Erster Vergleich der großen SUV
Neuer BMW X5 gegen neuen Mercedes GLE

BMW und Mercedes haben zum Jahresstart 2023 ihre großen SUV überarbeitet. Damit geht das Duell von X5 und GLE in eine neue Runde. Zeit für einen ersten Vergleich. Welcher SUV hat auf dem Papier mehr zu bieten?

Kaltvergleich Daten BMW X5 Mercedes GLE 2023
Foto: Hersteller / Patrick Lang

Sowohl der BMW X5 mit der Werkskennung G05 als auch der Mercedes GLE, Baureihe W167, stehen nach gut vier Jahren in der Mitte ihrer Produktionszyklen. Und beide bekommen für 2023 eine mehr oder weniger gründliche Modellüberarbeitung. Dem Münchner sieht man das neue Baujahr durch die anders gestaltete Front sofort an. Beim Schwaben müssen selbst Kenner genauer hingucken. Viel mehr hat sich unter dem Blech getan.

Schwergewichte bleiben beide mit deutlich mehr als zwei Tonnen Lebendgewicht auch nach dem aktuellen Facelift. Gerade die überarbeiteten Plug-in-Hybride durchbrechen mit ihren schweren Akkus sogar die 2,5-Tonnen-Marke. Dafür leisten sie nun in beiden Fällen deutlich mehr. Gleich geblieben sind die imposanten Außenabmessungen. Der BMW misst 4.935 Millimeter in der Länge und 2.005 Millimeter in der Breite. Der GLE ist einen Zentimeter kürzer und 1.947 Millimeter breit.

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MBUX und Assistenten aufgefrischt

So ähnlich die äußeren Merkmale auch sind, in den Innenräumen offenbaren beide SUV ihren ganz eigenen Charakter. Der neue GLE präsentiert weiterhin den typischen Mercedes-Chic: Auf der Instrumententafel thront die bekannte Display-Landschaft, die Klimaregelung sitzt mittig unter den Luftausströmern im Armaturenbrett, der Getriebe-Wählhebel rechts hinter dem Lenkrad. Das schafft Raum auf dem breiten Mitteltunnel für das Bedien-Panel des Infotainment-Systems. Alle sonstigen Funktionen wie Sitzverstellung, -heizung und -lüftung haben ihren festen Platz in den Türen.

Neu im GLE-Innenraum ist das bereits aus GLS und S-Klasse bekannte Lenkrad. Die Lüftungsdüsen glänzen mit einer Chrom-Einfassung, die Lamellen sind aus galvanisiertem Metall. Darüber hinaus wurde die Farbauswahl erweitert, stehen neue Applikationen sowie weitere Ausstattungsoptionen zur Wahl. Natürlich glänzt der neue GLE mit dem MBUX der zweiten Generation, mit neuen Anzeigen, mehr Vernetzungsoptionen und schlauer werdendem Sprachassistenten. Neue Features und Software können Over-the-Air eingespielt werden.

iDrive 8 mit Curved Display

Der Wechsel vom bisherigen iDrive auf die Versionsnummer 8 sorgt im X5 dagegen für ein komplett neues Cockpit. Am auffälligsten ist das riesige Curved Display, das die bisherigen zweigeteilten Anzeigeeinheiten ersetzt. Was wie ein sehr breites Display aussieht, besteht in Wahrheit aus einem Instrumenten-Display mit 12,3-Zoll- und einem Multimedia Display mit 14,9-Zoll-Diagonale. Im Zuge dieser Neuinstrumentierung wurde das Design des Instrumententrägers komplett umgestellt. Die mittigen Lüfterdüsen fallen niedriger und dezenter aus. Durch die Umstellung auf iDrive/OS 8 mit der integrierten Klimasteuerung entfallen die separaten Bedieneinheiten für Klimatisierung und das Modul mit den Senderspeichertasten. Als mechanische Einheiten verbleiben der Lautstärke-Drehregler und zwei Schnellwahltasten für Antibeschlag/Antifrost von Front- und Heckscheibe.

Analog dazu wird auch in der Mittelkonsole aufgeräumt. Der große Schalthebel fällt mit dem Facelift weg. An gleicher Stelle sitzt jetzt ein versenkter Kippschalter. Freunde des iDrive-Dreh/Drückstellers können hingegen aufatmen: Er bleibt weiterhin zentrales Steuerelement in der Mittelkonsole, während er in anderen BMW-Modellen abgeschafft wurde. Serienmäßig bekommen X5 und X6 eine Sensafin-Oberfläche für die Instrumententafel, eine Ambiente-Lichtleiste mit Modellschriftzug vor dem Beifahrer und eine Edelholz-Dekorfläche.

Kofferräume unverändert

BMW X5 und Mercedes GLE taugen uneingeschränkt als Familien- und Urlaubsautos. Im Heck des Schwaben finden dazu nach wie vor 825 bis 2.055 Liter Gepäck Platz. Rein auf das Volumen bezogen fährt der X5 mit seinen 650 bis 1.870 Litern etwas hinterher. Aber er bietet einige praktische Kofferraumdetails wie beispielsweise die Gepäckraumabdeckung, die auf Knopfdruck im Ladeboden versinkt. Die Rücksitzlehnen lassen sich bei beiden asymmetrisch teilen: im Verhältnis 40:20:40.

Etwas kleiner sind die Laderäume bei den Plug-in-Hybriden. So schrumpft der Kofferraum des BMW X5 xDrive50e auf 500 bis 1.720 Liter – der des GLE 400e 4Matic auf 490 bis 1.915 Liter. Unter beiden Ladeböden versteckt sich der Akku, der hier wie da für mehr als 100 Kilometer rein elektrische Fahrt reichen soll. Nachteil BMW: Bei ihm gibt es nur einen einphasigen Onboard-Charger, der jetzt immerhin 7,4 kW leistet. Im Mercedes ist jetzt serienmäßig ein Elf-kW-Charger (dreiphasig) an Bord. Zudem lässt sich der GLE optional mit einem CCS-Schnellladeanschluss für 60-kW-Ladungen ausrüsten.

Bewegungsfreiheit und sieben Sitze

Auf den großen Sesseln der Oberklasse kann man es in beiden SUV wunderbar aushalten. Optional sind hier wie da umfangreichere Einstellungs-, Klimatisierungs- und sogar Massagemöglichkeiten für die vorderen Passagiere. Die üppige Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen bieten schon die Basismodelle – beim BMW ist das nach dem Wegfall des xDrive25d nun der xDrive30d, bei Mercedes der 350e 4Matic.

Bleiben wir bei den Sitzen: Die Modelle BMW X5 xDrive40i und BMW X5 xDrive30d lassen sich optional mit einer dritten Sitzreihe bestücken; für den Plug-in-Hybrid xDrive50e steht diese Option wegen der dort verbauten Batterietechnik nicht zur Verfügung. Auch im GLE gibt es eine dritte Sitzreihe optional für gut 1.000 Euro extra – ebenfalls nicht für die bisher so beliebten Plug-in-Hybriden.

Plug-in-Hybride mit mehr Leistung

Gerade die Hybride bekommen die umfangreichsten Antriebs-Updates. Beim X5 xDrive50e steigt die Systemleistung um beachtliche 96 auf 490 PS (360 kW), das maximale Systemdrehmoment wird um 100 auf 700 Newtonmeter angehoben. Verantwortlich dafür ist die im Steptronic-Getriebe integrierte E-Maschine mit einer Nennleistung von 145 kW (197 PS) und einem maximalen Drehmoment von 280 Nm. Dieses wird über eine integrierte Übersetzung auf 450 Newtonmeter erhöht. Rein elektrisch kann der X5 xDrive50e damit 140 km/h schnell fahren; im Verbund drücken die beiden Motoren den 2.420 Kilogramm schweren Brocken in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Der Twinpower-Sechszylinder sorgt außerdem dafür, dass im Gegensatz zu BEV das Thema Höchstgeschwindigkeit keines ist: 250 km/h erreicht der Plug-in-Hybrid, dann wird abgeregelt.

Auch die E-Maschine im GLE 400 e 4Matic bekommt deutlich mehr Dampf. Dessen Zweiliter-Vierzylinder-Verbrenner liefert 252 PS und 400 Nm und wird von einem 100 kW sowie 440 Nm starken E-Motor unterstützt. Die Systemleistung liegt bei 280 kW (380 PS), das höchstmögliche Gesamtdrehmoment bei 600 Nm. Einzige Plug-in-Hybrid-Alternative ist der GLE 350 de 4-Matic. Hier stellt der Vierzylinder-Diesel 197 PS und 440 Nm bereit. Der E-Motor kommt ebenfalls auf 100 kW und 440 Nm. Unter dem Strich darf der 350er sich 245 kW (333 PS) und 750 Nm Drehmoment auf die Fahne schreiben.

Klassische Antriebe elektrifiziert

Ergänzt wird das Antriebsportfolio von Mercedes um drei Mildhybrid-Versionen. Im GLE 450 4Matic, der nur in der SUV-Variante zu haben ist, arbeiten ein 381 PS starker Dreiliter-Sechszylinder und ein 15 kW sowie 200 Nm starker E-Motor zusammen. Der GLE 300 d 4Matic kombiniert diesen mit einem 269 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel, der GLE 450 d 4Matic mit einem Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesel mit 367 PS.

Auch bei BMW bekommen alle weiteren Modellvarianten die 48-Volt-Mildhybrid-Technik, wobei dort jetzt ein im serienmäßigen Achtgang-Steptronic-Getriebe integrierter Startergenerator für die Hybridisierung sorgt. Dieser leistet 9 kW/12 PS und steuert ein maximales Drehmoment von 200 Nm bei. Die 40i-Varianten von X5 und X6 können damit außerdem bei sehr niedrigem Tempo (zum Beispiel beim Rangieren) auch sehr kurze Strecken elektrisch zurücklegen.

Potente Topmotorisierungen

Während bei Mercedes direkt die AMG-Modelle vom Facelift profitieren, bildet beim neuen BMW X5/X6 zunächst der xDrive60i das Topmodell. Dessen überarbeiteter V8-Motor leistet 390 kW/530 PS, was dem bisherigen M50i entspricht. Gleiches gilt für die Nullhundert-Beschleunigung von 4,3 Sekunden. Da muss man den X5M nicht vermissen. Beim Sechszylinder-Benziner xDrive40i steigt die Maximalleistung im Vergleich zum Vorgänger um 35 kW/47 PS auf insgesamt 380 PS. Die einzig verbleibende Dieselvariante xDrive30d bleibt in der Verbrennerleistung unverändert bei 210 kW; durch den Startergenerator steigt die Gesamtleistung jedoch auf 219 kW/298 PS.

Bei Mercedes thronen oberhalb der schon beschriebenen Mild-Hybrid-Varianten die beiden AMG-Topmodelle GLE 53 und GLE 63, wobei Letztere nur noch als 612 PS starke S-Version angeboten wird. Beim 53er hebt ein größerer Turbolader das maximale Drehmoment des Reihensechszylinders von 520 auf 560 Nm an. Die Leistung bleibt unverändert bei 435 PS. Damit sinkt die Spurtzeit um 0,3 auf nun 5,0 Sekunden. Gegen Aufpreis profitiert der 53er auch vom Fahrwerk des 63ers. Im Rahmen der Modellpflege erhielten zudem zahlreiche Fahrdynamiksysteme eine neue Kalibrierung.

Luftfahrwerke weiter optional

Allradantrieb ist in dieser Klasse mittlerweile Standard. Beim Fahrwerk dagegen hat man als Kunde viele Entscheidungen zu treffen. BMW schnürt dafür ein paar neue Pakete. Serienmäßig in allen X5 sind immerhin schon adaptive Dämpfer. Spürbar straffer ist das in den meisten Varianten optionale adaptive M-Fahrwerk. Ebenfalls gegen Aufpreis bekommen Komfortliebhaber die Zweiachs-Luftfederung mit Niveauregulierung.

Bei Mercedes gibt es ebenfalls weiterhin die Luftfederung Airmatic gegen Aufpreis. Beide Hersteller bieten zudem Offroad-Pakete mit verstärktem Unterfahrschutz, Fahrniveau-Verstellung und speziellen Fahrprogrammen für Fahrwerk und Kraftverteilung im Allradantrieb an. Da die zwei SUV gern als Zugpferde genutzt werden, sind Anhängelasten von 3,5 Tonnen und Stützlasten von 140 Kilogramm hier wie da selbstverständlich. Gegen Aufpreis lenkt der BMW zudem mit den hinteren Rädern, was sowohl sein Kurventalent als auch die Rangierfreundlichkeit verbessert. Der Mercedes macht das nicht.

Arsenale an modernen Assistenzsystemen

Was die Anzahl an elektronischen Assistenten und Warnern angeht, schenken sich beide Konkurrenten wenig. Bremsen, Beschleunigen und Lenken können sie selbständig vor allem auf Autobahnen und im Stau, sogar beim Spurwechsel helfen sie aktiv mit. Vorausgesetzt, die entsprechenden Sicherheitspakete mit sämtlicher moderner Sensorik wurden gebucht. Da immer mehr solcher Assistenten zum Serienumfang gehören, kostet bei BMW der Driving Assistant Professional überschaubare 1.670 Euro Aufpreis. Bei Mercedes gibt es die Preisliste für den neuen GLE noch nicht, beim Auslaufmodell kostete das große Fahrerassistenz-Paket noch 2.892 Euro extra.

Der Einstieg in den neuen Mercedes GLE scheint allerdings auch nicht viel günstiger zu werden als der in den BMW X5. Nach der Modellüberarbeitung ist der Basispreis für den Münchener nämlich deutlich auf 86.300 Euro für den xDrive30d geklettert. Der xDrive40i kostet nun 89.300 Euro. Die M60i-Variante trägt ein Preisschild von 112.600 Euro, für den Plug-in-Hybrid xDrive50e sind wenigstens 92.300 Euro fällig. Der Mercedes GLE 300d 4Matic startet laut Konfigurator bei 85.055 Euro. Der GLE 450 kostet mindestens 95.455 Euro, der GLE 450 d ist ab 97.979 Euro erhältlich.

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Fazit

Sowohl der BMW X5 als auch der Mercedes GLE wurden für das Jahr 2023 überarbeitet. Während das Facelift des GLE innen wie außen eher dezent ausfällt, wirkt der X5 wegen der äußeren Modernisierung und des neuen Bedienkonzepts wie ein komplett neues Auto. Nutzwert, Luxus und Komfort bieten beide Modelle nach wie vor im Überfluss. Bei den Preisen werden sowohl BMW X5 also auch Mercedes GLE um einiges teurer. Rund 85.000 Euro sind für die Basisverisonen zu bezahlen.