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Neuer Bugatti: Das V16-Monster heißt "Tourbillon"

Bugatti Tourbillon mit V16-Hybrid
500 km/h sind möglich

Den komplett neuen Chiron-Nachfolger nennt Bugatti Tourbillon. Extra für ihn wurde ein riesiger V16-Saugmotor entwickelt, der es mit Hybrid-Power auf 1.800 PS bringt. Doch das ist längst nicht der einzige Superlativ, wie wir beim ersten Treffen mit dem neuen Flügeltürer feststellen konnten.

Mit seinen 16 Zylindern und vier Turboladern dominierte der Bugatti-W16 in den Modellen Veyron (ab 2005) und Chiron (ab 2016) eine ganze Ära an Super... ach was: Hyper-Sportwagen. Jetzt ist der W16 Geschichte und CEO Mate Rimac präsentiert den dritten Bugatti der Neuzeit: den Tourbillon. Der trägt einen komplett neu entwickelten und 1.000 PS starken V16-Saugmotor im Heck, der dazu noch 800 PS extra Hybrid-Power bekommt. Doch das ist längst nicht alles – wie wir bei einer ersten Begegnung mit dem neuen Bugatti Tourbillon erfahren durften.

Unsere Highlights

Bugatti Director of Design, Frank Heyl (rechts): "Wir lassen uns vom Typ 57SC Atlantic inspirieren."

Flacher und schneller als der Chiron

Auch wenn die Fahrgastzelle im neuen Bugatti Tourbillon genauso geräumig ist wie im Vorgänger Chiron, so ist der Aufbau mit knapp 1,19 Meter nochmals tiefer. Dazu trägt der Tourbillon nun nach vorn oben aufschwingende Flügeltüren. Er ist 4,67 Meter lang und 2,05 Meter breit – ohne die extrem kompakten Außenspiegel. Der Radstand ist im Vergleich zum Chiron (2,71 Meter) um drei Zentimeter auf 2,74 Meter gewachsen. Die Seitenschweller sind nun deutlich schmaler, was vor allem den Einstieg erleichtert. Dazu sieht man bei geöffneter Tür wie in einem Formel-Auto direkt auf den nackten Vorderreifen.

Stärker als bei anderen Bugattis zuvor wird beim Tourbillon die Mittellinie betont. Sie zieht sich vom Hufeisen-Grill an der Front zwischen den extrem schmalen Scheinwerfern über die kleine Haube, den zentral positionierten Scheibenwischer, das Dach und eine lange Bremslicht-Leiste inmitten der Heckscheibe. Die Rücklichter verteilen sich in geschwungener Form über die gesamte Fahrzeugbreite.

Der Name: Bugatti Tourbillon (Wirbelwind)

Der Name Tourbillon ist einerseits das französische Wort für "Wirbelwind" und soll auf Bugattis französisches Erbe und die Heimat in Molsheim hinweisen. Dazu ist Tourbillon eine uhrmacherische Erfindung des in der Schweiz geborenen Uhrmachers Abraham Louis Breguet. Im Jahr 1801 ließ er sich das Patent "Tourbillon" als Schwing- und Hemmungssystem für mechanische Taschenuhren beim Patentamt in Paris eintragen.

Noch heute wird das komplexe Tourbillon-Prinzip in wertvollen mechanischen Armbanduhren eingesetzt, um den Auswirkungen der Schwerkraft auf die Uhr entgegenzuwirken und eine gleichmäßigere Zeitmessung zu gewährleisten. Der Bugatti Tourbillon verwendet ebenso komplexe mechanische Komponenten, darunter ein vollständig analoges Kombiinstrument, das von Schweizer Uhrmachern gefertigt und veredelt wird.

Instrumente aus 600 Einzelteilen

Dieses komplexe Uhrmacher-Kunstwerk dominiert das Cockpit. Lediglich ein kleiner, Smartphone-ähnlicher Bildschirm lässt sich aus dem höchsten Punkt der Mittelkonsole ausfahren und ins Querformat drehen. Das Wesentliche im Innenraum des Tourbillon funktioniert aber rein mechanisch. Kernstück ist ein skelettiertes Cluster im Kombiinstrument, das aus mehr als 600 kleinen Einzelteilen besteht. Titan oder Edelsteine wie Saphire und Rubine wurden mit einer Toleranz von höchstens 50 Mikrometern verarbeitet, wobei die kleinste bei fünf Mikrometern liegt.

Bugatii Tourbillon
Bugatti

Ausfahrbares Mini-Display, Mittelkonsole aus Kristallglas und Aluminium.

Das uhrmacherische Kunstwerk sitzt übrigens auf einem festen Lenkradtopf. Nur der Lenkradkranz dreht sich als "Fixed-Hub-Lenkrad". Durch dieses Konzept sollen Tourbillon-Fahrer unabhängig vom Lenkwinkel eine ungehinderte Sicht auf ihre Instrumentierung haben, da die Lenkrad-Speichen um die Rückseite des Kombiinstruments reichen.

0-300 km/h in unter zehn Sekunden – 445 km/h Spitze

Für die Geschwindigkeits- und Drehzahlanzeigen dienen im neuen Bugatti Tourbillon also hochpräzise mechanische Instrumente. Wie das aussieht und wie spektakulär sich dieser V16-Antrieb unter Volllast anhört, kann man im Video sehen und hören. Der eigenwillige, aber mitreißende Sound erinnert dabei eher an eine monströse Ducati als an einen Sportwagen. Die Fahrleistungen sind entsprechend exorbitant. Die 100er-Marke fällt nach zwei Sekunden. In unter fünf Sekunden sind 200 km/h fällig, von null auf 300 km/h soll der Chiron-Nachfolger in weniger als zehn Sekunden sprinten. Sogar eine Zeit von null auf 400 km/h haben die Ingenieure berechnet: unter 25 Sekunden. Hier der Sprint von null auf 445 km/h im Video:

Die unglaublichen Schreie stammen vom zusammen mit Cosworth komplett neu entwickelten, 8,3 Liter großen, frei saugenden V16-Motor. Keine Turbolader, kein Kompressor. Dafür aber 9.000 Touren und ein unvergleichlicher Sound zum Niederknien. Die beiden gigantischen, gut einen Meter langen Achtzylinder-Bänke des V16-Motors sind übrigens im Winkel von 90 Grad gespreizt. Über den Zylinderköpfen thronen 16 armdicke und armlange Ansaugtrichter aus Carbon.

500 km/h möglich

Der riesige Motor wird – wie im Chiron – direkt hinter der ersten Sitzreihe des Carbon-Monocoques platziert. Zusammen mit dem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe dahinter ist die gewaltige Antriebseinheit gut zwei Meter lang. Bis zum Heckabschluss bleibt dennoch nur eine Armlänge massive Carbon-Struktur, die als Ende des Diffusors spektakulär geformt ist. Trotzdem ist sie im Fall eines Heckaufpralls komplett crash-stabil.

Das auf 445 km/h limitierte Basismodell des Tourbillon dürfte erst der Anfang sein. Denn wer die Bugatti-Historie kennt, darf sich schon jetzt auf schnellere Editionen und Sondermodelle freuen, die nicht nur in der Theorie die 500 km/h knacken könnten. Dabei kommt das komplett neu designte Fahrzeug selbst bei höchsten Geschwindigkeiten ohne den ausfahrbaren Heckflügel aus. Stattdessen arbeitet ein gewaltiger, rund zwei Meter langer Diffusor unter dem Auto mehr als doppelt so stark wie noch beim Chiron. Der Flügel wird nur verwendet, um bei langsameren Geschwindigkeiten einen höheren Abtrieb aufzubauen und als Luftbremse für eine verbesserte Stabilität beim Verzögern zu sorgen.

1.000 PS plus drei Elektromotoren

Unterstützt wird der kurzhubige, 1.000 PS starke Hochdrehzahl-Saugmotor von gleich drei Permanent-Synchronmaschinen mit je 250 kW (340 PS). Eine sitzt im Getriebe an der Hinterachse, die anderen beiden verstecken sich an der Vorderachse und machen auch den nächsten Bugatti zum potenten Allradler. Die Systemleistung für den Nachfolger des Chiron gibt Bugatti mit rund 1.800 PS an.

Und dabei soll der neue Maßstab im Hypersportwagen-Himmel sogar leichter werden als bisher. Auf unter zwei Tonnen wollen die Entwickler von Firmen-Chef Mate Rimac das Gewicht des nächsten Bugatti gedrückt haben. Trotzdem soll der Wagen dank 24,8-kWh-Akku rund 60 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können. Die ölgekühlten Batteriemodule sitzen dabei im Mitteltunnel des Carbon-Monocoques. Die Kohlefaser-Hülle dient gleichzeitig als Batteriegehäuse. Einen Kardantunnel braucht der Bugatti wegen des elektrischen Allradantriebs nicht mehr.

Maßgeschneiderte Reifen, Brake-by-Wire

Dass die ungewöhnlich hohen Geschwindigkeiten besondere Ansprüche an die Reifen stellen, dürfte klar sein. Bugatti hat zusammen mit Michelin extra für den Tourbillon spezielle Pilot-Cup-Sport-2-Reifen entwickelt. Vorn tragen sie die Dimension 285/35 R20, hinten das Maß 345/30 R21. Die Räder hängen dabei an einem völlig neuen Chassis mit Mehrlenkeraufhängungen rundum. Die Lenker sind aus Aluminium geschmiedet und ersetzen die Doppelquerlenker-Stahlkonstruktion des Chiron.

Durch die Entscheidung für einen neuen organisch gestalteten Querlenker und einen 3D-gedruckten Ständer aus Aluminium haben die Ingenieure im Vergleich zum Chiron 45 Prozent des Aufhängungsgewichts eingespart. Das Heck verfügt außerdem über einen von einer KI entwickelten 3D-gedruckten hohlen Tragflächenarm, um die Fahrdynamik und Aerodynamik zu verbessern. Dazu spendiert Bugatti erstmals ein Brake-by-Wire-System – die gewaltigen Bremsen funktionieren also nicht mehr rein mechanisch, sondern werden elektrisch angesteuert.

Erst 2026 auf der Straße

Der Bugatti Tourbillon geht nun in die Testphase, wobei Prototypen bereits auf der Straße sind. Die Auslieferung an die ersten Kunden soll im Jahr 2026 beginnen. Insgesamt werden 250 Exemplare mit einem Startpreis von 3,8 Millionen Euro (netto) gebaut. Ein Großteil des geplanten Kontingents ist bereits verkauft. Die Handmontage des Tourbillon findet im Bugatti-Atelier in Molsheim statt – nach der Fertigstellung der wirklich letzten Bugattis mit dem W16-Motor, Bolide und Mistral.

Mate Rimac und Bugatti

Der Kroate Mate Rimac gründete seine Firma Rimac Automobili 2009, um das elektrische Hypercar Nevera mit 1.900 PS auf den Markt zu bringen. Heute gehören ihm nur noch 52 Prozent des Autoherstellers, 24 Prozent sind in der Hand der Porsche AG. Umgekehrt gehören seit dem 2. November 2021 55 Prozent von Bugatti zu Rimac, die anderen 45 Prozent zu Porsche. Im Rahmen dieses Deals gelangte Mate Rimac auf den Bugatti-Chefsessel.

Mate Rimac betonte immer wieder seine Passion für Bugatti. Mit Freude erinnere er sich daran, wie er als Junge im Jahr 2002 den ersten Veyron im VW-Forum Berlin sah. Die Meinung, dass VW mit dem Bau von Bugatti Veyron und dessen Nachfolger Chiron Unglaubliches geleistet hat, teilt Mate Rimac mit vielen Experten und Fans. Dieses Erbe achtet Rimac – und er möchte es weiterentwickeln. Dabei hat Rimac in verschiedenen Interviews inzwischen klargemacht, dass er vor allen Dingen Elektroautos konstruiert, weil er deren Performance und somit deren hohes, schon im Stand anliegendes Drehmoment mag.

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Fazit

Mit dem Tourbillon präsentiert Bugatti nach Veyron und Chiron sein drittes Modell der Neuzeit. Die komplett neu entwickelte Carbon-Flunder trägt erstmals Flügeltüren und einen frei saugenden V16-Motor samt Hybridunterstützung im Heck. Die Systemleistung liegt bei 1.800 PS. Das reicht für wahnwitzige Beschleunigungs-Leistungen und eine Höchstgeschwindigkeit von 445 km/h. Die ersten Modelle sollen 2026 an Kunden geliefert werden – zu Preisen ab 3,8 Millionen Euro (netto).