Audi Q6 E-Tron
Macan-Klon zeigt seine inneren Werte

Audi bringt frühestens im Sommer 2024 mit dem Q6 E-Tron ein Zwillingsmodell des rein elektrischen Porsche Macan. Der Elektro-SUV aus Ingolstadt präsentiert schon jetzt seine Lichttechnologie und sein Interieur.

Die technische Verwandtschaft zwischen Audi und Porsche ist seit Jahren bekannt. Auf Basis des Modularen Längsbaukastens sind Audi Q5 (seit 2008 als Q5 8R und ab 2017 als FY) und Porsche Macan seit 2014 mit Verbrenner-Motoren am Start. 2021 hatte der Q5 ein Facelift erhalten. Für den Macan gab es 2018 eine Überarbeitung und 2021 wurde eine weitere Modellpflege durchgeführt.

Audi Q6 E-Tron folgt auf Macan EV

Denn das Verbenner-Modell muss noch einige Zeit neben dem rein elektrischen Macan frisch bleiben. Der kommt nämlich erst im Modelljahr 2024 auf Basis der Premium Platform Electric (PPE), die Porsche und Audi gemeinsam entwickelt haben. Dazu kommt die neue Elektronikarchitektur E3.

IAA 2023

Genau da schließt sich wieder der Kreis zum Audi, denn mit dem Audi Q6 E-Tron liefern die Ingolstädter ebenfalls einen SUV-Stromer und auch ein weiteres Pendant als SUV-Coupé

Audi Q6 E-Tron – das Interieur

Das Interieur des Q6 E-tron soll wie aus einem Guss wirken und die Isassen umschließen. Entsprechend erzeugt das "Softwrap" genannte Konzept ein Raumgefühl, dass sich nahtlos von den Türen über das Cockpit bis zur Mittelkonsole erstreckt. "Softwrap" verwendet teilweise recycelte Materialien auch für die Sitze. Die PPE-Basis erlaubt zudem viele Stauräume und Ablagen. So befinden sich in der Mittelkonsole zwei Cupholder und eine Ladeschale für Smartphones. Der Verzicht auf den Mitteltunnel ermöglicht einen bequemen Zu- und Durchstieg zu der hinteren Sitzbank. Diese kann im Verhältnis 40:20:40 umgelegt werden, wodurch ein Stauraum von bis zu 1.529 Liter entsteht. Bei voller Bestuhlung ist der Kofferraum für 526 Liter ausgelegt. Zusätzlich bietet der Audi Q6 E-Tron noch im Frunk unter der vorderen Haube 64 Liter Stauraum zum Beispiel für das Mode 3-Ladekabel.

Die Displays

Der Innenraum des Audi Q6 E-Tron ist durch die "Digital Stage" geprägt. Diese Display-Bühne beinhaltet ein Panorama- und ein Beifahrerdisplay. Das schlanke, freistehende Panoramadisplay im Curved Design nutzt OLED-Technologie und kombiniert das 11,9 Zoll große Virtual Cockpit mit dem 14,5 Zoll großen Touchdisplay. In der Nacht soll eine spezielle Ambiente-Beleuchtung den Eindruck vermitteln, als würde das Curved Display schweben.

Audi Q6 E-Tron
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Das Curved Display dominiert den Armaturenträger.

Das 10,9 Zoll große Beifahrerdisplay ist in das Schalttafeldesign integriert und bietet dank des Active Privacy Mode mit Shutter-Technologie die Möglichkeit für den Beifahrer, Filme anzusehen, ohne den Fahrer abzulenken. Gleichzeitig kann der Modus genutzt werden, um den Fahrer bei Navigationsaufgaben zu unterstützen.

Das AR-Head-up-Display

Ein weiteres Highlight ist das optionale Augmented Reality Head-up-Display. Es projiziert eine erweiterte Bildebene über die Windschutzscheibe, die relevante Informationen wie Geschwindigkeit, Verkehrszeichen, Assistenz- und Navigationssymbole darstellt. Durch die nach vorn geneigte Bildebene verstärkt sich der Augmented-Reality-Effekt, da sich der Fokus des menschlichen Auges mitbewegt. Diese Technik erweckt den Eindruck, als würden die angezeigten Elemente in einer Entfernung von bis zu 200 Metern schweben und direkt mit der Umgebung interagieren. Das Sichtfenster für die Augmented-Reality-Inhalte entspricht aus der Perspektive des Fahrers etwa einer Diagonalen von 88 Zoll.

Dynamisches Interaktionslicht

Das kurz IAL genannte Interaktionslicht ist ein Leuchtenband im Innenraum, das mit bis zu 1.200 Kandela strahlt. Neben einem Ambientelicht zeigt es eine Welcome-Signatur an und "kommentiert" Ver- und Entriegelung des Modells. Über ein Blinklicht wird … das Blinklicht visualisiert und ein pulsierende Anzeige macht auf Ladestand oder den Ladevorgang aufmerksam.

Audi Q6 E-Tron
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Interieur-Highlights des Audi Q6 E-Tron.

Infotainment und Sprach-Assistenz

Der Audi Q6 E-Tron ist das erste Fahrzeug mit der neuen E3-Architektur. Diese neue Infotainmentplattform, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Cariad, basiert auf Android Automotive und ermöglicht kontinuierliche Software-Updates, um alle Fahrzeugsysteme stets aktuell zu halten.

Darüber hinaus ermöglicht ein selbstlernender Sprachassistent die Steuerung vieler Fahrzeugfunktionen sowohl online als auch offline. Dieser Assistent präsentiert sich als Avatar im Dashboard ("Audi Assistant Dashboard") sowie im Augmented Reality Head-up-Display. Für die Aktivierung lautet der Befehl "Hey Audi". Der Assistent unterstützt unter anderem bei der Suche nach der nächsten Ladestation. Außerdem lernt er kontinuierlich aus dem Nutzerverhalten und bietet Unterstützung während der Fahrt.

Das Soundsystem

Im Audi Q6 E-Tron ist optional ein Bang & Olufsen Soundsystem mit 3D-Klang verbaut. Dabei erzeugt ein Lautsprecher in der A-Säule die räumliche Dimension der Höhen, deren Schall durch die Windschutzscheibe reflektiert wird.

Das Herzstück ist ein Verstärker, der mit 830 Watt Leistung die insgesamt 22 Lautsprecher steuert. Vier dieser Lautsprecher sind in die Kopfstützen der Vordersitze integriert und ermöglichen sogenannte Soundzonen. Die Tiefton-Lautsprecher in den vorderen Türen sind in einem separaten Gehäuse untergebracht, was unerwünschte Resonanzen minimiert und eine präzise Klangwiedergabe gewährleistet.

Audi Q6 E-Tron
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Das Soundsystem im Detail.

Q6 E-Tron mit horizontal geteilten Leuchten

Beim elektrischen Q5 dürften die Überraschungen beim Design ausbleiben: E-Tron und Q4 E-Tron machen vor, wie ein E-SUV von Audi aussieht. Ähnlich wie Genesis oder auch Citroën bei verschiedenen Modellen setzt auch der Audi auf horizontal zweigeteilte Frontleuchten, die sich beiderseits des Kühlergrills drapieren. Modifiziert zeigt sich auch der zentrale untere "Lufteinlass", der nun dreigeteilt antritt. Insgesamt wirkt der Q6 E-Tron mit den von Verbrennern abgeleiteten Frontschürze, aber geschlossenen Lufteinlässen ein wenig arg martialisch und aufgesetzt. Der Grill mit abgesetztem Audi-Logo und darunter platzierten Sensoren ist geschlossen. Ebenfalls erstmals zu sehen, gibt es die Serienrückleuchten mit ihren Grafiken.

Audi treibt in der Scheinwerfertechnik digitale Lösungen voran. Seit 2020 bieten die Ingolstädter digitale OLED-Heckleuchten mit verschiedenen Signaturen an. Im Audi Q6 E-Tron können Kunden erstmals digitale Lichtsignaturen als Option bestellen und aus acht Signaturen für die Scheinwerfer und Heckleuchten wählen. Das geht über das Infotainment im Auto oder über die "My-Audi-App" per Smartphone.

Lichtsignaturen buchbar

Den Frontscheinwerfer des Q6 E-Tron gibt es in drei Ausführungen: Basis, mittlere und höchste Stufe. In der mittleren Stufe können die weiteren Signaturen der höchsten Stufe über das Functions-On-Demand-Programm von Audi hinzugebucht werden.

Im oberen Teil der zweigeteilten Frontscheinwerfer sind die digitalen Lichtmodule untergebracht. Für das Tagfahrlicht kann der Kunde dann die individuellen Lichtsignaturen wählen, ein Algorithmus steuert dann die zwölf auf- und abdimmenden Lichtsegmente.

Am Heck des Prototyps sind OLED-Heckleuchten verbaut. Sechs rechteckige OLED-Paneele mit insgesamt 360 digitalen OLED-Segmenten können individuell aufleuchten oder inaktiv bleiben. Die Segmente ändern ständig ihr Erscheinungsbild. Mithilfe eines Algorithmus entsteht alle zehn Millisekunden ein neues Bild. Das durchgängige Lichtband am Heck ist ebenso in die Signaturen einbezogen.

Audi Q6 e-tron Heckansicht näher Signatur 1
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In den OLED-Rückleuchten ist eine von acht möglichen Lichtsignaturen zu sehen.

Q6-Licht auch als Warnlicht

Ein Vorteil der Flächenlichtquelle OLED ist der mögliche Verzicht auf Reflektoren, Lichtleiter oder andere optische Hilfsmittel. Dadurch sind diese effizienter als herkömmliche Lichtquellen. OLED-Scheinwerfer bieten Ingenieuren und Designern zudem einen großen Gestaltungsspielraum.
Der Q6 kann über die Heckleuchten mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren. Audi nennt das Kommunikationslicht und entwickelt die Heckleuchten in den kommenden Jahren zu Displays weiter. Im Falle des Q6 leuchtet in Gefahrensituationen ein Warndreieck in den Leuchten auf.

Viele Fahrzeuge bieten einen Ausstiegswarner, der den Fahrer während des Aussteigens vor einem sich nähernden Fahrrad oder anderem Auto warnt. Mit seinen Heckleuchten warnt der Q6 auch andere Verkehrsteilnehmer, die sich dem SUV bei einer geöffneten Tür nähern.

In der Topausführung leuchten die Scheinwerfer auf, wenn sich der Fahrer mit dem Schlüssel nähert. Eine Coming-Home- und Leaving-Home-Inszenierung kann aktiviert werden. Wer die Matrix LED-Scheinwerfer bestellt, kann sich in einem Demo-Modus die Schilderentblendung und Objektausblendung im Stand vorführen lassen.

Audi Q6 E-Tron – die Technik

E-Tron und Q4 E-Tron waren auch der Grund, warum die Notwendigkeit für eine Elektroversion des Q5 nicht so recht auf der Hand lag: Der Q4 E-Tron auf Basis von VWs Modularem Elektrobaukasten (MEB) ähnelt zwar in den Abmessungen dem Q3, kommt aber im Innenraum dank der Packaging-Vorteile des E-Antriebs an den aktuellen Q5 heran. Der Audi Q6 E-Tron dürfte in Sachen Abmessungen ebenfalls dem Q5 ähneln; auch hier deutet sich ein deutlich größerer Innenraum an.

Die PPE-Plattform bietet Allrad-Lenkung sowie Luftfederung, eine 350-kW-Schnelllade-Funktion sowie Torque Vectoring. Je nach Ausführung sind Allradantrieb mit zwei E-Motoren oder Heckantrieb mit einem Elektromotor möglich.

Übrigens: Über dem Audi Q6 E-Tron positioniert Audi noch den Q8 E-Tron – ebenfalls auf PPE. Der Elektro-SUV und sein Sportback-Pendant ersetzen den E-Tron und das entsprechende Coupé von 2026 an. 2023 gibt es aber noch einmal ein Facelift.

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Fazit

Audi erweitert seine Modellpalette um elektrische SUVs. Nach Q4 und Q4 Sportback wird es auch von Q5 und Q5 Sportback Nachfolger mit E-Antrieb geben. Die bisherige technische Verwandtschaft zum Porsche Macan gibt’s auch beim E-Antrieb. Das hilft, die Entwicklungskosten auf größere Stückzahlen zu verteilen. Der Verbrenner bleibt aber bei Audi wie bei Porsche im Programm – zu viele Märkte sind noch längst nicht reif für rein elektrische SUVs.

Marken mit eigenen Architekturen für Elektroautos werden daher künftig in etlichen Segmenten zweigleisig fahren: Mit einem Elektroauto und einem Verbrenner bzw. PHEV, die sich in Bezeichnung und Außenabmessungen stark ähneln, aber technisch nichts miteinander zu tun haben. Dafür sind beide konsequent um ihren Antrieb herum entwickelt.

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AUTO MOTOR UND SPORT 05 / 2024
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Erscheinungsdatum 15.02.2024

148 Seiten