Mercedes-Benz C-Klasse W 206
Wow, eine Preissenkung!

Mercedes hatte die neue Generation der C-Klasse (W 206) Anfang 2021 vorgestellt. Das Mittelklasse-Modell übernimmt besonders im Innenraum vieles von der S-Klasse. Die Motoren-Palette wird sukzessive ausgebaut. Zum Frühjahr 2023 sind Ausstattung und Preise gestiegen, jetzt wird die C-Klasse teilweise wieder günstiger.

Mercedes C-Klasse W 206 Preise Anstieg 2023
Foto: Mercedes / Patrick Lang

Anfang 2021 wurde die neue C-Klasse in schwierige Zeiten hineingeboren. Sie muss mit ihrem technischen Konzept auf dem MRA II-Baukasten ("R für "Rear", also die Heckantriebsplattform, auf der auch E- und S-Klasse aufbauen) sieben Jahre durchhalten. Eine lange Zeit, in der Google und Tesla mit ihren mehr oder weniger autonomen E-Autos immer mehr an Stärke gewinnen könnten.

Neue Mercedes C-Klasse mit riesigem Display

Darauf reagiert Mercedes zumindest äußerlich recht gelassen. Die C-Klasse wird nicht in hektischem Aktionismus umgekrempelt, sondern bleibt in Sachen Design und Dimensionen quasi ein guter Bekannter. Evolutionäre Weiterentwicklung ist angesagt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. So wächst das Mittelklasse-Modell um 65 auf 4.751 Millimeter. In der Breite misst die neue Generation 1,82 Meter, die Höhe reduziert sich auf 1.438 Millimeter (-9 mm). Wichtiger allerdings: Der um 2,5 Zentimeter auf 2.865 Millimeter gewachsene Radstand, von dem vor allem die Knie der Fond-Passagiere profitieren. Innen stehen die Zeichen aber auch insgesamt deutlicher auf Veränderung.

Unsere Highlights
SPERRFRIST 24.02.21 14 Uhr Mercedes-Benz C-Klasse W 206 Premiere 2021
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Das große Display fügt sich harmonisch in die breite Mittelkonsole ein.

Denn hier dominiert ein großer Bildschirm die Mittelkonsole – wie bei der neuen S-Klasse. Das Display schließt im unteren Bereich nahtlos an eine Schalterleiste an, mit der Fahrer und Beifahrer die Klimafunktionen bedienen können. Das optional etwa DIN A4 große Display (11,9 Zoll Diagonale) zeigt unter anderem Bilder der Fahrzeugumgebung, aber auch Telefon- sowie Audio-Funktionen mit Favoritenlisten an. In der Basisausführung fällt das Display mit 9,5 Zoll indes kleiner aus. Eine Tastenleiste gibt es dennoch unterhalb des Schirms. So können die Fahrmodi, der Parkassistent, die Standheizung oder die Lautstärkeregelung mit leichtem Zugriff bedient werden. Auch ein Fingerabdrucksensor ist hier untergebracht. Digital ist auch das Kombiinstrument hinter dem Dreispeichenlenkrad – auch das lehnt sich in Sachen Design an die aktuellen Digitalcockpits von S- und E-Klasse an.

Am anderen Ende der C-Klasse wartet das Ladeabteil auf Gepäck. Die Limousine steckt mit 455 Litern genau so viel weg wie das Vorgängermodell. Beim T-Modell sind es mit 490 bis 1.510 Litern genau 30 mehr als zuvor. Wer zum Plug-in-Modell greift, muss hier batteriebedingte Einbußen hinnehmen. Der Teilzeitstromer bringt nur 390 bis 1.375 Liter unter.

Nur noch Vierzylinder

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Limousine und T-Modell bietet Mercedes zum Start mit drei Benzinern und drei Diesel-Motoren an.

Die neuen Vierzylinder-Benziner M254 mit Partikelfilter und die Dieselgeneration OM 654 sollen noch lange in die Zukunft reichen. Vom Ende des Selbstzünders will Mercedes also vorerst nichts wissen, denn die neuen Aggregate haben alleine in der Entwicklung drei Milliarden Euro verschlungen. Auf der Benzinerseite bildet der C300 mit 4-Matic und dem 258 PS und maximal 400 Newtonmeter starken Vierzylinder zunächst die Speerspitze. Per Overboost erhält er für gut 30 Sekunden zusätzlich 36 PS. Die Top-Modelle C43 und C63e kommen später und sind ebenfalls nur mit Vierzylinder-Benzinern ausgerüstet.

Die weiteren Motoren: C 180 mit 170 PS und 250 Newtonmetern sowie C 200 mit 204 PS und 300 Newtonmetern – jeweils mit 1,5 Litern Hubraum. In allen Modellen sind ein integrierter Starter-Generator und ein 48-Volt-Bordnetz vorhanden. Die daraus gewonnene zusätzliche Elektro-Power beträgt stets 15 kW / 20 PS – und zwar sowohl bei den Benzinern als auch bei den Dieselaggregaten.

C 220 d nun mit Single- statt Biturbo

Diese bietet Mercedes inzwischen in drei Leistungsstufen an. Den Einstieg bildet der C 200 d, dessen OM 654 mit Single-Turbo 163 PS leistet und maximal 380 Newtonmeter bereitstellt. Die Einführung dieses Selbstzünders zieht eine Änderung beim C 220 d nach sich: Dieser wird nun vom eben erwähnten schwächeren und nicht vom stärkeren Vierzylinder-Selbstzünder C 300 d abgeleitet. Die technischen Daten bleiben gleich (200 PS und höchstens 440 Newtonmeter). Allerdings geht bei der Umstellung ein Lader flöten, was jedoch als positive Konsequenz eine Gewichtsersparnis beim Motor bedeutet. Beim C 300 d ändert sich nichts: Der Biturbo-OM 654 liefert weiterhin 265 PS und bis zu 550 Newtonmeter.

Eine neue Kurbelwelle erhöht den Hub auf 94,3 Millimeter und den Hubraum auf 1.993 cm³ (vorher 92,3 Millimeter und 1.950 cm³). Die wassergekühlten Turbolader besitzen nun beide eine variable Turbinengeometrie und sollen dadurch sowohl schneller ansprechen als auch gleichmäßiger Kraft entfalten. Haben die Abgasströme die Schaufeln verlassen, wird per NOX-Speicherkatalysator, Diesel-Partikelfilter und zwei SCR-Katalysatoren nachbehandelt.

Daten zur Mercedes C-Klasse (W 206)

Limousine

T-Modell

Länge

4.751 mm

4.751 mm

Höhe

1.438 mm

1.455 mm

Breite (inkl. Spiegel)

2.033 mm

2.033 mm

Radstand

2.865 mm

2.865 mm

Spur vorne

1.582 mm

1.582 mm

Spur hinten

1.594 mm

1.594 mm

Kofferraumvolumen

455 Liter

490 - 1.510 Liter

Mehr Plug-in-Hybrid-Modelle

Seit Oktober 2021 ist auch der Plug-in-Hybrid C 300 e mit einer 95 kW starken Elektromaschine und bis zu 100 Kilometern rein elektrischer Reichweite (WLTP) bestellbar (als T-Modell seit Dezember 2021). Die Preise starten bei 56.168 Euro. Die Systemleistung liegt bei 313 PS und 550 Newtonmetern Drehmoment. Eigentlich hatte Mercedes diesen Antrieb bereits für das E-Klasse-Facelift vorgesehen, sich im letzten Moment aber doch dagegen entschieden. Nun gibt der Hybrid-Antrieb sein Debüt eben in der C-Klasse. Im April 2022 schiebt Mercedes noch die Plug-in-Hybrid-Limousinen-Varianten C 300e 4-Matic und C 400e 4-Matic nach. Der C 300e 4-Matic kommt wie sein Hinterrad-getriebener Bruder auf eine Systemleistung von 313 PS. Im 400er legt der Verbrenner auf 252 PS zu und steigert so den Gesamtoutput auf 381 PS.

Neben den Sechszylinder-Motoren fliegen auch die optionale Luftfederung (Body Control) sowie das Halogenlicht und der aufrecht stehende Mercedes-Stern aus dem Programm. Bei den Plug-in-Varianten von Limousine und T-Modell packt Mercedes dafür eine luftgefederte Hinterachse in den Serienumfang. Standardmäßig rollt der W 206 mit einer neuen Vierlenkerachse vorne und einer Raumlenker-Hinterachse an. Kontinuierliche Verstelldämpfung, sowie ein Sportfahrwerk gibt es optional. Eine weitere Besonderheit und Sonderausstattung an der Hinterachse: Die Hinterachslenkung mit einem Winkel von bis zu 2,5 Grad, wodurch sich der Wendekreis um 43 Zentimeter auf 10,64 Meter verringert.

Die Motorisierungen der C-Klasse (W 206) Limousine

Motor

PS

Hubraum

Durchschnittsverbrauch (WLTP)

Kraftstoff

C 180

170 + 20

1.496 ccm

7,1 - 6,2 Liter

Benzin

C 200

204 + 20

1.496 ccm

7,2 - 6,3 Liter

Benzin

C 200 4Matic

204 + 20

1.496 ccm

7,5 - 6,7 Liter

Benzin

C 300

258 + 20

1.999 ccm

7,4 - 6-6 Liter

Benzin

C 300 4Matic

258 + 20

1.999 ccm

7,9 - 7,0 Liter

Benzin

C 200 d

163 + 20

1.993 ccm

5,2 - 4,4 Liter

Diesel

C 220 d

200 + 20

1.993 ccm

5,1 - 4,4 Liter

Diesel

C 220 d 4Matic

200 + 20

1.993 ccm

5,4 - 4,7 Liter

Diesel

C 300 d

265 + 20

1.993 ccm

5,6 - 5,0 Liter

Diesel

C 300 d 4Matic

265 + 20

1.993 ccm

5,8 - 5,1 Liter

Diesel

C 300 e

204 + 129

1.999 ccm

0,7 - 0,5 Liter 19,7 - 17,8 kWh

Benzin

C 300 e 4Matic

204 + 129

1.999 ccm

0,8 - 0,6 Liter 20,9 - 18,5 kWh

Benzin

C 400 e 4Matic

252 + 129

1.999 ccm

0,8 - 0,6 Liter 20,9 - 18,5 kWh

Benzin

Aus drei Baukästen wird einer

Daneben entwickelt Mercedes sein flexibles Baukastensystem weiter. Irgendwann soll die C-Klasse als Plug-in-Hybrid sogar 150 Kilometer rein elektrisch fahren können. Dafür muss dann die Batterie raus aus dem Kofferraum und rein in den Wagenboden, denn sonst wird es zu eng. Dafür braucht man jedoch eine neue technische Basis. Und weil sich Mercedes ja zur Devise "Das Beste oder nichts" bekennt, laufen Überlegungen, aus den drei Baukästen (MFA, MRA und EVA) einen einzigen zu machen. Der wäre dann sowohl für Verbrennungsmotoren wie für Elektroantriebe ausgelegt.

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Der große Touchscreen reagiert schnell und präzise. Kein Wunder, denn dahinter sitzt leistungsstarke Hardware.

Eine Kardanwelle braucht es dafür jedenfalls nicht, weil die Achsen stets elektrisch angetrieben werden. Außerdem können die Tankvolumina kleiner werden, denn Plug-in-Hybride sind ja überwiegend elektrisch unterwegs und benötigen weniger Kraftstoff an Bord. Weitere Fortschritte gibt es im Bereich der Assistenzsysteme.

Sicherheitssysteme und Komfortausstattung

Die neue C-Klasse bietet die Möglichkeit des vollautomatisierten Ein- und Ausparkens in entsprechend vorgerüsteten Parkhäusern sowie ein digitales Scheinwerferlicht, das die Fahrbahn situationsbezogen ausleuchten kann und das ebenfalls aus der S-Klasse stammt. Parallel treibt Mercedes die Vernetzung aktiver und passiver Sicherheitssysteme voran. Das bedeutet, dass die inzwischen beinahe selbstverständliche Sensorik für Systeme wie Spurhalte- und Spurwechselassistent sowie Abstandsregeltempomat und Notbremsassistent dabei unterstützt sowie Airbags präziser auszulösen.

Im Komfort-Kapitel nimmt Mercedes ebenfalls einige Anpassungen vor. So wurde etwa die Massagefunktion für Fahrer und Beifahrer verbessert, während sich die Fondpassagiere erstmals über eine Sitzheizung freuen dürfen. Das T-Modell verfügt serienmäßig über eine elektrische Heckklappe. Als Option lassen sich ein farbiges Head-Up-Display und eine Navigationsansicht mit Augmented-Reality-Elementen einbuchen. Für musikalische Unterhaltung sorgt standardmäßig das Feature "Online Music", das die großen Streaminganbieter in sich vereint und direkt in das MBUX-System integriert. Da müssen Sie erstmal durchatmen? Auch gut – mit dem optionalen Air Balance-Paket wird die Innenraumluft gefiltert und ionisiert.

Neue Preise für Limousine und Kombi

Zum Frühjahr 2023 hebt Mercedes Ausstattungen und Preise an. So klettert beispielsweise das Einstiegsmodell C 180 von 43.881 Euro auf mindestens 45.202 Euro. Deutlicher waren die Mehrkosten beim C 300 d ausgefallen. Statt 54.532 Euro mussten die Kunden wenigstens 65.658 Euro investieren – ein Aufschlag von etwas mehr als 11.000 Euro. Die Gegenleistung: Eine gehobene Ausstattung, die etwa das AMG-Advanced-Paket beinhaltet.

Im Oktober 2023 allerdings rudert Mercedes zurück. Eine bessere Teile- und Rohstoff-Verfügbarkeit macht die Bündelung von Ausstattungsmerkmalen, die unter anderem zu dem Preisanstieg geführt hatte, teilweise rückgängig. So fallen alle mild hybridisierten 300er-Modelle im Basispreis um 2.772 Euro.

Im Kern bleibt es trotzdem bei einer de-facto-Streichung der sparsam ausgestatteten Basismodelle, was der Luxus-Strategie der Schwaben entspricht. Zumal diese Politik bereits von anderen Baureihen wie dem GLE bekannt ist. Der C 200 kostet ab 49.515 Euro (vorher 47.541 Euro), in der Allradvariante werden 51.895 Euro (vorher 49.921 Euro) gefordert. 58.988 Euro kostet die C-Klasse als C 300 (vorher 50.635 Euro). Deren Allradversion steht mit 61.368 Euro in der Preisliste (vorher 53.015 Euro). Mit Dieselmotor startet die C-Klasse als C 200 d ab 48.058 Euro (vorher 46.916 Euro). Der C 220 d ist mit mindestens 52.163 Euro gelistet (vorher 49.921 Euro). Wer diesen Motor mit Allradantrieb kombinieren möchte, zahlt mindestens 54.543 Euro (vorher 42.301 Euro).

Die Preise der PHEV-Modelle sind mittlerweile ebenfalls veröffentlicht. So gibt es den C 300 e ab 66.526 Euro, als Diesel-PHEV kostet der Einstiegs-Plug-in 68.906 Euro. Die größere Version gibt es nur als Benziner und immer mit Allradantrieb als C 400 e 4Matic ab 73.428 Euro. Der Allrad-Aufpreis für die 300er-Modelle liegt bei rund 2.400 Euro. Als T-Modell ist die C-Klasse in allen bisher erhältlichen Motorvarianten knapp 1.800 Euro teurer. Hier startet die Preisliste mit dem C 180 T bei 46.987 Euro (vorher 45.666 Euro). Übrigens handelt es sich hier nicht um die erste Preissteigerung der C-Klasse. Seit Marktstart war der Publikumsliebling bereits zuvor rund 2.700 Euro teurer geworden. Dafür hatte sich der Kombi-Aufschlag um fast 400 Euro reduziert.

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Fazit

Die neue C-Klasse macht Probleme im eigenen Haus. Warum? Weil sie seit ihrem Marktstart die E-Klasse schon ganz schön alt aussehen lässt. Besonders das aufgeräumte Cockpit im S-Klasse-Look gefällt, MBUX der zweiten Generation inbegriffen. Das gestraffte Äußere trägt außerdem seinen Teil zum gelungenen Auftritt bei.

Dass man diese Wellness-Behandlung bei Mercedes ausgerechnet der C-Klasse angedeihen lässt, ist verständlich. Schließlich ist das Mittelklasse-Modell ein Bestseller – und bleibt es vermutlich auch. Daran dürfte auch die satte Preisanhebung im Frühjahr 2023 nicht rütteln – zumal zumindest einige Modelle ab Herbst 2023 wieder etwas günstiger werden.

Die aktuelle Ausgabe
AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten