Elektrischer Alpine A290
Renault 5 Turbo-Erbe mit Le Mans-Premiere

Renault bringt ab 2024 den R5 als Elektroauto zurück. Eine elektrifizierte "Turbo"-Version des R5 kommt als A290 von Alpine. Premiere feiert der am 13. Juni 2024 in Le Mans. Wir haben bereits erste Erlkönig-Bilder und können die Serienversion mit dem Showcar A290_ß vergleichen.

Alpine A290 Teaser
Foto: Alpine

Renault hat bei der Vorstellung der "Renaulution"-Strategie 2021 nicht nur den R5 als Concept-Car präsentiert, sondern plant auch die Alpine-Sparte breiter aufzustellen. Insgesamt drei reine Elektrosportwagen legt die Marke auf. Neben einem Nachfolger für den Alpine A110 sind ein Sports Cross-Over im C-Segment und ein kleiner Kompaktsportler auf Basis der CMF-B EV-Plattform in Planung.

Denn Alpine will sich nicht nur als Hightech-Elektro-Sportmarke für die Early Adopters (Technik-affine Kunden, die besonders früh neueste Produktvarianten nutzen) präsentieren, sondern muss bis 2025 inklusive der Investments für den Motorsport profitabel sein. Das Renaulution-Strategie-Papier zeigte die drei Modelle noch stark abgedunkelt. Mitte 2023 wurde eines der Modelle, der "urbane Sportwagen" konkreter: Mit dem Showcar mit dem sperrigen Namen A290_ß (sprich: A290 beta). Dabei bezieht sich die "2" auf die Größe des Fahrzeugs, die "90" weist auf den Lifestyle-Charakter des Modells hin (die 10 wäre ein reiner Sportwagen) und das "ß" bezieht sich auf die Software-Welt, die mit dem "Beta" eine letzte Testausführung definiert.

Unsere Highlights
Renaulution Alpine
Renault
Positionierung der Alpine Kunden als "Early Adopters" in einem eher höheren Preissegment.

Während Renault mit dem R5 und auch mit einem R4 ganz klar auf die Tradition setzt, interpretiert Alpine den R5 Turbo auch Namens technisch neu. Entsprechend wird die Serienversion dann als Alpine A290 zu den Händlern ab 2024 rollen. Offiziell vorgestellt wird der Alpine A290 am 13. Juni 2024 im Umfeld des Langstreckenrennens in Le Mans.

Renaulution Alpine
Renault
Die drei Elektrosportwagen von Alpine.

Fahrer in der Mitte, E-Motoren vorn

Das Showcar ist 4,05 Meter lang, 1,85 Meter breit und 1,48 Meter hoch und verspricht mit seinem kurzen Radstand und der breiten Spur ein überaus agiles Serienauto. Im Vergleich zum Serienmodell verändern sich die Dimensionen ein wenig: Länge 3,99 Meter, Breite 1,82 Meter, Höhe 1,52 Meter. Der Radstand beträgt 2,53 Meter. Reine Show dürfte die ungewöhnliche Sitzkonfiguration sein, die den Fahrer in die Mitte nimmt und die beiden Passagiere leicht versetzt daneben platziert. Der zentrale Arbeitsplatz soll die Fokussierung auf die rennsportliche Auslegung unterstreichen. Dazu zählen auch das oben und unten abgeflachte Sportlenkrad, die hydraulische Handbremse, die Carbon-Schalensitze sowie das ins Cockpit integrierte Telemetrie-Display sowie ein Head-up-Display für die Grundfunktionen. Auf weitere Bildschirme wurde bewusst verzichtet – die würden nur Ablenkung bedeuten. Weitere für einen Rennwagen essenzielle Bedienelemente fasst seine Dachkonsole zusammen. Speedlimiter und Overboost können per Lenkradtasten abgerufen werden. Leder und Aluminium runden den Motorsport-Look im Cockpit ab.

Die Grundform des Alpine entspricht der des bereits gezeigten R5-Konzepts, verfeinert durch größere Lufteinlässe an der Front, LED-Zusatzscheinwerfer mit X-Signatur, weiter ausgestellte Radläufe, angedeuteten Lufteinlässen vor den Hinterrädern, einem filigranen Dachkantenspoiler und Zusatzflaps an allen vier Rädhäusern. Abgerundet wird der Sport-Look durch breite Seitenschwellerverkleidungen, einen tiefgezogenen Frontspoiler sowie eine Diffusorschürze am Heck, die alle aus geschmiedetem Carbon mit blauen Einlagen gefertigt sind. Dach und Fronthaube setzen sich schwarz vom weißen Grundlack ab. Echte Hingucker sind die 20 Zoll großen Zentralverschluss-Leichtmetallfelgen mit ihrem zentralen quadratischen Designelement.

Alpine A290: Die Unterschiede zur Studie

Diese sind in der Serienversion ebenfalls zu sehen, allerdings nur 19 Zoll groß. Die erwischten Erlkönige zeigen weiteren Änderungen. Alpine verbaut neue Scheinwerfereinheiten in ähnlicher Form, allerdings weicht das große "X" einer kleineren Version. Die aufgesetzten Zusatzleuchten entfallen, die Schürze wird etwas entschärft und auch die ausgeprägte "Motor"haube fällt glatter aus. An der Seite kommen größere Außenspiegel zu Einsatz. Die charakteristischen ausgestellten Radhäuser sind in der Serie weniger stark ausgeprägt. Die Türen des Viersitzers öffnen sich vorn per Bügelgriff, hinten sind die Öffner im Fensterdreieck untergebracht. Der Blick aufs Heck offenbart einen kleineren Dachkantenspoiler sowie eine weniger martialische Schürze, die in der Serie auch ohne die Fake-Auspuffendrohre der Studie auskommt. Statt der mittig angeordneten Leuchte prangt beim A290 das Kennzeichenfeld. Wie beim Conceptcar dürften die hochstehenden Rückleuchten ausfallen, sie sind vermutlich auch miteinander unterhalb der Heckscheibe verbunden.

Befeuert wird die Studie Alpine A290_ß von zwei Elektromotoren an der Vorderachse, die per Torque Vectoring den Vortrieb optimieren. Das Renn-ABS lässt sich in elf Stufen einstellen, die Fahrmodi Wet, Dry und Full erlauben Anpassungen an alle Streckenbedingungen. Leistungsdaten nennt Alpine nicht. Auch zur Batterie gibt es keinerlei Infos.

Mit Blick auf den R5 von Renault kommt der Alpine in der Serienversion sicher mit dem 52 kWh-Akku sowie dem stärkeren E-Motor an den Start, dieser leistet 110 kW (150PS). Bei einem Leichtgewicht von rund 1,5 Tonnen, ein adäquater Antrieb, der eventuell bis zum Serienstart noch ein paar kW zulegen wird. Die Reichweite liegt bei rund 400 Kilometern.

Vorbild R5 Turbo

Orientiert sich Renault/Alpine am historischen Vorbild, dann müsste es deutlich mehr Leistung sein. Hier kam der Turbo, der zwischen 1980 und 1985 gebaut wurde, auf 160 PS. Die holte er aus einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Mittelmotor mit Garrett-Turbolader und sprintete damit in 6,9 Sekunden auf Tempo 100. Top-Speed lag bei 205 km/h an. Übrigens, damit war er schneller als eine Golf GTI. Auch preislich stieß der R5 Turbo ganz oben an, mit rund 44.600 DM lag er 10.000 Mark über dem Basismodell.

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Fazit

Die Historie zu bemühen, um die Moderne zu gestalten, ist ein probates Mittel der Autohersteller, Meilensteine der Vergangenheit neu zu versilbern. Damit lässt sich den teuer entwickelten E-Antrieben der Schuss Emotionalität verpassen, für den die Kunden gern ein paar Euro mehr bezahlen.

Renaults Boss Luca de Meo hat dieses Spiel bei seinen bisherigen Karrierestationen perfektioniert: Fiats Abarth-Modelle haben trotz ältere Technik ein tolles Image, Seats Sportmarke Cupra schreckt wie künftig Alpine nicht vor SUVs zurück – auch wenn es für die kein historisches Vorbild gibt. Ganz anders sieht es beim R5 und dem R5 Turbo aus. Während Renault auf ein elektrisches Remake des R5 setzt, bringt Alpine der R5 Turbo an den Start – aber mit dem Alpine-eigenen Namen A290.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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