Alfa Romeo Junior
Das kostet die E-Topversion des Ex-Milano

Der neue kleine Alfa-Romeo-SUV heißt Junior, kommt mit reinem Elektro- und Hybridantrieb sowie in einer besonders sportlichen Veloce-Version. Jetzt stehen die Preise für die diversen Modellversionen fest.

Als erste Informationen über einen neuen Einstiegs-SUV von Alfa Romeo durchsickerten, ging es vorrangig um dessen Namen. Lange Zeit wurde die Modellbezeichnung "Brennero" kolportiert, wohinter sich die italienische Bezeichnung für den Brenner-Pass verbirgt. Der Hersteller selbst befeuerte diese mit diversen Hinweisen, von denen sich einige als Nebelkerzen erwiesen. Erst Mitte Dezember dann die Gewissheit: Alfa Romeo verkündete offiziell, dass der Neuling den Namen Milano trägt. Er sollte also heißen wie die Heimatstadt jener Marke, die 1910 in Mailand als A.L.F.A. ("Anonima Lombarda Fabbrica Automobili") gegründet und später in Alfa Romeo umbenannt wurde. Genau hier feierte er am Mittwoch (10. April 2024) seine Weltpremiere. Doch der Name währte nur kurz. Nur wenige Tage nach dem Debüt hatte Alfa Romeo nach einer Kontroverse mit der italienischen Regierung den Milano in Junior umbenannt.

Unsere Highlights

Design

Das Stadtwappen Mailands taucht indes weiter im Markenemblem von Alfa Romeo auf. Dieses trägt der 4,17 Meter lange, 1,78 Meter breite und 1,50 Meter hohe Junior immer in klassischer Form am vorderen Ende der Fronthaube. Und nach Wahl des "Progresso"-Designs (Fortschritt) auch stilisiert im dreieckigen Styling-Element im Zentrum der Front, das gemeinhin als "Scudetto" (deutsch: Abzeichen) bekannt ist. Alternativ präsentiert er in der Version "Leggenda" (Legende) an dieser Stelle den historischen Markenschriftzug. Der eigentliche Kühlergrill sitzt als vergitterter horizontaler Lufteinlass in der Frontschürze. In dieser befinden sich seitlich weitere Aussparungen. Darüber sitzen die Scheinwerfer mit prägnanter Lichtsignatur. Pro Seite rahmen vier größere und drei kleine LED-Tagfahrleuchten die Voll-LED-Matrix-Hauptscheinwerfer ein.

Die Seitenansicht ist geprägt von einer leicht aufsteigenden unteren Fensterlinie, ausgestellten Kotflügeln samt kunststoffbeplankter Radläufe und dem "Junior"-Schriftzug auf den vorderen Kotflügeln. Die vorderen Türen öffnen sich über Bügelgriffe, die hinteren Pendants über versteckte Griffe im Fensterdreieck an der C-Säule. Am Heck beschirmt ein Spoiler die schmale, recht flach in eine scharfe Abrisskante auslaufende Scheibe. Auch die hier platzierten, jeweils dreiteiligen Leuchten sind fein und schmal ausgearbeitet und befinden sich in einem schwarzen Styling-Element, unter dem erneut der Alfa-Romeo-Schriftzug prangt. Die Heckklappe verfügt über eine markante Sicke. Die Schürze präsentiert sich – genau wie die Dachpartie – in edlem Schwarz.

Innenraum und Infotainment

Hinter dem kleinen, unten leicht abgeflachten Multifunktions-Lenkrad sitzt ein 10,25 Zoll großes digitales Kombiinstrument, dessen runde Außenform klassische Rundinstrumente nachahmt. Auch der zentrale, leicht zum Fahrerplatz geneigte Infotainment-Touchscreen misst 10,25 Zoll und kann individualisiert werden, indem die einzelnen "Widgets" im Drag-and-Drop-Verfahren unterschiedlich angeordnet werden. Das System lässt sich aber nicht nur mit den Fingern, sondern auch per Sprache befehligen. Dabei helfen die KI-Software "ChatGPT" und das vorangestellte Kommando "Hey Alfa". Verschiedene Fahrzeugfunktionen lassen sich von außerhalb über die Smartphone-App "My Alfa Connect" steuern und Software-Updates werden kabellos "over the air" abgewickelt.

Im kompakten Alfa Romeo Junior finden bis zu fünf Personen Platz. Die optionalen Sportsitze in der ersten Reihe stammen vom Spezialisten Sabelt und tragen eingestickt das Markenemblem auf den integrierten Kopfstützen. Auf den äußeren Luftausströmern sind vierblättrige Kleeblätter (bekannt als "Quadrifoglio") zu erkennen; dieses Symbol kennen wir von den Rennwagen und den sportlichen Modellen der Marke. Die Mittelkonsole nimmt im vorderen Bereich Smartphones in einer induktiven Ladeschale auf. Die Elektroversion des Alfa Romeo Junior bietet ein etwa 400 Liter großes Gepäckabteil, wobei das Ladekabel im vorderen Kofferraum (Frunk) seinen Platz findet.

Junior Elettrica – die E-Version

Der Alfa Romeo Junior basiert vorübergehend auf der CMP- und e-CMP-Plattform (Common Modular Platform), die erst 2026 vom neuen STLA-Small-Baukasten abgelöst wird. Demnach verfügt die E-Version mit dem Beinamen "Elettrica" – übrigens der erste rein elektrisch angetriebene Alfa Romeo überhaupt – über eine 54 Kilowattstunden große Traktionsbatterie mit Lithium-Ionen-Zellchemie, die eine WLTP-Reichweite von 410 Kilometern gewährleisten soll. Eine Schnellladung per Gleichstrom von zehn auf 80 Prozent ihrer Kapazität soll mit maximal 100 kW und in weniger als 30 Minuten gelingen. Der E-Motor, der die Vorderräder antreibt und unter der Fronthaube werkelt, leistet 115 kW (156 PS).

Junior Elettrica Veloce – die elektrische Sportversion

Damit ist das Ende der elektrischen Leistungs-Fahnenstange allerdings noch nicht erreicht. Bei der Premiere kündigte Alfa Romeo direkt eine "Veloce"-Version des Junior Elettrica an. Entgegen bisheriger Spekulationen tritt diese Sportversion nicht mit einem weiteren E-Motor an der Hinterachse und damit Allradantrieb an, sondern quetscht seine Kraft von 176 kW (240) aus der vorn platzierten E-Maschine und überträgt diese über die vorderen Räder auf den Untergrund. Fahrleistungen nennen die Italiener bisher leider für keine der beiden Elektroversionen.

Junior Ibrida – die Hybrid-Version

Als dritte Modellvariante legt Alfa Romeo den Junior Ibrida mit Mild-Hybrid auf. Hier arbeitet ein 136 PS starker 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit einem ins Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integrierten Elektromotor zusammen, der 21 kW (29 PS) leistet und den kleinen SUV dazu befähigt, kurzzeitig rein elektrisch zu fahren. Die E-Maschine holt sich ihre Energie aus einem 48-Volt-Lithium-Ionen-Akku. Den Durchschnittsverbrauch gibt Alfa Romeo mit 5,2 Litern auf 100 Kilometer an. Der Hybrid-Junior soll gegen Jahresende 2024 optional mit einem "elektrifizierten Allradantrieb" kommen; der Junior Q4 dürfte also einen weiteren E-Motor an der Hinterachse erhalten.

Kommt die "Quadrifoglio Verde"-Sportversion?

Ob die Stellantis-Marke irgendwann eine echte "Quadrifoglio Verde"-Sportversion – ob rein elektrisch oder mit Hybridantrieb – nachschiebt, bleibt bislang unklar. Alfa-Romeo-CEO Jean-Philippe Imparato äußerte sich zu diesem Thema bisher vage. Ob das Topmodell komme, hänge vor allem davon ab, ob potenzielle Kundinnen und Kunden bereit wären, den wahrscheinlich üppigen Preis für einen Alfa Romeo Junior QV zu zahlen.

Fahrwerk und Fahrassistenten

Das sportlich ausgelegte Fahrwerk soll jenes Ingenieurs-Team entwickelt haben, das auch für die Abstimmung der Alfa-Romeo-Sportler Giulia GTA/GTAm und 4C verantwortlich war. Beim Veloce zeigt es sich um 25 Millimeter tiefergelegt und um verstärkte Stabilisatoren an beiden Achsen ergänzt. Hinzu kommt eine Sportbremsanlage mit Vierkolben-Monoblock-Sätteln und 380 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse. Speziell angemischte und auf 20-Zoll-Felgen aufgezogene Reifen sowie ein Torsen-Sperrdifferenzial sollen die Traktion optimieren.

Die Fahrdynamikregelung "Alfa D.N.A" bietet in jedem Junior die Modi "Dynamic", "Natural" und "Advanced Efficiency". Der Allrad-Hybride wird zusätzlich einen speziellen Q4-Modus erhalten. Die elektronischen Fahrassistenzsysteme sollen den kleinen SUV zum Autonomie-Level 2 befähigen und die rundum angebrachten Parksensoren sowie die Heckkamera das Einparken erleichtern. In der E-Version verfügt die Navigation über die Funktion "EV Routing", welche die Fahrtrouten unter Berücksichtigung der Ladestopps berechnet. Europaweit sind darin aktuell mehr als 600.000 Ladepunkte hinterlegt.

Junior Speciale – die Einführungs-Version

Der dritte Alfa-Romeo-SUV nach Stelvio und Tonale rollt bereits seit dem ersten Quartal 2024 in Tychy (Polen) vom Band, wo auch die Plattformbrüder Fiat 600e und Jeep Avenger gebaut werden. Die ersten Exemplare, die im September zu den Händlern kommen werden, gehören der Einführungsversion "Speciale" an, die sich sowohl mit dem 156-PS-Elektro- als auch dem 136-PS-Hybridantrieb kombinieren lässt. Äußere Merkmale sind der Scudetto im Progresso-Stil, mattschwarze Karosseriedetails mit roten Akzenten, getönte Scheiben und 18-Zoll-Leichtmetallräder im markentypischen Loch-Design. Innen gibt es ein Lederlenkrad, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz mit Massagefunktion und eine achtfarbige Ambientebeleuchtung. Eine elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung und das schlüssellose Zugangs- und Motorstart-System sind aufpreisfrei an Bord.

Marktstart und Preise

Preislich siedelt sich der neue Alfa Romeo Junior etwas oberhalb seiner Plattform-Geschwister an. Die regulären Modellversionen sind ab Juni 2024 bestellbar, wobei der Junior Ibrida mindestens 29.500 Euro kostet. Zum Vergleich: Der entsprechende Fiat 600e startet aktuell bei 24.990 Euro, während der Jeep Avenger Hybrid ab 27.300 Euro erhältlich ist. Die Preisliste des Junior Elettrica startet bei 39.500 Euro – auch das ist mehr als bei den Pendants von Fiat (36.490 Euro) und Jeep (38.500 Euro). Noch einen Tick teurer sind die umfangreich ausgestatteten und ab sofort bestellbaren Speciale-Sondermodelle, die mindestens 31.500 (Hybrid) beziehungsweise 41.500 (Elektro) kosten. Das Topmodell Elettrica 240 Veloce ist für wenigstens 48.500 Euro erhältlich.

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Fazit

Alfa Romeo bringt mit dem Junior ein neues Einstiegsmodell in SUV-Gestalt. Der Italiener ist das erste reine Elektroauto der Marke und nutzt dieselbe Plattform wie der Fiat 600e und Jeep Avenger, weshalb er auch mit Hybridantrieb kombiniert werden kann. Im Vergleich zu seinen Stellantis-Konzerngeschwistern bekommt er jedoch mehr Power, eine sportlichere Attitüde und ein hochwertigeres Erscheinungsbild. Zudem ist er etwas teurer.