VW ID. GTI Concept
Serienmodell des Elektro-GTI kommt 2026

Auf der IAA Mobility 2023 enthüllte VW die sportliche Elektro-Studie ID. GTI. Jetzt bestätigen die Wolfsburger, dass das Serienmodell 2026 fertig sein wird. Alle Details zum Auto.

"Es soll richtig schön scheppern," hieß die Anweisung von VW-Chefdesigner Andreas Mindt, als er seine Kollegen auf das neue Projekt vorbereitete – sinngemäß. Der Überlieferung nach war der Ausdruck sogar noch lautmalerischer. Dabei musste Mindt sein Team für diese Studie wohl kaum motivieren. Als nämlich feststand, dass der Konzern die GTI-Philosophie ins Elektrozeitalter retten will, war die Euphorie nicht nur bei den Designern riesig.

Der große E-Ratgeber

Auf der IAA Mobility 2023 präsentieren die Wolfsburger ihren fertigen Entwurf für den ID. GTI, der bis zu den Anfängen der GTI-Historie vor fast 50 Jahren zurückblickt. In ähnlichem Format feierte nämlich 1976 der Golf I GTI – ebenfalls auf der IAA – seine Weltpremiere. Er ebnete den Weg für erschwingliche und sparsame Sportwagen mit viel Fahrspaß für jeden Tag. Und genau das soll der ID. GTI nun auch erreichen.

VW ID. GTI Concept IAA
Volkswagen

Das Konzept auf der IAA ist in Diamond-Silver lackiert und trägt die roten GTI-Merkmale.

Technische Basis ist der ID. 2all

Weil der im März 2023 in Hamburg präsentierte Elektro-Kleinwagen ID. 2all in etwa der Größe früherer Golf-Generationen entspricht, bildet er die ideale Basis für eine moderne GTI-Interpretation. Auch wenn es sich bei dem Konzeptauto nur um ein sogenanntes Clay Model – also eine Skulptur aus Ton – handelt. Vier Zentimeter tiefer und drei Zentimeter breiter als der ID. 2all lassen den GTI extrem satt auf der Straße stehen. Mit vielen Details aus der GTI-Historie geschmückt, dürfte er in dieser Gestalt nicht nur ausgewiesene GTI-Fans begeistern.

"Den GTI hatte ich schon im Kopf, als ich zum ersten Mal den Stift für die Idee des ID. 2all zu Papier gebracht habe," erklärt Designchef Andreas Mindt. "Jetzt wird sie Realität und ermöglicht es uns, die GTI-Idee in das neue Zeitalter der Elektromobilität zu projizieren." Als Chefdesigner bei Bentley und Leiter Exterieur-Design bei Audi gehörte er bereits zu den wegweisenden Designern bei Volkswagen und schuf Bestseller wie den ersten Tiguan und den Golf der siebten Generation.

Abmessungen: VW ID. GTI

Länge (mm)

4.104

Breite (mm)

1.840

Höhe (mm)

1.499

Radstand (mm)

2.600

Kofferraumvolumen (l)

490-1.330

Klare Designmerkmale der GTI-Familie

Als Reminiszenz an die lange Historie hat VW die beiden existierenden Konzept-Autos in den Farben lackiert, in denen der Ur-GTI einst zu haben war: Das ID. GTI Concept auf die IAA Mobility ist in Diamantsilber metallic lackiert, das hier gezeigte Modell strahlt in Marsrot. Die rote Einfassung des Kühlergrills ist ein optisches Muss für GTIs – auch wenn die Lamellen in diesem Fall beim E-Auto geschlossen sind. Am Stoßfänger hängt ein schwarzer Frontsplitter mit dem Lufteinlass samt typischer Wabenstruktur darüber (seit der fünften Golf-GTI-Generation).

VW ID. GTI Concept IAA
Volkswagen

Heckdiffusor, GTI-Rückleuchten, Dachspoiler – an diesem Konzept sitzt jedes Detail perfekt.

Im äußeren Bereich des Kühlergrills befinden sich zwei rote Abschleppösen, wie sie im Motorsport verwendet werden. An den Seiten haben die Designer vertikale LED-Tagfahrleuchten in die schwarz umrandeten Luftschleier des vorderen Stoßfängers integriert. Vor und hinter den mattschwarzen Seitenschwellern fallen die 20-Zoll-Räder in ihren ausgestellten Radhäusern ins Auge, die speziell für das Konzeptauto entworfen wurden. Erinnern soll das Design an die Pirelli-Felge des ersten Golf GTI oder die Denver-Räder aus dem Golf 5 GTI. In der Mitte der Felgen erinnert die Golfball-Form an den charakteristischen Schaltknauf, den es allerdings längst nicht bei allen Modellen gab.

Das "I" in GTI steht nicht mehr für Injection

Das fast 50 Jahre alte Kürzel GTI hatte einst eine eher technische Bedeutung, wobei GT wie bei anderen Fabrikaten auch für Gran Turismo steht – also eine alltagstaugliche Sportlichkeit ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Das "I" besetzte zumindest Volkswagen mit der damals hochmodernen Einspritzung "Injection".

Übrigens nutzten auch andere Hersteller in der Vergangenheit das Kürzel GTI. Dabei orientierten die sich aber oft an historischen Rennklassen. "TI" stand früher in Italien beispielsweise für Tursimo Internationale, "GTI" für Gran Turismo Internationale – also verbesserte italienische Tourenwagen beziehungsweise 2+2-Sitzer. Darauf bezieht sich die Neuinterpretation von VW nun freilich nicht. Und statt "Injection" weisen die Wolfsburger dem "I" eine neue Bedeutung zu: "Intelligence".

Charakter früherer GTI-Modelle einstellbar

Intelligent soll sich das Auto nämlich an die Wünsche des Fahrers anpassen. Antrieb, Fahrwerk, Lenkung, Klangerlebnis und sogar die simulierten Schaltpunkte können dank der elektronischen Steuerung im ID. GTI verändert werden. Volkswagen verspricht, dass verschiedene Stile unterschiedlicher historischer GTI-Modelle simuliert werden können. Dazu passen die digitalen Anzeigen in Retro-Optik, die wir vor einigen Monaten vorstellten.

Klar im Fokus steht ein Fahrprogramm, dass den vollelektrischen ID. GTI wie einen Golf GTI I von 1976 fahren lässt – inklusive der Geräuschkulisse. Denkbar sind aber auch der erste Golf GTI II 16V von 1986 oder der legendäre Golf GTI IV "25 Jahre GTI" von 2001. Den Wolfsburgern schwebt vor, dass der ID. GTI eine hochdynamische Zeitmaschine wird. Ein Umstand, den vor allem junge Elektroauto-Hersteller ohne lange Historie beneiden dürften.

Sportliche Fahrleistungen mit Frontantrieb

Wie bei der aktuellen Verbrenner-Generation des Golf GTI auch, werden beim ID. GTI die Vorderräder angetrieben. Allradantrieb ist angesichts des für Kleinwagen modifizierten Baukastens (MEB Entry) zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Denkbar sind trotzdem rund 300 PS. Dafür erhält der elektrische GTI eine Vorderachs-Differentialsperre, die vom Fahrdynamik-Manager elektronisch gesteuert wird. Damit wäre der ID. GTI, dessen Basismodell ID. 2all schon 226 PS an die Vorderräder schickt, der erste Elektrowagen mit dieser Technik.

Überhaupt lassen sich über die Elektronik unterschiedlichste GTI-Profile realisieren, da der Antriebsstrang anders als beim Verbrenner beliebig variiert werden kann. Der Fahrer kann im ID. GTI über eine neu entwickelte GTI Experience Control auf der Mittelkonsole selbst bestimmen, welche Charakteristik der kleine Sportwagen aufweisen soll.

Technische Daten des VW ID.2all

Antrieb

MEB Entry, Frontantrieb

Leistung

166 kW / 226 PS

Reichweite

ca. 450 km (WLTP)

Ladezeit

10 bis 80 % in ca. 20 min

0–100 km/h

< 7 s

Vmax

160 km/h

Interieur in der Theorie sensationell

Allein die Ideen für den Innenraum würden den Rahmen für diesen Artikel sprengen. In jedem Fall will das zuständige Designteam den Sports- und Spielgeist der Fans wecken. Ob rot strahlende Sitzlogos, die bei Annäherung wie ein Herzschlag pochen, leuchtende Play-Pause-Pedale oder ein Schlüssel in Hexagon-Form, der zum Start ins Lenkrad geklickt werden muss – vor allem die junge Kundschaft dürfte von solchen Gimmicks begeistert sein.

VW ID. GTI Concept IAA
Volkswagen

Die vorherrschende Farbe im Innenraum ist rot. Displays und Ambiente lassen sich per Knopfdruck verstellen.

Rot scheint dabei die Farbe der Wahl zu sein. Wobei sämtliche Ambienteleuchten und auch die glimmende Fläche vor dem Beifahrer auf andere Farbtöne eingestellt werden können. Sobald der Fahrer aber beispielsweise den neuen GTI-Modus aktiviert, schalten die Hintergrundbeleuchtung und alle Anzeigen auf die Farbe GTI Red Turbo um. Und ein neuartiges Augmented-Reality-Head-up-Display eröffnet zudem unbekannte Möglichkeiten. Fährt der Fahrer beispielsweise im GTI-Modus auf die Nürburgring-Nordschleife, kann er sich den Streckenverlauf und die Position seines Autos ganz links auf der Windschutzscheibe anzeigen lassen. Bei der Teilnahme an einem Rennen sind zusätzlich die aktuelle Position im Feld und der Fortschritt ("GTI Achievements") zu sehen.

Echtes Modell lässt noch auf sich warten

So vielversprechend und unterhaltsam die Ideen für das Interieurkonzept auch sind – noch besitzt der hier gezeigte ID. GTI noch nicht einmal einen Innenraum. Wie gesagt, es handelt sich dabei um ein Modell aus Ton. Auf der IAA 2023 wurde ein silbernes Modell gezeigt, das einem echten Auto schon ähnlicher sah. Bevor die ersten VW ID.2 zusammen mit den Konzerngeschwistern von Skoda und Cupra aus dem spanischen Seat-Werk Martorell laufen, vergeht noch einige Zeit. Immerhin verspricht Volkswagen für den ID. 2all (Reichweite: 450 km) einen Preis von unter 25.000 Euro. Frech spekuliert dürfen also mindestens 30.000 Euro für den GTI fällig werden.

Im Dezember 2023 bestätigt VW-Chef-Designer Andreas Mindt, dass der ID. GTI tatsächlich in Serie gebaut wird – und zwar noch 2026. In der bewegten Automobil-Landschaft von heute ist das dennoch eine Ewigkeit. Bleibt zu hoffen, dass sich das Außendesign bis dahin nicht verändert wird, zumindest einige Ideen aus dem Innenraumkonzept überleben und bis dahin nicht fortschrittlichere Konzepte aus China das Segment übernommen haben.

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Fazit

Mit dem ID. GTI Concept präsentierte Volkswagen auf der IAA Mobility 2023 eine schickes, sportliches und modernes Elektroauto. Allerdings handelte es sich dabei noch um ein Modell aus Ton. Das Serienmodell soll erst 2026 auf Basis des VW ID. 2all / Cupra UrbanRebel erscheinen. Im anbrechenden Elektrozeitalter mit einer sich abzeichnenden automobilen Neuordnung ist das eine Ewigkeit.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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