzdem lautete die Meinung im Fahrerlager unisono, dass keine andere Marke aus eigener Kraft eine Chance gegen die Italiener gehabt hätte.

Das unterstreichen auch die Zeiten. Vor allem die theoretische Bestzeit von Daniel Keilwitz im #20 Wochenspiegel-Ferrari sorgte bei vielen für Erstaunen: 8.05,552 Minuten. Im Schwesterauto von Frikadelli lag die bei 8.06,623 Minuten. Weil viele die Fahrerbesetzung im Frikadelli-Renner besser einschätzen als die bei Wochenspiegel, lag die Vermutung nahe, dass der #30 Ferrari in Sachen Performance noch Luft nach oben hatte.

Fasst man das Kräfteverhältnis zusammen, ergibt sich das Bild, dass der Ferrari etwa zwei Sekunden pro Runde schneller als Mercedes und BMW war, die in etwa auf Augenhöhe lagen – zumindest in der Nacht. Dahinter reihte sich Audi ein. Porsche und Lamborghini sind schwierig zu beurteilen, da der Manthey-Elfer schon so früh aus dem Kampf um den Sieg war und der Lamborghini ebenfalls. Beide waren aber definitiv konkurrenzfähig – bei Porsche zumindest Manthey.

24h-Rennen Nürburgring 2023 - Porsche 911 GT3 R - Startnummer 911 - Samstag 20. Mai 2023
Stefan Baldauf/Guido ten Brink
Der Manthey-Porsche war schneller unterwegs als die anderen Elfer.

Wie kam es zu den zahlreichen Reifenschäden?

"Reifenschaden hinten links" war wohl eine der am meisten gebrauchten Formulierungen in diesem 24h-Rennen. Das erste Reifendrama kündigte sich an, als innerhalb weniger Minuten fünf Porsche 911 GT3 R im dritten Qualifying mit Schäden hinten links an der Innenschulter ausfielen – einer mit Falken-Reifen, die anderen mit Michelin. Daraufhin änderte man die Balance of Performance-Einstufung noch einmal und wählte weniger Sturz und war mit weniger Gewicht und einem flacheren Heckflügel unterwegs. Das machte aber offenbar keinen großen Unterschied.

Denn im Rennen erwischte es direkt den Manthey-Elfer wieder mit einem Schaden hinten links am Michelin-Pneu, woraufhin Kevin Estre von der Strecke kreiselte und in der Hohenrain-Schikane in die Leitplanke einschlug. Man nahm das Rennen zwar wieder auf, zog das Auto nach Mitternacht aber wieder zurück, weil sich weiterhin Schäden ankündigten. Auch bei Falken kam es zu schleichenden Plattfüßen zum Ende des Stints hin. Porsche war der Hersteller, der am meisten mit dem Problem haderte. Das muss man wohl auch differenziert von den anderen sehen, denn vor allem der Schaden bei Manthey beschäftigte die Michelin-Ingenieure, weil sich das Team aus Meuspath genau an die Vorgaben gehalten hatte.

Das Thema betraf aber auch Audi mehrmals. Lamborghini schied wegen gleich zwei Reifenschäden aus dem Kampf um den Gesamtsieg aus. Am Ferrari trat das Problem nur einmal am Samstagnachmittag auf, als man ohnehin die Box ansteuerte. Hier war ein Trümmerteil die Ursache. Mercedes und BMW blieben verschont.

Bei Michelin und Falken war man ratlos. Auch Goodyear war von der Thematik betroffen. Heißt: Das Thema zog sich nicht nur über verschiedene Hersteller-Modelle, sondern auch über die verschiedenen Reifenfabrikate. Was es noch konfuser macht: Die Sturzwerte werden seit diesem Jahr vom Technikausschuss kontrolliert. Zumal sich an den Reifen im Vergleich zum vergangenen Jahr nichts geändert hat, da die nicht weiterentwickelt werden dürfen. Der Audi R8 LMS ist die beste Referenz: gleiches Auto, gleiche Reifen wie 2022.

24h-Rennen Nürburgring 2023 - Porsche 911 GT3 R - Startnummer 44 - 21. Mai 2023
Stefan Baldauf/Guido ten Brink
Auch bei Falken traten Reifenschäden auf.

Im Fahrerlager gab es ein paar Erklärungsversuche: Dass die Reifen nicht weiterentwickelt werden durften, könnte ein Teil des Problems sein. Denn die neuen Autos sind schwerer und mit mehr Abtrieb gesegnet. Dazu kommt: Das Rennen war extrem schnell. Es gab sogar einen neuen Distanzrekord mit 162 Runden. Heißt: Die Reifen wurden extremer belastet als in der Vergangenheit.

Zudem betraf es mit Audi, Porsche und Lamborghini eher Autos mit einer hecklastigen Gewichtsverteilung. Vierter Faktor: Manche vermuteten, dass Kerbs je nach Linie der Fahrer zu sehr mitgenommen wurden. Dafür spricht, dass bei Lamborghini beispielsweise nur bei Kelvin van der Linde die Reifenthematik aufkam.

Was war mit Porsche und Audi los?

Porsche und Audi blieben in diesem Rennen etwas blass im Kampf um den Gesamtsieg. Das hatte aber auch viel damit zu tun, dass man einige Autos verloren hatte. Bei Porsche ging die Misere damit los, dass der Lionspeed-by-Car-Collection-Porsche schon zu Beginn bei einem Überrundungsmanöver in der Leitplanke landete. Weiter ging es mit Kevin Estre, der im Manthey-Porsche knapp vor der 2-Stunden-Marke nach einem Reifenschaden in der Hohenrain-Schikane abflog.

Die anderen heißen Eisen im Feuer kostete es vor allem in der Nacht durch Leitplanken-Küsse. Dazu gehörte einer der Falken-Porsche (#33), der Huber-Porsche (#25) sowie der Dinamic-Porsche (#54). Letzterer erhielt für den Unfall mit dem Dacia Logan auch eine Strafe. Ohne größere Zwischenfälle und nur mit einer 32-Sekunden-Zeitstrafe kam der Rutronik-Elfer durch, der am Ende als bester Porsche auf Platz fünf landete. Die #44 von Falken hatte wie die anderen Reifenprobleme und zu Beginn einen Unfallschaden.

24h-Rennen Nürburgring 2023 - Audi R8 LMS GT3 evo II - Startnummer 39 - Samstag 20. Mai 2023
Stefan Baldauf/Guido ten Brink
Der Land-Audi kam als bester Vertreter der Marke auf Rang sechs ins Ziel.

Bei Audi verlor man die Siegkandidaten ebenfalls überwiegend durch Unfälle und Strafen. Die #1 lag am späten Abend aussichtsreich in der Spitzengruppe. Doch dann bekam man eine Zeitstrafe von 4.36 Minuten aufgebrummt, weil Frédéric Vervisch zuvor Flaggensignale missachtet hatte. Später rutschte man wie die #5 auf einer Ölspur in der Ford-Kurve weg. Der bestplatzierte Audi war am Ende der von Land (39) auf Platz sechs.