Koenigsegg Regera
1.500 PS-Hybride bricht erneut 0-400-0-Rekord

Inhalt von

Das schwedische Hypercar unterbietet einen Beschleunigungs- und Bremsrekord, der ihm kürzlich entrissen wurde. Dabei hilft das eigenwillige Getriebe des 1.500 PS starken Hybrid-Boliden. Wir zeigen die Rekordfahrt auch im Video.

Der Name "Regera" leitet sich vom schwedischen Begriff für "regieren" ab. Und nichts weniger als das will Koenigsegg mit seinem gleichnamigen Hybrid-Hypercar. Nachdem die Schweden bei der Hatz nach der 300-mph-Marke seit geraumer Zeit das Nachsehen gegenüber anderen Herstellern hochexklusiver Sportwagen sowie Tunern haben, manifestierten sie nun erneut ihre Herrschaft in einer anderen Kategorie: In der Disziplin "0-400-0 km/h", bei der es also gleichermaßen auf das Beschleunigungs- wie auf das Bremsvermögen ankommt.

Unsere Highlights

Erneut? Genau: Der Koenigsegg Regera hielt bereits mehrfach den Bestwert in dieser Disziplin. Es begann im Herbst 2017, als ein Regera RS die Übung erst in 36,44 und etwas später in 33,29 Sekunden absolvierte. Knapp zwei Jahre später drückte Koenigsegg-Werksfahrer Sonny Persson die Zeit sogar auf 31,49 Sekunden. Doch Ende Mai 2023 waren die Schweden plötzlich ihren Rekord los: Das elektrisch angetriebene Hypercar Rimac Nevera schaffte den 0-400-0-Test in 29,93 beziehungsweise 29,94 Sekunden (je nach verwendeter Messtechnik).

Die wichtigsten News täglich im Gratis-Newsletter lesen? Dann hier anmelden und nichts mehr verpassen!

Bessere Bahn, bessere Reifen

Koenigsegg muss die Thronübernahme der Kroaten als Majestätsbeleidigung und Kampfansage aufgefasst haben. Zumindest verlor die Truppe keine Zeit, die 0-400-0-km/h-Krone zurück nach Schweden zu holen. Wie der Hersteller offiziell bekannt gab, schaffte ein Regera auf einer Flughafen-Rollbahn in Örebro die Übung in 28,81 Sekunden. Und er schob gleich einen weiteren Bestwert hinterher: Von 0-250-0 mph (Meilen pro Stunde; umgerechnet 402,3 km/h) ging es in 29,60 Sekunden. Koenigsegg führt die stark verbesserte Zeit übrigens zurück auf eine ebenere Fahrbahn als beim 2019er-Versuch, der auf dem stillgelegten Militärflughafen Råda tief in den Wäldern Schwedens stattgefunden hatte. Und auf die nun aufgezogenen Reifen des Typs Michelin Pilot Sport Cup 2R, die haftstärker gewesen sein sollen als die vor knapp vier Jahren verwendeten Pneus.

"Dieser spezielle Rekord bedeutet uns sehr viel", sagt Christian von Koenigsegg, Gründer und Chef des nach ihm benannten Sportwagen-Herstellers, "denn es ist ein Rekord, der alle Aspekte der extremen Leistung abdeckt." Um einen offiziellen Guinness-Weltrekord handelt es sich hier übrigens nicht. Ob der Bestwert wirklich glaubhaft ist, muss deshalb weiterhin mit einem Fragezeichen versehen werden. Koenigsegg beteuert jedoch, dass alle Daten vom Zeitnahme-Spezialisten Racelogic verifiziert wurden. Dessen Technik hatte auch Rimac vor einigen Wochen genutzt. Zudem jedoch obendrein Systeme der Firma DEWE-Soft, die bis auf wenige Hundertstelsekunden mit den Racelogic-Daten übereinstimmten.

Koenigsegg Regera mit mehr als 1.500 PS

Aus einer 2015 vorgestellten Studie heraus wurde in nur zwölf Monate Entwicklungszeit der Serien-Regera erschaffen. Dabei wurden rund 3.000 Teile geändert. Um auf die atemberaubende Leistungsangabe von "weit mehr als 1.500 PS" zu kommen, waren natürlich ein paar Techniktricks notwendig. In Sachen Antrieb haben die Ingenieure einen 1.312 PS starken 5,0-Liter-V8 mit gleich drei Elektromotoren gekoppelt. Statt einer gewöhnlichen Integration der Elektro-Power in den Antriebsstrang leiten zwei der E-Motoren ihre je 180 kW-Power direkt an die einzelnen Hinterräder weiter. Der dritte, 160 kW starke Elektromotor ist an die Kurbelwelle angeflanscht, um Drehmomentlöcher des Verbrenners zu stopfen. Die Energie für die E-Motoren liefert ein 800 Volt-Batteriepaket mit einer Kapazität von 4,5 kWh.

Koenigsegg Regera
Guido ten Brink/SB-Medien
Als Serienauto debütierte der Koenigsegg Regera auf dem Genfer Autosalon 2016.

Der ungewöhnliche Elektro-Antrieb wiegt 88 Kilogramm, was den Regera auf ein Gesamtgewicht (fahrfertig) von 1.590 Kilogramm bringt – deutlich mehr als die üblichen Leichtgewicht-Renner von Koenigsegg. Doch der Aufwand lohnt sich: Allein die Elektro-Power geht mit umgerechnet 700 PS in die Gesamtrechnung ein. So kommt man auf die wahnwitzige Systemleistung von weit mehr als 1.500 PS und ein Systemdrehmoment von über 2.000 Nm.

0-400 km/h in gut 20 Sekunden

Besonders viel Hirnschmalz haben die Schweden in die Antriebsmoment-Übertragung auf die Hinterräder gesteckt, der sie einen besonders großen Anteil am Rekord zuschreiben. Die Kombination aus Verbrenner und Elektromotor wird mit einem hydraulischen Drehmomentwandler und einem einstufigen Getriebe an die Hinterachse gekoppelt. Damit sollen sich Leistungsverluste, die im Antriebsstrang versacken, um 50 Prozent reduzieren lassen, sagt Koenigsegg. Bis 50 km/h fährt der Regera rein elektrisch, erst darüber greift der V8 direkt ins Geschehen ein. Ist der Akku zu schwach, treibt der V8 den dritten E-Motor als Generator an und liefert so Saft an die Batterie.

Gigantisch, wie die Motorleistung sind auch die Fahrleistungen des Regera, die Koenigsegg zum Serienstart 2016 kommunizierte. Null bis 100? Nach 2,8 Sekunden abgehakt. Null bis 200? Nach 6,6 Sekunden erledigt. Für den Zwischenspurt von 150 bis 250 km/h sollen nur 3,9 Sekunden vergehen. Die 300 km/h-Marke fällt aus dem stehenden Start nach 10,9 Sekunden. Und 400 km/h sollten theoretisch nach 20 Sekunden erreicht sein. Die Praxis zeigte nun: Es waren beim nun erfolgten Rekordversuch 20,68 Sekunden nötig.

Der Koenigsegg Regera ist längst ausverkauft

Auch in Sachen Aerodynamik hat der Schweden-König einige Tricks auf Lager. Der Heckflügel fährt elektrisch aus, verschwindet bei niedriger Geschwindigkeit aber komplett unsichtbar im knackigen Hinterteil. Alle Öffnungen in der Karosserie lassen sich zudem je nach Fahrzustand automatisch schließen. Für den Showeffekt auf dem Parkplatz können die "Transformer-Funktionen" auch per Smartphone gestartet werden.

Von Anfang an war klar: Mehr als 80 Exemplare des Regera wird es nicht geben. Die Kleinserie war bereits im Sommer 2017 ausverkauft, und zwar zu einem Stückpreis von rund zwei Millionen Euro. 2022 endete die Produktion. "Die Tatsache, dass der Regera die Automobilwelt nach all der Zeit immer noch überraschen und in Erstaunen versetzen kann, ist ein Beweis für eine Technik, die der Zeit weit voraus war", sagt Christian von Koenigsegg. Nun muss der Jesko zeigen, dass er ein würdiger Regera-Erbe ist. Doch der Firmenchef macht schon mal eine vielsagende Ankündigung: "Wir können es kaum erwarten, Ihnen zu zeigen, was als Nächstes kommt."

Umfrage
Muss diese Jagd nach Geschwindigkeitsrekorden wirklich sein?
20175 Mal abgestimmt
Ja. Für viele Bereiche ist es wichtig, dass physikalische Grenzen ausgereizt werden.Nein. Für mich ist das Geld- und Ressourcenverbrennung ohne Sinn und Verstand.

Fazit

Man kann den Sinngehalt dieser automobilen Rekordjagden sicherlich infrage stellen. Man kann es aber auch erstaunlich finden, zu welchen Höchstleistungen Hypercars vom Schlage eines Koenigsegg Regera in der Lage sind. In alle Ewigkeit sicher ist der 0-400-0 km/h-Rekord für den schwedischen Boliden deshalb noch lange nicht. Und irgendwann wird Koenigsegg auch die 300-mph-Marke noch einmal angreifen. Wetten?

Die aktuelle Ausgabe
Sport Auto 03 / 2022
Sport Auto 03 / 2022

Erscheinungsdatum 04.02.2022

132 Seiten