Ariel Atom 4R
Wenn 406 PS auf nicht mal 600 kg treffen

Mehr Power, ausgeklügelte Aerodynamik und viel Feinschliff: Zehn Jahre nach Einstellung der V8-Version bringt Ariel mit dem 4R wieder einen extremisierten Atom.

Eins vorweg: Der neue 4R, der kürzlich beim Goodwood Festival of Speed debütierte, ist nicht der stärkste bisher gebaute Ariel Atom. Diese Ehre gebührt dem zwischen 2010 und 2013 gebauten Atom V8, der bis zu 507 PS erreichte. Aber direkt hinter diesem glorreichen Beispiel britischer Ingenieurskunst reiht sich – zufällig genau zehn Jahre nach Auslaufen des V8-Biests – der Neuling ein, der auf 406 PS kommt und ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern erreicht. Allerdings reicht dem Ariel Atom 4R die halbe Zylinderzahl, um auf seine Leistung zu kommen.

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Der Motor stammt aus dem Honda-Regal, trägt den Kennbuchstaben K20C und kommt sonst in illustren Fahrzeugen wie dem Civic Type R (siehe Video über diesem Absatz) zum Einsatz, in dessen jüngster Ausbaustufe er 329 PS und maximal 420 Newtonmeter erreicht. Hauptverantwortlich für die Leistungssteigerung des Triebwerks sind neue Kühlsysteme für Motor und Ladeluft, von denen sich zentrale Komponenten in den Seitenkästen befinden, die den 4R optisch vom normalen Ariel Atom unterscheiden. Auch die Sauerstoffzufuhr zum Zweiliter-Vierzylinder-Turbo hat Ariel optimiert. Wie vehement der Turbo boosten soll, lässt sich vom Cockpit aus dreistufig einstellen.

In 2,7 Sekunden von Null auf Hundert

An den Motor schließt sich ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe aus dem Hause Quaife an. Es erlaubt Hochschalten, ohne zu kuppeln, und dank automatischer Drehzahlanpassung fünfmaliges Herunterschalten innerhalb von einer Sekunde. Die Gänge lassen sich elektronisch und pneumatisch mittels der Lenkradwippen wechseln. Um die Beschleunigung des Boliden vor allem bei schlüpfrigem Untergrund zu optimieren, spendiert Ariel dem Atom 4R auf Wunsch eine Traktionskontrolle sowie eine Launch Control. Apropos: Von null auf 100 km/h soll er sich in 2,7 Sekunden katapultieren. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 274 km/h an.

Das Layout des Pushrod-Fahrwerks stimmt grundsätzlich mit jenem des Standard-Atom überein, arbeitet im 4R aber mit speziell für ihn entwickelten Dämpfern aus dem Öhlins-Regal namens TTX36. Die Komponenten der Radaufhängung bestehen zu weiten Teilen aus gefrästem Aluminium und sind teils aerodynamisch verkleidet. Hinter den eigens für den Atom 4R gefertigten Carbon-Felgen sitzt eine Carbon-Keramik-Bremsanlage von AP Racing, die mit Vierkolben-Sätteln arbeitet. Das ABS lässt sich nicht nur zwölfstufig verstellen, sondern – genau wie die Traktionskontrolle und Launch Control – auch deaktivieren.

Auf Wunsch mit Flügelpaket

Ariel rüstet den Atom 4R optional mit einem Aerodynamik-Paket aus, das in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten TotalSim entwickelt wurde, der wohl nicht ganz zufällig in der Stadt Brackley beheimatet ist (hier befindet sich auch der Sitz des Mercedes-Formel-1-Teams). TotalSim setzt vor allem auf das Entwicklungs-Werkzeug CFD (Computational Fluid Dynamics), das ebenfalls zum Standardprogramm in der Königsklasse des Motorsports gehört. Befindet sich das Paket aus Front- und Heckflügel am Auto, soll der Zweisitzer über ein spürbares sowie harmonisch ausbalanciertes Plus an Anpressdruck verfügen, wobei sich der Nachteil in Sachen Luftwiderstand in Grenzen halten soll.

Hinzu kommen kleine Erhöhungen auf den Carbon-Kotflügeln, die ebenfalls den Luftstrom optimieren sollen. Aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff bestehen außerdem die Abdeckungen für Scheinwerfer und Motor sowie die Airbox. Das Leichtbaumaterial ist einer der Gründe dafür, dass Ariel beim Atom 4R ein Leergewicht von knapp 570 Kilogramm erreicht. Diverse Anbauteile tragen eine spezielle 4R-Grafik, wobei sich das endgültige Design ausschließlich an den Kundenwünschen orientiert. Ariel weist darauf hin, dass jedes Auto von einem einzigen Techniker in Handarbeit aufgebaut wird, wodurch kein Auto dem anderen gleichen soll.

Karges Cockpit

Die beiden Insassen nehmen in einem extrem kargen Cockpit Platz, das nicht viel mehr als zwei dürre Sitzschalen mit Sechspunkt-Gurten und einen Carbon-Träger aufweist, auf dem sich die wichtigsten Tasten und Schalter befinden. Hinter dem abnehmbaren Lenkrad sitzt ein Fahrer-Informations-Display, das beim Rangieren das Bild der Rückfahrkamera anzeigt. Wer möchte, kann sich zudem ein Track-Timing-System mit Videofunktion ins Cockpit integrieren lassen. Eine Plakette vor dem Handbremshebel informiert darüber, wer den gerade genutzten Ariel Atom 4R gebaut hat.

Ariel bietet den Atom 4R zu Preisen ab 64.950 Pfund netto an. Mit deutscher Mehrwertsteuer und nach aktuellem Umrechnungskurs kostet die Fahrmaschine hierzulande demnach fast 90.000 Euro.

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Fazit

Beim 4R kombiniert Ariel das radikale Leichtbau-Konzept des Atom mit mehr Motor-Power und einer ausgeklügelten Aerodynamik, die aber extra kostet. Der Basispreis des Extremsportlers erscheint jedoch fair – mehr Fahrspaß zum günstigeren Preis dürfte kaum zu finden sein.

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AUTO MOTOR UND SPORT 05 / 2024
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Erscheinungsdatum 15.02.2024

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