Ineos Grenadier Quartermaster Pick-up
Erste Ausfahrt mit dem Hardcore-Pick-up

Mit dem Quartermaster stellt Ineos eine Doppelkabiner-Pick-up-Version des Grenadier vor. Wie sich der lange Geländelaster fährt, haben wir ausprobiert.

05/2024 Ineos Grenadier Quartermaster Pick-up Fahrvorstellung
Foto: Ineos

Dass Ineos den neuen Geländewagen Grenadier auch in einer Pick-up Variante bringen wird, war schon bei der Präsentation des geschlossenen Station Wagon kein Geheimnis. Es passt auch dazu, dass der Grenadier auf den Pfaden des klassischen Land Rover Defender wandelt, bei dem es neben den Standard-Varianten ebenfalls einen Pick-up mit verlängertem Radstand gab. Jetzt konnten wir erstmals den Grenadier Doppelkabiner-Pick-up fahren, den Ineos "Quartermaster" getauft hat.

Unsere Highlights

Auf dem Goodwood Festival of Speed in Südengland fuhr der verlängerte Grenadier mit Ladefläche im Sommer 2023 erstmals vor das Publikum (siehe Video oben), gleichzeitig wurden die Bestellbücher geöffnet. 2024 folgte eine weitere Version, das Chassis-Cab. Hier fehlt die hintere Ladefläche, damit empfiehlt sich diese Version für den nachträglichen Aus- und Umbau zum Beispiel mit großen Ladeflächen für Gartenbauer oder Wohnkabinen für Fernreisen.

Längerer Radstand, größere Türen

Der verlängerte Radstand lässt sich an der Karosserie ablesen: Während der Hinterachs-Radausschnitt beim Grenadier Station Wagon bis in die hinteren Türausschnitte reicht, liegt er beim Quartermaster Pick-up deutlich dahinter. Der Radstand wächst beim Quartermaster um exakt 35 Zentimeter, von 2.922 Millimeter beim Station Wagon auf 3.272 Millimeter. Noch stärker legt die Gesamtlänge zu. Während der geschlossene Fünftürer-Grenadier mit 4,89 Meter Länge noch vergleichsweise kompakt ausfällt, wächst der Quartermaster Pick-up auf 5,44 Meter.

Die zusätzliche Außenlänge geht auf das Konto des verlängerten Hecküberhangs, um die Ladefläche auf die klassenüblichen Maße zu bringen. Das Reserverad trägt das Serienmodell stehend seitlich auf der Ladefläche. Dieses raumgreifende Manko gegenüber der Montage unter dem Ladebett, wie es bei Midsize-Pick-ups üblich ist, haben die Entwickler mit einem kleinen Trick entschärft: Die Radhäuser haben in diesem Bereich eine Einbuchtung, in die Ladefläche ist eine Mulde eingelassen, das Ersatzrad nimmt damit weniger Platz auf der Ladefläche weg.

Ladefläche mit 2,5 Quadratmeter

Dazu passend meldet Ineos, dass sich auf der Grenadier Quartermaster-Ladefläche eine Standard-Europalette verstauen lässt. Die maximale Ladeflächenlänge liegt bei 1.564 Millimeter, die maximale Breite bei 1.619 Millimeter. Falls das nicht genügt, kann die nach unten öffnende Heckklappe als Ladeflächenverlängerung genutzt werden. Sie verträgt laut Ineos bis zu 225 Kilo Belastung.

Der Grenadier Qartermaster wird mit demselben Leergewicht wie der fünftürige Utility Wagon angegeben, 2.665 Kilo für den Benziner und 2.740 Kilo beim Diesel, das zulässige Gesamtgewicht liegt in beiden Fällen bei 3,5 Tonnen. Entsprechend gestaltet sich die Zuladung je nach Motor zwischen 760 und 835 kg. Die Anhängelast des neuen Pick-up liegt bei 3.500 Kilo.

Für die Ladefläche bietet Ineos ab Werk einen Plane/Spriegel-Aufbau und ein abschließbares Rollcover als Zubehör an, außerdem einen angepassten Dachgepäckträger mit verschiedenen Haltern für Zubehör und Equipment.

Quartermaster Chassis Cab

Beim Ineos Quartermaster Chassis Cab ist dagegen hinten Freiluft-Kino, die Karosserie endet mit der Doppelkabine, der Rest des Rahmens liegt frei. Hier können sich Aufbaufirmen und private Hobbyhandwerker mit Individualaufbauten austoben, zum Beispiel mit einer großen Kommunal-Pritsche, einem Kofferaufbau oder auch einer Wohnkabine. Die Gewichtsersparnis des Chassis Cab ohne Ladefläche ist dabei offenbar nicht sehr hoch: Lediglich 22 Kilo weniger stehen beim Leergewicht in der Datentabelle.

So fährt der Quartermaster Pick-up

Der Grenadier Quartermaster Pick-up erhält die beiden Maschinen des Station Wagon als Antrieb. Die von BMW produzierten Dreiliter-Sechszylinder leisten als Diesel 249 und als Benziner 286 PS. Die Achtgang-Automatik ist serienmäßig. Bis zur B-Säule ist der Pick-up praktisch identisch mit dem geschlossenen Station Wagon, deshalb sind die Sitzverhältnisse vorn und das Cockpit mit den zahlreichen Schaltern im Flugzeug-Style die gleichen. Während es den Beinen seitlich ein kleines bisschen an Bewegungsfreiheit mangelt, sind die von Recaro zugelieferten Sitze ein echtes Plus des Grenadier: straff gepolstert, bequem und langstreckentauglich.

Der Dreiliter-Benzinmotor ist die Wahl für Genießer: Mit unmittelbarem Druck bringt er den Pick-up auf Trab und liefert dabei eine feine Laufkultur, die sich von den in dieser Klasse üblichen Rustikal-Dieselmotoren stark unterscheidet. Die Fahrleistungen sind angesichts des üppigen Leergewichts beachtlich, der große Klotz entwickelt mit dem 286-PS-Benziner ein bemerkenswertes Temperament (0-100 km/h in 8,8 Sekunden).

Ineos Grenadier Quartermaster Chassis Cab Pick-up
Ineos Automotive

Den Grenadier Quartermaster gibt es wahlweise auch als Chassis-Cab für eigene Aufbauten.

Der zum Vergleich gefahrene BMW-Diesel arbeitet etwas hemdsärmeliger, ist akustisch präsenter, jedoch ohne aufdringlich zu werden. Schnelle Zwischenspurts sind dagegen weniger das Metier des Selbstzünders, der bei solchen Aktionen kurz Luft holt, um dann umso kerniger anzuschieben. Das höhere Drehmoment gegenüber dem Benziner ist schon beim leeren Auto spürbar, der Diesel deshalb die bessere Wahl für Schlepparbeiten. Immerhin darf der Quartermaster bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen.

Hoher Fahrkomfort

Angesichts der verwendeten Fahrwerkstechnik mit zwei schweren Starrachsen ist der Fahrkomfort des Quartermaster auf der Straße überraschend hoch. Kanaldeckel, Schlaglöcher und Bodenwellen pariert das Fahrwerk souverän und ohne fiese Stöße. Bei sehr starken Anregungen ist lediglich ein leichtes Nachwippen im Heck zu erspüren. Zudem ist der massive Wagen im Innenraum außergewöhnlich leise für diese Fahrzeugkategorie.

Dass sich der Ineos Grenadier Quartermaster nur bedingt für Bergrennen eignet, ist dennoch klar. Gar nicht so sehr der Seitenneigung in Kurven wegen, die weit weniger drastisch ausfällt, als man vermuten möchte. Vielmehr ist es der üppige Wendekreis (14,5 Meter) und vor allem die recht unnachgiebige Kugelumlauf-Lenkung. Die will nicht nur mit hohem Krafteinsatz bedient, sondern auch nach jeder Kurve aktiv in die Nullstellung zurückgedreht werden. Auf kurvigen Strecken kann das durchaus in Arbeit ausarten.

Diese Nutzfahrzeug-Lenkung lernt man dann aber im Gelände zu schätzen, weil sie harte Stöße beim Durchfahren von zerlöchertem und felsigem Terrain wirkungsvoll ausblendet. Überhaupt schlägt offroad die große Stunde des Grenadier, der genau für diesen Zweck entwickelt wurde und eine Technik auffährt, die in heutigen SUV-Zeiten praktisch konkurrenzlos ist. Die zwei Starrachsen verschränken großartig, machen selbst in zerklüftetem Terrain die beiden Achsdifferenzialsperren zum Nice-to-have-Accessoire. In der zugeschalteten Geländeuntersetzung lässt sich der Quartermaster präzise und mit hohen Kraftreserven durch die Landschaft zirkeln. Doch auch hier ist der Wendekreis ein Thema, das freie Feld ist dem langen Pick-up lieber als enge Waldstrecken. Etwas entschärft wird das jedoch durch die sehr gute Übersichtlichkeit, die Ecken und Enden des Fahrzeugs lassen sich gut einschätzen.

Etwas Kritik muss der große Geländegänger dennoch einstecken. Während man sich mit den manuellen Knöpfen und Schaltern schnell vertraut gemacht hat, verliert sich das erstaunlich komplexe Menü des Infotainment-Systems in unübersichtlicher Kleinteiligkeit und ist während der Fahrt nur schlecht zu bedienen. Das Fehlen richtiger Instrumente – der Tacho wird auf dem Zentralmonitor angezeigt – stört auf Dauer ebenfalls. In dieses Kapitel gehören außerdem die insgesamt zu kleinen und tief montierten Außenspiegel, deren Verstellbereich größer sein dürfte.

Jeep Gladiator Ecodiesel
Jeep
Ähnliches Konzept, ähnlich teuer: Der Jeep Gladiator kommt dem neuen Grenadier Quartermaster am nächsten.

Ineos Grenadier Quartermaster Preise

In der Trailmaster- und der Fieldmaster-Ausstattung liegt der Preis des Grenadier Pick-up aktuell (Stand Mai 2024) auf demselben Level wie bei den vergleichbaren Station-Wagon-Kombis: 81.890 Euro. Die Basisvariante hat den identischen Preis zum fünfsitzigen "Utility Wagon" des Grenadier: 72.640 Euro.

Der Quartermaster Chassis Cab wird künftig der preisgünstigste Einstieg in die Grenadier-Welt sein, sofern man bei einem Basispreis von 71.840 Euro dieses Wort verwenden möchte.

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Fazit

Der Ineos Grenadier ist nun zusätzlich als Pick-up erhältlich. Über einen halben Meter länger als die geschlossene Variante bringt er noch mehr Nutzwert mit. Wie beim Standard-Grenadier hat der Quartermaster Pick-up mit seinen hochwertigen BMW-Sechszylindern und den herausragenden Geländefähigkeiten ein gewisses Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt. Das lässt sich Ineos allerdings auch gut bezahlen.