Ares S1 Project Coupé
So aufregend kann Corvette-Technik verpackt sein

Ares Design zeigt mit dem S1 Project, was sich aus der Basis der Corvette C8 zaubern lässt. Nun kommt der Mittelmotor-Sportler als Coupé auf den Markt – mit Verspätung.

Ares S1 Project Coupé Serienversion
Foto: Ares Modena via Facebook

Die Kleinserien-Hersteller unter den Sportwagenbauern griffen schon immer gerne auf Corvette-Technik zurück. Vor allem der meist ebenso leistungsstarke wie robuste sowie leicht auf dem Zubehörmarkt verfügbare Smallblock-V8 der Amerikaner war stets beliebt bei den Exoten der Autobranche. Aber gleich das ganze Corvette-Chassis für den eigenen Sportwagen nutzen? So weit gingen die Tüftler meist nicht – oft wohl auch deshalb, weil ihnen das Frontmotor-Layout der Corvette nicht zusagte.

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Doch mit dem Modellwechsel auf die C8 (im Video: die Z06-Version auf einer heißen Runde in Hockenheim) und dem Konzeptwandel hin zum Mittelmotor werden die Karten neu gemischt. Als einer der ersten Kleinserien-Hersteller macht sich das Ares Design zunutze. Die in Modena ansässige Firma nutzt das Aluminium-Chassis der aktuellen Corvette für ihren S1 Project, das sie bereits in Form eines radikal offenen Spyders und einer etwas abgeschwächten Speedster-Version präsentiert hatte. Nun folgt das Coupé, das jedoch mit reichlich Verzögerung kommt: Ursprünglich wollte es Ares Design schon im Januar 2021 auf den Markt bringen.

Mit Flügel- oder Scherentüren?

Den Corvette-Look haben die Ares-Designer ihrer C8-Interpretation komplett ausgetrieben. In Modena entsteht ein sehr schlanker und flacher Sportwagen, dessen Form vor allem aerodynamischen Vorgaben folgt. Um den Luftwiderstand zu mini- und gleichzeitig den Anpressdruck zu maximieren, verfügt der S1 Project über geschwungene Radhäuser und eine weit nach vorn versetzte Fahrgastzelle. Auch der Frontsplitter ragt weit nach vorn, während heckseitig kein Flügel die elegante Silhouette stört; dieser gleitet erst bei einem gewissen Tempo heraus. Fraglich ist noch, ob der S1 Project über Scherentüren à la Lamborghini oder Flügeltüren im Stile des Mercedes 300 SL verfügt; auf den veröffentlichten Bildern präsentiert er beide Varianten.

Markant sind außerdem die im Vergleich zu ersten Prototypen (siehe Fotoshow über diesem Absatz) neu gestalteten Scheinwerfer, deren obere Tagfahrlichter sich weit in die vorderen Kotflügel ziehen. Hinten präsentiert der Ares S1 Project ein durchgängiges Lichtband. Darunter ordnen die Ares-Designer einen verschachtelt geformten Diffusor an, darüber treten die beiden Auspuff-Endrohre aus der Karosserie, die aus Carbon besteht. Hinzu kommen allerlei Luftein- und -auslässe: in der Fronthaube, im Bereich der Schweller, auf den hinteren Kotflügeln und als Hutze auf dem Dach. Eine Heckscheibe gibt es nicht; auch hier hilft ein offenes Element beim Regeln des Temperaturhaushaltes.

Welche Leistung bringt der Corvette-V8?

Dass sich der Ares S1 Project in seinem Zentrum besonders offenherzig präsentiert, liegt natürlich am dort positionierten Motor. Wie stark der 6,2 Liter große V8-Sauger mit Direkteinspritzung ist, verrät Ares Design bislang nicht. Bei der Vorstellung des Projekts im Spätsommer 2020 hieß es, er liefere 710 PS und maximal 715 Newtonmeter – unklar ist aktuell, ob diese Aussage noch gilt. Über ein per Tastendruck oder Lenkradwippen kommandiertes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe sollte die Power so effektiv Richtung Hinterräder geleitet werden, dass der Kleinserien-Sportler in nur 2,7 Sekunden von null auf Hundert sprintet. Ein Sperrdifferenzial hilft, die Kraft optimal zwischen den Hinterrädern zu verteilen. Und eine eigens entwickelte Auspuffanlage geleitet die Abgase wahrscheinlich klangstark in die Freiheit.

Beim Fahrwerk des S1 Project Coupés kommt wieder Sportwagen-Standard zum Einsatz: Die Räder sind an doppelten Querlenkern aus geschmiedetem Aluminium aufgehängt und ein adaptives Magnetic-Ride-Fahrwerk sorgt für blitzschnelle Anpassungen an Untergrund-Beschaffenheit und Fahrsituation. Hier profitiert der Ares ebenso von der Corvette-Basis wie bei der Elektronik-Architektur, die Einfluss auf zwölf verschiedene Performance-Variablen erlaubt. Die klassisch geformten V-Speichen-Felgen tragen Michelin-Sportreifen und geben den Blick auf die üppig dimensionierte Bremsanlage frei.

Drei Monitore im S1-Cockpit

Innen geht der Ares S1 Project optisch wieder auf Distanz zur Corvette. Zwar übernimmt er deren charakteristisch-eckiges Design des Multifunktions-Volants, setzt sonst aber eigene gestalterische Akzente. Etwa durch die nach vorn ansteigende Mittelkonsole, die Fahrer und Beifahrer separiert. Darüber sitzt ein vertikal ausgerichtetes Display, das als Infotainment-Schaltzentrale dient und über einen Dreh-/Drücksteller bedient wird. Hinzu kommen zwei weitere Monitore – einer hinter dem Lenkrad und einer beifahrerseitig im Armaturenbrett. Die Materialien der Wahl sind Alcantara, Nappaleder, Kohlefaser und Aluminium.

Das S1 Coupé wird deutlich exklusiver sein als das Basisauto aus den USA: Wie sie bei der Präsentation des Projekts vor drei Jahren mitteilten, wollen die Italiener nur 24 Exemplare ihres Modells mit festem Dach fertigen, und das nur auf konkrete Bestellungen hin. Als Preisvorstellung nannte das Magazin "TopGear" damals ungefähr 500.000 Euro, was in etwa einer Verfünffachung des Corvette-Tarifs entspricht.

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Corvette C8. Für mich gibt es nur das Original.Ares S1 Project. Hier wird die Basis hervorragend interpretiert.

Fazit

Ares Design zeigt mit dem S1 Project Coupé, was aus der Corvette-Basis herauszuholen ist – sowohl optisch als auch technisch. Mit zweieinhalb Jahren Verspätung kommt die italienisch-amerikanische Co-Produktion demnächst auf den Markt. Einige Details sind jedoch noch unklar. Dazu zählen die technischen Daten des Motors ebenso wie der finale Preis und die Limitierung.

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