Range Rover Sport SV (2023)
Unterwegs mit 635 PS und ganz viel Carbon

Premiere für das Flaggschiff der Range-Rover-Sport-Baureihe mit neuem Biturbo-V8 und kräftig gesteigerter Leistung. Das Vergnügen wird sehr exklusiv – wir haben es erfahren.

Erster Fahreindruck Range Rover Sport SV

Und? Wie fühlt er sich auf der linken Seite an, also hinter dem Steuer und an den Pedalen? Nun, wie ein komfortabler Fullsize-SUV, dem sie buchstäblich Beine gemacht haben. Neben den neuen Hinterachsträgern und Lenkern ist vor allem das semiaktive System aus hydraulisch verbundenen Dämpfern, Luftfederung und Nicksteuerung spürbar. Auch die direkter übersetzte Lenkung lässt das Ziel gesteigerter Dynamik erkennen, ohne den SV hypernervös oder das Handmoment der Lenkung künstlich zäh zu gestalten. Zusammen mit Allradantrieb und -lenkung kommt einem der Briten-Sumo hinter dem Steuer einen Tick schlanker vor als er tatsächlich ist. Einen Tick, denn der 2,6-Tonner gaukelt Dir nie vor, hier flitzt eine SUV-Twiggy um die Ecke. Der Range Rover bleibt auch als SV erhaben, rollt eher souverän-satt als agil-drahtig auf seinen 23 Zoll Rädern aus CFK.

Unsere Highlights

Diätmaßnahme in 23 Zoll

23 Zoll in CFK? Klingt so, als ob sich ein 140 Kilo-Mann die Fußnägel schneidet und denkt, jetzt könne er rennen wie Usain Bolt, doch minus neun Kilo rotatorische Masse pro Rad sowie minus 34 Kilo ungefederte Masse der optionalen Keramik-Bremsanlage knuspern an den physikalisch idealen Stellen. Hilfreich beim überraschend komfortablen Anfedern ebenso wie dynamischer Attacke im SV-Modus. So scheut der Range vor kurzem Rennstreckeneinsatz nicht zurück, wie wir in Portimao herausfinden, statt mit den Standard-Allwetterreifen mit griffigeren Michelin-Sommergummis gerüstet.

Rennstrecke? Nicht nötig, aber möglich

Klar ist so ein dicker Klopper auf dem Track grundsätzlich deplatziert, aber der SV macht das Beste draus, bremst konsistent auf den Punkt, fährt nicht zu weite Bögen, lässt sich mit etwas Augenmaß, mit passendem Tempo problemlos ganz nach innen an die Curbs bringen. Wer zu schnell und zu hart reinfährt, erntet allerdings Untersteuern. Logisch, schließlich müssen die 285er vorn Gelegenheit bekommen, sich mit der Asphaltkrume zu verzahnen und das ausgefuchste Dämpfersystem und die elektronische Regelung die Chance, das drängende Gewicht zu kompensieren. Bei akkuratem Richtung Kurvenscheitel kooperieren sämtliche Systeme bis hin zum Torque Vectoring per Bremse sowie dem Sperrdifferenzial und der SV liefert Tempo und Querbeschleunigung bei einem fein ruhig gestellten Aufbau ohne störende Bewegung.

Kultivierte Power und bassiger Klang? Kein Thema für den V8

Leichte Lastwechsel helfen beim Linietreffen, bevor der SV schwungvoll mit kontrolliert drückendem Heck und V8-Donnergrollen rauspowert. Leistung ist eh kein Thema, der kultivierte V8 schiebt mit 750 Newtonmetern (800 mit Launch Control) sowie 635 PS in allen Lagen, klingt fein und wird von der ZF-Achtgangautomatik wie gewohnt bestens versorgt. Womit die Mission des ebenso sportiven wie luxuriösen SUV erfüllt wäre. Und das ganz ohne Plug-in-Elektrifizierung nur mit Mildhybrid.

Der Range Rover Sport SV im Detail

Im Herbst 2022 begann Land Rover mit der Markteinführung des neuen Range Rover Sport, Generation 3. Allerdings blieben uns die Briten damals noch den Überflieger schuldig, den Range Rover Sport SV. Das SV steht dabei für "Special Vehicles", die Land-Rover-Abteilung für ganz besonders feine (und kräftige) Ware. Nun hat Land Rover das Flaggschiff enthüllt und gibt der freudig erregten Fangemeinde erst einmal einen Dämpfer mit auf den Weg: In diesem Jahr bekommen ausschließlich ausgewählte Kunden auf Einladung die Möglichkeit, das Auto in einer limitierten Auflage namens SV Edition One zu bestellen.

Bei einem Preis, den wir im Bereich der 200.000-Euro-Marke verorten (genaues verrät Land Rover noch nicht), wird der eine oder andere allerdings damit leben können, nicht zum Kreis der Auserwählten zu gehören. Aber genau ansehen wollen wir uns das Ganze natürlich dennoch. Schließlich hat der auf dem großen Range Rover basierende Range Rover Sport als SV noch einmal reichlich Neuerungen mit auf den Weg bekommen.

Wichtigstes Detail bei einem besonders sportlich orientierten SV-Modell ist natürlich der Antrieb. Hier wurde der bisherige Fünfliter-Kompressor-V8 aufs Altenteil geschickt und wie zu erwarten die von BMW stammende Maschine mit 4,4 Litern Hubraum, ebenfalls mit acht Zylindern in V-Anordnung, unter die Haube gesteckt. Im Vergleich zum bisherigen Topmodell der dritten Generation, dem P530 (inzwischen nicht mehr verfügbar), sattelt der neue SV noch einmal über 100 PS drauf: 635 PS leistet der Twin-Turbo nun und entlässt maximal 750 Newtonmeter in Richtung Achtgang-Automatik.

Damit übertrumpft der neue Range Rover Sport SV ebenfalls das Vorgängermodell mit Kompressor-V8 um 60 PS und 50 Newtonmeter, was uns gleich zur wichtigsten Frage bringt, den Fahrleistungen. Das alte Bonmot eines anderen britischen Edelauto-Bauers trifft hier unbedingt zu: Ausreichend! Mit abenteuerlichen 290 km/h gibt Land Rover die Höchstgeschwindigkeit des neuen Über-Range an. Den Spurt auf 60 mph (96,6 km/h) hakt der Riese in 3,6 Sekunden ab; er dürfte demnach wohl auch auf 100 km/h unter der Vier-Sekunden-Marke bleiben.

Unter vier Sekunden auf 100 km/h

Fast schon rührend angesichts dieses Leistungshammers: Die Emissionen seien "um 15 Prozent niedriger" als beim Vorgängermodell, versichert Land Rover, was wahrscheinlich bei der angepeilten Kundschaft nicht die allergrößte Rolle beim Kaufentscheid spielen dürfte. Schon eher interessieren sich diese Klienten neben der kräftigen Leistungsspritze für die weiteren technischen Highlights des neuen Topmodells, und da gibt es einige.

Range Rover Sport SV 2024
Land Rover
Schnell weg: Mit 635 PS der stärkste Range Rover aller bisheriger Zeiten.

Besonders hervorgehoben wird das neue Fahrwerkssystem namens 6D Dynamics. Das Luftfederfahrwerk verfügt über miteinander hydraulisch verbundene Dämpfer, wodurch mit entsprechender elektronischer Regelung ein Nick- und Wankausgleich auf höchstem Niveau erfolgen soll. Dadurch sollen sowohl bei starken Beschleunigungs- und Bremsmanövern als auch bei schneller Kurvenfahrt die Karosseriebewegungen nahezu vollständig unterbunden werden. Herkömmliche mechanische Stabilisatoren sind deshalb nicht mehr nötig und auch nicht verbaut. Je nach Fahrprogramm liegt der SV Sport zehn bis 25 Millimeter tiefer als das Standard-Modell.

Carbon-Räder in 23 Zoll

Ebenfalls neu (laut Land Rover gar eine Weltneuheit) ist die Option von Carbonfaser-Rädern in 23-Zoll-Größe, die zu einer Gewichtsersparnis von 35,6 Kilogramm führen und entsprechend auch die ungefederten Massen um rund neun Kilogramm pro Rad reduzieren. In dieselbe Richtung zielt die neue leichte Carbon-Keramik-Bremsanlage von Brembo mit vorderen Achtkolben-Sätteln. Damit nicht genug Kohlefaser: Die Motorhaube besteht ebenfalls aus dem exklusiven Material; außerdem bekommen die vier Endrohre eine Carbon-Ummantelung.

Der neue Range Rover Sport SV verfügt außerdem über eigens entwickelte Fahrwerkskomponenten, einen neuen hinteren Hilfsrahmen und optimierte Aufhängungslenker mit überarbeiteter Geometrie und Nachgiebigkeit. Die neue elektronisch unterstützte Zahnstangenlenkung hat die bisher schnellste Übersetzung innerhalb der Baureihe und soll für mehr Agilität und Gefühl sorgen. Zum ersten Mal bei einem Range Rover werden Hinterreifen mit 305er-Breite montiert, die 20 Millimeter breiter sind als die 285er-Vorderreifen. Diese Anordnung ermöglicht zusammen mit den serienmäßigen Michelin-Pilot-Sport-All-Season-4-Reifen eine heckbetonte dynamische Abstimmung, die Grip, Stabilität und Traktion verbessert. Die erhöhte Wanksteifigkeit der Hinterachse trägt laut Land Rover obendrein zu einem direkten Lenkansprechen bei.

Als krönenden Abschluss führt Land Rover für den Range Rover Sport SV erstmals in dieser Baureihe das "Body and Soul"-Sitzsystem ein. Über eine KI-Optimierungssoftware und die auf die Rückenlehne der Vordersitze ausgerichteten Schallwandler erzeugt der "Body and Soul Seat" in Echtzeit High-Fidelity-Audio-Vibrationen. Dieses System arbeitet in Kombination mit dem Meridian Signature Sound System mit 29 Lautsprechern und 1.430 Watt Leistung. Das System soll außerdem mit verschiedenen wählbaren Wellness-Programmen eingesetzt werden können, um über Vibrationen für Entspannung zu sorgen.

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Fazit

Vor der Elektrifizierung der Baureihe packt Land Rover noch einmal den dicken V8-Hammer aus. Mit 635 PS aus dem von BMW übernommenen Twin-Turbo-V8 bringt der Range Rover Sport ein neues Allzeit-Hoch. Dazu passen besonders exklusive Ausstattungsoptionen und die erst einmal auf ausgewählte Kunden begrenzte Verfügbarkeit.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten