Mini Countryman E und SE All4
Elektro-Mini, verlängert und hochgebockt

Mini schiebt den Countryman auf der IAA vorerst nur in seinen rein elektrischen Versionen ins Rampenlicht. Die BMW-Tochter bietet ihren E-SUV in zwei Leistungsstufen sowie mit einigen Gimmicks außen und innen an.

Seit 13 Jahren ist der Mini Countryman inzwischen auf dem Markt; die zweite Generation bewirbt sich seit Frühjahr 2017 um Käuferinnen und Käufer. Allmählich wird es Zeit für Countryman Nummer drei, der mit einem Baureihen-Novum glänzt: Erstmals gibt es den Mini-SUV mit reinem Elektroantrieb. Allerdings nicht nur; die Verbrenner-Versionen stellt die britische BMW-Tochter später vor. Möglich macht das Antriebs-Zweierlei die UKL2-Plattform, die sich Mini von BMWs Frontantriebsmodellen borgt. Das macht den Countryman, der auf der IAA in München (5. bis 10. September 2023) debütiert, zum X1-Klon – und dessen E-Varianten zum iX1-Pendant.

IAA 2023

Antriebe

Mini bringt den Elektro-Countryman in zwei Leistungsstufen auf den Markt. Im Countryman E treibt ein 150 kW (204 PS) sowie maximal 250 Newtonmeter starker E-Motor die Vorderräder an. Damit beschleunigt der E-SUV in 8,6 Sekunden von Null auf Hundert und auf maximal 170 km/h. Wer mehr Power braucht oder will, greift zur Modellvariante SE All4, deren zwei E-Maschinen die Power auf 230 kW (313 PS) und höchstens 494 Newtonmeter heben. Das Layout sieht je einen Kraftspender pro Achse vor, was den Mini Countryman SE All4 zum Allradler macht. Der Null-auf-Hundert-Sprint gelingt hier in 5,6 Sekunden, während die Spitzengeschwindigkeit bei 180 km/h gedeckelt wird. Sind die E-SUVs in Bewegung, hören die Insassen eigens kreierte Fahrgeräusche, sofern das optionale Harman-Kardon-Surround-Soundsystem installiert ist.

Batterie und Reichweite

In beiden Modellvarianten verfügt der elektrische Mini Countryman über eine 66,5 Kilowattstunden große Batterie. Damit kommt der Countryman E nach WLTP-Zyklus bis zu 462 Kilometer weit, während die Reichweite des SE All4 bei lediglich 433 Kilometern liegt. Tankt der Elektro-SUV Wechselstrom, fließt die Energie mit maximal 22 kW. Schnellladen per Gleichstrom ist mit bis zu 130 kW möglich. Um den Energiespeicher von zehn auf 80 Prozent seiner Kapazität zu bringen, dauert es laut Mini knapp 30 Minuten.

Dimensionen

Wie schon beim ersten Generationswechsel wächst der Countryman auch diesmal spürbar in jede Richtung. Mit 4,43 Meter ist er gut 13 Zentimeter länger als bisher. Allerdings gehen nur gut zwei Zentimeter davon auf das Konto des Radstandes, der jetzt etwas mehr als 2,69 Meter beträgt. Der neue Countryman ist zudem über 1,84 Meter breit und fast 1,66 Meter hoch.

Design – Front

An der Front zeigt sich das komplett neue Design des SUV. Deutlich kantiger kommt der vollständig auf Chrom-Zierrat verzichtende Countryman daher. Er zeigt Scheinwerfer mit sechseckigem LED-Kranz, einen stilisierten achteckigen Grill mit farbig abgesetzter Umrandung, in dem die Radar-Sensorik sitzt, sowie einen angedeuteten Unterfahrschutz. Die Fronthaube ist konturiert, hebt sich in Richtung der Scheinwerfer an und führt den Blick zur steil stehenden Windschutzscheibe. Trotz aller Eckigkeit und aufrecht wirkender Stirnfläche konnten die Mini-Designer den cW-Wert von 0,31 auf 0,26 verringern.

Seitenansicht

In der Seitenansicht fallen zunächst die flacheren Radhäuser und die neuen Klapptürgriffe auf. Die Überhänge sind im Vergleich zum Vorgänger etwas länger, das farblich abgesetzte Dach neigt sich leicht nach hinten ab und vollführt den bekannten Knick auf Höhe der C-Säule. In diesem Bereich erwächst dem Countryman ein neues Design-Element, das als "Bühne zur Differenzierung verschiedener Modelle, Ausstattungsoptionen und folgender Editionen" dient. Das Fotofahrzeug präsentiert hier die Aufschrift "All4" samt passender, vertikal ausgerichteter Grafik.

Heckansicht

Das Countryman-Heck haben die Mini-Designer ebenfalls neu gezeichnet. Die Scheibe ist niedriger, der Dachkantenspoiler dafür länger. Die Gestalter haben die Schürze stärker in die Karosserie integriert, das Kennzeichenfeld rückt weiter nach oben. Der Ausschnitt der Heckklappe wirkt breiter, erscheint aber auch höher. Die Heckleuchten erfahren innen eine kleine Einbuchtung und sind nicht mehr so breit ausgelegt. Wie bei den vorderen Tagfahrleuchten sind optional drei Lichtsignaturen möglich, darunter natürlich das obligatorische Union-Jack-Design. Zu Begrüßungs- und Abschieds-Choreografien sind die Leuchten ebenfalls in der Lage.

Innenraum

Im Interieur kommt der neue Mini Countryman stets zweifarbig und je nach Trim (siehe Absatz "Ausstattungslinien") unterschiedlich ausstaffiert daher. Besonders markant sind im neuen Countryman die textilen Oberflächen aus recyceltem Polyester. Mini bietet für den neuen E-SUV sogenannte "Experience Modes" an, die per Leuchtgrafik spezielle Muster und Farben auf das Armaturenbrett projizieren und die Ambientebeleuchtung daran anpassen. Markentypisch sitzt unter dem zentralen Touchscreen eine Leiste mit Kipphebelschaltern, die bei Mini traditionell "Toggles" genannt werden und von denen einer als Wählhebel für die Fahrstufen dient. Ein Stockwerk darunter laden Smartphones kabellos in einer Aufbewahrungsschale.

Platzangebot

Die gewachsenen Außenabmessungen sorgen für mehr Platz im Interieur. Die vorderen Sitze verfügen optional über eine elektrische Verstellung und Massagefunktionen, während die Rücksitzbank um bis zu 13 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbar ist. Ihre Lehne lässt sich ebenfalls justieren, und zwar in einem Winkel von bis zu zwölf Grad. Das Gepäckabteil fasst zwischen 460 und 1.450 Liter, wobei ein Ablagefach unter dem Kofferraumboden zusätzlichen Stauraum schafft. Wer noch mehr Flexibilität braucht, kann den stromernden Countryman gegen Aufpreis mit elektrischer Anhängerkupplung ordern. Die maximale Anhängelast beträgt 1.200 Kilogramm.

Infotainment und Konnektivität

Innen kommt im neuen Countryman ein wenig Tesla-Feeling auf, denn hinter dem Lenkrad gibt es nun weder analoge Instrumente noch einen Fahrer-Informations-Monitor. Alle Informationen konzentrieren sich auf der Fahrerseite auf das – allerdings optionale – Head-up-Display, das verschiedene Ansichten erlaubt und gegen weiteres Extrageld Abbiegehinweise mit Augmented-Reality-Technologie bietet. Hinzu kommt das im Durchmesser 240 Millimeter große OLED-Display in runder Formgebung, das näher an die Vordersitze herangerückt wurde und deshalb besser erreichbar sein soll. Es lässt sich jedoch nicht nur per Touch-Eingabe, sondern auch mittels Sprachbefehlen über das Kommando "Hey Mini!" und den optionalen Assistenten namens Spike bedienen. Als Basis-Software fungiert das Mini-Operating-System 9, die Bedienlogik entspricht jener eines Smartphones.

Fahrwerk und Räder

Das Standard-Fahrwerk des neuen Countryman bezeichnet Mini als ausgewogen und komfortabel. Wer es dynamischer mag, greift zum optionalen adaptiven Fahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung und frequenzselektiven Dämpfern, die sich kontinuierlich an den Fahrbahnzustand anpassen. Die Felgen des neuen Mini Countryman mit E-Antrieb messen 17, 19 oder 20 Zoll. Während sich die kleinen Rundlinge durch ein besonders windschnittiges Design auszeichnen, lassen sich die beiden größeren Pendants jeweils mit 245er-Sportreifen kombinieren. Die bereits erwähnten "Experience Modes" wirken sich übrigens auch auf das Fahrverhalten aus und dienen somit ebenfalls als Fahrmodi.

Fahrassistenten

Der neue Mini Countryman bietet serienmäßig eine aktive Geschwindigkeitsregelung, automatisiertes Parken und einen Trailer-Assistenten, der das Rangieren mit Anhänger vereinfacht. Ein Spurhalteassistent mit Lenkeingriff ist Teil des aufpreispflichtigen "Driving Assistant Plus"-Pakets. Zusätzliche Assistenzfunktionen bietet dessen "Professional"-Variante, die teilautomatisiertes Fahren auf Level 2 ermöglicht – allerdings nur auf autobahnähnlichen Strecken und lediglich bei Geschwindigkeiten von maximal 60 km/h. Gegen Aufpreis parkt der Mini Countryman zudem per Smartphone gesteuert ein und aus.

Ausstattungslinien

Mini bietet den neuen Elektro-Countryman in vier unterschiedlichen Linien an. Es geht los mit dem "Essential Trim", der so etwas wie die Basisausstattung darstellt. Darüber siedeln sich der auf das Interieur fokussierte "Classic Trim" sowie der "Favoured Trim" mit seinen zahlreichen Exterieur-Details an. Ganz oben rangiert der "John Cooper Works Trim" mit eigenständiger Front- und Heckgestaltung sowie Streifen in – abhängig von der gewählten Karosseriefarbe – Rot oder Schwarz.

Produktion, Marktstart und Preise

Der neue Countryman ist der erste Mini, der in Deutschland gebaut wird, und zwar in Leipzig. In seinen elektrischen Darreichungsformen kommt er im April 2024 auf den Markt. Der Basispreis für den Countryman E liegt bei 43.500 Euro, während der zweimotorige SE All4 bei 49.500 Euro startet. Damit wahrt Letzterer einen Respektsabstand von 5.500 Euro zum identisch motorisierten BMW iX1 xDrive30.

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Fazit

Der Mini Countryman erfährt in der dritten Generation eine komplett neue Ausrichtung beim Design und wird deutlich größer. Der SUV kommt nicht nur mit Benzin- und Dieselmotoren, sondern auch als reines E-Modell an den Start. Als Elektriker fährt er mit einem oder zwei Motoren und somit mit Front- oder Allradantrieb vor. Mini-typisch lässt sich der Charakter des Autos vielfältig ändern, wobei gegen Aufpreis zahlreiche Spielereien angeboten werden – viele von ihnen sind digitaler Natur.