Aus Fisker Alaska wird Kayak
Plötzlich ein neuer Name für den E-Pick-up

2025 soll der elektrische Lifestyle-Pick-up von Fisker kommen, der außerhalb Nordamerikas einen anderen Namen tragen wird als in der Heimat. Es gibt bereits erste Zielmarken für Preise und Reichweite.

Fisker Alaska Elektro-Pick-up beim Product Vision Day
Foto: Fisker Inc.

Viele Hersteller und Start-ups haben in den vergangenen Jahren ihre elektrischen Pick-ups vorgestellt und teils auch auf den Markt gebracht. Am bekanntesten sind der Cybertruck von Tesla, der elektrische Ford F-150 Lightning und der Rivian R1T. Selbst GM belebt seine Brutalo-Marke Hummer wieder und bietet unter diesem Label ebenfalls einen elektrischen Pick-up an. Henrik Fisker hatte bereits 2019 angekündigt, einen Elektro-Pick-up bauen zu wollen. Nachdem der dänische Designer bisher auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken lediglich Design-Skizzen des E-Pritschenwagens teilte, debütierte Anfang August 2023 im Rahmen des "Product Vision Days" (siehe Video) die Serienversion des Modells.

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Damals trug das Modell noch den Namen Alaska. Dieser behält in den USA und in Kanada weiterhin Gültigkeit. Wie der Hersteller kürzlich über die My-Fisker-App bekannt gab, heißt der Pick-up auf den Märkten außerhalb Nordamerikas dagegen Kayak. So wird er inzwischen ebenfalls auf der deutschen Fisker-Website genannt. Über die Gründe der Namensänderung kann bisher nur spekuliert werden. Fisker lässt auf Nachfrage lediglich verlauten, dass der Hersteller damit einen Namen gewählt habe, der auch außerhalb Nordamerikas Anklang findet. Möglicherweise wollen die Amerikaner mit der überraschenden Namensänderung einem Konflikt mit Renault aus dem Weg gehen. Die Franzosen bieten mit dem Alaskan ein Pick-up-Modell auf Basis des Nissan Navara an, das jedoch in Deutschland nicht mehr verfügbar ist.

Lifestyle-Laster statt Arbeitstier

Bei der Veranstaltung wurden neben dem Alaska der Ocean Force-E, eine Hardcore-Offroad-Version des Elektro-SUV (siehe Video), sowie die beiden neuen Fisker-Modelle Pear und Ronin gezeigt. Der Alaska alias Kayak stand dabei nicht im Mittelpunkt, weshalb weitere Bilder und Informationen im Nachhinein eher tröpfchenweise an die Öffentlichkeit gelangten. Doch inzwischen ist das Bild rund um den Elektro-Pick-up etwas klarer. Damit auch das Design, das längst nicht so radikal erscheint, wie es die letzten Skizzen suggeriert hatten.

Der Dachkanten-Spoiler und die hinteren Ecken des Ladebereichs wirken beim Kayak ausgesprochen scharfkantig, während die eckigen und massiv mit Kunststoff beplankten Radhäuser weit ausgestellt sind. Sie nehmen Räder in den Formaten 20 und 22 Zoll auf, bei denen das Felgen-Design von metallischen Plaketten bestimmt wird und die Reifen – für Pick-up-Verhältnisse – niedrige Querschnitte tragen. Die viertürige und fünfsitzige Kabine scheint im Vergleich zu US-Pritschen-Klassikern wie dem Ford F-150, Chevrolet Silverado oder Ram 1500 nicht so stark in die Höhe zu ragen. Zwei massive Bügel sind bereit, zusätzliche Transportbehältnisse aufzunehmen.

Fisker Kayak mit "Houdini-Trennwand"

Das erscheint sinnvoll, denn die Kayak-Ladefläche weist nicht gerade Gardemaß auf. Sie ist im Normalfall 1,37 Meter lang, soll sich aber bei Bedarf in zwei Schritten verlängern lassen. Dabei spielt die im Fisker-Jargon "Houdini-Trennwand" genannte Funktion eine Hauptrolle. Das nach dem amerikanischen Entfesselungs- und Zauberkünstler benannte Feature lässt auf Wunsch den Übergang zwischen Fahrerkabine und Ladebereich verschwinden. Da sich zudem die Rücksitze elektrisch im Boden versenken lassen, wächst die Ladefläche nach vorn und misst dann 2,29 Meter. Wird zusätzlich die hintere, ebenfalls elektrisch betätigte Ladebordwand nach unten geklappt, lässt sich Fracht auf einer Länge von 2,80 Meter unterbringen. Weiterer Stauraum verbirgt sich unter der vorderen Haube.

Bereits in seinem ersten Twitter-Post zum Elektro-Pick-up kündigte Henrik Fisker an, dass er dieselbe Plattform wie der Ocean nutzen wird. Diese stammt vom Zulieferer und Auftragsfertiger Magna und trägt bei Fisker die Bezeichnung FT31, während Magna sie "EtelligentReach" nennt. Der technische Unterbau soll der Hauptgrund dafür sein, den Kayak zum weltweit leichtesten Elektro-Pick-up zu machen. Was er genau wiegen soll, verrät Fisker bislang nicht. Einen ersten Hinweis gibt der technisch eng verwandte Ocean, dessen Leergewicht etwa 2,5 Tonnen beträgt. Von diesem Wert muss der Kayak jedoch einiges wegfeilen, damit sich das Herstellerversprechen bewahrheitet.

Fisker Ocean als Technik-Blaupause

Im Hinblick auf die Antriebe und technischen Daten seines Pick-ups bewahrt Fisker bislang ebenfalls weitgehend Stillschweigen. Doch auch hier dürfte der SUV-Bruder den Weg vorgeben. Den Ocean bietet der Hersteller in einer einmotorigen Variante an, die 202 kW (275) PS leistet. In zweimotoriger Spezifikation kommt er auf Leistungswerte von 404 kW (540 PS) oder 420 kW (572 PS). Dazu passen die kolportierten Beschleunigungswerte von Null auf Hundert, die Fisker beim Kayak mit 3,9 bis 7,2 Sekunden beziffert. Fisker will darin Batteriepakete mit 75 oder 113 Kilowattstunden integrieren. Als Reichweite nennen die Kalifornier bislang vorsichtig etwa 370 bis 547 Kilometer. Das ist klar weniger als beim Ocean, der nach WLTP-Norm und abhängig von der Modellvariante zwischen 440 und 707 Kilometer weit kommt.

Wie es im neuen Kayak innen aussieht, verrät Fisker bislang nicht. In dieser Hinsicht gibt es bislang nur einige Eckpunkte, von denen einzelne eher skurril anmuten. Der Hersteller verspricht den weltweit größten Getränkehalter, eine Cowboyhut-Halterung, Stauraum für Arbeitshandschuhe, eine große Armlehne in der Mitte mit Stauraum für Taschenlampen und Stifte sowie ein weiteres Ablagefach mit Tablet-Halter.

Ab 2025 für 45.400 Dollar

Ursprünglichen Planungen zufolge sollte der damals noch Alaska genannte Fisker-Pick-up bereits 2023 auf den Markt kommen. Bei der Serienversion namens Kayak geht der Hersteller von einem Start im ersten Quartal des Jahres 2025 aus. Der Basispreis steht bereits fest: Vor Abzug aller eventuellen Fördergelder soll der Elektro-Pick-up in den USA 45.400 Dollar (aktuell umgerechnet etwa 41.700 Euro) kosten. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich bereits jetzt für 250 Dollar (230 Euro) ein Exemplar reservieren. Oder sogar zwei, wobei die Option auf den Extra-Alaska nur noch 100 Dollar (92 Euro) kostet und bei Stornierung vollständig zurückerstattet wird.

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Ja, ein Elektroantrieb ist offroad und zum Ziehen von Lasten super.Nein, wahrscheinlich zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite.

Fazit

Die etablierten Hersteller GM, Ford, Stellantis und Tesla mischen längst oder in Kürze mit, genau wie das Start-up Rivian: Es wird allmählich eng im bislang noch nicht vorhandenen Segment der elektrisch angetriebenen Pick-ups. Da könnte Fisker mit seinem frühestens 2025 erwarteten Modell ziemlich (vielleicht zu) spät dran sein. Fraglich ist auch, ob der Alaska alias Kayak – zumindest für den US-Markt – nicht deutlich zu klein und nicht zweckmäßig genug ist.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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