BMW i7 M70 xDrive
Das neue deutsche Elektro-Flaggschiff

Das neue Topmodell unter den BMW 7ern fährt nicht mehr mit Zwölfzylinder, sondern erstmalig elektrisch. Zwei E-Maschinen, Allradantrieb und 660 PS dürften höchsten Ansprüchen an die 5,39 Meter lange Limousine genügen. Gilt das auch für die Reichweite?

Dass BMW die Weltpremiere seines neuen Flaggschiffs ausgerechnet auf der Messe Auto Shanghai feiert, ist kein Zufall. Schließlich zielt das imposante Dickschiff mit seinem eigenwilligen Design vor allem auf den asiatischen und konkret auf den chinesischen Markt. CEO Oliver Zipse unterstreicht es bei der Präsentation in Shanghai mit seinen Worten mehr als deutlich: "Wir kommen zwar aus München, aber wir sind in China zuhause." Wenngleich das Bauchpinseln außereuropäischer Märkte kein BMW-exklusives Phänomen ist. Der BMW i7 M70 X-Drive dürfte als neues Hightech-Flaggschiff aber auch hierzulande beeindrucken.

Der große E-Ratgeber

Karosserie

Das Topmodell der Siebener-Reihe steckt in der seit 2022 bekannten 5,39 Meter langen Limousinen-Hülle der Baureihe G70. Damit kann man es äußerlich zunächst nicht von den anderen i7- und Verbrenner-Modellen unterscheiden. BMW hat dafür aber jede Menge M-typische Designmerkmale verbaut. Dazu gehören die Niere mit M-Emblem, die Frontschürze mit großen Luftleitelementen, M-Außenspiegel und -Seitenschweller sowie die sportlich geformte Heckschürze samt Diffusor.

Trotz der imposanten, steilen Front mit der fast waagerechten Motorhaube bleibt der cW-Wert mit 0,26 vergleichsweise niedrig und auf dem Niveau der V8-Modelle. Die zahmeren elektrischen Geschwister kommen als i7 auf einen Wert von 0,24. Platz gibt es im Innenraum schon wegen des langen Radstands von fast 3,22 Metern reichlich. In den Kofferraum passen 500 Liter Gepäck.

Lackierungen

Auffällig am neuen Topmodell ist die Zweifarblackierung, die sich laut BMW aus rund 100 Individual-Farbtönen zusammenstellen lässt. Der hier gezeigte BMW i7 M70 X-Drive trägt die Two-Tone-Lackierung "Liquid Copper metallic" und "Saphirschwarz metallic". Eine filigran lackierte Linie (Coach Line) setzt dabei beide Farbtöne voneinander ab.

Die Mattlacke, die BMW als Frozen-Lackierungen bezeichnet, werden für den i7 aus Biomasse anstelle von Erdöl hergestellt. Als Grundstoff setzt BMW tatsächlich nachwachsende Rohstoffe wie Abfälle aus Kläranlagen oder organische Abfälle ein. Technisch gesehen ersetzen die Bayern damit fossile Rohstoffe im Lack, bei identisch hohen Qualitätsanforderungen.

Fabian Kirchbauer Photography
Fabian Kirchbauer
Der hier gezeigte BMW i7 M70 xDrive trägt die Two-Tone-Lackierung "Liquid Copper metallic" und "Saphirschwarz metallic".

Interieur

Angesichts der riesigen Außenabmessungen enttäuscht das Platzangebot im Innenraum keinesfalls. Während es vorn wie von vorherigen Siebener-Generationen gewohnt luftig zugeht, genießen die Passagiere der zweiten Reihe das Raumangebot einer First-Class-Lounge. Komfortable Sessel mit Liegesitz-Funktionen lassen sich ebenso ordern wie ein fast 80 Zentimeter großer 8k-Bildschirm, der als Kinoleinwand aus dem Dach fährt.

Den passenden Sound liefert auf Wunsch ein imposantes Bowers-&-Wilkins-Surroundsystem mit 32 Lautsprechern. Doch nicht nur die Technik schindet mächtig Eindruck. Auch die Sitzbezüge scheinen aus einer neuen Zeit zu stammen. Zwar steht auch klassisches Leder in der Ausstattungsliste. Doch es gibt auch eine edle Kombination aus Merino- und Kaschmirwolle, um die sich die Individualabteilung von BMW kümmert.

Insgesamt ist der Innenraum in neun verschiedenen Farbvarianten erhältlich. Optional sind sogar Pianolacke oder Karbonfasern mit Silberfäden in der Ausstattungsliste zu finden. Allen gemein ist die eher sportliche Ausrichtung des Innenraums mit vielen M-Symbolen und dem dynamisch geformten Lenkrad. Doch insgesamt bestimmen feine Materialien, kristalline Deko-Elemente und eine Gediegenheit, die dem potentiellen Käufer eine gesunde Prosperität unterstellen, das Bild.

Bedienung

Der BMW i7 M70 X-Drive gehört zu den ersten Modellen der Marke, in denen das weiterentwickelte Bediensystem "Quick Select" samt Operating System 8.5 zum Einsatz kommt. Dabei bleiben der bekannte iDrive-Controller und das imposante Curved-Display als zentrale Bedieneinheiten erhalten. Die Menüstruktur ist allerdings noch weiter der von Consumer-Geräten angepasst. Für den Schnellzugriff können bestimmte Funktionen direkt angewählt werden.

Natürlich trägt auch das neue Topmodell die sogenannte Interaction Bar – also die Bedienleiste auf Höhe der Lenksäule, die sich über die komplette Cockpit-Breite erstreckt und sogar bis in die Türverkleidung reicht. Über die nahtlos integrierten Touchoberflächen können zum Beispiel Klimafunktionen eingestellt oder das Handschuhfach geöffnet werden. Die Interaction Bar ist auch Teil des Ambiente-Lichts, lässt sich also in Farbe und Lichtstimmung einstellen.

Antriebstechnik

Eigentlich könnte der BMW i7 M70 X-Drive schlicht und einfach M7 heißen. Das wäre nicht nur weniger sperrig, sondern würde auch auf das dynamische Potenzial des 660 PS starken Allrad-Dickschiffs hinweisen. Zum Einsatz kommen die modernsten Antriebsmaschinen der fünften Generation, die den M70 zum stärksten und schnellsten rein elektrischen BMW adeln. Der E-Motor an der Vorderachse leistet 190 kW/258 PS, der an der Hinterachse 360 kW/489 PS.

Das Systemdrehmoment beträgt bei aktivierter M Sport Boost-Funktion und der M Launch Control satte 1100 Newtonmeter. Damit ist die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h trotz des Leergewichts von 2,77 Tonnen in 3,7 Sekunden erledigt. Die Höchstgeschwindigkeit des i7 M70 X-Drive begrenzt BMW auf 250 km/h. Akustisch wird das Beschleunigungsspektakel auf Wunsch durch die von Hans Zimmer komponierten IconicSounds Electric begleitet.

Batterie und Reichweite

Die Unterflur-Batterie des i7 gehört immernoch zu einer der größten auf dem Elektro-Pkw-Markt. Sie besitzt auch beim M70 X-Drive eine nutzbare Kapazität von 101,7 kWh und macht im sportlichen Topmodell Reichweiten von 488 bis 560 Kilometer (im WLTP-Zyklus) möglich. Zum Vergleich: Der keinesfalls zurückhaltend motorisierte i7 X-Drive60 kommt mit dem gleichen Stromvorrat bis zu 625 Kilometer weit.

Und während der X-Drive60 mit weniger als 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer auskommen kann, taxiert BMW die Verbrauchswerte des i7 M70 X-Drive auf 20,8 bis 23,8 kWh/100 km. Immerhin bietet das M-Modell einen "Max-Range-Modus", der Leistungsabgabe und Höchstgeschwindigkeit limitiert und so die Reichweite um 15 bis 25 Prozent steigert. Aufgeladen wird der i7 wahlweise an einer Wechselstrom-Wallbox mit maximal 22 kW oder einem Schnelllader mit höchstens 195 kW. An letzterem soll der Akku innerhalb von 34 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt werden können.

Fahrwerk

Die serienmäßige Fahrwerkstechnik des i7 M70 X-Drive umfasst neben der M-spezifischen adaptiven Zweiachs-Luftfederung auch elektronisch geregelte Dämpfer, eine Integral-Aktivlenkung sowie das Paket "Executive Drive Pro" samt aktiver Wankstabilisierung und Active Roll Comfort. Die M Sportbremsanlage gehört wie auch 21-Zoll-M-Felgen zum Serienumfang. Optional ist auch erstmals für ein i7-Modell eine optionale Sportbereifung für mehr Querbeschleunigung erhältlich.

Wie auch bei den anderen i7-Modellen lässt sich die Fahrwerks-Charakteristik des M70 per Knopfdruck zwischen sportlich und komfortabel verstellen. Die M-spezifische, also sportlichere Verstellung betrifft auch den elektrischen Allradantrieb, die Lenkung und die Fahrstabilitätssysteme. Der i7 M70 X-Drive will also beides beherrschen – extreme Fahrdynamik und höchsten Fahrkomfort.

Marktstart und Preise

Gebaut wird der BMW i7 M70 X-Drive nicht etwa in China, sondern wie seine Geschwister im BMW-Werk Dingolfing. Hier bündelt BMW im Kompetenzzentrum seine Produktion für E-Antriebe, baut also sowohl Elektromotoren als auch Hochvoltbatterien für den i7 vor Ort. Die weltweite Markteinführung für den M70 startet in der zweiten Jahreshälfte 2023.

Derzeit kostet ein vollelektrischer BMW 7er mindestens 139.900 Euro. Dieser Preis bezieht sich allerdings auf das weniger großzügig ausgestattete "Basismodell" des i7 – also den i7 X-Drive60. Allein die Option "M Sportpaket Pro" katapultiert den Einstiegspreis auf über 150.000 Euro. Das Topmodell i7 M70 X-Drive dürfte also ein Preisschild mit annähernd 200.000 Euro tragen. Den genauen Kurs wird BMW demnächst bekanntgeben.

Umfrage
Wie gefällt ihnen der BMW i7?
9112 Mal abgestimmt
Nicht mein Fall.Sehr gelungen!

Fazit

BMW präsentiert das neue, voll-elektrische Topmodell der Siebener-Reihe, den i7 M70 xDrive. Die 5,39 Meter lange und 2,77 Tonnen schwere Luxus-Limousine leistet dank zweier E-Maschinen 660 PS und fährt 250 km/h schnell. Bei der Reichweite muss man sich allerdings mit 488 bis 560 Kilometern (WLTP) begnügen. Der etwas schwächere i7 xDrive60 schafft dagegen mit identischem Akku bis zu 625 Kilometer. Preislich dürfte sich das neue Elektro-Flaggschiff von BMW der 200.000 Euro annähern.