Gebrauchter Hyundai Tucson
Sorglos-SUV mit modernem Auftritt

Ein Messwert, den auch wir schwer festhalten können: Das gute Gefühl, einen problemlosen Gebrauchten gekauft zu haben – so wie beim Hyundai Tucson.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Foto: Lena Willgalis

Wir Autoliebhaber sind schon ein komisches Völkchen. Jeder hat so seine Vorlieben, egal ob’s schnell, sparsam, luxuriös oder modisch auf die Straße gehen soll. Außerdem hat jeder Nachbar, Stammtischkumpel oder gar Auto-Redakteur seinen eigenen Gebrauchtwagen-Geheimtipp parat – zusammen mit einer typischen Mängelliste.

Doch welche Empfehlung gibt es, wenn man einfach nur gut und zweckmäßig Auto fahren möchte? Und der Sorglos-Gebrauchtwagen auch noch ein echter Alleskönner sein soll, der alle grundlegenden Alltagsanforderungen beherrscht? Nun, der Hyundai Tucson kann das. Nützlich sind auch VW Tiguan, Ford Kuga oder Opel Grandland und Co. Doch bei vielen Konkurrenten gibt es in technischer Hinsicht oft ein Haar in der Suppe – beim Tucson fast nie. Beginnen wir also mit Äußerlichkeiten.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Karosserie: glänzende Qualität

In Sachen Karosserie und Innenraum bewegt sich der koreanische Kompakt-SUV etwas über dem Durchschnittsniveau. Das bedeutet nicht, dass er besonders offroadig daherkäme. Nein, gemeint ist vielmehr der gute Qualitätseindruck, der sich vorwiegend im glänzenden, sauber aufgetragenen Lack, akkuraten Spaltmaßen, geringen Windgeräuschen und dem sehr gelungenen Raumkonzept manifestiert. Auf durchschnittlichen 4,48 Metern bringt er nicht nur vier bis fünf groß gewachsene Menschen angenehm unter, sondern auch noch 512 Liter Gepäck.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Lena Willgalis

Der Hyundai Tucson wirkt häufig größer, als er ist. Das liegt einerseits an der stattlichen Optik und andererseits am sehr guten Reisekomfort.

Innenraum: pragmatisch und viel Infotainment

Neben allem Praxisnutzen gehört das Cockpit zu den schöneren Orten dieser Welt. Man blickt auf hübsche Materialien, blitzsauber verarbeitet und mit klarer Bedienarchitektur, erfreut sich an der stets reichhaltigen Funktionsausstattung, die ohne unnütze Verspieltheiten auskommt.

Hyundai Tucson 1.6 Turbo 4WD, Cockpit
Dino Eisele

Dieses Bild zeigt nicht unser Fotoauto, sondern eine Vorfaceliftversion des Tucson, zu erkennen an der unterschiedlichen Einfassung des Infotainmentbildschirms. Auch dieses Cockpit gefällt durch prima Ergonomie, gute Verarbeitung und noble Werkstoffe. Die neuere Version natürlich auch.

Zum Facelift 2018 erfuhr das Cockpit die auffälligste Änderung. Der Infotainmentbildschirm steht nun frei. Vorher saß er im Armaturenträger – Geschmackssache. Bis hierhin sind wir also voll des Lobes. Weniger rühmlich sind die mitunter auftretenden Probleme mit der optionalen elektrischen Sitzverstellung in Gestalt überlasteter Stellmotoren, sodass in der Folge die entsprechende Sicherung auslöst.

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Lena Willgalis

Im Faceliftmodell gibt es einen freistehenden Monitor und nochmals nachverfeinerte Materialien.

Fahrwerk: gemütlicher Offroader

Auf der Straße gehört der Tucson zu den Autos, die sich auf positive Weise schwer anfühlen. Eine gelassene Fahrwerksabstimmung mit viel Komfort und gutem Geradeauslauf sowie einer dazu passenden Lenkung, die allerdings nicht übermäßig mitteilsam arbeitet, erzeugt einen entspannten, kommoden Fahreindruck. Die Einfederwege fühlen sich recht lang an, was zur weichen Abstimmung passt und zum Cruisen einlädt. Auch für Offroad-Fahrten eignet sich das Fahrwerk gut und mindert holperigen Untergrund gut ab. Große Räder helfen beim präzisen Fahrverhalten. Alle Modelle gibt es wahlweise mit Allradantrieb, der für gute Traktion sorgt.

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Lena Willgalis

Auch wenn der Tucson Landstraßenkurven recht unerschrocken umzirkelt, ist sein Handling kein Ausbund an Agilität. Das gleicht er jedoch durch sehr guten Komfort wieder aus. Keine falsche Wahl beim Familien-SUV.

Motoren: laufruhig und kraftvoll

Die Charakteristik des Tucson hängt auch von der Wahl des Motors ab. Die kleinste Motorisierung im Tucson ist der 1,6-Liter-GDI mit 1.591 cm³, 132 PS und Direkteinspritzung. Unser Fotoauto mit 1,6-Liter-Maschine, 177 PS und Turboaufladung ist spritzig für die Stadt und unauffällig gelassen auf der Autobahn. Für Diesel-Fans hat der Tucson einiges zu bieten: Vom 1,6-Liter mit 116 oder 136 PS, über die 1,7-Liter-Variante mit 116 oder 141 PS bis zu den Topmodellen mit 2,0-Liter-Motor und 136 oder 185 PS. Alle verfügen über eine Common-Rail-Direkteinspritzung und Turboaufladung.

Möchte man auf seinen Geldbeutel achten, ist der Zweiliter-Diesel nicht die ideale Wahl, denn er ist der teuerste und durstigste Antrieb. Zudem läuft der Motor im Vergleich zu den anderen ziemlich rau. Dennoch heben dessen üppiges Drehmoment und die sanfte Wandlerautomatik den Tucson in noch höhere Reiseauto-Sphären. Und das passt einfach fantastisch. Trotzdem zieht der 185-PS-Diesel erst im oberen Drehzahlbereich ordentlich an. Unten heraus fehlt die Durchzugskraft. Seit 2018 hilft ein 48-V-Startergenerator, wie auch im 1.6 CRDi, beim Spritsparen. Die kleineren Benziner- und Diesel-Varianten mit Frontantrieb reichen für Stadt- und Umlandverkehr aus. Haltbar sind alle.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Lena Willgalis

Als Allrounder sind die zuverlässigen Turbo-Benziner prima geeignet. Für Fernfahrer macht sich der Diesel jedoch besser.

Getriebe: angemessen für einen SUV

Wer das Schalten gern der modernen Technik überlässt, darf sich für eine der drei Automatikoptionen entscheiden. Es gibt ein teils etwas verschlafen agierendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sowie – je nach Motorisierung – eine Sechs- oder Achtstufenautomatik mit Wandler. Die arbeiten etwas zielsicherer als das DKG, aber ebenso tiefenentspannt-niedertourig. Wer lieber von Hand die Gänge einlegt, für den steht bei allen Dieseln und Benzinern bis 136 PS ein serienmäßiges Sechsgang-Schaltgetriebe in der Ausstattungsliste. Normalerweise arbeitet es tadellos, lässt sich angenehm betätigen und stellt auch mechanisch keine Schwachstelle dar.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Lena Willgalis

Ob Wandlerautomatik oder DKG - beide Automatikversionen nutzen diesen Wählhebel und tragen zum entspannten Fahrverhalten des Tucson bei. Das kann das Schaltgetriebe nicht besser.

Bekannt sind jedoch Ausnahmen, bei denen die Schaltung zuerst immer schwergängiger wird und sich die Gänge im Extremfall gar nicht mehr einlegen lassen. Schuld sind dann fehlerhafte Synchronringe, die zu schnell verschleißen und ihren Dienst quittieren. Ähnlich ist es bei einigen Exemplaren mit Doppelkupplungsgetriebe. Auch hier traten vereinzelt Getriebestörungen auf, die wie bei den Schaltwagen fast immer bereits im Rahmen der Garantie behoben wurden. Nur zu den Wandlerautomatikgetrieben sind bislang keinerlei Ausfälle publik geworden.

Mängel: einfach zu beheben

Wie kann es nun sein, dass wir den Tucson einerseits als verlässliche Bank empfehlen, andererseits von recht seltenen Mängeln berichten, die auf merkwürdige Weise immer ohne erkennbares Muster vorkommen? Stellt das ein Risiko für Gebrauchtkäufer dar, die sich für einen Tucson entscheiden, dessen Garantie bereits abgelaufen ist?

Nun, am grundsätzlichen Qualitätsniveau ist nicht zu rütteln. Es kommt allerdings auch bei Hyundai vor, dass einzelne Chargen von Teilen in der laufenden Serie Mängel aufweisen – das ist im Autobau nicht ungewöhnlich. Hyundai und Kia verstehen es, solchen Problemen schnell auf den Grund zu gehen und die Informationen über mögliche Fehler rasch an ihre Vertragswerkstätten weiterzugeben.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Lena Willgalis

Merkwürdiger Fehler: Werden die Sitzmotoren überbelastet (was offenbar gelegentlich vorkommt), lösen sie die entsprechende Sicherung aus. Das dazugehörige Steuergerät sollte dies eigentlich unterbinden.

Tritt also tatsächlich mal ein Problem auf, weiß der Hyundai-Händler in der Regel bereits genau, was zu tun ist. So wird prompt diagnostiziert und den Mangel behoben. In der Regel passiert das noch weit innerhalb der Garantiezeit. Die beträgt übrigens bei jedem Hyundai stattliche fünf Jahre – ein echter Vorteil. So bleibt der Kunde zufrieden, und Fehler sind schneller beseitigt, als sie Schlagzeilen machen könnten. Die lange Garantiezeit bewirkt zudem, dass die meisten Kunden ihre Servicearbeiten brav beim Hyundai-Händler erledigen lassen, obwohl sie auch bei fachgerechter Wartung in freien Werkstätten erhalten bliebe.

Unabhängig von der Ausstattung muss der technische Zustand passen. Dass hier die Laufleistung weniger erheblich ist als der Pflegezustand, spricht für den in Tschechien gebauten Koreaner. Nachdem die Antriebstechnik in der Regel problemfrei bleibt, lohnt sich zunächst der Blick auf die Karosserie. Ab Werk gut vor Korrosion geschützt, ist Rost kein echtes Thema, sofern der Tucson gelegentlich gründlich gereinigt wird. Sammelt sich nämlich im unteren Teil der Türrahmen Straßenschmutz oder Matsch, kann dieser, begünstigt durch die doppelte Türabdichtung (sie vermindert Windgeräusche und hält die Einstiege sauber), im schlimmsten Fall den Lack aufreiben. Das muss nicht sein und lässt sich durch ein Mindestmaß an Pflege vermeiden. Dementsprechend lohnt ein kontrollierender Blick, etwa auf die besonders dem Schmutz ausgesetzten hinteren Radläufe, die zum Teil von der Tür bedeckt werden.

Apropos Tür: Speziell bei älteren Exemplaren kann es vorkommen, dass einem der Zutritt verwehrt wird – zumindest beim ersten zaghaften Zug am Türgriff. Hakelt dessen Mechanik, ist oft nur etwas Schmutz der Übeltäter. Bei Hyundai kennen sie das Problem(chen) längst und schaffen rasch Abhilfe mit silikonhaltigem Schmiermittel.

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Lena Willgalis

Während die entsprechenden Bereiche des Unterbodens sehr gut vor Steinschlag und Korrosion geschützt sind, stellen die Türdichtungen eher einen möglichen Schmutzherd dar.

Bei der Probefahrt und auf der Hebebühne lohnt es sich, Ohren und Augen auf die vorderen Querlenker zu richten. Deren Gummibuchsen – in gealterter Konsistenz einer Lakritzschnecke nicht unähnlich – sind zu weich und verschleißen schnell. Immerhin lassen sie sich mit verhältnismäßig geringem Werkstattaufwand gegen verstärkte Versionen namhafter Zulieferer tauschen.

Preise: überraschend günstig

Auch Verkäufer Gianluca Di Berardino vom Autohaus Zückner in Roth spricht die lange Garantiezeit an, welche die Gebrauchten auf seinem Hof zum sorglosen Kauf macht. Hier parkt demnächst auch unser Fotoauto, ein 2019er-Tucson 1.6 T-GDI mit Vorderradantrieb. Die Top-Ausstattungslinie Premium, mit Extras wie LED-Licht, E-Heckklappe, Soundsystem und 360-Grad-Kamera, lässt ihn zu den gefragtesten Exemplaren gehören. Viel mehr geht nicht. Vergleichbare Autos mit 34.000 Kilometern auf dem Tacho liegen meist zwischen 26.000 und 29.000 Euro.

Nicht, dass der Tucson richtig selten wäre, doch man merkt ihm seine kurze Bauzeit von nur fünf Jahren an. 1.700 Stück stehen in Deutschland zum Verkauf. Ab knapp 13.000 Euro beginnen junge Exemplare mit noch fünfstelliger Laufleistung. Bis 15.000 Euro finden sich auch deutlich jüngere Exemplare, Ausstattungs-Schmuckstücke liegen darüber.

Hyundai Tucson TL Gebrauchtwagencheck
Lena Willgalis

Auch wenn der aktuelle Tucson durch seine spacige Optik viel moderner wirkt, kann der "alte" in Sachen Ausstattung durchaus mithalten. Auch gut bis sehr gut ausgestattete Exemplare sind erschwinglich. Komfort-Nettigkeiten wie Keyless-Go sollte an Bord sein.

Über das Maß an Sonderausstattungen entscheidet beim Tucson zum größten Teil die Ausstattungslinie – das ist für die Koreaner typisch. Es gibt sinnvoll geschnürte Pakete, die Nützliches wie Lenkradheizung, Rückfahrkamera oder die elektrische Heckklappe beinhalten. Gleiches gilt für optische Extras, wie etwa Chromteile oder die schmucken 19-Zoll-Alufelgen. Auf dem Gebrauchtmarkt findet sich am häufigsten die leicht gehobene Ausstattungslinie Style, die mit ein paar Optionspaketen aufgemöbelt ist. Etwas seltener stößt man auf Premium-Topmodelle wie unser Fotoauto oder die erst zum Facelift angebotene N-Line mit sportlichem Anstrich. Fast schon Raritäten sind dagegen sparsam konfigurierte Modelle mit Buchhalterausstattung.

Umfrage
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3063 Mal abgestimmt
Tucson und Co. haben einfach ein superpraktisches Format.Ein Mittelklassekombi reicht doch vollkommen.

Fazit

Gemütlich, komfortabel, universell einsetzbar und noch dazu zuverlässig. Der Tucson erfüllt sehr viele Kriterien, die vernünftige Käufer an ein Familienauto stellen sollten. Er ist dabei sicher nicht die günstigste wahl, dürfte aber auf lange Sicht sein Geld wert sein.

Technische Daten
Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 4WD PremiumHyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD Style
Grundpreis37.040 €41.100 €
Außenmaße4475 x 1850 x 1660 mm4480 x 1850 x 1650 mm
Kofferraumvolumen513 bis 1503 l513 bis 1503 l
Hubraum / Motor1591 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung130 kW / 177 PS bei 5500 U/min136 kW / 185 PS bei 2750 U/min
Höchstgeschwindigkeit201 km/h201 km/h
0-100 km/h8,2 s10,1 s
Verbrauch7,5 l/100 km5,7 l/100 km
Testverbrauch9,8 l/100 km8,0 l/100 km
Die aktuelle Ausgabe
AUTO MOTOR UND SPORT 05 / 2024
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Erscheinungsdatum 15.02.2024

148 Seiten