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Toyota GR010 Hybrid: Diätkur für die Evo-Version

Evo-Version von Toyota für Le Mans
Wie groß ist das Upgrade?

Toyota hat am 24. Februar 2023 die Evo-Version seines Hypercars für die Sportwagen-WM vorgestellt. Doch was bedeutet das genau? Ein großes Paket, um gegen Ferrari und Peugeot wettbewerbsfähig zu bleiben? Oder nur ein kleines Facelift, um die vielen Regeländerungen abzudecken?

Toyota GR010 Hybrid - WEC - Evo-Version
Foto: Toyota Gazoo Racing

Der Name des "neuen" Toyota-Hypercars ist schon mal der alte: Toyota GR010 Hybrid. Vielleicht ein Etikettenschwindel? Laut Toyota nein, denn Chassis und Powertrain blieben weitgehend unverändert, und damit eben auch der Name. Jeder Hypercar-Hersteller hat über die Homologationsphase von fünf Jahren eine gewisse Anzahl an Jokern zur Verfügung, um Updates zu machen. Hier wird unterschieden zwischen Performance, Zuverlässigkeit und Kosten.

"An der Performance darf man nur arbeiten, wenn man dem Regelgeber beweisen kann, dass man ein echtes Defizit hat," erklärt Toyota-Technikdirektor Pascal Vasselon. Da die Performance der Hypercars über die Balance of Performance (BOP) quasi eingefroren ist, müsste es der Logik nach immer um Zuverlässigkeit und Kosten gehen – doch diese Annahme führt ganz sicher in die Irre!

Unsere Highlights
Toyota GR010 Hybrid - WEC - Evo-Version
Toyota Gazoo Racing
Toyota will zum sechsten Mal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewinnen.

Gewicht als Evo-Ziel

Zumal das Reglement auch noch ein bewegliches Ziel ist, weil Hypercars und LMDh aus Amerika über die Konvergenz angeglichen wurden. Also noch mal: Was hat Toyota für 2023 wirklich verändert? Laut Technikchef Vasselon primär das Gewicht: "Das Auto war seit dem Start 2021 übergewichtig, was auch mit den vielen Regeländerungen zu tun hatte. Einen Teil davon hatten wir für 2022 korrigiert, aber wir lagen auch letztes Jahr noch deutlich über dem Mindestgewicht von 1.040 Kilo." Gewicht zu reduzieren ist aufwendig, denn man muss viele Bauteile gleichzeitig anfassen, um das Ziel zu erreichen.

Der V6-Motor und das Getriebe wurden ebenso erleichtert wie die angeblich neuen Hybridbatterien, was bedeutet, dass man viel Gewicht im Heckbereich gespart hat – das hilft beim Reifenverschleiß. Nur zur Erinnerung: Toyota hatte bereits über den letzten Winter von den Hypercar-Reifen auf die LMDh-Reifen umgesattelt, wo an der Hinterachse breitere Pneus zum Einsatz kommen. Ein Grund war das Gewicht, der zweite die Kastration des Allradsystems, das nach der Konvergenz erst ab 180 km/h zum Einsatz kommen darf.

Interessant in diesem Kontext: An der Frontpartie wurde kein Gewicht eingespart, obwohl dort die relativ schwere Motor Generator Unit (MGU) samt Differenzial und Antriebswellen verbaut ist. "Die hohen Grenzgeschwindigkeiten für den Hybrideinsatz haben den Vorteil des Hybridsystems massiv beschränkt", erklärt Vasselon. "Aber das System leistet immer noch maximal 200 kW, die Lastspitzen sind also gleich, und damit hatten wir am Ende dort kein Einsparpotenzial beim Gewicht."

Toyota GR010 Hybrid - WEC - Evo-Version
Toyota Gazoo Racing
Der weiterentwickelte Toyota GR010 Hybrid hat deutlich abgespeckt.

Verbesserte Bremsen am Toyota

Der zweite Fokus bei der Überarbeitung des GR010 Hybrid lag bei der Bremsenkühlung. "In den letzten zwei Jahren hatten wir immer wieder Probleme mit der Bremsenkühlung", so Vasselon. "Bei einem Hybridauto ist die Bremsenkühlung wegen der wechselnden Rekuperationsraten kritisch – und manchmal hatten wir Mühe, weil man unsere Zuluftkanäle nicht perfekt in der Größe anpassen konnte." Aus diesem Grunde veränderte Toyota für 2023 die Belüftungskanäle und ihre Einlassöffnungen.

Und in diesem Kontext gibt Vasselon zu, dass es auch einige aerodynamische Updates gegeben hat: Die seitlichen Endplatten am Heckflügel wurden verkleinert, dazu gab es neue Dive Planes an den vorderen Radhäusern, außerdem wurde die Aerodynamik oberhalb des Frontsplitters deutlich modifiziert. Das Bodywork wurde mit Blick auf die Wechseldauer optimiert, und neue Frontscheinwerfer sollen die Sicht bei Nacht optimieren.

Wir spielen jetzt mal Toyota und sagen zum Regelgeber: "All diese Maßnahmen dienen nur der Zuverlässigkeit und reduzieren die Kosten!" Die Antwort: Sicher nicht!

Deutlicher Fortschritt?

Wie groß ist das Toyota-Paket in Wirklichkeit? Das neue Regelwerk verpackt viele Performance-Parameter in sehr kleine Boxen: Laptime-Performance, Hybrid- sowie Motorleistung und Aero-Effizienz. Das Gewicht schlägt bei allen fahrdynamischen Faktoren stark durch, insofern war es vielleicht ein cleverer Schachzug von Toyota, in den ersten zwei Jahren übergewichtig anzutreten. Für den LMH-Dreikampf mit Ferrari und Peugeot hat Toyota jetzt abgespeckt – und ganz sicher macht sich das auch deutlich auf der Uhr bemerkbar.

Wie hoch der reale Gewinn bei der Rundenzeit oder über einen vollen Stint ist, das weiß nur Toyota. Laut Insider-Informationen handelt es sich tendenziell schon um ein großes Paket, auch wenn es als kleines verkauft wird. Und bei Back-to-Back-Tests war der Neuwagen angeblich auch klar schneller.

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