Audi Q6 E-Tron
Mit Innovationsflut gegen Teslas Model Y

Audi hat seine Hausaufgaben gemacht, der Q6 E-Tron ist ein harter Gegner für den Tesla Model Y. Und der war 2023 das bestverkaufte Auto der Welt. Bei Lichttechnik und Antrieb des Q6 E-Tron geizen die Audi-Ingenieure nicht mit Innovationen.

Endlich zeigt Audi den Q6 E-Tron als ungetarntes Serienmodell. Das SUV basiert als erster Audi auf der PPE (Premium Platform Electric), die einen großen technischen Fortschritt bedeutet – insbesondere beim Antrieb. Der Q6 E-Tron ist sehr eng verwandt mit dem Porsche E-Macan, technisch sind die beiden zwischen A- und B-Säule identisch. Optisch sind die beiden natürlich eigenständig – beim Q6 E-Tron erinnern die Designer mit langgezogenen Wölbungen über den Radhäusern an die Quattro-Blister des Ur-Quattros. Die Proportionen wirken stimmig, die Überhänge sind kurz – und die Innovationen wirken im Innenraum und beim Antrieb.

IAA 2023

Licht ist den Audi-Ingenieuren wichtig – für den Q6 haben sie die Audi-Lichttechnik deutlich weiterentwickelt. Vorn ist das Licht zweigeteilt: Oben gibt es ein aus zweimal 61 OLED-Segmenten bestehendes Tagfahrlicht, darunter sitzt der Scheinwerfer für Abblend- und Fernlicht. Das Tagfahrlicht ist in verschiedenen Grafiken einstellbar – sowohl vom Innenraum aus als auch per Smartphone von außen. Da die Gesamthelligkeit immer gleich bleibt, sind auch dynamische Grafiken möglich – das KBA hat dies bestätigt. Am Heck leuchten über 300 dreieckige OLED-Segmente. Gegen Aufpreis stellen diese acht verschiedene Grafiken dar.

Audi Q6 E-Tron
Audi

Zu den Highlights des aufpreispflichtigen OLED-Lichts gehören die leuchtenden Warndreiecke am Heck. Diese leuchten beispielsweise selbstständig auf, wenn die Fahrzeugsensoren eine Gefahrensituation erkennen.

Warndreiecke in den Heckleuchten

Eine dieser Grafiken wirkt wie ein Glimmen, weil die einzelnen OLED-Segmente ihre Leuchtkraft permanent variieren. Das sorgt für einen Wow-Effekt – solch eine Lichttechnik gab es bisher nicht in der Welt straßenzugelassener Autos. Ihre dreieckige Form haben die Segmente, damit sie auch ein rotes Warndreieck darstellen können. Dieses Warndreieck wählt der Fahrer entweder direkt an, oder es erscheint automatisch – beispielsweise, wenn der Fahrer den Warnblinker aktiviert, wenn die Fahrzeugsysteme eine Gefahrenstelle erkennen und wenn sich dem Fahrzeug von hinten Radfahrer oder Fußgänger nähern. Audi geht hier voran – die Ingenieure hoffen, dass diese Warn-Anzeige mittelfristig zu einem Standard wächst. Spätestens dann dürfte es auch zum Serienumfang gehören. Übrigens: Da OLED deutlich trennschärfer leuchten als herkömmliche LED, erkennen Verkehrsteilnehmer das Heckleuchten-Warndreieck bereits aus größeren Entfernungen sehr klar.

Ein Highlight im Innenraum ist die große Kopffreiheit – selbst 1,90-Hühnen haben noch zehn Zentimeter Plätz über ihren Häuptern. Außerdem zieht sich auf Höhe des Frontscheibenfußes von einer zur anderen A-Säule eine mitteilungsfreudige LED-Lichtleiste. Sie leuchtet beispielsweise eine Begrüßungs- und Verabschiedungs-Sequenz, blinkt beim Blinken fleißig mit, und sie bestätigt Sprachbefehle. Möglicherweise fühlen sich die Insassen dadurch noch mehr mit ihrem Fahrzeug verbunden. Die beiden gebogenen Bildschirme für den Fahrer sitzen hinter einer gemeinsamen Glas-Verblendung. Der Beifahrer bekommt gegen Aufpreis einen eigenen Bildschirm. Dieser zeigt ihm beispielsweise Filme, die der Fahrer aus Sicherheitsgründen nicht sehen kann. Bildschirme für den Fond sind nicht vorgesehen. Das optionale Head-up-Display arbeitet mit Augmented Reality – die "Erweiterte Realität" hilft dem Fahrer beispielsweise mit noch klareren Navigations-Hinweisen und Informationen zu Verkehrssituation. Und wer an der Ladesäule ein bisschen Zeit zerstreuen muss, kann zwischen zwei per Head-up-Display angezeigten Spielen wählen.

Audi Q6 E-Tron
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Das Curved Display dominiert den Armaturenträger.

Beim Q6 E-Tron haben die Ingenieure auch einen vorderen Kofferraum (front trunk – Frunk) vorgesehen. Für ein maximal hohes Stauraum-Volumen sitzt der hinter dem Kofferraum montierte Kühler schräg im Vorderwagen: Der Frunk fasst bis zu 64 Liter Gepäck. In den großen Kofferraum im Heck passen 526 Liter.

Infotainment und Sprach-Assistenz

Der Audi Q6 E-Tron ist das erste Fahrzeug mit der neuen E3-Architektur. Diese neue Infotainmentplattform, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem VW-Konzern-eigenen Softwareunternehmen Cariad, basiert auf Android Automotive und ermöglicht kontinuierliche Software-Updates, um alle Fahrzeugsysteme stets aktuell zu halten.

Darüber hinaus ermöglicht ein selbstlernender Sprachassistent die Steuerung vieler Fahrzeugfunktionen sowohl online als auch offline. Dieser Assistent präsentiert sich als Avatar im Dashboard ("Audi Assistant Dashboard") sowie im Augmented Reality Head-up-Display. Für die Aktivierung lautet der Befehl "Hey Audi". Der Assistent unterstützt unter anderem bei der Suche nach der nächsten Ladestation. Außerdem lernt er kontinuierlich aus dem Nutzerverhalten und bietet Unterstützung während der Fahrt.

Audi Q6 E-Tron
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Das Kühlsystem hält sämtliche Batteriezellen auf der gleichen Temperatur, ein Unterfahrschutz und ein Feuerschutz erhöhen die Sicherheit des Antriebs-Akkus.

Bang-&-Olufsen-3D-Sound

Im Audi Q6 E-Tron ist optional ein Bang & Olufsen Soundsystem mit 3D-Klang verbaut. Dabei erzeugt ein Lautsprecher in der A-Säule die räumliche Dimension der Höhen, deren Schall durch die Windschutzscheibe reflektiert wird.

Das Herzstück ist ein Verstärker, der mit 830 Watt Leistung die insgesamt 22 Lautsprecher steuert. Vier dieser Lautsprecher sind in die Kopfstützen der Vordersitze integriert und ermöglichen sogenannte Soundzonen. Die Tiefton-Lautsprecher in den vorderen Türen sind in einem separaten Gehäuse untergebracht, was unerwünschte Resonanzen minimiert und eine präzise Klangwiedergabe gewährleistet.

Q6 E-Tron: Laden, Reichweite, Batterietechnik

Ihre Antriebsbatterien haben die Ingenieure enorm weiterentwickelt. Für den Q6 gibt es eine mit einer Brutto-Speicherkapazität in Höhe von 100 kWh (94,9 kWh netto) und eine mit 83 kWh (die Nettokapazität ist noch nicht bekannt). Die Abmessungen und Anschlüsse beider Batterien sind für eine einfachere Montage identisch – in der kleineren sitzen einfach weniger Speichermodule. Der große Akku wiegt circa 570 Kilogramm, der kleinere bringt unter 498 Kilo auf die Waage. Beide haben einen Unterfahrschutz aus einem Glasfaser-Verbundwerkstoff, ebenso sind beide von einem Flammschutzschild abgedeckt. Jede der prismatischen Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen ist Spannungsüberwacht, gleichmäßig verteile Temperatur-Sensoren liefern die Daten für eine Echtzeit-Temperaturkarte der gesamten Batterie. Eine an jeder Zelle mit gleicher Intensität wirkende Kühlplatte sorgt für eine gleichmäßige Kühlung. Und auch die serienmäßig verbaute Wärmepumpe hilft beim Kühlen, aber auch beispielsweise beim Vorkonditionieren der Batterie.

Das gesamte Maßnahmenpaket soll beim Hochvoltspeicher nicht nur zu einer massiv erhöhten Sicherheit führen. Während das Gewicht der Akkus gesunken ist, sind die Energiedicht um 30 und der Energiegehalt um fünf Prozent gestiegen. Die jetzt möglichen bis zu 270 kW Ladeleistung und das neue 800 Volt-System ermöglichen eine um 30 Prozent gesunkene Ladezeit für die Aufladung von zehn auf 80 Prozent der Speicherkapazität (jetzt 21 Minuten). Als maximale Ladeleistung verträgt das System 270 kW – mit vollgeladenem Akku kommt der Q6 E-Tron nach WLTP 625 Kilometer weit (SQ6 E-Tron: 598 km).

Audi SQ6 E-Tron
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Als Ladeleistung vertragen die Q6-E-Tron-Modelle bis zu 270 Kilowatt. Bei dieser Leistung lädt der Akku innerhalb von 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent seiner Speicherkapazität.

Technische Leistungs-Daten

Das für die mit festen Untersetzungen arbeitenden Getriebe an Vorder- und Hinterachse (vorn 9,139, hinten 9,242) haben die Ingenieure eine Trockensumpf-Ölkühlung entwickelt. Diese sorgt für niedrige Widerstände innerhalb des Getriebes, was am Ende fünf Kilometer mehr Reichweite bringt.

Während der Q6-Etron, der SQ6 E-tron und der RSQ6 E-Tron an der Vorderachse mit einem Asynchronmotor (ASM) und an der Hinterachse mit einem Permanent erregtem Synchronmotor (PSM) ausgerüstet sind, arbeitet im Einstiegsmodell nur der PSM an der Hinterachse. Die ölgekühlte Hinterachs-Maschine leistet 280 kW (381 PS) und generiert 580 Newtonmeter Drehmoment. Der an der Vorderachse sitzende und ebenfalls ölgekühlte Elektromotor leistet 140 kW (190 PS) und liefert 275 Newtonmeter Drehmoment. Der Q6 E-Tron kommt damit auf eine Systemleistung von 285 kW (387 PS), was ihm eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 5,9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h ermöglicht. Allein eine Softwaresteuerung sorgt beim SQ6 für eine erheblich höhere Systemleistung: Hier sorgen 360 kW (489 PS, Launch Control: 380 kW/517 PS) für eine Referenzsprintzeit in Höhe von 4,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.

Preise für den Audi Q6 E-Tron

Sowohl der Q6 als auch der SQ6 rekuperieren mit einer Leistung von bis zu 220 kW. Und das Rekuperieren, also das Zurückgewinnen von Antriebs-Energie, haben die Audi-Ingenieure bei der PPE, also auch bei den Q6-Modellen, perfektioniert. 95 Prozent aller Bremsvorgänge laufen ausschließlich über das Rekuperations-System ab. Und in den fünf Prozent der Fälle, bei denen ein Eingriff des mechanischen Bremssystems nötig ist, ist der Übergang vom rekuperativem zum mechanischen Bremsen selbst für den sensibelsten Fuß der Welt nicht spürbar – ein zwischengeschaltetes Federsystem sorgt für einen auch technisch nachweisbaren unmerklichen Übergang. Die Rekuperation ist in drei Stufen einstellbar – vom klassischen Freilauf bis Hold. Bei Hold bremst das System das Fahrzeug bis zum Stillstand ab und verharrt auch im Stillstand. Für das Halten des Stillstandes ist dann die mechanische Bremse zuständig, da ein vom PSM gehaltener Stillstand zu viel Energie kostet. Und selbst bei einer ABS-Bremsung rekuperiert das System.

Die Auslieferungen des Q6 E-Tron und SQ6 E-Tron beginnen im Sommer 2024. Der Basispreis des Q6 E-Tron beträgt 74.700 Euro, der des SQ6 E-Tron 93.800 Euro. Das später folgende heckgetriebene Einstiegsmodell dürfte bei circa 65.000 Euro beginnen, der ebenfalls später kommende RSQ6 E-Tron überfährt dann die 100.000-Euro-Marke.

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Fazit

Mit dem Q6 E-Tron bringt Audi sein erstes Modell auf den Markt, das auf der neuen PPE (Premium Platform Electric) basiert. Das technisch eng mit dem Porsche e-Macan verwandte SUV ist vor allen Dingen bei seiner Elektronik-Architektur und beim Antrieb innovativ. Die neue 800-Volt-Architektur ist Stand der Technik, die Batterie haben die Ingenieure in Sachen Energiegehalt, Kühlung und Sicherheit massiv weiterentwickelt. Das Gleiche gilt für die Elektromotoren und Getriebe sowie für deren Kühlung.

Das aufpreispflichtige OLED-Lichtsystem, mit bei Gefahrensituationen mit selbstständig am Heck aufleuchtenden Warndreiecken den nachfolgenden Verkehr warnt, könnte in der Industrie Maßstäbe setzen.