Cadillac Lyriq
In Deutschland viel teurer als in den USA

Seit 2022 ist der Lyriq in den USA erhältlich. Nun geht es für den Elektro-SUV in Deutschland los – mit einem ungewöhnlichen Vertriebskonzept und happigen Preisen.

Cadillac Lyriq Elektro-SUV EU-Version
Foto: GM Europe

Der erste Elektro-SUV der Marke debütierte bereits am 25. April 2021. Die Auftragsbücher öffneten am 19. Mai 2022; von diesem Zeitpunkt an waren die Autos des 2023er-Modelljahres in den USA bestellbar. Den Erstaufschlag in Europa feierte der Lyriq Mitte Oktober 2023 in der Schweiz. Dort kostet er mindestens 82.000 Franken (umgerechnet gut 84.000 Euro). Nach der Ankunft auf dem französischen Markt erfolgt nun der offizielle Deutschland-Start des Lyriq.

Der große E-Ratgeber

Ultium-Plattform und Batterie

Der Lyriq basiert auf der neuen Elektro-Plattform des GM-Konzerns, die zuerst die Bezeichnung BEV3 trug und nun Ultium heißt. Die Plattform erlaubt es, Batterie-Module mit einer Kapazität von 50 bis 200 kWh zu verbauen. Dank der Ultium-Batterien kann das Unternehmen die Akku-Packs flexibel je nach Karosserieform aufbauen. So erhalten Fahrzeuge mit hoher Bodenfreiheit eine vertikale Anordnung im Fahrzeugboden, bei niedrigeren Modellen sind die Akkus horizontal angeordnet. Die Reichweite der Ultium-Fahrzeuge liegt maximal bei über 400 Meilen (umgerechnet 644 Kilometer), die Aufladung der 400-Volt-Akkus geschieht per Schnellladung mit höchstens 200 kW.

Die Serienversion des Lyriq rüstet Cadillac mit zwölf Batterie-Modulen aus, die zusammen eine Kapazität von 102 Kilowattstunden erreichen. Das soll nach europäischer Spezifikation eine Reichweite von 530 Kilometern garantieren. Für die USA werden 312 Meilen (umgerechnet 502 Kilometer) genannt. Geladen wird über einen CSS-Schnellade-Port (nach der amerikanischen Combo-1-Bauform), der sich auf der linken Fahrzeugseite direkt hinterm Radhaus befindet. An entsprechend starken Schnellladesäulen lässt sich beim Lyriq mit maximal 190 Kilowatt Strom tanken. In der heimischen Garage soll sich das immerhin mit bis zu 22 Kilowatt erledigen lassen.

Antrieb

Für den Elektromotor, der auf die Hinterachse wirkt, gibt die GM-Marke eine Leistung von 345 PS und ein maximales Drehmoment von 440 Newtonmetern an. Nach Europa kommt vorerst nur die allradgetriebene Version mit einem weiteren E-Motor an der Vorderachse. Während die Systemleistung für den US-Markt mit 500 hp (507 DIN-PS) angegeben wird, stehen in Europa 388 kW (528 PS) im Datenblatt des 2,8-Tonners, der hierzulande zudem mit speziell abgestimmtem Fahrwerk antritt. Das höchstmögliche Drehmoment beträgt in beiden Fällen 610 Newtonmeter. Diese Version verfügt über eine maximale Anhängelast von knapp 1,6 Tonnen. Mit welcher Intensität der Cadillac Lyriq rekuperiert, lässt sich vom Fahrer oder von der Fahrerin einstellen.

Lyriq als V Series geplant

Es sieht allerdings ganz danach aus, dass Cadillac eine noch stärkere Version des Lyriq plant. Einen entsprechenden Hinweis haben aufmerksame Zeitgenossen auf der Zubehör-Website der Baureihe entdeckt. Wer dort die entsprechenden Filter genutzt hatte, konnte unter dem Punkt "Ausstattung" kurzzeitig auf "V" klicken; mit diesem Buchstaben bezeichnet Cadillac traditionell die leistungsstarken Varianten seiner Baureihen. Inzwischen ist die Angabe von der Website zwar wieder verschwunden; dennoch ist es wahrscheinlich, dass eine V Series des Lyriq kommt. Bereits 2021 hieß es, dass Cadillac eine derartige Modellvariante in Betracht ziehe. Technische Eckpunkte sind freilich noch komplett unbekannt, doch man kann getrost davon ausgehen, dass ein möglicher Lyriq V deutlich stärker als die bisherige Topversion.

Design

Beim Design entfernt sich die 5,00 Meter lange, 2,21 Meter breite (mit ausgeklappten Spiegeln) und 1,62 Meter hohe (Radstand 3,09 Meter) Serienversion des Cadillac Lyriq kaum von der zuvor gezeigten Konzeptstudie. Wir sehen weiterhin einen Crossover-SUV mit stark konturierter Seitenansicht sowie einem coupéhaften Dachverlauf. Die martialische Front mit schwarzem "Kristall"-Grill weist geteilte Leuchteneinheiten auf, wobei die Tagfahrlampen vertikal in der Frontschürze und die schlanken LED-Hauptscheinwerfer horizontal angeordnet sind. Die Heckleuchten haben die Cadillac-Designer kunstvoll in die D-Säule integriert.

Weitere Auffälligkeiten sind die bündig in der Karosserie versenkten Türgriffe, die Chromleiste als oberer Abschluss der Seitenfenster und die sanft in einen Spoiler überführte hintere Dachpartie. Die Heckscheibe fällt flach ab und mündet in ein wuchtig gestaltetes Hinterteil. In den USA stehen aktuell zwei Felgen-Optionen in 20 und 22 Zoll zur Wahl; in Europa gibt es zum Start nur 21-Zöller. Die anfangs überschaubar bestückte Farbpalette hat Cadillac inzwischen erweitert.

Innenraum

Der fünfsitzige Lyriq-Innenraum orientiert sich am Interieur des neuen Escalade. Die Fahrerin oder der Fahrer blickt auf einen gekrümmten, 33 Zoll großen LED-Bildschirm, der Cadillac zufolge auch Augmented Reality sowie über eine Milliarde Farben darstellen kann. Der Monitor soll eine individuell anpassbare Benutzeroberfläche bieten: Die Informationen werden intuitiv dort angezeigt, wo sie gerade benötigt werden, und sie sollen auf die Stimmung der Person auf dem Fahrersitz abgestimmt werden. In den Holz- und Metall-Applikationen finden sich lasergeätzte Dekore. Der Kofferraum fasst bei fünfsitziger Bestuhlung 793 Liter und lässt sich auf maximal 1.722 Liter erweitern.

Assistenzsysteme und Ausstattung

In seiner Heimat verfügt der Lyriq über eine neue Stufe des Fahrsystems Super Cruise. Er kann so teilautonom fahren, also eigenständig die Spur wechseln und automatisch einparken (auch ferngesteuert). In Europa zeigt sich das Assistenzpaket etwas abgespeckt, doch Funktionen wie ein Spurhalteassistent mit -verlassenswarnung und eine automatische Notbremse an Kreuzungen sind serienmäßig an Bord. Ebenso stemmt sich der Lyriq mit seinem Soundsystem per Gegenschall aktiv gegen Außengeräusche. Für eine angenehme Akustik soll darüber hinaus das High-End-Soundsystem mit 19 Lautsprechern sorgen, von denen sich einige auch in den Kopfstützen befinden und das in Europa ebenfalls zum Serienumfang gehört.

Preise und Vertrieb in Deutschland

In Deutschland bietet Cadillac den neuen Lyriq lediglich in den gehobenen Varianten Luxury und Sport an. Die Preise starten bei 80.500 Euro und liegen damit deutlich über dem US-Niveau (siehe nächster Absatz). Konfiguriert und vertrieben wird der Elektro-SUV hierzulande ausschließlich online. Probefahrten lassen sich in den Motor-Worlds Berlin, München und in Kürze Köln sowie an weiteren Test-Drive-Standorten absolvieren. Im zweiten Halbjahr will die GM-Marke zudem jeweils eine "Cadillac City"-Erlebniswelt in Frankfurt und Hamburg eröffnen.

Preise in den USA

Cadillac hatte für den Lyriq ursprünglich Preise von knapp unter 60.000 Dollar in Aussicht gestellt. Als das Auto im Sommer 2022 als Vertreter des Modelljahres 2023 auf den Markt kam, kostete die heckgetriebene Basisversion jedoch 62.990 Dollar (aktuell ungefähr 58.500 Euro). Mit Allradantrieb war der 2023er Lyriq ab 64.990 Dollar (etwa 60.300 Euro) erhältlich. Für das Modelljahr 2024 passte GM die Preisstruktur an. Das seinerzeit neu eingeführte und in puncto Ausstattung abgespeckte Basismodell Tech startet seither bei 58.590 Dollar (54.400 Euro). Die Variante Luxury kostet mindestens 62.690 Dollar (58.200 Euro), während das Topmodell Sport ab 63.190 Dollar (58.700 Euro) erhältlich ist.

Tennessee statt Michigan

Geändert haben sich ebenfalls die Pläne, in welchem Werk der Lyriq gefertigt wird: Die Wahl fiel letztlich auf Spring Hill im US-Bundesstaat Tennessee; in das Werk hat General Motors bis zum Produktionsstart des Lyriq insgesamt zwei Milliarden Dollar (knapp 1,85 Milliarden Euro) investiert. Ursprünglich sollte der E-SUV im ebenfalls für die E-Auto-Produktion umgerüsteten Werk in Hamtramck bei Detroit vom Band rollen, wo GM unter anderem das autonome Modell Origin Cruise und den elektrischen GMC Hummer EV produziert.

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Fazit

Cadillac ist die Premium-Marke im GM-Konzern – und wird sich in den nächsten Jahren zu einm Anbieter wandeln, der vorrangig Elektroautos anbietet. Vorbote dieser neuen Ära ist der Lyriq, dessen Serienversion stilistisch sehr nah an der gleichnamigen Konzeptstudie bleibt. Preis, Daten und Styling des Elektro-SUVs sind vielversprechend. Dieses Auto könnte auch in Europa funktionieren – wenn die dortige Kundschaft bereit ist, deutlich höhere Preise als in den USA zu zahlen.