Gebrauchtwagencheck Skoda Fabia 3
Der wird im Alter immer besser

Laut Statistik wird der Skoda Fabia 3 immer zuverlässiger, je älter er wird. Wie geht das?

Gebrauchtwagencheck Skoda Fabia 3
Foto: Sven Krieger

Wann ist ein Kleinwagen ein Kleinwagen? Keine Sorge, dies wird keine philosophische Betrachtung. Aber wo ist die Grenze? Zieht man eine unsichtbare Linie bei vier Metern Gesamtlänge, wird das Sortiment schon kleiner. Wer nach einem Gebrauchten aus dem VW-Konzern sucht, hat aber nahezu freie Auswahl: Polo, Audi A1, Seat Ibiza – und natürlich Skoda Fabia. Die Marke gilt ja immer noch als erste Wahl für Preisfüchse, obwohl sich das Kostenniveau in der Realität längst ausgeglichen hat. Denn im gleichen Maße, wie sich das Design der Tschechen vom Geruch böhmischer Knödel und Kartoffelsuppe befreite, stiegen auch die Preise.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Zwar liegt ein Fabia immer noch etwas unter einem Polo, ein echtes Schnäppchen ist er jedoch nicht mehr. Wissen sollte man dabei, dass der VW Polo bereits 2017 modellwechselte, als der Fabia III erst frische zwei Jahre auf dem Markt war, und jenen ab da auch an Statur deutlich überragte, bis der Tscheche 2021 den Gleichstand wiederherstellte.

Karosserie: Geräumig und rostfrei

Doch hier geht es um die dritte Generation, vorgestellt Ende 2014 und abgelöst 2021, weitgehend baugleich mit dem Polo 6R. Das bedeutet viel Platz vorn, doch wo der VW hinten ebenfalls mit Knieraum punktet, hat der Skoda den größeren Kofferraum. Er spielt zudem einen weiteren Trumpf aus: Den Fabia III gibt es auch als Combi, gemäß der Markenfolklore mit C geschrieben. Der hat nicht nur 15 Millimeter mehr Radstand, die vollumfänglich dem Platz vor der Rückbank zugutekommen, sondern ist auch insgesamt 26,5 Zentimeter länger. Was den Kofferraum um 200 auf familientaugliche 530 Liter vergrößert – bei Beladung bis Unterkante Seitenfenster. Mit umgeklappter Rückbank und bis unters Dach sind es knapp 1,4 Kubikmeter. Weil dafür die hinteren Sitzkissen bewegt werden, gibt es keine störende Stufe im Ladeboden wie beim Schrägheck. Und die Haltbarkeit? Korrosion ist kein Thema. An unserem Fotoauto ist auch nach sechs Jahren und 81.000 Kilometern noch alles rostfrei – das gilt auch für die meisten anderen Exemplare.

Gebrauchtwagencheck Skoda Fabia 3
Sven Krieger

Flotter Auftritt, gutes Platzangebot, saubere Verarbeitung: Der Fabia macht vieles richtig und wirkt auch als Gebrauchter nicht altbacken.

Innenraum: Sauber und ordentlich

Das Interieur mit dem übersichtlichen Cockpit ist alles sauber und stabil zusammengebaut. Okay, die Materialauswahl wirkt ein wenig preiswerter, etwas konzerninterner Abstand zu VW und Audi muss halt sein. Im Testwagen jedenfalls klappert nichts, auch dessen Heckwischer funktioniert tadellos. Das muss erwähnt werden, denn der Kabelbaum zur Heckklappe neigt an der Durchführung zwischen Karosserie und Deckel zu Brüchen. Das kommt häufiger vor, der freie Teilehandel bietet dafür vorkonfektionierte Kabelsätze an. Für die Türen übrigens auch, obwohl der Fabia an dieser Stelle unauffällig bleibt. Auch mit Elektronik-Problemchen hält er sich bis auf Kleinigkeiten zurück. So stellte sich in den ersten Baujahren die Sprache des Infotainments gern mal auf Englisch um. Und wer sein Auto über die App Skoda Connect fernöffnen wollte, hatte damit im Modelljahr 2019 selten Erfolg. Nichts Wildes also, im Kern ist der Fabia solide und unter den Kleinwagen einer der Großen.

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Sven Krieger

Das seriöse Cockpitdesign lockert Skoda je nach Ausstattung mit farblichen Abhebungen auf. In puncto Verarbeitung ist hier alles erster Güte, auch wenn hier und da günstige Materialien gewählt wurden.

Motoren: Meistens zu dritt

Im Fotoauto sitzt der beliebte 1.0 TSI, in diesem Fall mit 110 PS. Der kleine Dreizylinder dreht fröhlich hoch, zeigt sich aber auch untenrum stämmig. Seine gegenüber einem Aggregat mit vier Töpfen um 33 Prozent längeren Zündabstände werden nur beim Hochziehen aus dem Drehzahlkeller knurrig fühlbar, dafür verkneift er sich deren dröhnende Frequenzen.

Wobei man dem einzigen Vierzylinder der Baureihe, dem nur bis Juni 2017 angebotenen 1.2 TSI, gewiss keine mangelnde Laufruhe vorwerfen kann. Im Gegenteil, der geht äußerst kultiviert ans Werk, ist jedoch in der Drehmomententfaltung etwas milder als der Einliter. Dafür genehmigt er sich ein Schlückchen mehr vom teuren Super.

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Sven Krieger

In den meisten Benzin-Fabias sitzt der Turbo-Dreizylinder, wie hier im Testwagen. Ihn gibt es auch als etwas langatmige Saugmotor-Version.

Unterschiede in der Haltbarkeit sollte es keine geben, beide gehören zum Stamm der EA211, treiben somit ihre Nockenwellen über einen Zahnriemen an. Und die Wasserpumpe mit einem weiteren, kürzeren. Beide tragen das Prädikat "wartungsfrei", ein Wechselintervall ist tatsächlich nicht vorgesehen. Die Wartungsvorschrift besagt lediglich, dass eine erste Sichtkontrolle nach 240.000 Kilometern und dann alle 30.000 Kilometer erfolgen soll. So viel zur Theorie. In der Praxis dürfte allerdings keine Wasserpumpe so lange durchhalten. Sobald zu deren Erneuerung die Riemen demontiert werden, dürfen sie anschließend nicht wieder aufgelegt werden. Weshalb in den üblichen Pumpen-Kits auch beide Riemen enthalten sind. Von der Motorseite dürfte also kein Ungemach drohen.

Getriebe: Öl-Fehler ab Werk

Was man von der Kraftübertragung jedoch nicht sagen kann. Wenn bei der Probefahrt Geräusche aus dem Getriebe vernehmbar sind, ist vermutlich der Ölstand zu niedrig. Dieser Fehler ab Werk betrifft Fünf- und Sechsgang-Schaltgetriebe der Modelljahre 2017 und 2018, ausschließlich in Verbindung mit Benzinmotoren. Wenn es also rasselt, schnellstens in die Werkstatt! Die kennen das Problem, lassen das Öl ab und messen die Menge. Liegt sie beim Fünfganggetriebe über 0,6 Liter, wird nur neues Öl eingefüllt. Liegt sie darunter, gibt es ein neues Getriebe! Die Sollmenge beträgt übrigens 1,3 Liter. Bei der Sechsgang-Schaltbox liegt die grenzwertige Menge bei 1,3 Liter, hinein gehören eigentlich 2,1 Liter. Betroffen sind rund 45.500 Autos, darunter auch der Skoda Rapid.

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Das DSG muss man mögen. Nicht immer erreicht seine Abstimmung die nötige Präzision, dafür lässt es sich mit ihm leicht und unbekümmert fahren. Mit einem Schaltgetriebe macht man im Fabia nie etwas falsch.

Beim Thema Getriebe darf natürlich auch die Automatik nicht fehlen. Ihr Anteil ist mit rund elf Prozent aber nicht übermäßig hoch. Im Fabia kommt ausschließlich der Siebengang-Doppelkuppler zum Einsatz, der inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht hat. Schäden daran sind selten, gelegentlich kommt es zu Problemen in der elektromechanischen Steuerung. Auffällig ist aber vereinzelt hoher Verschleiß einer der beiden Kupplungen. Betroffen ist immer jene für die ungeraden Gänge, also auch für den ersten und damit das Anfahren. Was den Verdacht nahelegt, dass es sich hier um einen typischen Bedienungsfehler handelt, bei dem das Auto zum Beispiel an Steigungen durch Gasgeben am Zurückrollen gehindert wird, statt die Handbremse zu benutzen. Eine klassische Automatik mit Drehmomentwandler toleriert das, ein modernes Doppelkupplungsgetriebe nicht.

Fahrwerk: Sportsgeist aus Tschechien

Fahrwerk können sie bei Skoda, Lenkpräzision und Spurhaltung reichen weit in höhere Klassen hinein. Die hier montierten 215er-Reifen mit 45er-Querschnitt sind zu viel für den leichten Fabia, reduzieren den Abrollkomfort und neigen zum Poltern. Ab Werk waren sogar 215/40er auf 17-Zöllern lieferbar. Da wirken kleinere Felgen und ein höherer Reifenquerschnitt deutlich zugunsten eines besseren Komforts. Keine Bange: Die meisten Fabia werden Sie mit 15- oder 16-Zoll-Alufelgen finden. In Sachen Haltbarkeit lässt der Fabia ebenfalls keine Federn. Wenn im Alter doch mal ein Radführungsgelenk hier oder eine Querlenkerbuchse dort verschleißt, ist das keine allzu teure Reparatur. Nervig: Mitunter quietschen die Gummis an den hinteren Stoßdämpfern beim Einfedern. Hier hilft jedoch oft schon ein wenig Silikonspray.

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Flotte Kurvenfahrt macht im Fabia Laune. Die großen Felgen mit Niederquerschnittsreifen, wie man sie in einigen Ausstattungslinien findet, schmälern aber doch den Komfort.

Mängel: Nichts Ernstes

Wer sich auf die gute Zuverlässigkeit des Fabia verlassen will und sich keinen Kopf um Kleinkram macht, darf das Kapitel auch überspringen und die wenigen Kleinigkeiten, die ab und zu mucken, seiner Werkstatt überlassen. So kommt es zum Beispiel im Kühlbetrieb zu einem unbedenklichen Pfeifen – das kommt vom Expansionsventil und ist kein unbekanntes oder ernsthaftes Problem. Ab und zu sitzt der Hebel der Handbremse fest – und zwar nicht der im Innenraum, sondern der, der an jedem hinteren Bremssattel fürs Feststellen zuständig ist. Schmieren hilft. Darüber hinaus beschränkt sich fast alles auf normalen Verschleiß. Mal an Motor- oder Getriebeabstützung, mal (wenn auch selten) im Fahrwerk – geschenkt. Und sonst? Nun, die Batterie im Funkschlüssel hat keine hohe Lebenserwartung. Tipp: Nur solche von Markenherstellern verwenden, sonst ist man dauernd am Wechseln.

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Sven Krieger

Auf die Jagd nach ernsthaften Mängeln brauchen Sie sich nicht zu begeben. Ein paar nervige Kinkerlitzchen kennen die Werkstätten. Die sind aber meist rasch behoben.

Preise: Nicht billig aber günstig

Die Auswahl ist groß, rund 2.600 Exemplare stehen in den einschlägigen Online-Märkten zum Kauf. Der Combi ist dabei weniger vertreten, 38 Prozent zu 62 Prozent Limousinen. Eindeutig fällt das Votum gegen den Diesel aus, nur 6,4 Prozent zünden selbst. Preise: Bei 6.000 Euro geht’s los mit maximal 120.000 Kilometern. Unser Foto-Fabia ist ein Monte Carlo aus erster Hand, zugelassen im August 2017, mit rund 81.000 Kilometern auf dem Zähler, den uns Autowelt Michael im niedersächsischen Beckdorf zur Verfügung gestellt hat. Auf dem Preisschild stehen 14.480 Euro, gefühlt ein stolzer Preis. Doch eine Detailsuche bringt Klarheit: Mit 110 PS und DSG-Getriebe ist dieser Monte Carlo einer der günstigsten in Deutschland. Nur zwei sind geringfügig billiger, dafür jedoch älter.

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Fazit

Skoda gilt ja als die Marke für Smart Shopper, die hochwertige Volkswagen-Technik zum günstigen Preis bekommen wollen. So ganz funktioniert das nicht beim Fabia, eine wirkliche Ersparnis gegenüber einem vergleichbaren Polo ist kaum gegeben. Warum auch, die Qualität ist identisch gut, zudem gibt es das tschechische Auto auch als familientauglichen Combi. Probleme mit der Technik sind selten, alle Benziner gehören zur 211er-Familie, deren Standfestigkeit an frühere Epochen anknüpft. Die jüngeren Einliter gelten als etwas sparsamer, erreichen mit ihren lediglich drei Verbrennungsabteilen aber nicht ganz die gediegene Laufkultur der bis 2017 eingebauten Vierzylinder. Eine Überlegung wert, nicht nur für Langstrecken-Pendler: Die beiden TDI-Varianten mit ihrem stämmigen Drehmoment und einem Normverbrauch um 3,5 Liter.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten