Red Bull RB17 mit über 1.100 PS
Hypercar der Extreme kommt 2024 - mit V10

Formel-1-Stardesigner Adrian Newey entwickelt ein neues Schätzchen. Der Engländer hat ein Hypercar der Extreme für die Rennstrecke entworfen, das 2024 vorgestellt werden soll – mit Hybridantrieb, über 1.100 PS und Ground Effect. Der Red Bull RB17 kostet ohne Steuern ab fünf Millionen britische Pfund.

Red Bull RB17 Hypercar
Foto: Red Bull

Eigentlich, so schien es, würde das Kürzel ausgespart. Red Bull fuhr in der Formel-1-Saison 2021 mit dem RB16B. Weil rund 70 Prozent der Teile vom Vorgänger-Rennwagen (RB16 von 2020) übernommen wurden, hatte der Rennstall darauf verzichtet, das Weltmeister-Auto von Max Verstappen RB17 zu taufen. Stattdessen gab es ein "B" für die hauseigene Nomenklatur. Das F1-Auto für den Jahrgang 2022 hörte auf das Kürzel RB18. RB17? Einfach übersprungen. Dachte man.

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Das Team um Star-Konstrukteur Adrian Newey hält allerdings einen passenden Lückenfüller parat. Salopp gesagt. Ein Auto, das offenbar an die Grenzen des Machbaren geht. Am Standort Milton Keynes enthüllte der Formel-1-Rennstall bereits im Sommer 2022, dass Adrian Newey ein zweisitziges Hypercar entwirft, das ab 2025 in Produktion gehen soll und mehr als fünf Millionen Pfund kosten wird. Der jeweilige Landessteuersatz kommt dann noch obendrauf. Wie F1-Red Bull-Teamchef Christian Horner gegenüber Sky Sports bestätigt hat, wird der RB17 noch in 2024 vorgestellt. Bereits im Sommer soll zum Auftakt ein erstes maßstabsgetreues Modell präsentiert werden. 2025 ist für Entwicklungsprogramm auf der Rennstrecke eingeplant. Die Premiere der Serienversion ist bislang für den Österreich-GP 2025 vorgesehen. Der Produktionsstart auf dem Red Bull Technology Campus in Milton Keynes ist für 2026 geplant.

Red Bull X2010
Red Bull
Der Red Bull X2010 war ein fiktiver Prototyp für die Spielkonsole. Nun baut Red Bull ein echtes, extremes Hypercar.

V10-Hybrid-Antrieb und geringes Gewicht

Newey will mit seiner Schöpfung Sammler und Sammlerinnen glücklich machen. Mehr als 50 Exemplare des RB17 will Red Bull nicht bauen. Das Hypercar, das ausschließlich für den Gebrauch auf der Rennstrecke gedacht ist, soll noch extremer sein als ein ohnehin schon extremer Aston Martin Valkyrie (siehe Video), an dem Newey selbst beteiligt war, oder der AMG One von Konkurrent Mercedes.

Als Antriebsquelle wurde lange über einen V8-Turbomotor spekuliert, den ein Hybridsystem aufplustert. In einem Podcast hat Newey aber jetzt einen Hochdrehzahl-V10 bestätigt, der ohne Aufladung daherkommt, dafür aber bis zu 15.000 Touren drehen darf. Dessen Leistung beziffert Newey auf über 1.000 PS. Der unterstützende E-Motor soll weitere rund 200 PS liefern, die aber hauptsächlich zum Boosten, zum An- und Rückwärtsfahren sowie zum Zuschaufeln eventueller Zugkraftunterbrechungen bei Gangwechseln genutzt werden. Woher bezieht Red Bull den Antrieb? Da darf noch spekuliert werden. Unter einem professionellen Fahrer soll der RB17 damit Rundenzeiten auf Formel 1-Niveau erreichen können.

Das Gewicht des Zweisitzers, der auf einem Carbon-Verbundwerkstoff-Chassis basiert, soll bei unter 900 Kilogramm liegen. Der Radstand und die Radgrößen sollen gegenüber dem Valkyrie weiter wachsen. Zudem soll der Schwerpunkt noch tiefer liegen. Ein Hypercar mit einem solchen Leistungsgewicht braucht massiv Anpressdruck. Newey will ihn vorrangig über den Ground Effect erzielen. Bewegliche Schürzen an den Seiten sollen die Luft am Unterboden daran hindern, seitlich auszutreten. Mit an Bord ist auch ein angeblasener Diffusor. Eine aktive Aufhängung soll die Aerodynamik stets im optimalen Fenster halten. Als Eckwerte für den Antrieb nennt Newey bis zu 1,7 Tonnen bei knapp 240 km/h. Schon bei 190 km/h liegt der generierte Abtrieb bei 900 Kilogramm. Als Reifenentwicklungspartner ist Michelin mit an Bord.

Adrian Newey - Red Bull - F1 - Formel 1
xpb
Adrian Newey ist der Kopf hinter dem RB17-Projekt.

Red Bull produziert Hypercar

Die Budgetdeckelung in der Formel 1, die den Teams untersagt, mehr als 141,2 Millionen US-Dollar für die Chassisentwicklung auszugeben, setzte offensichtlich Ressourcen frei. Red Bull Advanced Technologies, der Performance-Arm des Formel-1-Teams, wurde mit der Aufgabe betraut. "Alles was wir über die Entwicklung von Formel-1-Autos wissen, die Titel gewonnen haben, führt der RB17 führt in einem Paket zusammen, das extreme Leistungsniveaus in einem zweisitzigen Rennwagen bietet", führt das Ingenieurs-Oberhaupt der Gruppe, Newey, aus.

"Angetrieben von unserer Leidenschaft für Leistung auf allen Ebenen treibt der RB17 Design und technische Grenzen weit über das hinaus, was Enthusiasten und Sammlern bisher zur Verfügung stand", sagt der Mann, dessen Formel-1-Autos 13 Fahrer- und 12 Konstrukteurs-Weltmeisterschaften einbrachten.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist – natürlich – ebenso begeistert. "Der RB17 ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung von Red Bull Advanced Technologies. Er zeigt, dass wir dazu in der Lage sind, ein Serienauto auf unserem Technologie-Campus zu erdenken und herzustellen." Entwicklung und Bau des Hypercars werden bestehende Arbeitsplätze sichern, so Red Bull, und über 100 neue Stellen in Milton Keynes schaffen.

49 für die Kunden, einer für Newey

Interessenten können ihr Kaufgebot seit 1. Februar 2024 offiziell bei Red Bull hinterlegen. Als Verkaufspreis werden ab 5 Millionen Pfund (umgerechnet rund 5,9 Millionen Euro) genannt, zuzüglich landesüblicher Steuern. Vermutlich sind aber eh schon alle 50 Exemplare unter der Hand vergeben. Wer einen erhält, bekommt neben technischem Werkssupport Zugang zu Simulatoren sowie die Möglichkeit an Fahr- und Rennstreckentrainings teilzunehmen. Kunden können aber maximal auf 49 Exemplare zugreifen, denn eines hat Newey bereits für sich selbst reserviert.

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Fazit

Budgetdeckelung sowie Beschränkungen für die Entwicklung in Windkanal und CFD: Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey hat offensichtlich Kapazitäten frei. Die nutzt er abseits der Formel 1, um für Red Bull ein neues Hypercar-Projekt anzuschieben. Mehr als eine Design-Skizze und ein paar Eckdaten zum RB17 gibt es leider noch nicht. Die Ankündigung jedenfalls klingt extrem.

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