VW bringt Scout zurück
Premiere für SUV und Pick-up im Sommer 2024

VW will eine Uralt-Marke wiederbeleben und mit Elektromodellen direkt gegen die etablierte US-Konkurrenz im Segment der Light Trucks antreten. Vorgestellt werden die ersten Modelle noch 2024, der Produktionsstart soll 2026 erfolgen. Patentanmeldungen zeigen möglicherweise erste Modellbezeichnungen.

Der VW-Konzern ist mit seinen vielen Marken extrem breit aufgestellt. Sie bringen zudem viel Historie mit, die sich mit Blick auf die Elektromobilität gut nutzen lässt. Auch für die angestrebte Expansion auf dem US-Markt. Wie VW am Mittwoch (11.5.2022) bestätigte, bringt der Konzern unter dem neuen Markennamen Scout in den USA einen vollelektrischen Pick-up und robusten SUV auf den Markt. "Die Elektrifizierung bietet eine historische Chance, jetzt als Konzern in das hochattraktive Pick-up- und R-SUV-Segment einzusteigen. Damit unterstreichen wir unsere Ambitionen, ein wichtiger Akteur auf dem US-Markt zu werden", erklärte seinerzeit der damalige VW-Boss Herbert Diess. Die Marke Scout wurde 2023 als unabhängiges Unternehmen mit Sitz in den USA wiederbelebt.

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Begleitend hat VW für Scout Motors eine neue Internetpräsenz unter scoutmotors.com sowie Konten bei den großen Social-Media-Kanälen eingerichtet. Auf diesen gibt es das neue Markenlogo sowie einen weiteren Teaser einer Frontansicht zu sehen. Einen weiteren Blick auf die kommenden Modelle erlaubt ein Bild (siehe Aufmacher), das im Rahmen einer Investorenkonferenz gezeigt wurde. Die Qualität ist allerdings so schlecht, dass daraus kaum weitere Details ableitbar sind.

VW wählt Magna als Entwicklungspartner

Die ersten Scout-Prototypen sollen bereits im Sommer 2024 vorgestellt werden, ihre Serienproduktion Ende 2026 anlaufen. In den Markt starten die Scout-Modelle dann 2027. Die elektrifizierte Marke Scout wird dabei auf ein neues technisches Plattform-Konzept setzen, mit dem sich authentischere Pick-ups und SUVs realisieren lassen, als mit dem bestehenden Portfolio des Volkswagen-Konzerns. Nach Medienberichten sollten dazu mögliche Kooperationspartner – spekuliert wurde über Magna und den taiwanesischen Konzern Foxconn – eingebunden werden. Durchgespielt wurden dabei offensichtlich verschiedene Szenarien. Letztlich scheint sich Magna durchgesetzt zu haben. Wie die Kleine Zeitung aus Österreich berichtet, hat VW den Entwicklungsauftrag für zwei Modelle an Magna vergeben. Rund 450 Millionen Euro lässt sich VW diese Fremdentwicklung kosten. Die Reichweite beider Fahrzeuge soll bei rund 650 Kilometer liegen. Fertigen wird VW die Autos dann allerdings in Eigenregie. Für die Formgebung der Scout-Modelle wurde Ex-Fiat-Chrysler/Stellantis-Designer Chris Benjamin angeheuert.

Zusätzlich richtet Scout ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum unter dem Namen Scout Innovation Center in Novi, Michigan ein. Dort werden die Produkt-, Design- und Engineering-Teams von Scout Motors sowie Mitglieder funktionsübergreifender Supportteams untergebracht. 200 Mitarbeiter sollen hier beschäftigt werden.

Potenzielle Modellnamen geschützt

Unter welchen Namen die neuen Modelle auf den Markt kommen, ist noch ungewiss. Diverse Patentanmeldungen von Scout in den USA geben aber schon einen gewissen Korridor vor. Unter den 42 Patentanmeldungen beim amerikanischen Patentamt finden sich neben diversen Marketingslogans und Bezeichnungen, die in der Vergangenheit mit Scout in Verbindung standen, auch 13 neue, die mögliche Modellbezeichnungen für die kommenden Modelle vorwegnehmen. Besonders vielversprechend klingen Scout Hauler, Scout Reaper, Tellus und Travelstar XL. Acht weitere geschützte Wortmarken zeigen eine Verbindung zum Namen Harvester (übersetzt: Mähdrescher oder Erntemaschine), wobei Harvester auf die ursprüngliche Markenabstammung von International Harvester (siehe letzter Absatz) abzielt. Swather, Cultivator, Grade, Thresher, Forma, Harrow, Baler und Scythe bezeichnen alle landwirtschaftliche Geräte.

Der Rest der neu geschützten Bezeichnungen reüssiert auf alte Ausstattungsvarianten oder Sondermodelle der alten Marke Scout. Dazu zählen Travelstar, Rallye, Traveltop, Aristocrat, Trailstar, Terrastar, Scout Terra, Terra, Sportstar und Sno-Star. Darüber hinaus hat sich Scout auch verschiedene Modellbezeichnungen früherer Scout-Modelle neu schützen lassen. Darunter fallen Bezeichnungen wie Scout 80, Scout 800, Scout II, Super Scout, SSII oder SR-2.

Scout mit eigenem US-Werk

Ende 2022 galt der Bau einer weiteren Fabrik neben dem bestehenden VW-Werk Chattanooga noch als unwahrscheinlichste Lösung. Nach ersten Gerüchten Ende Februar 2023, dass VW für Scout doch ein eigenes US-Werk plant, gab es Anfang März die offizielle Bestätigung. Der VW-Konzern baut für die Marke Scout ein neues Werk in der Nähe von Columbia/South Carolina. Für den Bau des Werks, in dem bis zu 200.000 Autos jährlich gefertigt werden können, wurde am 15. Februar 2024 der Grundstein gelegt. VW investiert zwei Milliarden Dollar in das Projekt, das langfristig rund 4.000 Arbeitsplätze schaffen soll. Vom US-Bundesstaat South Carolina erhält der Autobauer im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) Zuschüsse für die klimaschonenden Investitionen in Höhe von 1,29 Milliarden Dollar. Zusätzlich kann VW mit Steuergutschriften von bis zu 180 Millionen Dollar an für die Entwicklung von Arbeitsplätzen rechnen.

Das neue Werk wird allerdings ausschließlich Fahrzeuge für die Marke Scout produzieren und nicht für andere Konzernmarken wie Volkswagen oder Audi. Das bestätigte eine ein Sprecher von VW USA gegenüber der Automotive News. Zuletzt hatte es entsprechende Spekulationen gegeben, nachdem EX-Audi-Vorstandschef Markus Duesmann noch in 2023 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte, Audi möchte künftig Elektroautos in den USA bauen. Mit den neuen Subventionen aus dem Inflation Reduction Act sei der Bau eines US-Werks für Elektroautos natürlich hochattraktiv geworden. Eine Entscheidung für Audi sei aber noch nicht getroffen. Ein eigenes Audi-Werk oder ein Werk mit anderen Marken des VW-Konzerns sei möglich. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir das im Konzernverbund machen, ist allerdings groß", erklärt Duesmann seinerzeit.

VW Scout Modelle SUV Pick-up
VW
So sollen die Scout-Modelle kommen.

Mit der neuen Marke und den dazugehörigen Modellen will VW endlich die lange angestrebten zehn Prozent Marktanteil erreichen. CEO von Scout wird Scott Keogh. Die Verantwortung für das operative Geschäft der Volkswagen Group of America wird Keogh an die Führungsebene der Volkswagen Group of America rund um den neuen CEO Pablo Di Si abgeben, um sich ausschließlich auf die Entwicklung von Scout zu konzentrieren. Eine erste Idee zur Wiederbelebung von Scout hatte der ehemalige VW-USA-COO Johan De Nysschen bereits im September 2021 formuliert. Die neue Marke Scout hat nichts mit den bekannten Scout-Modellen aus dem Skoda-Programm zu tun.

Namensrechte liegen bei VW-Tochter Navistar

Scout Logo
Scout Motors
Scout - eine neue Marke aus dem VW-Konzern.

Aber der Reihe nach: Um seinem Lkw-Geschäft international mehr Gewicht einzuhauchen, hat die VW-Nutzfahrzeuggruppe Traton Ende 2020 den US-LKW-Hersteller Navistar übernommen. Zu Navistar gehört auch die Marke International. Die wiederum hatte zwischen 1961 und 1980, noch unter dem Namen International Harvester, mit dem Scout einen robusten Geländewagen im Programm, der es durchaus mit den Wettbewerbern von Ford, Jeep und GM aufnehmen konnte. Vom Scout wurden seinerzeit auch die beiden legendären Schweizer Geländewagen Monteverdi Safari und Sahara abgeleitet.

Im Rahmen eines Pressegesprächs in den USA hatte De Nysschen seinerzeit ausgeführt, dass man den Namen Scout durchaus wiederbeleben könnte. Und zwar mit einem Geländewagen, der – wie damals – direkt gegen den Jeep Wrangler und den Ford Bronco antritt. Als Zielpreis hatte der Manager dabei rund 40.000 Dollar angegeben. Mittlerweile siedelt Scout-Boss Keogh den Grundpreis für die kommenden SUV-Modelle eher im hohen 40.000-Dollar-Bereich an. Damit diese Idee zeitgemäß antritt, wäre natürlich ein Elektroantrieb gesetzt. Damit können die Wettbewerber bislang noch nicht glänzen. Eine Neuentwicklung mit Verbrenner wäre zudem in der aktuellen VW-Strategie nicht mehr denkbar. Unter dem Label International Harvester könnte ein neuer Scout aber nicht kommen, denn das fiel bereits 1985 bei der Navistar-Umstrukturierung an den US-Traktorenhersteller Case IH.

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Fazit

VW will auf dem US-Markt unbedingt expandieren, verfügt aber derzeit nicht über die passenden Modelle. Mit einer Wiederbelebung der alten US-Marke Scout und Elektromodellen als SUV und Pick-up unter diesem Label könnte ein erhöhter Absatz in den USA möglich sein. Auf den alten Markennamen Scout hat VW seit dem Zukauf der Nutzfahrzeugmarke Navistar Zugriff. Gefertigt werden die elektrischen Scout-Modelle in einem neuen US-Werk in South Carolina ab 2026, das von den USA mit reichlich Zuschüssen gefördert wird.

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