BYD Seal U – Elektro-SUV und Plug-in-Hybrid
Chinas ID.4-Konkurrent kommt auch als PHEV

Auto Salon Genf 2024

BYD bringt den Seal U mit zwei verschiedenen Antriebsarten nach Deutschland: rein elektrisch und als Plug-in-Hybrid. In China stand die E-Version bereits für eine kurze Proberunde bereit.

BYD hat mit dem Seal einen Konkurrenten für Teslas Model 3 präsentiert, der auf der modernsten Plattform (e3) des chinesischen Marktführers aufbaut. Es gibt die viertürige Limousine aus der von BYD wegen ihres Designs als Ocean-Line bezeichneten Modellgruppe (Seal, Dolphin, Seagull) mit Hinter- und Allradantrieb.

Die SUV-Version Seal U hingegen entsteht auf Basis des PHEV-Modells "Song". In einem Facelift verpassten die Chinesen ihm die Ocean-Optik, eine Blade-Batterie mit LFP-Zellchemie im Fahrzeugboden und den elektrischen Frontmotor des Limousinen-Seal. Der schickt seine 160 kW (rund 218 PS) und bis zu 330 Newtonmeter entsprechend an die Vorderräder. Der Null-auf-Hundert-Sprintwert beträgt je nach installiertem Batteriepaket 9,3 bis 9,6 Sekunden. Eine Allradversion ist übrigens denkbar und könnte zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschoben werden.

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Elektrisch oder als Plug-in-Hybrid

BYD bietet für den Seal U zwei Akkugrößen an. Mit 71,8 kWh kommt er laut BYD 420 Kilometer weit, mit 87 kWh sollen es 500 sein. Von 10 bis 80 Prozent soll die kleinere Batterie in 42, die große in 43 Minuten schnellgeladen sein, wobei die Ladeleistung in der Spitze eher bescheidene 115 bzw. 140 kW erreichen soll. BYD versichert aber, dass sie dafür nach dem schnellen Sprung aufs Maximum nur langsam abfalle. Im angegebenen Bereich braucht der Seal U mit dem großen Akku rund zwölf Minuten, um 100 Kilometer nachzuladen. Der Verbrauchswert liegt bei 19,9 bis 20,5 kWh pro 100 Kilometer.

Als Antriebs-Alternative bietet BYD den Seal U noch in diesem Jahr in Europa als Plug-in-Hybriden an – auch in Deutschland. Als BYD Seal U DM-i, der aktuell beim Genfer Autosalon (noch bis 3. März) debütiert, verfügt der SUV über einen 109 PS und maximal 135 Newtonmeter starken Benzinmotor sowie eine E-Maschine mit 197 PS und höchstens 325 Newtonmetern. Über ein CVT-Getriebe versorgen die Motoren die Vorderräder mit Antriebskraft. Vorläufigen Daten zufolge beschleunigt der Kompakt-SUV in 8,5 Sekunden von Null auf Hundert und erreicht in der Spitze 168 km/h.

100 km Elektro-Reichweite

Hier bietet die Blade-Batterie eine Kapazität von 18,3 kWh, was eine elektrische Reichweite von 100 Kilometern ermöglichen soll. Der Akku kann per Wechselstrom mit höchstens elf kW und per Gleichstrom mit bis zu 18 kW geladen werden. An einer Gleichstrom-Ladesäule dauert es rund 35 Minuten, bis die Batterie von 30 auf 80 Prozent ihrer Kapazität geladen ist. Der Energiespeicher des BYD Seal U DM-i kann aber auch Strom an externe Geräte abgeben.

Der Seal U ist mit 4,78 Meter nur wenig kürzer als die fast gleichnamige Limousine, misst in der Breite 1,89 Meter und in der Höhe 1,67 Meter. Damit ist der Seal U 20 Zentimeter länger als ein VW ID.4, der Radstand ist mit 2,77 Metern aber praktisch identisch.

Gute Platzverhältnisse, großer Kofferraum

Innen macht der fünfsitzige Seal U einen guten Eindruck: Die Materialien wie die veganen Lederbezüge wirken ansprechend, die Nähte akkurat, die Sitze bequem. Nur das Lenkrad ist leicht nach links versetzt – eine Petitesse, die der SUV mit dem flacheren Seal gemein hat. Die digitalen Instrumente vor dem Steuer sind dennoch gut ablesbar. Auf der Mittelkonsole thront ein je nach Ausstattungslinie 12,8 oder 15,6 Zoll großer rechteckiger Touchscreen, der sich mit Berührung des entsprechenden Symbols auf dem Display um 90 Grad drehen lässt und dann hochkant steht. Die Halterung wirkt dennoch überaus solide.

BYD Seal-U Elektro-SUV China
BYD

Das Umklappen der Rückbank ergibt eine Kante, der Verkleidungsteppich wellt sich beim Testfahrzeug unschön.

Im Fond sind die Platzverhältnisse prima: Passagiere mit 1,85 Meter Körpergröße haben hinten Reserven beim Knieraum, auch wenn vorn jemand gleicher Körpergröße sitzt. Über dem Kopf bleibt ebenfalls Luft; die Lehne steht relativ flach, lässt sich jedoch durch Ziehen an einer kleinen Schlaufe in mehreren Stufen steiler stellen. Das Glasdach bleibt selbst dann auf Abstand und lässt Licht nach hinten. Der Kofferraum fasst laut BYD zwischen 552 und 1.440 Liter, wobei die Fondsitzlehne im Verhältnis 60:40 teilbar ist. Das Gepäckabteil bietet einen hochklappbaren Boden auf der Höhe der Ladekante; darunter bleibt Platz für ein Reifenpannenset, Warnwesten und Kleinkram.

Apropos darunter: Unter der Fronthaube der E-Version wartet Platz für einen Frunk – aber bis jetzt nur das. Beim Öffnen dessen, was man bei Verbrennern meist als Motorhaube bezeichnete, fällt auch im auf elektrisch umgemodelten Song aka Seal U der Blick auf einen Motor. Über der E-Maschine ist richtig viel Raum, nur das Fach, in das man was reinlegen könnte, fehlt. Das werden die Chinesen bis zum Marktstart in Europa aber sicher fertig haben.

Probefahrt im Seal U auf abgesperrter Strecke

Den Seal U konnten wir auf einem Rundkurs außerhalb von Shenzen, dem Firmensitz von BYD, ausprobieren. Zum Vergleich stand der Limousinen-Seal bereit. Der ist kein Sportwagen, hält sich aber auch in schnell angegangenen Kurven wacker und seine Seitenneigung im Zaum – dabei hilft ihm sein dank schwerer Batterie zwischen den Achsen tiefer Schwerpunkt. Die Lenkung könnte etwas zielgenauer sein und wer die Elektro-Limousine mit zu hoher Geschwindigkeit in Biegungen zwingt, den bremst sie ein, indem sie über die Vorderräder schiebt. Dafür ist die Traktion dank Hinterradantrieb gut, die Beschleunigung flott, wenn auch das Ansprechverhalten auf Gaspedalbewegungen anfangs ein wenig indifferent wirkt – der Vortrieb wirkt teils wie für Millisekunden unterbrochen, ein feines Ruckeln scheint zu spüren.

Das ist dem rein elektrisch angetriebenen Seal U weitgehend fremd, dafür geht er weniger beherzt zur Sache – klar, der Heckmotor hat nahezu 100 PS mehr Leistung. Dennoch gerät der vorderradgetriebene SUV erheblich schneller an Traktionsgrenzen. Engagiertes Herausbeschleunigen aus Kurven mit einem Rest Lenkeinschlag quittiert er mit spürbarem Durchpfeifen des kurveninneren Reifens.

Sicher, aber wenig sportlich

Auch die anderen auf 19-Zoll-Felgen montierten Gummis finden keine Freude an dem kompakten Rundkurs, inniger Kontakt scheint vor allem bei Geradeausfahrt zu bestehen. Je größer Lenkbewegungen und Querbeschleunigung, desto mehr fühlen sich die Reifen an wie Marshmallows. Die Seitenneigung ist – wen wundert’s – ebenfalls deutlich stärker zu spüren als in der Limousine. Dafür ist die Übersichtlichkeit besser und die Perspektive aus der höheren Sitzposition des SUV der Suche nach der richtigen Linie selbst durch einen abgesteckten Slalom dienlich. Davon abgesehen ist Wedeln vermutlich das Gegenteil von Paradedisziplin für den Seal U – was die erreichbaren Geschwindigkeiten angeht. Die Sicherheit ist weder in der Nähe der Pylonen noch sonst auf dem Kurs ein Thema. ESP und Vorderreifen bremsen den SUV rechtzeitig ein.

BYD Seal-U Elektro-SUV China
BYD
Slalom und schnelle Kurven meistert der Seal U sicher, aber ohne Sportsgeist.

Außerdem bleibt der Seal U jederzeit sehr komfortabel und beschleunigt ausreichend. Bis 175 km/h, wie BYD angibt, was sich auf der überschaubaren Strecke allerdings nicht ausprobieren lässt. Die Bremsen geben auf der kurzen Proberunde keinen Anlass zur Klage, eine stärkere Rekuperation ließ sich auf die Schnelle leider nicht einstellen. Dafür ein Sport- und ein Eco-Modus. Deren Wirkung auszuprobieren, bleibt aber einer längeren Testfahrt vorbehalten.

Marktstart und Preis des BYD Seal U

Ab dem zweiten Quartal 2024 sollen die ersten Seal-U-Exemplare zu den europäischen BYD-Händlern rollen. Die Preise für die Elektro-Version stehen bereits fest. Mit 71,8-kWh-Batterie kostet der rein elektrische BYD Seal U mit Comfort-Ausstattung mindestens 41.990 Euro. Wer den größeren Akku haben möchte, zahlt 44.990 Euro für die Modellvariante "Design". Zum Vergleich: Der etwa 60 Zentimeter kürzere, aber technisch modernere Atto 3 ist derzeit ab 37.990 Euro erhältlich. Und der VW ID.4 mit 77-kWh-Batterie kostet im günstigsten Fall 46.335 Euro, wird aktuell jedoch stark rabattiert angeboten. Die Preise für den BYD Seal U DM-i mit PHEV-Antrieb sind noch nicht bekannt.

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Fazit

Der Seal U ist groß und geräumig, aber seine Technik eher pragmatisch: Er basiert auf einer PHEV-Plattform des Bestandsmodells Song und kommt ohne die Cell-to-body-Batterien der modernen E3-Plattform von BYD aus. Das deutet darauf hin, dass BYD schnell einen elektrischen Familien-SUV mit viel Platz im Angebot haben wollte. Dazu passt die schon in der Elektro-Basis recht üppige Akku-Kapazität von rund 72 kWh, die sich optional auf satte 87 kWh steigern lässt. Und es erlaubt den Chinesen, zeitnah einen Plug-in-Hybrid-SUV anzubieten, der noch 2024 in Gestalt des BYD Seal U DM-i nach Europa kommen soll.

Ein Test der Europa-Version zeigt, dass bei der Ladegeschwindigkeit tatsächlich Nachholbedarf besteht und die Tauglichkeit bzw. Bedienungsfreundlichkeit des Infotainment-Systems weiterhin keine Stärken chinesischer Autos ist. Als vertrauensbildende Maßnahme bietet BYD in Deutschland 6 Jahre und 150.000 Kilometer Garantie aufs Gesamtfahrzeug, 8 Jahre und 200.000 Kilometer auf die Batterie und 12 Jahre gegen Durchrostung.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten